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Der Vulkanausbruch

Als ich mich durch einen Texte kämpfte.

Screenshot: RÚV

Ich kämpfe mich den ganzen Tag durch einen Text. Metaphorische Schlachtfelder, auf denen ich mein Möglichstes tue. Ich trage Kopfhörer, lasse mich beschallen. Ich betrete fortan ein ganz anderes Schlachtfeld, das viel weniger metaphorisch ist, obwohl auch es eine Parabel ist, Mensch gegen Maschine, Mensch als Maschine. Wir sprechen so viel von Funktionieren, dass wir ganz darauf vergessen, dass Maschinen manchmal geölt werden müssen.

In irgendeinem Tab läuft ein Vulkanausbruch, live. Ich kann kaum wegsehen, es sieht aus wie aus einem Fantasy-Film, wenn der Bösewicht vorgestellt wird. Immerhin passiert diese Apoklypse in einer Zeit, in der wir sie streamen können, mit nur wenig Zeitverzögerung.

Die blutweinenden Heiligenfiguren

Als ich Musik mit 3D-Effekt hörte.

Ich stehe in einer nicht mehr existierenden Kathedrale und höre Musik, die mir eigentlich nicht besonders gefällt. Dadurch, dass irgendein spezielles Verfahren verwendet wurde, hört sich die Musik auch über meine Kopfhörer so an, als würde ich tatsächlich in dem erwähnten Gotteshaus stehen. Zumindest ist es das, was sie auf der Packung schreiben, und warum sollte jemand lügen, nur damit Musik sich für die Hörenden besser anfühlt? Wenn ich die Augen schließe, kann ich den kalten Marmorboden, von Millionen Füßen seit Jahrhunderten glatt geschliffen, unter meinen Füßen spüren. Die Musik will, dass ich tanze, der Beat dropt oder wie das heißt. Ich aber stehe mit meinen geschlossenen Augen da und atme die staubige und gleichsam frische Luft ein.

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Das Zerstechen

Als der Rosenbusch Blätter bekam.

Meine Arme werden zerstochen. Ich trage am Abend immer noch die Male, als wären es Stigmata. Ich bemitleide mich selbst und mag es, bemitleidet zu werden. Es ist das einzige, was mir an diesen Tagen bleibt. An einen Gartenschuppen gelehnt entfaltet ein Rosenbusch die ersten neuen Blätter im Jahr, trotz der Kälte der letzten Tage. Kurz regnet es nicht, kurz tut nichts weh, kurz wirkt die Welt, als könne sie aus all den Scherben wieder zusammengeflickt werden.

Die Dunkelheit

Als ich so müde war.

Ich habe zu wenig geschlafen und fühle mich den ganzen Tag über wie gerädert. Ich freue mich so auf mein Bett, ich kann es kaum erwarten. Und dennoch fürchte ich mich vor der Dunkelheit.

Das Monument

Als ich Pläne schmiedete.

Der Wasserlauf des Tagesgeschäft plätschert vor sich hin, während wir große Zukunftspläne schmieden, die trotzdem eher klein und bescheidene gusseiserne Pfannen machen. Ich trinke viel zu viel zu viel Kaffee, aber mein Herz schlägt nicht schneller, ich werde vielleicht nur etwas nervöser.

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Der Schrubber

Als ein Mülleimerdeckel landete.

Ich setze mich einen Tag lang in meinen Ohrensessel und schaue Filme und esse Eis und wiederhole ständig in meinem Kopf das Mantra, dass ich mir wirklich einen Tag Auszeit verdient habe. Leider steht der nächste Tag vor der Tür, ich musste in dem Moment des Aufwachens schon daran denken.

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Der Schneeregen im März

Als ich in einem Kanu saß.

Ich wache aus, und völlig durchnässter, grauer Schneeregen liegt auf der Straße. Ich habe kurz Angst, ich hätte beinahe ein Jahr geschlafen und es wäre schon November. Dann überlege ich mir, ob das Haus nicht wegschwimmen könnte, wenn es so viel regnet. Der Regen würde mir all den Dreck und den Quatsch aus meinem Kopf waschen, würde ich mein Ohr gen Himmel richten und ihn hereinlaufen lassen. Ich tue das nicht, weil ich es hasse, wenn das Wasser später körperwarm wieder aus dem Ohr läuft, als habe eine sehr kleine Person in meinem Gehörgang ihr Bad ausgelassen.

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