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Das Glitschige

Als ich am Beckenrand stand.

Ich zähle auf, was ich alles so gemacht habe und es sieht impressive aus, ganz anders als es sich anfühlt. Es gäbe halt immer noch mehr zu tun – ein Gefühl, das ich seit Jahren nicht loswerde, vermutlich nie. Seit ich eine Person geworden bin, die Dinge dann doch manchmal tut, habe ich nicht einmal mehr eine Ausrede.

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Die Wimpel

Als ich durch meinen Bart strich.

Das Gras im Garten ist so hoch geworden, ich erkenne ihn beinahe nicht wieder. Dabei hat es nur zwei oder vielleicht drei Tage geregnet. Jetzt ist es schon Mai und ich möchte gar nicht anfangen, die Tage zu zählen. Das Schiff fährt weiter, immer dem Wind nach, auch wenn die Tage sich nicht für das Sonnendeck eignen.

Wir haben die bunten Wimpel, die ich letzten Sommer metaphorisch über mir wähnte. Immerhin werden Bänder enger geknüpft, während sich jeder vergangene Tag in einer gelatinösen Masse einreiht. Ich streichele durch meinen Bart, der immer länger wird und finde nichts von der Weisheit, die mir nachgesagt wird.

Immerhin bleibt mir die Müdigkeit.

Die Uferzone

Als ich nicht im Garten stehen konnte.

Ich möchte im Garten stehen und die Hügel anstarren, aber es regnet in Strömen. Also stehe ich unter dem Schuppen und starre die Hügel an. Ich frage mich, was ich heute eigentlich gemacht habe. Die Antwort könnte mich verunsichern.

Es gilt, die Tage so zu gestalten, als dass sie weder zu anstrengend sind, noch so sehr ineinander überfließen, als dass sie einer algenbewachsenen Uferzone ähneln, in der nichts zu erkennen ist. Kann ich an diesem grauen Spätnachmittag noch etwas an dem Tag ändern, um zumindest morgen noch zu wissen, was passiert ist?

Ich kann. Ich koche Cannelloni.
Manchmal ist es einfach.

Der Nichtberg

Als ich den Niesel roch.

Ich stehe zu spät auf und weiß schon beim Müsli, dass der Tag nicht gut werden wird. Ich bin selbst Schuld daran, ich hätte es besser wissen können, aber ich höre so selten auf meine guten Einfälle und Ratschläge, seltener noch als andere Menschen. Aus irgendeinem Grund fülle ich die Watte in meinem Kopf nicht mit Kaffee, sondern versuche irgendwie zurechtzukommen. Es klappt natürlich nur so halb, bis ich am Nachmittag dann endlich anfange, zu schreiben. Es ist mühsam.

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Das Hellwachsein

Als ich zu viel rauchte.

Ich bin sofort hellwach. Vielleicht passiert das eher, wenn ich mich unwohl fühle, wenn ich das Gefühl habe, ich müsse etwas erledigen. Ich stehe schneller auf, trinke meinen Kaffee im Garten, erfinde wie jeden Tag das Konzept des Porridge neu (ich wärme Müsli mit Hafermilch in der Mikrowelle), rauche eine Zigarette, lese Mails, leite Mails weiter, mache mir einen zweiten Kaffee, sitze durch die Redaktionskonferenz über Videochat, koche mir ein Mittagessen, mache mir einen Kaffee, rauche eine Zigarette, lese wieder Mails, leite wieder Mails weiter, recherchiere mein Thema und überlege, dass ich wohl Menschen anrufen sollte, die mir mehr darüber erzählen können, suche dann die Telefonnummern dieser Menschen raus und schiebe meinen Anruf noch etwas auf, gehe nochmal in den Garten und rauche eine Zigarette, tätige endlich die Anrufe und habe interessante Gespräche, mache mir noch einen Kaffee, rauche noch eine Zigarette (ich rauche zu viel im Lockdown, es ist ganz schrecklich aber ich möchte auch nichts daran ändern), helfe kurz im Garten, sehe zu, wie der frischgesähte Rasen bewässert wird, fahre einkaufen, was unglaublich stressig ist, obwohl der Laden längst nicht so voll ist, freue mich auf das lange Wochenende, ziehe endlich den Schlauchschal von meinem Gesicht, mache einen Witz über Fastfood, obwohl ich eine Pizza gekauft habe, ich telefoniere im Garten und ärgere mich über den Rauch, der über allen Gärten liegt, weil alle grillen, bevor es bald wieder regnet, esse meine Pizza, trinke ein Bier, helfe bei einem Haarschnitt und finde keine Lösung für all die richtigen Probleme.

Das Kappen

Als ich in der Sonne stand und schwitzte.

Ich werde gefragt, ob alles in Ordnung ist, dabei habe ich einfach nur nicht auf mein Handy geschaut. Manchmal fragen die Menschen zu viel, manchmal fragen sie nicht genug, manchmal fragen sie nicht zum richtigen Zeitpunkt – wenn ich will, finde ich einen Grund, mich zu beschweren.

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Der Seegang

Als ich den Zustand des Schiffs begutachtete.

Es geht auf und ab. Mal ist die See, auf dem das Schiff dahingleitet, ruhig und glatt, dann ist wieder harten Seegang. Ich kann damit so schlecht umgehen. Noch immer ist kein Land in Sicht – und wenn es zu sehen ist, stellt es sich oft als Trugschluss heraus. Ich weiß nicht, wie ich in einer Woche, die dahingleitet wie jede andere Woche, behaupten könnte, es wäre eine besonders anstrengende gewesen – aber genauso fühlt es sich an. Aber der Mast hält, in manchen Stunden gibt es Wind in den Segeln, und viel mehr kann ich gerade nicht haben.

Der Bratbrei

Als ich müde war vom vielen Schreiben

Alles läuft besser, als ich erwartet hatte, und trotzdem dreht mir zu Mittag der Kopf. Ich kann mich überhaupt nicht auf mein Essen konzentrieren, so sehr muss ich noch daran denken, dass ich gerade in ziemlich kurzer Zeit einen Text runtergeschrieben habe. Ich mache mir kurz Gedanken über meine Arbeitsweise, meine Geschwindigkeit und die Tatsache, dass ich mir auch mal mehr Zeit nehmen könnte, die dann aber wieder von dem Fakt verdrängt werden, dass ich bereits mit einem Kaffee in der Sonne sitze und versuche, meine Mittagspause zu genießen. So ein merkwürdiges Konzept.

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