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Das Blätterrauschen

Als ich erschöpft war.

Am Ende des Tages bin ich so müde, so erschöpft, dass mir nicht einmal mehr einfällt, was ich eigentlich dringend noch tun wollte. Ich habe das Gefühl, eine Million Texte verfasst zu haben und weiß nicht, ob ich überhaupt einen davon mag. Mein Kopf ist manchmal ganz weit weg, irgendwo zwischen den Blättern im Wald, oder im Wind, der über die Felder und Wiesen weht, wenn ich meinen Weg dort entlang gehe. Ich möchte wieder gehen, aber irgendetwas kommt mir ständig dazwischen.

Ich träume davon, den Schlaf der Gerechten zu schlafen.

Die Knotenlösung

Als der Druck auf die Tube sich erhöhte.

Es ist so viel zu tun, und ich halse mir immer mehr auf. Natürlich komme ich trotzdem nicht in die Gänge. Vermutlich fehlt mir einfach ein Kaffee, den ich mir aus irgendeinem selbstgeißlerischen Grund auch nicht hole. Stattdessen mache ich jede Stunde eine Pause, die unproduktiv ist. Vielleicht sollte ich in so einem Moment einfach in den Wald gehen.

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Der Block

Als ich über Krümel nachdachte.

Ich prokrastiniere den ganzen Tag, es bereitet mir bereits Sorgen. Am meisten nervt mich, dass ich gefühlt einfach nur ständig zwischen Tabs hin- und herspringe, Twitter lese, mich über Facebook aufrege, mit Leuten schreibe, einen Kaffee trinke, einen spannenden Artikel zur Hälfte lese, drei Zeilen schreibe, total blockiere weil die Sätze nicht fließen, bis ich endlich einen halben Anfang finde und irgendetwas auf mein Blatt kriege. Es ist mühsam.

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Der Sonntag

Als mein Kopf Lüftung brauchte.

Der Himmel ist grau, es wirkt alles ungemütlich, weswegen ich beschließe, an diesem Tag nicht in den Wald zu gehen. Letzten Endes regnet es nicht, und meine Beine vermissen die Anstrengung auf diese merkwürdige Art und Weise. Ich bleibe in der Gartenlaube sitzen, will ein Buch lesen, höre mir aber stattdessen ein Interview an, über das ich mich eigentlich nur ärgere – was zu erwarten war. Das Buch lese ich trotzdem nicht, sondern schaue mir eine Serie an. Ich muss mir sagen, dass es in Ordnung ist, nicht immer ein komplettes Programm zu haben, sondern auch einfach mal durchzuatmen.

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Der ewige Kreislauf

Als ich etwas neues ausprobierte.

Nach dem Frühstück mache ich etwas neues, etwas, das ich noch nie getan habe. Ich bin gar nicht so schlecht darin, wie ich etwas erstaunt feststelle. Danach bin ich im Garten, der Kompostboden muss aus dem Komposthaufen geholt werden, um Platz für neue Küchenabfälle zu machen. Der Kreislauf des Lebens, sozusagen. Ich versuche nicht zu viel über die Tatsache nachzudenken, wie schnell eine Bananenschale zu Erde wird, obwohl ich die Prozesse dahinter eigentlich kenne – oder zumindest bereits von ihnen gehört habe.

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Die Zwanzig (II)

Als ich mich (weiterhin) über meine Grenzen brachte.

Ich gehe an dem Gasthaus vorbei, das mit kleinen Fähnchen zum Nationalfeiertag geschmückt ist. Zu meinem Erstaunen sind nicht alle Tische besetzt, obwohl es sehr laut ist. Trotzdem sitzen viele Menschen hier, die den Feiertag genutzt haben. Einige von ihnen sind mir vorhin im Wald entgegen gekommen. Ich schaue nicht viel hin, nachdem ich mich auf dem Handy versichert habe, welcher der richtige Weg ist, bin ich gleich wieder im Wald. Der Anstieg ist heftig, aber nicht sehr lang. Vermutlich ist der Pfad eigentlich ein Mountainbikeweg, aber so wirklich zu erkennen ist das nicht. Nicht lange, und ich bin auf einem Pfad, der mich quer durch diesen Wald führt, der nur so von Spazierwegen durchzogen ist.

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Die Zwanzig (I)

Als ich mich über meine Grenzen brachte.

Ich gehe mit einem Vorsatz los: Endlich den Weg zu gehen, den ich mir schon so lange vorgenommen habe, für den es bisher aber nie gereicht habe. Ich beginne den Weg wie so oft an dem Wasserreservoir vor dem Naturschutzgebiet, und statt meiner geliebten Schleife um einen Ausläufer der Kuppe herum gehe ich sofort auf den ausgeschilderten Weg, der durch die jungen Birkenwälder und an Orchideenwiesen entlang führt, bis zu dem Ungeheuer aus Beton, das früher hier Steine aufgebrochen hat. Zwanzig Minuten bin ich unterwegs, ehe ich den langen, schier endlosen Pfad entlang gehe, der so offen wirkt, als wäre dies ein merkwürdiger Park.

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Die Zucchiniblüten

Als ich zwischen zwei Sonntagen saß.

Der Tag fühlt sich so seltsam an, zwischen zwei Sonntage gequetscht. Irgendwie unangenehm, aber auch nicht so schlimm, als dass ich mich großartig dagegen wehren könnte. Ich versuche, den Überblick über Tabellen zu halten, deren Kontrolle ich längst verloren habe. Es macht nichts, am Ende kommt eine Zahl heraus, die durch Vier teilbar ist, und das ist in dem Moment alles, was zählt. Wir sitzen im Innenhof und trinken schnell einen Kaffee und reden über diese Unbekannte, die sich Zukunft nennt und wie eine messerscharfe Klippe am Ende der Gegenwart hängt, bevor es wieder an die Arbeit geht und ich wieder Dinge in Tabellen eintrage.

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Das Garden-Office

Als ich das Pizzaöl vergaß.

Ich will Garden-Office machen, bis ich feststelle, dass ich eine Aufnahme machen muss und dafür ein gutes Mikrofon und wenn möglich eine ruhige Umgebung brauche. Das verhindert zum Glück auch das Problem, dass ich eine Leitung ziehen müsste, von der Küche in die Gartenlaube, was ginge, weil wir eine lange Verlängerung haben, aber ich möchte es nicht, weil es umständlich ist. So trage ich meinen Computer wieder an seinen angestammten Platz an meinem Schreibtisch und mache dort weiter.

Ich esse viel zu gehetzt Mittag, und Abends bin ich von all den Videokonferenzen und dem Nachdenken so müde, dass ich mir nicht einmal mehr die Reste vom Mittag wärmen möchte, sondern mir eine Tiefkühlpizza in den Ofen schiebe, die eigentlich für Notfälle gedacht war. Vielleicht ist heute so ein Notfall, vielleicht möchte ich auch einfach nur eine Tiefkühlpizza, die eigentlich gar nicht so gut ist, aber sie ist halt irgendwie Pizza. Drei Stunden später ärgere ich mich darüber, kein scharfes Öl drübergeschüttet zu haben, das hätte alles besser gemacht.