_

Kabelsalat im Kopf

Als ich versuchte, meine Gedanken zu Sortieren

Verteilerkästen, vor denen sehr viele Kabel auf dem Gehsteig liegen.

Vielleicht möchte ich zum Ziel haben, mit 40 Jahren so herumzulaufen, dass mich alle für einen Zauberer halten. Allerdings habe ich nicht wirklich viel Vertrauen in mein Stilgefühl, und ich weiß nicht, ob ein knappes Jahrzehnt dafür ausreichen, eins aufzubauen. Vielleicht möchte ich wieder mehr Mangas lesen. Leider ist das ein teures Hobby, aber im Gegensatz zu meiner „wir hatten ja nichts“-Jugend habe ich das Gefühl, dass es mir heute zumindest ohne Probleme möglich wäre, an die Bücher heranzukommen. Wobei ich da vielleicht auch Dinge schlimmer erinnere, als sie tatsächlich waren.

Weiterlesen

Podcasting

Als ich ein paar Gedanken über das Sprechen im Netz aufschrieb

Ein auf alt getrimmtes Mikrofon vor einer weißen Wand, an dem ein buntes Poster hängt.

Zu allererst: Die neuste Folgeirgendwas mit meta“ ist gestern kurz vor Mitternacht erschienen. Wir haben am Sonntag aufgenommen, Montag, Dienstag und Mittwoch habe ich daran geschnitten. Ich mag die Folge sehr gerne, weil ich mich an einigen Stellen mit Soundeffekten austoben konnte. Die Hoffnung, dass nicht nur ich das lustig finde, ist zumindest da und bisher hat mir noch niemand erzählt, dass er*sie es sehr nervig findet. Katja und ich sprechen in der aktuellsten Episode über Baby Shark, Marie Kondo, Birdbox, besprechen wie immer eine Episode BoJack Horseman und rezensieren einen Käse.

Weiterlesen

Ein erstaunlich kleiner Weltuntergang

Als ich mal meine Schlüssel vergaß

Ein alter Schlüssel an einer Schnur vor einem Karton.

„Es musste ja einmal so kommen!“, denke ich und setze mich ins Café am Ende der Straße. Seit ich mit 16 das erste Mal zwei Wochen alleine zu Hause war, während meine Familie in Urlaub gefahren ist, hatte ich diese Angst, meinen Schlüssel zu vergessen. Was vor allem daran lag, dass wir eine Tür hatten, die „ins Schloss“ fiel und die wenig Spielraum für Fehler zuließ. Das Haus, in dem ich jetzt wohne, hat eine ähnliche Tür, die Angst war aber nicht mehr so groß. Ich habe mir einfach über die Jahre angewöhnt, vor dem Verlassen des Hauses nachzufühlen, ob ich meinen Schlüssel eh habe.

Auf der Arbeit ist einfach: Wir schließen die Räume zur Redaktion beim Verlassen immer ab, dafür brauche ich einen Schlüssel, also habe ich den dabei. Heute bin ich zeitgleich mit einer Arbeitskollegin raus – und prompt habe ich meinen Schlüssel im Büro liegen gelassen. Zum Glück gibt es bei uns in der Straße ein Café, in dem ich im Warmen warten kann, bis eine der Personen, mit der ich das Haus teile, zu Hause ist. Alles also nicht so schlimm. Gebraucht hätte ich aber weder den Schreckmoment, noch die Wartezeit, die sich wenig angenehm gestaltet (es ist laut und eher ungemütlich). Natürlich überlege ich jetzt auch, ob die Schlüssel nicht verlorengegangen sein könnten und ob sie wirklich da liegen, wo ich vermute, dass sie liegen. Aber ich bin mir sicher. Ich weiß, wann ich sie zuletzt hatte und ich weiß, dass ich das Büro einen Ticken zu schnell verlassen habe.

Weiterlesen

#chat

Als ich darüber nachdachte, welche digitalen Kommunikationsformen mir mittlerweile fehlen

Foto eines alten Computers, auf dem ein IRC-Chat läuft. Die Schrift ist grün auf schwarzem Grund.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Facebooks Messenger die beste Idee war, die das Netzwerk je hatte. Nicht, weil der Messenger technisch überzeugen würde oder irgendeine Funktion hätte, die ich in einem anderem Chat-Dienst vermissen würde, sondern für Facebook selbst halt. Das de facto-Telefonbuch des Internets mit einem Direktnachrichtendienst zu verbinden klingt im Nachhinein zwar sehr logisch, ist aber wohl für viele ein Grund, doch zähneknirschend auf der Plattform zu verbleiben – einfach um ohne große Umstände erreichbar zu sein.

Weiterlesen

Ohne Fackel

Als ich mich weiter in die Tiefe vorwagte

Ein Tunnel, spärlich beleuchtet, der Boden ist mit Wasser bedeckt.

Es ist still. Nur das unheimlich lauwarme Wasser macht Geräusche, als ich durchwate. Sonst ist nichts zu hören. Zu erwarten wäre natürlich, dass ich eine große Fackel entzünde mit einem theatralischen Wusch, wie es auf Hollywoodfilmen bekannt ist und von dem wir nicht wissen, ob es überhaupt realistisch ist, vielleicht ist es nur irgendein Soundeffekt, der immer und immer wieder verwendet wird. Aber ich habe keine Fackel, woher soll ich eine Fackel nehmen? Wie jeder moderne Mensch benutze ich die Taschenlampenfunktion meines Smartphone, wenn ich Licht brauche. Vorbei ist die düstere Zeit, in der die Menschheit darauf angewiesen war, mit dem fahlen Licht des umgedreht gehaltenen Displays ihre Umgebung zu erleuchten.

Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich wüsste wieder nicht weiter. Natürlich weiß ich ganz genau, wohin dieser Schacht, dieser Abgrund, dieser Weg führt. Ich sehe Bilder von Schnee in Wien und denke sofort wieder daran, wie unglaublich grandios und gleichzeitig komplett normal es sich angefühlt hat, in der Straßenbahn ganz hinten im letzten Wagen zu sitzen und durch die verschneite Stadt zu fahren. Oder aus dem Lokal zu kommen und durch den Neuschnee zu fahren. Ich vermisse es, durch den Neuschnee in der Stadt zu laufen und mich zu fragen, ob ich nicht bessere Antworten hätte geben können.

Weiterlesen

Ein Tier auf meiner Brust, so garstig und schwer

Als ich meine Gedanken über Alpträume unsortiert ließ

Ein Bett im Dunkeln, es sind weiße Laken sichtbar.

Aus Alpträumen aufwachen ist neu. Überhaupt sind Alpträume neu. Nach dem Schreckmoment realisiere ich, dass ich nur geträumt habe und liege fortan sicherlich eine Stunde wach, weil ich mich nicht entscheiden kann, ob ich kurz an die frische Luft will oder ob mich das nur noch wacher macht. Es stellt sich heraus: Darüber – und über sämtliche Dinge, die im Laufe des Tages für ein wenig Stress sorgen können – nachzudenken sorgt nicht dafür, dass ich schnell wieder einschlafen könnte. Letztes Jahr hatte ich das erste Mal Schlafparalyse.

Ich hatte das Gefühl, ein gewaltiges Tier säße auf mir, ich konnte mich nicht bewegen und wusste nicht, ob ich träume, wach bin oder was passiert. Auch danach war ich mir nicht sicher, ob das Erlebnis nur ein Traum oder etwas … anderes gewesen war. Äußerst nachvollziehbar, dass Menschen vor Wikipedia auf dem Smartphone an so etwas wie Dämonen oder Geister glaubten.

Wenige Monate später lese ich alte Blogeinträge nach und stoße auf die literarische Verwertung einer Schlafparalyse-Erfahrung. Womit sich das oben beschriebene Erlebnis im Nachhinein als mindestens das zweite dieser Art herausstellt.

Weiterlesen

Gute Bandnamen (I)

gutebandnamen

Ich habe heute aus Gründen mal nachgeschaut, was ich im Laufe der Jahre auf twitter alles mal als „guten Bandnamen“ bezeichnet habe. Ich bin leider einer jenen Menschen, die sich lieber Bandnamen ausdenken, als Bands zu gründen (wobei ich immer noch davon träume, kryptische Texte zwischen Industrialklängen zu schreien). Es wird also in absehbarer Zeit keine Veröffentlichungen unter diesen Namen geben: Weiterlesen

Zweitausendfünfzehn

eine Straße, eine Kaffeekanne und ein verschneiter Bahnsteig

Zweitausendfünfzehn, du warst eigentlich ganz okay. Jahre, in denen Dinge fortgeführt werden, wirken im Rückblick nie so spektakulär wie jene, in denen Dinge angefangen oder beendet werden. Ich erinnere mich an den Anfang des Jahres, als das Magazinprojekt aufregende neue Perspektiven bot und wir eine neue Person dafür suchten.

Im Februar besuchte ich Bratislava mit eben jener neuen Person. Tage voller Arbeit. Ich stand als Erster auf, duschte mich und kaufte mir einen Kaffee in einer kleinen Bäckerei ums Eck. So ungefähr stelle ich mir Urlaub als Erwachsener vor, frühes Aufstehen, Duschen und dann den Morgen mit einem einzigen langen Kaffee mit viel schaumiger Milch verbringen. Leider war es kein Urlaub, sondern eine Klausur, also verbrachten wir den Tag in der Küche und tippten Entscheidungen in unsere Computer, bis die Nacht uns überraschte und wir benebelt in der Küche saßen. Am Endes des Monats starb Leonard Nimoy, was mich wirklich traurig machte. Das war – glaube ich – das erste Mal, dass mich der Tod einer berühmten Person ernsthaft traurig und betroffen gemacht hat.

Ich wurde etwas wider Willen zum wort.lu-Blogger und erklärte gleich einmal meine Bauchschmerzen bei dem Projekt. Heute ist mein Blog immer ganz unten in der Liste der deutschsprachigen Blogs, wobei die meisten Blogs in der deutschsprachigen Liste mittlerweile auf Englisch geführt werden. Ich hatte auch den Eindruck, dass die Liste anfangs rotieren würde, aber vielleicht hat sie das auch nie getan. Der Traffic, der von wort.lu kommt, ist jedenfalls wenig atemberaubend. Weiterlesen

Gewohnheiten.

Normalerweise halte ich solche Gedanken ja eher per tweet fest, aber vielleicht ist es, da ich eh bald ins Bett muss und aber nicht Nicht-Bloggen wollte, gang gut, dies mal hier fest zu halten.

wpid-wp-1439938746017.jpg

Es ist so merkwürdig, wie manche Gewohnheiten fest in mir stecken, besonders solche, die eigene Vorlieben angeht. Ich mochte sehr lange keine sauren Gurken (oder sonstige eingelegte Gewürzgürkchen). Mittlerweile habe ich mich an den Geschmack gewöhnt, finde ihn nicht mehr eklig und knabbere selten, aber manchmal schon, sogar einfach so eine Gurke aus dem Glas. Es gibt einen Reihe Dinge, mit denen es mir ähnlich geht (schwarzer Kaffee zum Beispiel), aber es geht mir eigentlich um ein anderes Phänomen:

Ich habe mich so sehr daran gewöhnt, diese Dinge nicht zu mögen, dass ich mich immer wieder aktiv daran erinnern muss, dass das jetzt anders ist. Wahrscheinlich ist das einfach so eine Sache des Älterwerdens, dass ich auf einmal zu mir selbst Dinge sagen muss wie: Ich heiße Joël, bin siebenundzwanzig Jahre alt und ich mag jetzt saure Gürkchen, schwarzen Kaffee und übrigens bin ich auch Bachelor of Science.
Immerhin reicht es noch, wenn ich es mir innerlich sage.

Zu anstrengend

wpid-wp-1439075957681

Einer dieser Tage an denen alles zu anstrengend ist, an denen sogar der Ventilator mit seinem routinierten Hin- und Her mir die Nerven raubt. Ich liege rechtwinklig zur Schlafrichtung auf meinem Bett, die Beine auf einem Stuhl, über mir die Dachschräge. Auch das ist anstrengend, denn mit der Zeit rutsche ich in eine unbequeme Position, aber sie zu wechseln wäre noch anstrengender.
Weiterlesen