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Yegussa (Liveblogging)

Yegussa Cover

Ich habe am Freitag eine, die CD von Yegussa geschenkt bekommen. Also, die CD war übrig geblieben und deshalb durfte ich sie mitnehmen. Ich nehme das als Anlass, mal wieder livezubloggen. Dh. ich werde die knappe halbe Stunde, die die CD dauert, meine äusserst subjektiven Eindrücke in die Tastatur hämmern. Yegussa ist übrigens eine luxemburgische Band, deren drei Mitglieder Carlo, Yannick und Pit heißen. Und los geht‘s:

elVis iS a clicHE (0‘24)
Das Intro ist vom King geklaut, so steht es zumindest auf dem kleinen Beipackzettel, den Yegussa als einzigste Information zu dem wunderschön gestalteten Cover gegeben haben. Und genauso wie der Titel fühlt sich das Lied dann auch an: Wie ein ein Elivs-Klichélied, das sofort in

CheAp BoXxX (3‘30)
übergeht. Das fängt kraftvoll an, um dann nach einigen Sekunden in einer Art postrockigem Intermezzo zu verebben. Die ersten eigenen Töne der nur instrumental spielenden Band gefallen. Die ausuferenden, langsamen Teile werden immer wieder von einem kurzen Krachschwall unterbrochen, um schlussendlich in ein rockigeres, schnelleres Part überzugehen. Bemerkenswert auch der Bass-Teil gegen Ende. Der Schluß des Songs ist mitreißend, chaotisch, brachial – und genau das gefällt mir!

mONolOguE (5‘32)
Der dritte Titel, einer der längeren, beginnt genauso kraftvoll wie sein Vorgänger aufgehört hat. Auch hier haben wir keinen Moment Ruhe, es geht schnell nach vorne, wobei kein Instrument ins Hintertreffen gerät. Ich stelle die Boxen lauter, was sicherlich kein Zeichen für schlechte Musik ist! Ein wunderbar stimmungsvolles Drumsolo in der Mitte des Tracks, von der „singenden“ Gitarre begleitet, wird mit der Zeit langsamer, ebbt ab, es ist nur noch Gitarre zu hören, der Bass schaltet sich zu, baut wieder Spannung auf – kommt da ein Höhepunkt? Die Drums sind auch wieder da, die Stimmung schauckelt sich wieder hoch, um dann in ein gegenseitiges Kräftemessen überzugehen. Ich hätte jetzt ein großes Finale erwartet, aber vielleicht ist genau das ja eine Qualität von Yegussa.

PUbLIc ENEmy (5‘17)
Dieser Song beginnt mit einem coolen Bass, der sogleich von der stürmischen Gitarre unterbuttert wird. Beide Instrumente bauen zusammen Spannung auf. Ich kriege Lust zum Headbangen. Der Krachfaktor ist hoch, aber genau das gefällt, vor allem, da es sofort wieder in einen ruhigeren, aber dennoch energiereichen Teil weitergeht. Yegussas Musik fließt, ist ständig in Bewegung, keine Minute gleicht der anderen. Und schon beginne ich meinen Kopf zu bewegen, kann kaum still sitzen, als es wieder ruhiger wird – nur, um gleich danach wieder Spannung aufzubauen, die dann gegen Minute 4 beinahe explodiert. Elektrisierend geht es weiter. Der Song versandet, ehe ein einzelner Schlag auf die Drums ihn beendet.

WE dOn‘T nEEd BoDYbuilDing (5‘25)
Auch hier geht es kraftvoll zur Sache, allerdings beruhigt sich der Song nicht so oft wie sein Vorgänger. Das erfordert natürlich mehr Durchhaltevermögen beim Zuhören. Allerdings ist die Musik von Yegussa, die man wohl irgendwie in die Schublade „Postrock/Instrumentalrock“ stecken kann, nicht wirklich die, die man sich als einzelne Songs anhören sollte. Vielmehr ist das Gesamtkunstwerk gefragt. Krachpassagen werden durchbrochen von ruhigeren, die wieder Spannung erzeugen. Die Aufnahme klingt nicht perfekt, aber die ist auch live im Proberaum von Yegussa aufgenommen und deshalb ist der Sound wohl auch so, wie die Band ihn haben will. Wäre ich Musikexperte, könnte ich auch sagen, ob man irgendwelche Fehler hört, aber ist das wirklich wichtig? Der ungestürme, brachiale Eindruck, der Yegussas Musik hier macht verträgt auch Spielfehler. Ich auf jeden Fall kann Spielfehler und semiprofessionelle Aufnahmebedingungen (von denen ich im Proberaum hier frecherweise mal ausgehe) verkraften, wenn die Instrumente so präsent und so ungestürm klingen wie auf diesem Album.

…aND ThEN notHinG happENED (0‘36)
36 Sekunden kurz ist dieser Track, der leise beginnt und quasi mit jedem Drumschlag lauter wird, anschwillt, nur um wieder abzuschwillen. Hier hätte ich mir mehr erwartet, aber der Titel verrät ja schon, dass nichts passiert.

OUr ShIP wiLL SiNk (8‘18)
Der längste Track vom Debütalbum Yegussas ist auch der letzte. Er beginnt ruhig. Und nach knapp zwei Minuten fühlt es sich für einen Moment so an, als würde er aufhören. Aber weit gefehlt, es geht weiter mit einem sehr rockigen Part, der eher ungewohnt und nicht so sehr nach Yegussa klingt. Dieser Eindruck wird aber schnell wieder wettgemacht, nur um danach wieder in noch experimentelle Klangerzeugungen überzugehen. Ich weiß nicht, was genau die Jungs mit der Gitarre angestellt haben, aber die fiept ziemlich, während Schlagzeug und Bass unbeirrt auf „Yegussa“ machen.
Dann folgt ein ruhiger, melodischer Part, der wiederum Spannung aufbaut. Ich hoffe diesmal auf die große Explosion. Und, kommt sie? Die Gitarre und die Drums bereiten darauf vor, und ja, es explodiert schon ein wenig. Und weiter. Kein großes KA-BOOM, aber immerhin. Jetzt (6‘27) flacht es wieder ab, vereebt. Dann setzt der Bass ein, spannungsgeladen auch die Gitarre. Hoffentlich kommt da jetzt noch die lang erwartete Explosion! Mhmm, dann verpufft die Energie einfach so, schade.

Ingesamt ist die Scheibe von Yegussa wohl etwas für Liebhaber des Krach-Instrumental-Rock-Genres. Auch wenn die endgültige Explosion leider fehlte, so macht Yegussa gepflegte Chaosmucke, die sich hören lassen kann. Hört euch einfach die Songs auf Myspace an, ehe ihr irgendwie versucht, an die CD zu kommen, um eventuelle Überraschungen zu vermeiden.

Mit einem Summen in unseren Ohren spielen wir endlos weiter

Með Suð I Eyrum Við Spilum Endalaust
So lautet der übersetzte Titel des neuen Albums »Með suð í eyrum við spilum endalaust« (Ich freue mich darauf, DAS im Radio auszusprechen!) von Sigur Rós, das Ende Juni erscheinen wird. Ab morgen wird es schon einen Vorgeschmack daraus Heute schon gibt es für lau auf der Homepage der Isländer einen Vorgeschmack darauf, geben, nämlich den Song »Gobbledigook « und das dazu passende Video. Und ab 9. Juni gibt es das ganze Album als Stream. Find ich klasse und ich bin ja mal sehr gespannt. Das Cover finde ich hübsch, aber sehr hell für Sigur Rós. Und: Woo-hoo!
(via nicorola. Danke an Georges für den Hinweis, dass es den Titel jetzt schon gibt.)

Nine Inch Nails weiter auf Online-Feldzug

Trent Reznor, bzw. Nine Inch Nails ist weiter auf dem Online-Feldzug gegen die Musikindustrie und veraltete Distributionsmodelle unterwegs. Heute wurde die Single Discipline veröffentlicht, die man sich gegen Angabe seiner Emailadresse für lau auf der Webseite von NIN runterladen kann. Wer seine Mailadresse nicht angeben will, dem sei PirateBays Dienst slopsbox.com empfohlen. Und es ist wieder Gesang zu hören. In dem Kommentar-Tag der Mp3 ist die Botschaft »Go to www.nin.com May 5 « zu lesen. An dem Datum erwartet uns wohl wieder ein neues Album von NIN. Ich tippe mal darauf, dass es kein neuer Teil der Ghosts-Serie wird, sondern ein komplett neues, nicht rein instrumentales.

Was für NIN eigentlich selbstverständlich ist, jedoch auch erwähnt werden sollte: Discipline kann auf remix.nin.com als einzelne Tracks heruntergeladen und remixt werden.

Die Musikindustrie scheint bald tot zu sein, wenn ihr nicht bald etwas einfällt. Kulturflatrate!

It’s the end of the world as we know it.

Gleich drei Schreckensmeldungen erschüttern Luxemburg. Die erste kommt aus einer mir nicht gänzlich unbekannten Stadt und klingt wie aus einem schlechten Thriller, dessen Autor lieber Psychologe als Autor gewesen wäre: Ein Verbrecher ist aus der Psychiatrie in Ettelbrück geflüchtet und ist jetzt wahrscheinlich auf dem Weg nach Portugal. Und die spanische Presse meldet, er sei in Spanien. Die lokalen Autoritäten wirken überfordert. Ich vermute, der Mann sitzt immer noch im Park neben der Anstalt und füttert die dicken Goldfische im Springbrunnen.

In Cattenom, dem Atomkraftwerk, das man anstelle des Atomkraftwerk gebaut hat, das man in Luxemburg bauen wollte, ist ein Arbeiter »leicht« radioaktiv verstrahlt worden. Was auch immer das heißt, leicht radioaktiv verstrahlt. Aber wie wir alle wissen, sind Atomkraftwerke, besonders wenn sie in strukturschwachen französischen Grenzgebieten stehen, sehr sicher. Und Radioaktivität ist völlig natürlich und so gesund wie Joghurt.

Die schlimmste Meldung finde ich allerdings, dass die ADR mit der AHL zusammen in die Wahlen geht. Das frühere Aktionskomitee für Rentengerechtigkeit und Demokratie, heutige »alternative Reformpartei« nimmt Mitglieder der Männergesellschaft mit auf ihre Listen. Wenn man hellbraun mit Scheiße mischt, was kommt denn da raus?
Ich hatte ja gehofft, die beiden Parteien würden sich (und der CSV) gegenseitig Stimmen klauen.

Was bleibt da? Sich zurücklehnen und die Show geniessen. Vielleicht fordert die braune Partei ja bald die Verlegung der Psychiatrie nach Cattenom und macht sich vollends lächerlich. [Bonusvideo nach dem Klick] Weiterlesen

Politik ist kein Spiel

Ich hab heute auf dem Klo ein Regionalblatt der christlich (a)sozialen Volkspartei (haha!) gelesen. Ich habe keine Ahnung, wie das in unseren Haushalt gelangt ist, aber es ist nun mal passiert. Da standen dann einige wenige Informationen über all das Gute, das die Partei in den letzten 50 Jahren hier im Ort getan hat und viel Geblubber über nationale Politik, das wohl in jeder Ausgabe auftaucht. Auch praktisch. Man erweckt den Anschein von regional und spricht dann über die Kampfabstimmung über die Euthanasiefrage. Der Schmerz über dieses verlorene Votum muss sehr tief sitzen. Vor allem, da es zeigt, dass das Land auch sehr wohl ohne CSV regiert werden kann. Aber darum ging mir nicht.

Ich saß also auf dem Klo und lass in diesem Käseblatt. Da gab es dann einen Artikel über die Jugendpartei, gewinne einen iPod und chatte mit Parteimitgliedern. Gleich neben einem Veranstaltungshinweis für ein Seminar der CSV-Senioren. Und dieser Artikel begann mit den Worten »Politik ist kein Spiel…«
Ich hörte sofort auf zu lesen. In meinem Kopf ging das hier los und ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. D‘Politik, Madame, ass kee Spill!

Die, Closed Source, Die!

FoxyTunes, eine ziemlich geniale Firefox-Extension, die von der einfachen Steuerung für eine Legion Musikplayer zu einer Webseite mit Songinformationen aus multiplen Quellen entwickelt hat, wurde von Yahoo gekauft. FoxyTunes funktionierte immer so: Man hat auf den Song geklickt und eine Informationseite über den Song ging auf. Da gab es neben Infos über die Band aus Wikipedia Videos von Youtube, ähnliche Bands von last.fm, Songs auf Hype Machine, Links von Google, Alben von Amazon und Lyrics aus dem Lyricswiki. Natürlich kann man sich das alles selbst zusammensuchen. Aber es ist schon nett, das alles auf einen Klick präsentiert zu bekommen.

Nachdem Yahoo die Seite gekauft hat, ist das natürlich ein wenig anders. Es geht nach dem Klick natürlich immer noch eine Informationsseite auf, aber viele Module haben gewechselt. Dass die Links von Google durch Links von Yahoo ersetzt wurden, verstehe ich ja noch. Aber auch die Lyrics-Box aus dem Lyricswiki hat man durch eine von Yahoo Music ersetzt. Einziges Problem: Es scheint in dessen Datenbank keine Lyrics von irgendeinem Lied zu geben, das auf meiner Festplatte ist. Was ziemlich scheisse ist, denn jetzt ist meine Hauptmotivation, mir diese Informationsseite anzusehen, nämlich die schnelle Anzeige der Songtexte, flöten gegangen. Und wieso? Weil auf eine geschlossene Lösung statt auf ein offenes Wikisystem zurückgegriffen wird. Ich werde FoxyTunes wohl nicht mehr updaten – wer weiß, was Yahoo noch alles damit vor hat?

Überkompression und »Loudness War«

Das Thema hatten wir ja schon mal. Die SZ hat sich ebenfalls damit beschäftigt. Der Artikel beinhaltet wenig neues, ausser einem relativ interessanten Teil über die klassische Musik, der allerdings nicht wirklich die Fragen beantwortet, die in der Diskusion hier aufgekommen sind: Dass man Kompression einsetzen muss, um Musik mit einer hohen Dynamik überhaupt auf eine CD zu kriegen, ist klar. Inwiefern der »Loudness War« sich auch auf dem Klassikmarkt zu bemerken macht, darüber erzählt uns die SZ leider nicht viel oder im Grunde genommen das, was zu erwarten ist: man geht behutsam vor.

Hi-Fi is dead

Auf jeden Fall fast. Die Musikindustrie forciert die Produzenten, Stücke bis aufs letzte durch den Kompressor zu jagen, damit sie so laut wie möglich klingen. Dadurch ensteht das, was man gemeinhin als »Brei« bezeichnet. Die Rolling Stone (USA) hat ein exzellentes Dossier dazu zusammengestellt: The Death of High Fidelity.
Was noch dazukommt: Radiostationen jagen ihr Programm ebenfalls durch einen Kompressor, um im Gegensatz zur Konkurenz noch einmal lauter zu wirken. Was dabei rauskommt, muss ich niemanden mehr beschreiben.
(via Nerdcore)