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Die Bergauffahrt

Als ich mich besser fühlte.

Ich werde gefragt, ob alles in Ordnung ist und merke, dass es mir tatsächlich wieder besser geht. Das kommt mir vor wie ein kleines Wunder – der nächste Hustenanfall tut dann sein Übriges, um mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen. Aber die Schwere ist von mir gefallen wie ein zu weiter Mantel, den ich später aufheben werde muss. Vielleicht geht es ja wieder bergauf, wenn ich weiterhin brav meinen Tee trinke viel zu viel Honig darin versenke. Ich wünsche es mir, ich wünsche es uns allen, ich halte mich selbst kaum noch aus, wenn ich so leidend bin, außerdem sammeln sich in kürzester Zeit die Teetassen auf meinem viel zu kleinen Schreibtisch und ich weiß nicht, was ich mit ihnen anfangen soll.

Der Nichtvorsatz

Als ich mir nichts vornahm.

„Und, hast du dir etwas für das neue Lebensjahr vorgenommen?“, fragt mich die Person, die wir einst Ruth nannten. Ich liege immer noch mit meinem Kopf in ihrem Schoß, sie streichelt immer noch über mein Gesicht, wir sind immer noch nicht verschmolzen, obwohl ich das bereits längere Zeit vorausgesagt habe. Meine Augen sind geschlossen. So muss ich nicht sehen, in welchem Raum wir uns befinden, welches Obst die Person wieder isst oder welche physikalischen Gesetze diesmal nicht so funktionieren, wie sie sollen.

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Die Fahrt in die Dunkelheit

Als ich aus dem Fenster schauen wollte.

Erst in der Dämmerung fällt mir ein, dass ich Fotos aus der Bahn hätte machen können. Jetzt werden sie alle nichts mehr werden, weil die Beleuchtung (hier zumindest spärlich eingesetzt) macht, dass sich der Innenraum im Fenster spiegelt. Hinter mir brabbelt ein Kind die ganze Zeit vor sich hin, und die Erwachsenen, die es begleiten, ignorieren es einfach. Ich glaub, dass das mit mir auch gemacht wurde, bis zu dem Punkt, dass ich völlig abstruse Dinge glaubte – einfach, weil niemand mit widersprach, wenn ich danach fragte.

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Die Landschaftsmüdigkeit

Als ich müde Zug fuhr

Die Wiesenlandschaften sehen im Sonnenuntergangslicht so unschuldig aus, beinahe wünsche ich mir, auch mit einem Pickup durch sie fahren zu können, im Autoradio ein Sender, der nur unpassende Popsongs spielt. Ich kann meine Freiheit noch nicht genießen, also versuche ich es einfach mit meiner Müdigkeit, vielleicht funktioniert auch das.

Das Strecken und das Recken

Als ich über eine wunderbare Freund*innenschaft nachdachte

Ich weiß nicht, ob ich noch mit einer anderen Person befreundet bin, die ich schon 18 Jahre lang kenne. Natürlich sagt die Länge nicht unbedingt etwas über die Qualität aus, aber ich finde es trotzdem so bemerkenswert. Ich wünschte, ich hätte tatsächlich immer gleich alles aufgeschrieben, was wir so gemeinsam erlebt haben, ich hätte die Diagramme gezeichnet und könnte jetzt bereits eine halbe Biografie schreiben. Ich wünschte, ich hätte nicht so oft „mal sehen“ oder „nein“ gesagt oder im letzten Moment doch die sicherere Option gewählt – obwohl ich auch ganz froh bin, zu wissen, was ich brauche und wie viel ich aushalte.

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Die Afterparty

Als ich etwas lädiert war.

Im Dämmerzustand liege ich den ganzen Tag herum. Die letzte Nacht hallt noch nach. Die Hütte im Wald, das Feuer, um das Leute herumstehen, das Menschen umarmen, in dem auch ich einmal herumstochere. Ich erinnere mich an die vielen Male, die ich den Hügel hochgegangen bin, um ihn dann wieder rauchend, den Kopf gen die Sterne gerichtet, breit grinsend heruntergegangen bin. Viel zu wenig Umarmungen, eigentlich. „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist wabbelig.“, sagte ich zum Abschied, denn wie immer wurde ich viel zu früh müde.

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Der letzte Sommertag

Als ich fürchtete, dass es nun wirklich so weit war

Im Radio sagen sie, dass heute der letzte Sommertag sei. Dann spielen sie Bright Eyes – First Day of my Life und meine low key-Traurigkeit fühlt sich realer an als die Kaffeetasse, an der ich mich festhalte, obwohl ich am Tisch sitze und sie drauf steht. Gestern haben wir noch darüber diskutiert, ob dieser Meldung wirklich Glauben zu schenken ist, da sie seit Wochen gefühlt ständig kommt, aber heute, an diesem Abend, glaube ich fest, dass sie stimmt, dass sie stimmen muss.

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