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Das Wochenende

Als ich in der Sonne stand.

Es ist mein letzter Urlaubstag. Ich könnte darüber nachdenken, was ich alles nicht gemacht habe von den Sachen, die mir vorgeschwebt sind. Ich überrasche mich immer wieder selbst. Nicht nur dahingehend, woran ich wenig Gedanken verschwende, sondern vor allem darüber, worüber ich nachdenke.

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Die Löcher

Als ich im wilden Süden unterwegs war.

Ich gehe weit, trotz der Hitze. Die Schilder, denen ich folge, führen mich zwar nicht im Kreis, aber in seltsamen Kurven zum Ziel. Da ist es wieder, dieses Wort. Ich gehe einfach, und folge halt den Schildern, weil es einfach ist und weniger anstrengend für meinen entscheidungsunfreudigen Kopf. Ich laufe auch nur zwei oder drei Mal ein kurzes Stück falsch, für den Rest bleibe ich auf dem vorgeschlagenen Weg. Ein recht großer Teil der Strecke führt über Felder und ich liebe es einerseits, andererseits macht es mich müde.

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Der Elsternbaum

Als ich mit dem Kaffee in den grauen Morgen starrte.

Während mein Müsli sich in der Mikrowelle langsam zu etwas Essbaren verwandelt, stehe ich mit meinem Kaffee am Küchenfenster und sehe in den Garten. Auf dem toten Baum, den wir längst entfernen hätten sollen, springen ziemlich vergnügt drei Elstern. Bisher habe ich sie immer nur auf dem stets frisch gemähten Rasen zwei oder drei Häuser weiter gesehen. Ich freue mich, dass sie an diesem grauen Morgen den Weg zu uns gefunden haben, wenn ich schon sonst nicht viel habe, worüber ich mich freuen kann.

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Der Regenwald

Als ich eine kurze Runde machte.

Im Regen wirkt der Wald beinahe unbekannt, obwohl er mein Heimatwald, mein Hauswald ist. Wenn ich hier einbiege, fühle ich mich beinahe schon zu Hause, obwohl ich meistens nur deswegen dort einbiege, um noch ein, zwei Kilometer mehr zu machen, denn ich könnte auch einfach die Straße weiter runtergehen. Es ist nicht zu nass, die Blätter halten das meiste auf. Es reicht anders, muffiger, aber auch irgendwie frisch.

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Das, was noch übrig ist.

Als ich einen Text fertiglas.

Ich verbringe den Tag damit, vor allem nichts zu tun. Ich betrachte es als eine Art Meditation, eine Übung im Aushalten. Ich lese diese Geschichte zu Ende, die mich vor sechs Jahren eine Nacht gekostet hat. Heute finde ich das alles nicht mehr so schlimm – vermutlich, weil ich bereits wusste, dass es am Ende doch gut ausgeht. Wie merkwürdig sich das anfühlt. Ich kann das nicht erzählen, ich müsste viel zu viel erklären und könnte dennoch nicht vermitteln, warum mir das alles so nahe geht.

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Das Mindesthaltbarkeitsdatum

Als ich mich fragte, ob es kribbelte.

Mit einem Mal bin ich so genervt von der Welt, dass ich am liebsten schreien würde. Natürlich mache ich das nicht, sondern schaue nur leidend und gehe in den Garten eine rauchen, um mich abzuregen. Dann will der Spinat nicht aus der Packung kommen und den Ricotta habe ich wohl schon nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums gekauft. Ich mache mein Gericht trotzdem und vergesse auf die Gewürze für die Füllung. Ich weiß nicht, wie mir das passieren kann – vermutlich, weil ich so genervt von allem bin.

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Das Mock Chicken

Als ich diese Band hörte.

Ich kann immer noch die Mock Chicken-Streifen schmecken, die ich zum Abendessen hatte. Natürlich habe ich nach ein paar Stunden nicht mehr den Geschmack im Mund, aber die Erinnerung ist auf meiner Zunge immer noch lebendig. Knusprig angebratenes Umami, ein wenig zu salzig, vielleicht wegen dem Gomashio. Wie merkwürdig sich Geschmäcker ins Hirn brennen kann und wie seltsam es ist, dass ich nur wenige Stunde nach dem Essen schon wieder davon schwärmen kann, auf eine Art und Weise, die sehr körperlich ist.

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Die Dünnhäutigkeit

Als ich über Verwundungen nachdachte.

Zwischen dem Kaffee und der Arbeitswiederaufnahme kommt ein Thema auf, mit dem ich nicht gerechnet hätte, das unerwartet die ganzen Balkonsehnsüchte aufreißt wie eine noch nicht verheilte Wunde. Ich muss gleich auf meine Hand schauen, in die ich mich gestochen habe, als ich den Pizzakarton verkleinern wollte, wie der unglaublich große Vollkoffer, der ich manchmal sein kann. Es ist nichts mehr zu sehen, nur noch eine Rötung und ein Hautfetzchen, das ich abziehe und esse, weil mir mein Instinkt das so gebietet.

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