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Ann Leckie – Ancillary Mercy

Ancillary Mercy Als ich Ancillary Justice kaufte, dachte ich wenig darüber nach. Das eBook war für den deutschen Sprachraum recht billig, ich brauchte neuen Lesestoff und das Buch hatte gerade einen Hugo gewonnen und war von einer Frau. Ich habe das Buch vorbestellt, weil es dafür die ersten drei Kapitel von der Autorin gab. Wenn ich englischsprachige ebooks kaufen will, ist das meistens so ein wenig ein Krampf, um einen Shop zu finden, der einigermaßen günstig ist und nicht irgendwelchen merkwürdigen IP-Sperren hat, um Leuten außerhalb der USA ihre Bücher nicht zu verkaufen. Google play ist da oft eine gute Anlaufstelle, aber das mit dem Vorbestellen hat nicht so ganz geklappt. Oder eher: Das mit dem Ausliefern nicht. Der große Tag war da, aber das Buch war nirgendwo zu sehen. Ich schrieb dem Support und bekam – statt dem Buch – mein Geld zurück. Kobo konnte ich dann doch noch überlisten, indem ich zuerst auf kobo.at ging. Ich habe aufgegeben, das verstehen zu wollen. Immerhin hatte ich jetzt das Buch und konnte mit dem Lesen anfangen (unnötig zu erwähnen, dass ich die ersten drei Kapitel, die ich vorab bekommen hatte, noch nicht gelesen hatte).

Das zumindest von mir lang erwartete Ende der „Imperial Radch“-Trilogie hat auf jeden Fall nicht enttäuscht. Während „Justice“ einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt des ehemaligen Raumschiffes Breq gewährte, zeigte „Sword“ eine einzige teezüchtende Welt des weiten Radch Imperiums. „Mercy“ ist anders: Schneller, düsterer, verzweifelter und überraschenderweise auch lustiger [kleinere Spoiler ahead]. Weiterlesen

Octavia E. Butler – Dawn

dawnDie Erde wird in einem Atomkrieg zerstört und die letzten Menschen werden von sehr merkwürdigen Aliens, den Oankali, gerettet. Die lassen die Menschen erstmal eine Runde schlafen und nach ein paar hundert Jahren wecken sie Lilith auf, die erst lernen muss, sich an den Anblick der Oankali zu gewöhnen, um dann in eine Familie aufgenommen zu werden. Die Oankali haben nicht nur ein merkwürdiges Aussehen mit vielen vielen tentakelähnlichen Sinnesorganen, sondern auch noch ein etwas komplexeres Fortpflanzungssystem als Menschen, mit drei Geschlechtern. Außerdem können sie (zumindest das „neutrale Geschlecht“) direkt DNA manipulieren, Krebs heilen und müssen sich öfters mal mit anderen Spezies paaren, um ihre genetische Vielfalt zu erhöhen. Das Wenige, was von der Menschheit nach dem Atomkrieg übrig blieb, wurde also gerettet. Aber die Oankali stellen eine Bedingung: Für sie kommt so eine Rettungsmaßnahme nur in Frage, wenn sie „einen Tausch“ dabei erledigen können.

Dieser Tausch besteht darin, dass sie die Erde mit Oankali/Menschen-Hybriden wiederbesiedeln wollen. Lilith findet diesen Plan schrecklich, kann aber in ihrer Lage als „Gerettete“ (oder Gefangene?) nichts dagegen tun. Sie integriert sich in eine Familie, in die sie zugeteilt wurde und freundet sich nach und nach mit dem Kind an. Ihr wird die Aufgabe zuteil, eine Gruppe von Menschen aus dem Tiefschlaf aufzuwecken und sie darauf vorzubereiten, mit den Oankali gemeinsam die Erde wiederzubesiedeln. Weiterlesen

du hannerhältegt Stéck Schäiss

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Übersetzt steht da: Luxemburg, du hinterhältiges Stück Scheiße. Meine Freund_innen des Künstler_innenkollektives Richtung22 haben ein Theaterstück über die Nationbrandingkampagne des Großherzogtums geschrieben. Ich lege euch den Besuch ans Herz, denn wenn R22 etwas anfasst, wird das meistens ziemlich gut. Der Spruch, der sich etwas an „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“ anlehnt, passt in meinen Augen sehr gut zur hinterhältigen Politik Luxemburgs. Sowohl auf der Ebene der Steueroptimierungen, auf der Luxemburg nur davon profitiert, dass andere keine/nur sehr wenig Steuern zahlen möchten, als auch auf der gesellschaftlichen Ebene, wo ungefähr 80 Prozent der Wahlberechtigten Nicht-Luxemburger_innen das Wahlrecht verwehrt haben. Mit dem Argument, die sollen doch einfach Luxemburgisch lernen (Wer an dieser Stelle „hä?“ denkt: Ja, das tat ich auch. Fakten oder Sinnzusammenhänge spielten in dem Referendum keine Rolle). Und wenn ich mir die Kommentare unter Artikeln, die von 42 Refugees berichten, die eins der reichsten Länder der Welt gnädigerweise aufgenommen hat, ansehe, bestärkt sich der Eindruck nur allzusehr. R22 erklären in diesem Text, warum sie den Titel gewählt haben und hier gibt es Tickets für die Vorstellungen zu reservieren. Während ich dies schreibe, sind nur noch sehr wenige Plätze frei, also macht euch ran.

Ach ja, ihr könnt jetzt dann auch das hier machen: Follow my blog with Bloglovin, wenn ihr eure Blogs über Bloglovin lest.

Edit:
Das Stück gibt es nun auch auf vimeo zum Streamen oder runterladen.

Unknown Mortal Orchestra – Multi-Love

multiloveDas mit mir und der Musik, das ist ja nicht immer so leicht. Ich vermisse manchmal die Zeit, in der sich meine Musiksammlung auf einen Ordner mit ca. 100 mp3s beschränkte und ich dennoch immer genau wusste, was ich hören wollte. Heute steht mir fast die gesamte Musik der Welt offen und ich finde mich dennoch erstaunlich oft damit ab, dem Lüfter meines Computers zuzuhören. Das ging mir vor ein paar Wochen auf die Nerven; alleine schon deswegen, weil ich es peinlich finde, in einer Radiosendung immer nur altes und das gleiche Zeug zu spielen (jetzt spiele ich halt das gleiche neue Zeug immer und immer wieder) und so suchte ich nach neuer Musik.

Und fand Unknown Mortal Orchestra, eine neuseeländisch-amerikanische Band, die in so vielen Schubladen steckt, dass ich sie nicht alle aufzählen mag. Mal erinnert es an die popige Zeit der Smashing Pumpkins, mal klingt es entfernt nach Pink Floyd, dann wieder nach Funk. Weiterlesen

Virginia Hamilton – Justice and Her Brothers

justiceDie 11-jährige Justice lebt mit ihren Eltern und ihren Zwillingsbrüdern irgendwo auf dem US-amerikanischen Land. Die Kinder haben Sommerferien, während der Vater arbeite, und die Mutter zur Schule (Uni?) fährt und sind so den Tag über auf sich alleine gestellt. Eine Hitzewelle hat das Land erfasst, was die Zwillingsbrüder Levi und Thomas nicht davon abhält, das „great snake race“ zu veranstalten. Justice mag zwar keine Schlangen, trainiert sich den Ekel jedoch ab, weil sie auch mitmachen will. Doch während das Ereignis, an dem alle Jungen des Ortes mitmachen werden, immer näher rückt, bemerkt Justice, dass Thomas und Levi sich immer merkwürdiger benehmen und ersterer seinen scheueren Zwilling zu kontrollieren scheint. Sie bemerkt aber auch, dass sie selbst merkwürdige Kräfte hat, als sie glaubt, sich in einen Stein zu verwandeln. Weiterlesen

Bis in die Nacht

Ich habe eben einen Radiobeitrag über das Projekt HARIKO, wo das rote Kreuz in Luxemburg ein Kunstangebot für Jugendliche vor allem aus nicht-kulturnahen Millieus (Arbeiter_innenklasse, unbegleitete Refugees, usw.) schaffen will. Ich habe mir das am Freitag angesehen und war ziemlich begeistert. Leider habe ich es auf dem Foto nicht geschafft, den Charme des alten SOGEL-Gebäudes wirklich einzufangen: Irgendwo zwischen verlassener Fabrik und altem Bürogebäude. Und gerade sind noch beinahe alle Räume leer, was mir dieses Gefühl eines neuen besetzten Raumes gab, in dem bald was entstehen wird. Und ein bisschen so ist es ja auch, nur dass halt nichts „besetzt“ ist.

bisindienacht

Die Reportage läuft heute, 17. August zwischen 16 und 17 Uhr auf Radio ARA. Bis ich die zusammen hatte, war das allerdings ein kleiner Kampf. Aus irgendeinem Grund mochte Audacity (ein freies Audioschnittprogramm) mich nicht mehr und stürzte alle paar Minuten ab. Es speicherte zwar jede noch so kleine Veränderung, aber ärgerlich ist das dennoch. Als der Rohschnitt fertig war und ich meine Moderation einsprach, war sich das Aufnahmegerät nicht mehr sicher, ob es nun ein Aufnahmegerät oder ein merkwürdig piepsendes Ding sein wollte und brach einige Aufnahmen einfach ab. Ich vermute, dass die Batterien am Ende sind, obwohl die Anzeige zwischen einem und zwei Strichen schwankte und auch keine Meldung im Display zu lesen war. Alles so ein bisschen mühsamer als gewohnt, aber ich denke, das Resultat kann sich hören lassen. So bald der Podcast online ist, werde ich ihn hier verlinken.

(Nur so als Erklärung, warum heute kein anderer Text kam.)

Haruki Murakami – Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

die-pilgerjahre-des-farblosen-herrn-tazaki-079847314Tsukuru Tazaki ist (wie die meisten Protagonisten Murakamis) ein mittelalter alleinstehender Mann, der sich für nichts besonderes hält. Er baut Bahnhöfe und war vor seiner Studienzeit Mitglied einer fünfköpfigen Clique, deren Mitglieder bis auf ihn alle Nachnamen mit Farbbezeichnungen hatten. 16 Jahre vor Beginn des Romans verstoßen ihn die anderen, nun will er herausfinden warum und macht sich, angestoßen von seiner neuen Freundin, auf die Reise und die Suche nach der Wahrheit. Dazwischen gibt es Rückblenden in die Jugend Tazakis, in denen immer wieder das Stück Années de pèlerinage – I. Suisse – 8. Le mal du pays von Franz Liszt eine Rolle spielt. Weiterlesen

Genevieve Cogman – The Invisible Library

the-invisible-library-book-one-978144725623601Ein Fantasyroman, dessen Prämisse eine unsichtbare, im höchsten Maße magische Bibliothek ist, deren Bibliothekar_innen mehr oder weniger Geheimagent_innen mit Superkräften (und/oder magischen Talenten) sind. Die Bibliothek sammelt dabei „wichtige“ Bücher aus den verschiedensten Parallelwelten, die nicht nur unterschiedliche Versionen literarischer Werke beinhalten, sondern vor allem unterschiedlich von Magie, Chaos oder Technik beherrscht werden. Das klingt alles sehr abgefahren und der erste Band der Serie öffnet auch erst ein kleines Türchen in dieses (hoffentlich) großes Multiversum, das viel Potential hat. Warum das Debüt der Statistikerin absolut lesenswert ist. Weiterlesen

Bücher 2014

buecher2011

Ich habe 2014 enorm viel gelesen, was sicherlich zu einem großen Teil dem eReader (ein PocketBook) zu verdanken ist. Die Möglichkeit, jedes Buch innerhalb von wenigen Minuten lesen zu können, ist großartig und sorgt bei mir dafür, dass viele Lesewünsche nicht erst auf die „das sollte ich mal lesen“-Liste landen, sondern dass ich sie tatsächlich lese. Außerdem ist es wirklich befreiend, auf Reisen nicht mehr viele Bücher mitschleppen und/oder sich die Seiten rationieren zu müssen. Ein interessanter Nebeneffekt: Ich lese nun auch Werke wie Fanfictions oder Rollenspielregelwerke, die ich am Monitor bisher immer zu mühsam fand. Und ärgere mich darüber, dass der Großteil meiner Unilektüre nur eingescannt oder in mehrspaltigen PDFs zur Verfügung steht und ich sie ausdrucken muss, wenn ich zum Lesen nicht vor dem PC, sondern in der Sonne vor dem selbstverwalteten Studicafé Tüwi (das habe ich einmal gemacht, im Oktober, als die Temperaturen das noch zuließen. Da habe ich tatsächlich den eReader benutzt) sitzen will.

Ich habe laut goodreads 8909 Seiten gelesen, der bisherige Rekord war 2012 mit 6605 Seiten. Da ich die vielen Fanfictions und wissenschaftlichen Papers nicht auf goodreads eingebe(n kann), ist die reale Zahl wohl noch höher, vielleicht waren es tatsächlich 10.000 Seiten. Meine goodreads-Challenge mit 20 Büchern habe ich so gerade geschafft, wobei ich mit meinem Leseverhalten insgesamt sehr zufrieden bin. Was habe ich denn so gelesen? Weiterlesen

Ann Leckie – Ancillary Justice

Leckie_AncillaryJustice_TP-692x1024Ann Leckie hat mit „Ancillary Justice“ mehere Sci-Fi Buchpreise gewonnen, unter anderem den Sci-Fi Buchpreis, den Hugo Award. Ich habe davon nichts mitbekommen, bis femgeeks darüber bloggte. Ich brauchte nach der „A Song of Fire and Ice“-Serie und ein paar Lovecraft-Kurzgeschichten (ich werde versuchen, darüber zu bloggen, um meinem Vorsatz vom Jänner treu zu bleiben), mit denen ich mich den Sommer über unterhalten habe, sowieso wieder Lesestoff. Bei kobo kostete das eBook 6,50 Euro. Das ist ein fairer Preis, auch wenn eins vor dem Lesen das DRM wegtun muss, weil das sonst ja nur in die Quere kommen würde. Schöne neue Welt des digitalen Lesens: Ich sehe irgendwo ein Buch, das ich haben will, kann es sofort kaufen und auf meinen eReader schubsen, ohne auf ein Paket warten oder mir ein schlechtes Gewissen über alle Menschen, die das Buch vor mir in der Hand hielten, machen zu müssen.

Ancillary Justice spielt irgendwann in einer sehr fernen Zukunft. Die Menschheit hat viele Systeme kolonisiert, an die Erde kann sich keine_r mehr erinnern. Das Radch-Imperium hat tausende Jahre damit verbracht, andere Planeten zu annektieren, um diesen die „Zivilisation“ zu bringen. Die Protagonistin ist für einige dieser Annektionen mitverantwortlich, sie ist nämlich ein Schlachtschiff der Radch. Oder besser gesagt: die AI eines Schlachtschiffes, die neben ihrem Raumschiff-Körper auch noch viele Ancillaries, mit kybernetischen Implantaten aufgerüstete menschlische Körper steuert, die teilweise die Besatzung des Schiffes stellen. Der Roman ist aus ihrer Perspektive geschrieben, was sie gleichzeitig zu einer nahezu allwissenden Erzählerin und meheren „einzelnen“ Figuren macht. (Kleinere Spoiler nach dem Klick.) Weiterlesen