_

Der Zettelkasten

Als ich das Licht sah.

Ich gehe durch den Wald und habe hundert Ideen, die ich vermutlich alle niederschreiben sollte, bevor sie mich wieder verlassen. Als ich wieder zu Hause bin, sehe ich den Theaterkatalog auf dem Tisch liegen und habe sofort eine Podcastidee, die andere Menschen sicher besser umsetzen könnten als ich. Ich habe das großartige Bedürfnis nach einem Zettelkasten. Nur, um ein weiteres System zu haben, das ich nicht konsequent nutze, an dessen Potenzial ich nur mit den Fingernägeln kratze.

Weiterlesen

Der Mittwoch

Als Zeit verging.

Es ist Mittwoch und ich brauche den halben Tag, bis ich realisiere, dass morgen Donnerstag ist. Mein Zeitempfinden ist so auf dem Kopf, und der Dehydrierungskopfsschmerz, den ich mir selbst zugefügt habe, macht es nur noch schlimmer. Vielleicht ist es auch dieses Jahr.

Weiterlesen

Das Picknick

Als ich die Mirabellen aß.

Das Wetter ist erstaunlich gut. Ich hatte das vorausgesagt, aber nur bei mir im Kopf, so dass es nicht zählt. Es ist warm, vor allem für September, und ich setze mich in die Sonne und lese ein wenig in meinem Buch, als hätte ich sonst keine Sorgen. Das stimmt nur bedingt, aber es fühlt sich doch schon ein wenig so an. Vielleicht ist das diese Freizeit, von der immer alle reden, und die ich auch nur bedingt ausnutze.

Weiterlesen

Die Mullebutzen

Als ich in der Wüste einen feuerroten Busch sah.

Ich bin im Wald, endlich wieder. Es ist anstrengend, vermutlich weil ich so wenig gegangen bin in den letzten Wochen. Alles ist anders jetzt, der Herbst steht genau vor der Tür. Alles ist verblüht, verdorrt, und dazwischen singen die Heuschrecken.

Weiterlesen

Das Duell

Als ich traurig war.

Ich stehe traurig unter dem Quittenbaum, als wäre das ein Hobby. Es ist nicht warm, nicht kalt. Der Herbst wird bald kommen und ich mag nicht, wie die Abende kürzer werden. Es ist nicht das, was mich traurig macht. Das bin ich nur einfach so, ohne Grund.

Weiterlesen

Die Kernsuppe

Als ich mich verbrannte.

Ich lasse kaltes Wasser über meine Hand laufen. Meine Hand schmerzt, der Pürierstab ist umgefallen und heiße Suppe ist auf mich gespritzt. Die Suppe, von der ich die letzten Tage ständig geträumt habe, die ich unbedingt machen wollte. Möglicherweise ist das eine Metapher dafür, wie mein Tag verlaufen ist. Die Suppe selbst schmeckt zwar gut, aber es schwimmen zu viele Fetzen von Zucchinikerne darin herum.

Weiterlesen

Das Stanniolpapier

Als ich über Frisuren nachdachte.

Ich überlege mir, die Haare ganz kurz zu schneiden, so wie ich es im Sommer 2008 machte, als ich eine Veränderung wollte und mir irgendwann im Zug klar wurde, dass der Tag gekommen sei. Ich weiß nicht, ob ich solche katarsischen Momente in meinem Leben brauche oder ob ich lediglich eine andere Frisur will. Eigentlich weiß ich so wenig, dass mir nicht einmal klar ist, warum das Thema mich auf einmal beschäftigt.

Weiterlesen

Die Zucchiniernte

Als ich keinen blauen Fleck behielt.

Ich verbringe den Tag vor dem Rechner, zocke, stöbere im Netz, mache nichts produktives und am Abend frage ich mich, ob meine Augen nicht deswegen schmerzen. Ich verschreibe mir etwas Abwechslung und gehe in den Garten und ernte Zucchini. Fünf Stück sind es, sie sind alle so schwer und groß, dass wir lange davon essen werden. Eine ist klein, sie liegt ohne Strunk unter der Pflanze. Ich bringe das Gemüse in den Keller, es ist schwer und zieht an meinen Armen. Als ich die Kellertür öffne, renne ich aus Versehen in die Klinke, die sich zwischen meine Rippen bohrt. Ich muss laut „Aua!“ sagen, so sehr schmerzt es, einen Moment lang.

Weiterlesen

Das Schweben

Als ich Orakel war.

Ich habe das Gefühl, über den Dingen zu schweben. Ich weiß nicht, wo das herkommt, vielleicht fällt auch einfach Spannung von mir, weil die Woche sich dem Ende neigt und deswegen werde ich etwas leichter und schwebe ein paar Zentimeter über dem Boden. Wir üben schon einmal das neue Normal, fällt mir zufällig kurz vor Mitternacht auf. Nicht die, von der alle reden, sondern die eigene, die, die erst spruchreif werden muss.

Weiterlesen