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they say to be for sure

dye dye my darlingÜber die 1990er MTV-Animationsserie Daria habe ich hier schon geschrieben und die Serie in höchsten Tönen gelobt. Gerade sehe ich mir die Serie mal wieder an, weil Sommer für mich immer auch Melancholie bedeutet und Nostalgie nach einer Jugend in den 90ern, die ich nie hatte. Gestern kam ich dann zu der letzten Episode der vierten Staffel (Dye! Dye! My Darling). Ich will nicht zu viel spoilern, aber: Daria und ihre beste Freundin haben einen schlimmen Konflikt, der auch am Ende der Folge (und der Staffel) nicht aufgelöst wird.

Das sind die Momente, in denen ich mich wirklich über die Gnade der späten Geburt freue. Die Fans mussten 2000 nämlich fast einen Monat warten, bis sie im Sommerspecial Is It Fall Yet? eine Auflösung der Situation präsentiert bekamen. Ich kann einfach weiter schauen und weiß, wie es ausgeht, dennoch nahm mich die Szene wieder einmal sehr mit, gerade weil der Schluss passend musikalisch unterlegt ist. Die meisten Folgen der DVD-Version sind mit billiger Stock-Musik unterlegt und im Outro ist eine Reprise des Intros zu hören. Bei Dye! Dye! My Darling hat eins sich für einen unbekannten Song entschieden, der ein kleines Mysterium darstellte, da nirgendwo der Name oder die Lyrics zu finden sind. Ich war schon dabei, die ersten Zeilen für diesen Eintrag zu schreiben, da fiel mit ein, dass es ja Dinge wie Shazam gibt und probierte kurz aus, ob es den Titel kennen würde. Weiterlesen

In Treatment

intreatmentVor ein paar Jahren versuchte ich schon einmal, In Treatment zu schauen und nach zwei Episoden wieder aufgegeben, weil ich damals dachte, ich hätte genug Menschen in meinem Leben, die mir von ihren Problemen erzählen und müsste mir nicht auch noch eine Serie anschauen, in der kaum etwas anderes passiert. Nach einem Gespräch über Serien in der progress-Chef_innenredaktion war ich wieder anderer Meinung und versuchte es nochmal.

Die Serie zeigt an jedem Wochentag die Sitzung von Therapeuten Paul Weston und jeweils eine_n andere_n Patient_in, bzw. Freitags seine Supervisionsstunde mit seiner Mentorin Gina. Das Format, in meinen Augen ein Weg, um die Zuschauer_innen an das Medium TV und seine fixen Ausstrahlungszeiten zu binden, stammt nicht aus den USA, sondern aus Israel. 2005 bis 2008 liefen zwei Staffeln von BeTipul, das in über zwölf Ländern lokal adaptiert wurde. Das etwas komplizierte Sendekonzept erklärt die deutschsprachige Wikipedia ganz gut. Weiterlesen

Interview: “Onst Gewëssen” vu Richtung 22

Ein luxemburgisches Interview über einen luxemburgischen Film verlangt einen luxemburgischen Text.

Fir de Crumble hunn ech de Lars vun Richtung 22 interviewt. (Spellchecker.lu schléit mir „intervieft“ fir. Ech loosse vill mat mir maachen. „Mä“ zum Beispill. Mä domadder hält et op. Pardon.) Mir hunn bal eng hallef Stonn iwwert de néie Film „Onst Gewëssen“, Richtung 22, Kulturpolitik zu Lëtzebuerg an Filmdistributioun geschwat.

Ech hunn den Interview op knapp eng Véirelstonn geschnidden, hoffentlech ouni eppes essentielles auszeloossen. D‘Tounqualitéit ass éischter dauschend wéi berauschend, mä léiwer en Interview an net-immenser Qualitéit iwwer Skype wéi guer keen.

[audio:http://media.blubrry.com/aracityradio/p/podcast.ara.lu/wp-content/uploads/2013/04/onst-gewessen-richtung22.mp3]
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De Film wäert ab dem 1. Mee op Richtung22.org ze gesi sinn, am Interview sinn keng Spoilern.

Torchwood

Ich habe mir in den letzten Wochen die BBC-Serie Torchwood noch einmal angesehen. Das Doctor Who-Franchise habe ich nach 2008 völlig aus den Augen verloren und dabei einiges verpasst. Inzwischen habe ich das alles nachgeholt, rutsche bis zum 30. März unruhig auf meinem Stuhl hin und her und versuche nicht all zu oft die Who-Titelmelodie zu summen. Die vierte Staffel Torchwood hatte ich bisher noch nicht gesehen, weshalb es sich anbot, die Serie noch einmal von vorne zu anzuschauen. Ein bisschen Whoniverse ist besser als gar keins. (Ab hier könnten Spoiler vorkommen.)
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Daria

Ich schreibe gerade an einem längeren Post über Umwelt- und Naturschutz, der sozusagen der Auftakt einer Serie über Umweltthemen darstellen soll. Da ich aber gerade nicht so wirklich vorankomme – überwältigendes Lebensgefühl gerade – will ich euch auf eine Perle des Zeichentricks hinweisen: Daria.

Daria ist Siebzehn, lebt in Lawndale und geht dort zur Schule. Wer Beavis and Butt-head gesehen hat, wird sich eventuell an Daria erinnern. Und Kinder 1990er kennen die Serie wahrscheinlich eh besser. Ich habe sie erst vor kurzem entdeckt. Auf soup.io sind öfters Screenshots von Daria zu sehen gewesen, ich konnte das aber nur so weit einordnen, als dass das Mädchen mit den zynischen Sprüchen wohl irgendetwas mit Beavis and Butt-head zu tun hätte. Irgendwie bin ich dann drauf gekommen, dass MTV auf ihrer Streaming-Webseite Liquid Television, der alternative to reality, alle Daria-Folgen im Stream anbietet. Allerdings sind es die Versionen, die auch auf DVD veröffentlicht wurden – im Fernsehen ist die Serie mit zeitgenössischer Musik gelaufen, deren Lizenzierung für die DVD-Veröffentlichung (und Stream) zu teuer gewesen wäre. Das ist auch etwas, was eins sich mal auf der Zunge zergehen lassen muss: MTV hat nicht genug Geld für Musiklizenzierung.

Ich mag Daria. Sie ist sarkastisch, sie liest gerne Bücher und kümmert sich nicht um Aussehen. Sie schreibt gerne, ihre beste (und einzige) Freundin Jane malt gerne. Was wären das für Rollenbilder für mich gewesen! Ich wünsche mir wirklich, ich hätte Daria als Teenager gekannt. Vielleicht hätte ich keine so große Faszination für Neon Genesis Evangelion entwickelt, aber ich wäre vielleicht früher auf den Geschmack von Grunge gekommen – und das kann ja nun mal nichts schlechtes sein. Vielleicht mag ich die Serie aber auch so sehr, weil mich Daria schon ziemlich an mich erinnert (Die Kontaktlinsendiskussion!) und ich von dieser 1990er-Subkultur ziemlich angetan bin. Warum auch immer. Vor ein paar Jahren hätte ich auf die Frage noch geantwortet: Weil es zu meiner Jugend keine „Bewegung“, keine „Subkultur“ gab oder gibt und Grunge das letzte war, bevor es nichts mehr gab. Aber ich weiß nicht mal, ob das stimmt. Wahrscheinlich nicht.

Schaut euch Daria an! Oder: Schaut euch Daria nochmal an. In Zeiten, in denen Jugendliche halbseidenen NGOs hinterherhecheln, können wir ein paar Darias gebrauchen, die uns erden.

(Und als ich auf twitter nach Jahren mich wieder einmal selbst fragte, ob eins sich in Zeichentrickfiguren verlieben könnte, passierten merkwürdige Dinge.)

photo cc by-sa Daniel Schwenn. Und ja, das ist Seattle, weil mir nichts kreativeres eingefallen ist. Aber hey, nichts sagt so sehr Neunziger wie die Stadt!

Filmsommer 2009: Midnight Meat Train

midnightmeattrain

Der Fotograph Leon Kauffmann, bisher eher schlecht als recht durch Fotos für die Sensationspresse über die Runden kommend, fotografiert auf der Suche nach Motiven ein Model, das kurz danach für vermisst erklärt wird. Bald vermutet er einen Zusammenhang mit dem Verschwinden weiterer Menschen und einem Schlachter, den er beim Austeigen aus der New Yorker U-Bahn fotografiert hat. Er wird besessen von der Idee, dass der Schlachter irgendetwas mit dem Fakt zu tun hat, dass immer wieder Menschen in der U-Bahn verschwinden. Seine Freundin Maya (Leslie Bibb), die in einem Restaurant arbeitet, in das Leon immer sein Tofu mitbringt, um es dort vom mürrischen Küchenchef Otto, gespielt von Peter Jacobson (bekannt als Dr. Taub in House), braten zu lassen, erklärt ihn für verrückt und will, dass er mit seinen Nachforschungen, bei denen er vom Schlachter Mahogany (Vinnie Jones) auch schon mal durch das Schlachthaus gejagt wird, aufhört.

Durch Zufall landet er wieder in der U-Bahn, in der Mahogany seine Opfer mit einem gigantischen Fleischhammer tötet, um sie dann von Nägeln und Haaren befreit im letzten Wagen des Zuges kopfüber an Fleischerhaken zu hängen und beobachtet das grässliche Schauspiel, ehe er vom wortlosen Schlachter entdeckt wird. Merkwürdigerweise tötet dieser ihn nicht. Leon erwacht im Schlachthaus und hat ein merkwürdiges Symbol auf seiner Brust eingeritzt. Auf den Schreck hin verputzt er erstmal ein Steak in Ottos Restaurant. Die Polizei glaubt ihm natürlich nichts, so dass er sich im Schlachthaus mit allerlei Messern und Beilen ausrüstet und durch die geheime U-Bahnstation wieder in den Midnight Meat Train einsteigt. Seine Freundin Maya und sein bester Freund Jurgis, gespielt von Roger Bart, ermitteln derweil auf eigene Faust im Appartement des Schlachters, wobei Jurgis von Mahogany erwischt wird.

Es kommt zum Showdown in der U-Bahn, Leon tötet Mahogany in einem heldenhaften Kampf und findet raus, das das Fleisch der entführten Menschen tatsächlich ins Schlachthaus gebracht wird. Sein Freund Jurgis hat die Attacke des Schlachters nur knapp überlebt. In der Endszene sitzt Leon im Restaurant und isst wieder Tofu. Auf die Frage, wieso er dem Steak wieder abgeschworen hat, meint er nur: „Ich weiß jetzt, wo das Zeug herkommt!“

Leider endet Midnight Meat Train nicht so. Das wäre ein halbwegs gutes, akzeptables Ende gewesen. Die Auflösung ist mehr als dürftig und zerstört vor allem die ganze Atomsphäre des Filmes, der eigentlich bis auf das Ende halt, ganz solide ist. Die Hintergrundgeschichte des Fotografen, der Künstler werden will und „das Leben der Stadt“ einfangen will, ist ganz okay und der mysteriös-stumme metzelnde Schlachter gibt genug Rätsel auf, die eben nur unbefriedigend erklärt werden. Kamera, Schnitt und Musik verleihen dem Film eine spannende Atmosphäre. Aber das Ende, leider durch die Geschichte des Schriftstellers und Produzenten Clive Baker vorgegeben, konnte der japanische Regisseur Ryuhei Kitamura auch nicht mehr retten. Nett fand ich den Aufritt von Peter Jacobson, der hoffentlich auch bald mal größere Rollen spielen kann.

Auf Rotten Tomatoes hat der Film merkwürdigerweise 70% bekommen, metacritic ist realistischer und vergibt 58 Punkte und bescheinigt „mixed or average reviews„.

Wegen des lausigen Schlusses und verpatzter Möglichkeiten (Soylent Green!) würde ich den Film nur absoluten Gerne-Fans empfehlen und vergebe 38 von 100 möglichen Tofustücken.

photo cc by Molly Des Jardin

Filmsommer 2009: Fighting

fighting

Ich war in den letzten Wochen für meine Verhältnisse oft im Kino und habe somit einige Filme gesehen. Und dann kann man ja auch ruhig mal einige Wörter zu diesen Filmen schreiben. Den Anfang macht Fighting von Dito Montiel.

Shawn McArthur, gespielt von Channing Tatum, verkauft gefälschte iPods und Harry Potter-Bücher in New York. Er wird von einigen jungen Männern angegriffen, die er verprügelt, ohne jedoch sein Geld zurück zu bekommen. In einer Bar trifft er dann einen der Männer, der ihm das Geld zurück gibt und ihm anbietet, für ihn in einem illegalen Straßenkampf teilzunehmen und so viel Geld zu machen.
Shawn nimmt an und gewinnt, in dem er seinen russischen Gegner in ein Waschbecken stößt. Auf der Siegesfeier in einem VIP-Raum einer Disko trifft er auf die Kellnerin Zulay Valez, gespielt von Zulay Henao, in die er sich verliebt. Außerdem trifft er auf seinen ehemaligen Erzrivalen, der von seinem Vater trainiert wurde.

Harvey Boarden, gespielt von Terrence Howard verschafft Shawn noch einige Kämpfe, während dieser eine Beziehung mit Zulay anfängt. Irgendwann kurz vor seinem großen Kampf mit seinem Erzrivalen bemerkt er jedoch, dass beide sich kennen und verdächtigt sie, eine Affaire zu haben …

Was klingt wie ein mäßiger Kampffilm mit der obligatorischen Liebesgeschichte, ist ein auf allen Ebenen gut gemachter, abwechslungsreicher Film, der mich auch überzeugen konnte, obwohl ich nicht gerade ein Fan von Martial Arts-Filmen bin. Durchaus empfehlenswert. Anscheinend ist das Erstlingswerk von Dito Montiel, Guide to Recognizing Your Saints, noch besser.

Die Reviews zu Fighting sind durchaus gemischt. Während Rotten Tomatoes nur 41% vergibt, so bescheinigt metacritic 61 von 100 möglichen Punkten und generally favorable reviews.

Ich vergebe 65 von 100 möglichen nuklearen Sprengköpfen.

photo cc by petite corneille