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Das Abenteuerland

Als ich durch beschlagene Landschaften fuhr.

Ein weiteres Abenteuers. Eins, bei dem ich kaum etwas sehe, weil meine Brille ständig beschlägt. Vielleicht liegt es daran, dass ich mir die nötige Zeit nicht genommen habe, möglicherweise liegt es aber eher am Wetter. Ich fahre durch ein beschlagenes Land und mache keine Fotos, obwohl ich mir vorgestellt habe, nur aus dem Fenster zu schauen, weil ich das so lange nicht getan habe. Dabei ist es nicht aufregend oder irgendwie neu, sondern nur anstrengend. Ich bin froh, als ich ankomme, und ich bin froh, als ich wieder zu Hause bin, die Maske absetzen und den Rest des Tages in einer merkwürdigen Stimmung arbeiten kann, obwohl ich eigentlich chillen wollte.

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Die Abenteuermaske

Als ich sehr müde war.

Am Ende dieser Woche bin ich so müde, dass ich kaum noch denken kann. Trotzdem muss ich ständig auf mein Telefon schauen, ob sich irgendetwas geändert hat, ob sich irgendwer gemeldet hat, ob die Zahlen höher geworden sind. Es macht nicht wirklich einen Unterschied, wie oft ich hinschaue, aber ich muss es natürlich trotzdem tun. Wir machen mal wieder einen Ausflug, ich freue mich darüber, die Maske tragen zu können, die mir genäht wurde.

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Die Seehnsucht

Als ich erinnert wurde.

Das eine große soziale Netzwerk erinnert mich daran, dass ich vor sieben Jahren am Abend in einen Nachtzug gestiegen bin, um am nächsten Morgen am See auszusteigen und dann die Fähre zu nehmen. Wenn ich das so aufschreibe, kommt es mir immer noch magisch vor. Dabei war die Fähre eigentlich gar nicht so magisch – vor allem nicht, wenn die übliche Klientel sich breitmachte und laut plapperte, während ich verzweifelt versuchte, mir den fehlenden Schlaf nicht anmerken zu lassen.

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Die pralle Sonne

Als mein Essen zu heiß war.

Zweimal bewege ich mich am Nachmittag in den Garten und finde es schon wieder zu kalt für die kurze Hose, die ich zum Mittagessen angezogen habe. Das Mittagessen in der heißen Sonne, es erinnerte mich an andere Orte, in denen ich mein zu heißes Essen in der zu heißen Sonne aß und es gar nicht mal so schlimm fand.

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Das Glitschige

Als ich am Beckenrand stand.

Ich zähle auf, was ich alles so gemacht habe und es sieht impressive aus, ganz anders als es sich anfühlt. Es gäbe halt immer noch mehr zu tun – ein Gefühl, das ich seit Jahren nicht loswerde, vermutlich nie. Seit ich eine Person geworden bin, die Dinge dann doch manchmal tut, habe ich nicht einmal mehr eine Ausrede.

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Der Betonhof

Als ich getröstet wurde.

Wir stehen also im Garten. Die Person, die wir einst Ruth nannten, unter dem Quittenbaum und ich in dem Betonhof, nahe dem Wasserbecken, in dem kein Wasser ist. Wir schauen uns an und ich ziehe verwirrt eine Augenbraue hoch. Verwirrt, weil mein Gegenüber tatsächlich ein warmes Lächeln zeigt und nicht ihr übliches spöttisches Grinsen, mit dem sie mich dazu bringen will, mehr von mir selbst gegenüber mir selbst preiszugeben, als mir liebe wäre. Nichts dergleichen heute. Alles, was überhaupt auf ihre extradimensionelle Existenz hindeutet, ist der saftige, duftende Pfirsich in ihrer Hand.

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Die Wimpel

Als ich durch meinen Bart strich.

Das Gras im Garten ist so hoch geworden, ich erkenne ihn beinahe nicht wieder. Dabei hat es nur zwei oder vielleicht drei Tage geregnet. Jetzt ist es schon Mai und ich möchte gar nicht anfangen, die Tage zu zählen. Das Schiff fährt weiter, immer dem Wind nach, auch wenn die Tage sich nicht für das Sonnendeck eignen.

Wir haben die bunten Wimpel, die ich letzten Sommer metaphorisch über mir wähnte. Immerhin werden Bänder enger geknüpft, während sich jeder vergangene Tag in einer gelatinösen Masse einreiht. Ich streichele durch meinen Bart, der immer länger wird und finde nichts von der Weisheit, die mir nachgesagt wird.

Immerhin bleibt mir die Müdigkeit.

Die Uferzone

Als ich nicht im Garten stehen konnte.

Ich möchte im Garten stehen und die Hügel anstarren, aber es regnet in Strömen. Also stehe ich unter dem Schuppen und starre die Hügel an. Ich frage mich, was ich heute eigentlich gemacht habe. Die Antwort könnte mich verunsichern.

Es gilt, die Tage so zu gestalten, als dass sie weder zu anstrengend sind, noch so sehr ineinander überfließen, als dass sie einer algenbewachsenen Uferzone ähneln, in der nichts zu erkennen ist. Kann ich an diesem grauen Spätnachmittag noch etwas an dem Tag ändern, um zumindest morgen noch zu wissen, was passiert ist?

Ich kann. Ich koche Cannelloni.
Manchmal ist es einfach.

Der Blütenstaub

Als ich besucht wurde.

Ich blinzele. Und als ich die Augen wieder komplett öffne, sind 51 Tage, eine Stunde, acht Minuten und 47 Sekunden vergangen. Ich stehe in keinem Wald mehr, falls ich je wirklich in einem Wald gestanden bin. Ich stehe in meinem Garten. Er gehört nicht nur mir, aber ich nenne ihn der Einfachheit halber so. Wir gehen mit Gärten, in denen wir uns aufhalten, in denen wir arbeiten, eine Art symbiotische Beziehung ein, egal wie groß oder klein unsere Aktivität ist. Bevor ich weiter über die metaphysischen Verbindungen zwischen Menschen und Gärten nachdenken kann, höre ich eine Stimme, die ich 51 Tage, eine Stunde, 14 Minuten und 29 Sekunden nicht gehört habe. In diesen Zeiten ist das eher ein Grund zur Besorgnis, weswegen ich mich erschrocken umblicke, noch bevor ich wahrnehme, was gesagt wurde.

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