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Der Lakritzlikör

Als ich ein schwarzes Getränk zu mir nahm.

Vielleicht sind das die Momente, in denen ich das Konzept „chosen familiy“ mehr verstehe als sonst. Möglicherweise ist es aber auch der Lakritz-Wodka (er heißt Salmiakki Koskenkorva), der da aus mir spricht. Ein Getränkt, das niemand mit mir trinken möchte, was ich überhaupt nicht verstehe. Dabei ist die Flasche so schön gestaltet, dass ich sie viel öfters hochheben möchte. Aber wenn niemand mit mir trinkt, muss ich das wohl sein lassen. Der Abend und der darauffolgende Morgen sind dennoch sehr angenehm. Zu einem Zeitpunkt schmerzt mein Mund vor Lachen, und ich wünsche mir beinahe, das könnte immer so sein.

Das Eintopfkochen

Als ich einen Eintopf machte.

Ich weiß nicht, warum ich das in letzter Zeit so schwierig finde. Ich habe es geschafft, eine große Suppe zu kochen, einen meiner berühmten Eintöpfe, die ich in der Winterzeit so sehr liebe, da müsste ich es doch auch schaffen, einen Text zu schreiben? Ich habe Lauch geschnitten, und Rosenkohl, und Brokkoli und versucht, nicht dran zu denken, dass da noch viel mehr Gemüse wäre, das auf mich wartet.
Aber es wartet nicht nur Gemüse am Ende des Kühlschranks.

Das Durchatmen

Als ich einmal Atmen musste.

Ich hätte Zeit gehabt, aber ich habe sie mir nicht genommen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich einmal mehr viel zu viel herumgefahren bin und es mir keinen Spaß macht, weil es hier immer noch keine U-Bahn gibt, was ja auch überhaupt keine gute Idee wäre. Jetzt habe ich keine Lust mehr, weil es schon spät ist. Möglicherweise ist es auch in Ordnung, an manchen Tagen zumindest am Abend einfach tief durchzuatmen, wenn es schon den ganzen Tag über nicht ging.

Die Frostnacht

Als es kalt wurde.

Ich schlafe viel zu lange und beginne ihn dann damit, alte, eigentlich verloren geglaubte Fähigkeiten einzusetzen. Wie merkwürdig, auf einmal einen Nutzen für sie zu haben. Es ist kalt geworden, so richtig und endgültig. Schnee hat sich angekündigt und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, was ich davon halten soll.

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Der Bremshebel

Als ich über meinen Rhythmus nachdachte.

Sollte ich einfach noch einmal den gleichen Text schreiben, weil ich immer noch genauso müde bin, weil ich mich ohnehin nur auf einen Absatz konzentriert bekomme, weil ich mich so sehr danach sehne, unter meiner Decke zu verschwinden?

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Die Prüfungsphase

Als ich zu viel las.

Ich lese den ganzen Tag und fühle mich, als würde ich mich ein wenig zu spät auf eine Prüfung vorbereiten. Die wird nicht kommen, mein Leben funktioniert nicht mehr so. Was merkwürdig ist, denn jene Institutionen, die mich eigentlich auf dieses „Leben“ vorbereiten sollten, haben nur so funktioniert.

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Der Bezwinger gewaltiger Berge

Als ich den Wecker nicht hörte, weil er nicht klingelte.

Es gibt Tage, die schon viel schlechter anfangen, als sie müssten und dann sich dann so grandios vollgepackt mit einem riesigen Stapel an Aufgaben anfühlen, dass ich kaum das Gefühl habe, sie bewältigen zu können. Aber ich schaffe es dann trotzdem und fühle mich wie der Bezwinger gewaltiger Berge. Von oben sieht es immer leichter aus, die Luft wirkt überhaupt nicht so dünn, und der Abstieg ist wie kurz eine kaputte Rolltreppe benutzen. Ich könnte das auch wissen, aber wenn ich mich motivationslos, mit starkem Harndrang und verschlafen aus dem Bett schäle, kann ich mich selbst an die einfachsten Weisheiten nicht erinnern.

Das Ticken

Als ich die Zeit bemerkte.

Die Dinge sind immer gleich so lange her. Ich weiß noch ganz genau, was ich vor einer Woche getan habe, aber es will nicht in meinen Kopf, dass seitdem schon sieben Tag vergangen sind. Wir sind uns ohnehin alle seit viel zu langer Zeit einig, dass die Zeit zu schnell vergeht.

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Die Zärtlichkeit der Melanzani

Als ich das Loblied der Aubergine sang

Seid zärtlich zu euren Melanzani, euren Auberginen, euren Eierpflanzen. Es ist das unverstandenste aller Gemüse. Das liegt, so vermute ich, vor allem daran, dass sie oft nicht so zubereitet wird, wie es ihr gebühren würde. Sie sieht auch etwas merkwürdig aus, das glänzende, dunkle Lila kommt sonst nicht oft in der Küche vor. Dabei gibt es auch weiße Sorten, und gestreifte – die alle wunderschön sind. Der amerikanische Name „Eggplant“ kommt vermutlich daher, dass die Exemplare des*der Benenner*in weiß und relativ rundlich waren, wie Eier halt.

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