_

Das Fest

Als ich die Nervosität anderer nicht aushielt.
Ich mag das Fest nicht. Ich mag nicht, wie sich alle aufschaukeln, nervöser und nervöser werden und am Ende niemand zufrieden ist. Aber irgendwie geht es auch nicht anders, irgendwie muss es ja so sein. Nichterscheinen ist keine Lösung, und auch nicht das, was ich will. So bleibt nur, allen Ruhe zu wünschen. Und Gelassenheit.

Die Welle

Als ich melancholisch war.

Im Kino teilen sie mir einen Flyer über mentale Krankheiten aus, kurze Zeit danach habe ich das Gefühl, nicht mehr zu wissen, wo mein Körper ist, wo ich anfange und andere Menschen aufhören. Zum Glück finde ich schnell die Nachos und die Cola und kann zum Kinosaal gehen. Ich frage mich, ob ich mir Sorgen um meinen Zustand machen sollte. Ein weise Frau sagte mir mal „Manchmal ist eins auch einfach nur müde.“ und möglicherweise ist da mehr Wahrheit drin, als ich bisher erahnte.

Weiterlesen

Die Realisierung

Als ich den schönsten Feierabend des Jahres hatte.

Der Tag ist erst anstrengend, dann voll guter Moment. Am Ende bin ich trotzdem so müde, dass ich beinahe erwägt, mein Gelöbnis zu brechen. Aber ich kann das nicht, nicht so kurz vor dem Ziel, das mir ein klein wenig heilig geworden ist. Ich denke mir, dass ich den schönsten Feierabend des Jahres verbringe. Nicht, weil er so unglaublich besonders wäre, sondern einfach, weil es der letzte ist und danach alles ruhiger wird. Die Sektgläser, die Hunde, die Pralinen, die langen Gespräche und die Realisierung, warum ich diesen Job mag.

Die Nachtwanderung

Als ich beinahe in den Schlamm stolperte.

Ich gehe durch den Wald, es ist nass und kühl und der Boden besteht gefühlt nur aus Schlamm. Das Licht meines Mobiltelefons dringt weder sehr weit ins Gebüsch vor, noch zeigt es sonderlich viel vom Weg. Der Hund, dessen Spaziergang dies eigentlich sein sollte, interessiert das alles nicht, er hat keine Lust durch die Dunkelheit zu stolpern.

Weiterlesen

Das warme Wollknäulel

Als ich den Abwasch machte.

Ich mache den Abwasch. Meistens ist das eine Tätigkeit, die ich nicht sehr schätze. Heute aber genieße ich die ruhige Musik, das warme Wasser, das meditative Plätschern. In mir ist die letzte Stunde, sie fühlt sich an wie ein warmes Wollknäulel. Möglicherweise ist es das köstliche Essen, ganz sicher sind die Menschen, die mit am Tisch saßen, nicht unschuldig an dem Gefühl.

Weiterlesen

Die Verpassung

Als ich mich fühlte, als hätte ich die Verbindung verpasst.

Der Tag fühlt sich so kurz an, und ich kriege nichts gebacken. Nicht, dass ich mir sonderlich viel vorgenommen hätte, aber dennoch fühlt sich alles nach verpassten Gelegenheiten an. Als ich darüber nachdenke, wird mir bewusst, dass sich das Leben spätestens seit November so anfühlt. Wir sind tief in der Dunkelheit, und es wird noch mindestens eine Woche lang nicht besser werden, sondern höchstens schlimmer. Vielleicht sollte ich eine Kerze anzünden, vielleicht sollte ich Kräuter verbrennen, um die Luft zu reinigen. Oder ich sollte mir einfach nichts mehr vornehmen für solche Tage.

Der Lakritzlikör

Als ich ein schwarzes Getränk zu mir nahm.

Vielleicht sind das die Momente, in denen ich das Konzept „chosen familiy“ mehr verstehe als sonst. Möglicherweise ist es aber auch der Lakritz-Wodka (er heißt Salmiakki Koskenkorva), der da aus mir spricht. Ein Getränkt, das niemand mit mir trinken möchte, was ich überhaupt nicht verstehe. Dabei ist die Flasche so schön gestaltet, dass ich sie viel öfters hochheben möchte. Aber wenn niemand mit mir trinkt, muss ich das wohl sein lassen. Der Abend und der darauffolgende Morgen sind dennoch sehr angenehm. Zu einem Zeitpunkt schmerzt mein Mund vor Lachen, und ich wünsche mir beinahe, das könnte immer so sein.

Das Eintopfkochen

Als ich einen Eintopf machte.

Ich weiß nicht, warum ich das in letzter Zeit so schwierig finde. Ich habe es geschafft, eine große Suppe zu kochen, einen meiner berühmten Eintöpfe, die ich in der Winterzeit so sehr liebe, da müsste ich es doch auch schaffen, einen Text zu schreiben? Ich habe Lauch geschnitten, und Rosenkohl, und Brokkoli und versucht, nicht dran zu denken, dass da noch viel mehr Gemüse wäre, das auf mich wartet.
Aber es wartet nicht nur Gemüse am Ende des Kühlschranks.

Das Durchatmen

Als ich einmal Atmen musste.

Ich hätte Zeit gehabt, aber ich habe sie mir nicht genommen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich einmal mehr viel zu viel herumgefahren bin und es mir keinen Spaß macht, weil es hier immer noch keine U-Bahn gibt, was ja auch überhaupt keine gute Idee wäre. Jetzt habe ich keine Lust mehr, weil es schon spät ist. Möglicherweise ist es auch in Ordnung, an manchen Tagen zumindest am Abend einfach tief durchzuatmen, wenn es schon den ganzen Tag über nicht ging.

Die Frostnacht

Als es kalt wurde.

Ich schlafe viel zu lange und beginne ihn dann damit, alte, eigentlich verloren geglaubte Fähigkeiten einzusetzen. Wie merkwürdig, auf einmal einen Nutzen für sie zu haben. Es ist kalt geworden, so richtig und endgültig. Schnee hat sich angekündigt und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, was ich davon halten soll.

Weiterlesen