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Die Nebelsuppe

Als ich etwas auslöffeln musste.

Ich finde alles unglaublich anstrengend und zäh. Der Nebel vor meinem Fenster geht den ganzen Tag nicht wirklich weg. Ich sehe mich selbst im Betonhof sitzen und rauchen und der Rauch geht in den Nebel über, als wäre ich es, der die hohe Luftfeuchtigkeit in Bodennähe verursachen würde. Ich kann aber überhaupt nichts dafür, ich bin nur Statist in dieser Aufführung eines zehnten Novembers. Stattdessen koche ich mir eine Suppe, und ich habe das Gefühl, es ist die beste Suppe, die ich jemals gegessen habe. Nach all den Worten und dem Zuhören kann ich mich endlich hinsetzen, meine Suppe auslöffeln und ein Video schauen, bei dem ich zuschauen muss.

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Das Omen

Als ich in die Dunkelheit starrte.

Irgendetwas fühlt sich unvollendet an. Als gäbe es eine weitere Baustelle, an der ich arbeiten sollte, die ich jedoch vergessen habe. Ich weiß nicht, was es sein soll, ich kann mir dieses Gefühl nicht erklären. Immer mehr Blätter fallen, die Dunkelheit kommt immer früher. Ich nehme mir noch vor, einen Spaziergang zu machen, aber ich als mit Arbeiten aufhöre, ist die Sonne bereits untergegangen. Es bleibt also nur eins: Rauchend auf dem Beton zu stehen und in die Dunkelheit zu starren, als verberge sie ein uraltes Geheimnis, das nur ich mit einem unnachlässigen Blick zu ergründen vermöge.

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Der Herbsthimmel

Als ich weniger auf Bildschirme starrte.

Ich habe gute Gespräche. Nach dieser Woche kann ich die gut gebrauchen. Die Welt ist leicht verschoben, ich muss mir Mühe geben, mich durch die etwas dickere Luft zu bewegen. Alles wirkt etwas leichter, obwohl alles immer noch schlimm ist. Ich sitze in einem anderen Zimmer und schaue nicht die ganze Zeit auf einen Bildschirm. Es kommt mir vor wie eine neue Erfahrung. Ich mache mir einen Tee und starre in die Dunkelheit des Herbsthimmels.

Die Woche der eingerissenen Nagelbetten

Als sich alles zog.

Der Tag zieht sich so lange hin, weil ich aus dieser Mischung aus Müdigkeit, Aufgekratztheit und Aufgeregtheit nicht heraus kann. Natürlich komme ich ganz leicht voran, am Besten kann ich Artikel nämlich dann schreiben, wenn ich nebenbei mit fünf verschiedenen Leute chatte, vier Tabs mit unterschiedlichen Wahl-Livetickern offen habe und bei Spotify die 80er Hits-Playlist höre. Genau so und nicht anders. Ich ziehe alles unnötig in die Länge, bis ich um Zehn in der Küche sitze und belegte Brote esse, weil ich mir auch nicht mehr vorstellen kann, noch etwas zu kochen. Zu allem Überfluss ist dies auch noch die Woche der eingerissenen Nagelbetten.

Die Stadt

Als ich mit den Gedanken woanders war.

Ich denke an die Stadt, an den viel zu lange zurücklegenden Sommer, in dem ich eine Woche dort verbrachte und mich so wohl und zu Hause fühlte. Ich muss daran denken, wie ich in der alten Donau geschwommen bin, das Wasser Badewannentemperatur und trotzdem auf eine merkwürdige Art und Weise erfrischend. Ich denke an den langen Abend am Kanal, mit Dosenbier und Wegfahren zu noch einer Party. An die langen Straßenbahnfahrten. An das Erwachsenwerden zwischen Häuserschluchten, die so tief nie waren. An die Wanderungen, immer der Nase nach, über den Asphalt, von Grätzel zu Grätzel.

Für einen Moment fühlt es sich so an, als werde das nie wieder so sein können.

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Der Kanal

Als es reichen musste.

Ich habe Kopfschmerzen aus der Hölle. Außerdem habe ich mich den Vormittag über schlecht gehalten, was mein Kreuz mir ebenfalls nicht verzeiht. Am Abend muss ich mehrmals niesen, und frage mich, ob etwas in dem Kanal zwischen meinem Mund und meiner Nase steckt und nicht herauskann. Manchmal muss es reichen, den halben Tag im Dunkeln zu liegen und Podcasts zu hören.