_

Die Umarmung

Als ich Blüten sah.

Ich stehe im Garten, der Boden ist noch regennass. Es ist gutes Wetter, warum sogar, und ich bin überrascht, wie viel um mich herum noch blüht. Die Rosen haben ihre fleischigen Früchte gebildet, der Quittenbaum hat immer noch Früchte, aber dazwischen blühen immer noch Pflanzen, als wäre es nicht schon Ende Oktober.

Weiterlesen

Das Glasdach

Als ich im Regen stand.

Ich stehe unter dem Glasdach der Bushaltestelle, auf dem Blätter liegen. Es regnet, und obwohl Menschen um mich herum auf den Bus warten, fühle ich mich alleine. Das Glasdach und der Starkregen geben mir den Eindruck, in einem kleinen, geschlossenen Raum zu stehen.

Weiterlesen

Der Nichtregentag

Als ich mich vor der Dunkelheit fürchtete.

Es ist kein Regentag, aber er wirkt so. Kühl und grau. Zwischendurch scheint die Sonne, aber ich bekomme davon nichts mit. Alles was ich merke, ist dass ich einen Pullover trage. Der Rest des Jahres wird sich ziehen wie Kaugummi, denn jetzt wirkt er zusammengepresst, glänzend und in eine dünne Aluverpackung eingepackt.

Weiterlesen

19 Jahre Bloggen

Als mein Blog Geburtstag hatte.

Foto: Bundesarchiv, Bild 102-00960A / CC-BY-SA 3.0

19 Jahre gibt es dieses Blog schon. Ich weiß noch, wie weird es war, als ich das zehnjährige Jubiläum feierte, und jetzt sind es schon fast doppelt so viele Jahre. Ich spare mir den großen Rückblick mit ausgewählten Artikeln und Überblick über die verschiedenen Layouts, die dieses Blog mal hatte, für nächstes Jahr auf – einerseits habe ich heute den ganzen Tag prokrastiniert, andererseits fühlt sich 20 Jahre einfach passender an. Vielleicht schaffe ich es bis dahin ja, endlich einmal ein neues Theme zu basteln. Trotzdem ein paar Gedanken.

Weiterlesen

Der Wahlabend

Als ich gen Osten schaute.

Ich schaue Wahlergebnisse, als würden sie mich betreffen. Bestechend finde ich die Berichterstattung, die so nett halbprofessionell von beinahe leerer Parteizentrale zur nächsten beinahe leerer Parteizentrale hin- und herwechselt und Leute befragt, die noch so halb im Wahlkampfmodus sind oder halt noch nichts zu sagen haben, weil die Ergebnisse noch nicht da sind. Ich liebe es, weil der Pathos sich mit der pandemiebedingten Leere überhaupt nicht verträgt.

Weiterlesen

Das Wasserstoffperoxid

Als ich blond wurde.

Ich stehe im Bade und bleiche mir die Haare. Wie immer habe ich das Gefühl, zu wenig Wasserstoffperoxid genommen zu haben. Ich wickele meinen Kopf in Klarsichtfolie und scherze, das sei um mich gegen 5G-Strahlen zu schützen. So witzig ist das eigentlich nicht. Die nächsten drei Monate werde ich mich im Spiegel nicht wiedererkennen. Zum Glück schaue ich nicht so oft da rein, habe ich noch nie getan.

Ich möchte der Veränderung keine Bedeutung zuschreiben. Ich habe meine Haare gebleicht, eigentlich wollte ich sie färben, aber dann hat mir das Blond doch so gefallen, dass ich es lassen will, zumindest für ein paar Tage oder Wochen. Etwas, was ich ohnehin schon sehr lange vor hatte, und wie so vieles habe ich es vor mich hin geschoben. Ich freue mich schon darauf, wie es leicht rausgewachsen aussehen wird. Sicher einen ganzen halben Tag lang gut.

Es sind die kleinen Dinge, mit denen ich stets eine neue Zeitrechnung beginne.