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Die Strengung

Als ich alles anstrengend fand.

Der Tag ist so anstrengend, ich muss ständig Leute sehen und Dinge sagen, wenn gerade eine Pause ist und sich x Augenpaare auf mich richten, obwohl ich sie auch einfach hinter einem Browserfenster verstecken könnte. Ich trinke genügend Kaffee, aber es hilft trotzdem nichts: Ich bin weiterhin müde. Als all diese Videokonferenzen vorbei sind, flüchte ich kurz in den Garten, um dort auch keine Ruhe zu finden. Ich wünsche mich auf eine einsame Insel, auf der es ruhig ist, ich wünsche mir einfach nur Ruhe, die ich nicht finden kann, weil immer irgendwo irgendwer Akkordeon spielt oder laut telefoniert oder gerade ein Vogel nervig singt.

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Die Kaffeesehnsucht

Als ich mich über das lange Tageslicht wunderte.

Gestern stand ich am Abgrund, heute erklimme ich den Berg, den metaphorischen. Ich bin losgelaufen, ohne genau zu wissen, wie weit der Weg sein wird. Diesmal hat alles geklappt, nach langer Wanderung, nach Zermarterung, und dennoch schmeckt das metaphorische Bier am Ende nicht so süß wie ich es gewohnt bin.

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Der Abgrund

Als ich nicht nach weiter wollte.

Ich stehe am Abgrund und will keinen einzigen Schritt weiter. Nicht wirklich verwunderlich, weil es zwei Meter weiter senkrecht in die Tiefe geht, sicher 20 Meter, wenn nicht mehr. Ich versuche, die Aussicht zu genießen, was alles andere als einfach ist. Ich bin erstaunt, wie weit ich doch sehe, dass ich das Birkenwäldchen so gut von dem Buchenwald dahinter unterscheiden kann und ein Gespür bekomme für die Kuppen, die ich sonst nur zu Fuß bewandere.

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Das Staubsaugen

Als es wie mit Eimern schüttete.

Wenn es regnet, fühlt sich das Schiff wieder mehr wie ein Schiff an. Ich hatte kurz mit dem Gedanken gespielt, kurz eine Runde in den Wald zu gehen, aber jetzt schüttet es wie mit Eimern und ich freue mich, dass ich Wäsche gewaschen, aufgeräumt, gestaubsaugt, mich über den Staubsauger aufgeregt, den Staubsaugerfilter eine Viertelstunde lang unter kaltem Wasser gereinigt und die Wäsche aufgehängt habe, statt eine Runde in den Wald zu gehen, wo mich die Schauer sicher erwischt hätte.

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Das Gehdenken

Als ich über das Nachdenken nachdachte.

Durch den Wald gehen ist auf diese merkwürdige Art und Weise beruhigend, die ich sonst nur vom Halbeinschlafen im öffentlichen Personennahverkehr kenne. Die Gedanken springen von einem Thema zum nächsten, wenn ich mich nicht gerade darauf konzentriere, Bäume zu bestimmen oder die ökologischen Zusammenhänge zu verstehen. Ich fühle mich ein wenig, als würde ich träumen und merken, wie mein Gehirn dabei Dinge sortiert und aufräumt. Eigentlich hatte ich befürchtet, ich müsse mich viel zu sehr mit meinen eigenen Gedanken beschäftigen und würde mich über Dinge zermattern, aber es ist überhaupt nicht so.

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Die Ansage

Als es auf das Wellblechdach tropfte.

Der Regen kommt mit Ansage. Ich sitze gerade in der Laube und esse meine Nudelreste, von denen ich jetzt drei Mahlzeiten lang essen konnte. Erst wird es immer dunkler, ein schneller Wind weht, im Hintergrund ist bereits Donnern zu hören, ehe dann endlich die ersten Tropfen auf dem Wellblechdach zu hören sind.

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Der Hitzeeinbruch

Als mir heiß war.

Ich sitze in der Sonne und finde es zu warm. Auf einmal ist es so geworden, obwohl es seit Monaten angenehme Temperaturen hatte, die ich eigentlich das ganze Jahr über vertragen könnte. Nun muss ich in der Nacht das Fenster aufmachen, weil ich mich sonst nicht konzentrieren kann und dieses merkwürdige Ganzkörpergefühl von Hitze habe. Von draußen zieht aber wenig Kälte, aber vor allem Geräusch herein.

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Der leere Kopf

Als ich ging.

Ich gehe wieder spazieren oder wandern – keine Ahnung, wie ich das nennen soll, vielleicht einfach „hiking“? – und obwohl ich beinahe so weit gehe wie beim letzten Mal, wo ich einfach nur müde und fertig war, fühle ich mich danach viel besser, weniger kaputt. Eventuell gewöhne ich mich daran, in meinem Kopf formuliere ich bereits mittel- und langfristige Ziele. Es ist so erstaunlich, wie wenig ich denken muss, während ich unter den Bäumen gehe, an Feldern vorbeiziehe und auch mal durch eine Ortschaft komme.

Dabei gäbe es genug zum denken.

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