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Linkspam

Straßenbahnromantik

Wie der letzte Straßenbahnwagen bin ich auch manchmal: leicht hintendran.

Liebes Tagebuch,

heute waren für ein paar Sekunden alle meine Tabs weg. Ich dachte schon, ich hätte jetzt all jene Dinge verloren, die ich in einem Tab gespeichert habe. Bookmarks funkionieren für mich nicht mehr, weil ich die nie wieder anklicke und sofort lesen möchte ich dann auch nicht alles. Da dachte ich mir, es sei sicherer, die Links hier reinzuschreiben. Hier: Weiterlesen

Links zur Wahl in Luxemburg

WahlzettelDie Wahlen in Luxemburg sind vorbei, als Wahlsieger_innen sahen sich außer den Grünen alle Parteien – auch jene, die es nicht ins Parlament geschafft haben. Jetzt scheinen DP, LSAP und déi Gréng eine liberal-sozialdemokratisch-grüne Koalition vorzubereiten, was für einiges an Aufregung und Euphorie (je nach politischer Ausrichtung) sorgt. Einige Links, davor aber noch etwas Eigenwerbung, die nichts mit den Wahlen zu tun hat: Ich bin, wie einige von euch vielleicht mitbekommen haben, seit Sommer Teil der Chef_innenredaktion des progress, dem Magazin der Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft. Meinen ersten Artikel habe ich für unser Dossier über Mehrsprachigkeit geschrieben: Von Eichhörnchen und Igeln – Mehrsprachigkeit in Luxemburg. Das progress ist auch auf facebook – und nach 12 Jahren (den Geburtstag habe ich im Prewahlstress völlig vergessen!) ist mein Blog dort nun auch. Ihr dürft also kräftig liken und teilen, wenn ihr das wollt. Nun aber zu den Links: Weiterlesen

Radiocamp Nachlese

Der Bodensee von Bregenz aus gesehen. Himmel und See machen einen Großteil des Bildes aus, beide in strahlendem Blau. Der Himmel nimmt zwei Drittel des Bildes ein, ein schmaler, grüner Uferstreifen trennt ihm vom grünblauen See.

Es ist spannend. Je mehr internetfähige Geräte ich mit an den Bodensee zum Radiocamp schleppe, umso weniger blogge ich von dort. Dabei habe ich damalsâ„¢, als es nur drei internetfähige Rechner auf dem ganzen Camp gab, sogar livegebloggt. Heuer hatte ich ein Smartphone und mein Netbook mit und habe nicht einmal wirklich getwittert. Das kann aber auch zu einem guten Teil daran liegen, dass die meisten Teilnehmer_innen ähnlich ausgestattet waren und das Camp-WLAN das nicht so prickelnd fand und das Internet daraufhin mehr oder weniger streng rationiert wurde („Workshop X braucht von 9 – 14h Internet, bitte schaltet das WLAN auf euren Telefonen aus„).

Ich habe ziemlich spontan einen Workshop mit dem lustigen Titel „Wie mache ich Jugendradio?“ übernommen. Zwei Stunden haben wir über Jugendradio in seinen verschiedensten Formen geplaudert, dann sind wir dazu übergegangen, zwei Hörspiele zu produzieren. Wie das passiert ist, habe ich im Radiocampblog aufgeschrieben.

Anhören könnt ihr euch die Hörspiele hier:

Die Mückenmafia
[audio:http://www.freie-radios.net/mp3/20130516-diemckenma-56026.mp3] Download

Die Rückkehr
[audio:http://www.freie-radios.net/mp3/20130516-dierckkehr-56024.mp3] Download

Ich würde gerne mehr in Richtung Hörspiel machen. Mir schwebt eine Serie vor, mit vielleicht 15 Minuten pro Folge, vielschichtige Story, halbwegs gut produziert. Vielleicht ja sogar auf Luxemburgisch.

Lasagne und Mikroalgen: Linkdump

Bioreactor - Green algae in a fermenter.  by kaibara87 /  Some rights reserved. Licensed under a Creative Commons Attribution license

Die Lasagnen, die im Vereinigten Königreich für Aufregung sorgten, weil sie kontaminiertes Pferdefleisch statt Rindfleisch enthielten, wurden in Luxemburg produziert. Ich wusste nicht einmal, dass in Luxemburg Tiefkühlfertigprodukte für halb Europa produziert werden, aber offensichtlich funktioniert das auch nicht so gut wie opake Konten, billiges Benzin und Satelliten. Das Fleisch stammt offenbar aus Rumänien, wo es an einen niederländischen Händler verkauft wurde, der es an einen zypriotischen Händler verkauft hat, von wo aus das Fleisch an die französische Firma kam, die in Luxemburg produziert. Bisher weiß noch niemand genau, wer und wann das Etikett gefälscht hat. Ich musste über dieses Bild lachen und warte immer noch auf den „Lebensmittelskandal“, bei dem Fleisch durch etwas Pflanzliches ersetzt wurde und niemand es gemerkt hat.

Am Sonntag sind Rechtsradikale der „Wiener Identitären“ in die Votivkirche eingedrungen, in denen gerade Flüchtlinge des Refugee Protest Camps unterkommen. Die wunderbare progress hat ein Interview mit Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands zu den Hintergründen der „Identitären“, deren luxemburgischer Ableger im braunen FB-Seiten-Sumpf interessanterweise noch fehlt.

Viele Menschen aus Luxemburg denken gerade über Jean-Claude Juncker und seine 30 Jahre in der Regierung nach, so gewöhnlich ist das ja nicht. Die Frage, ob es eine „Generation Juncker“ gibt, hat einige Blogger (leider keine Frau*!) zum nachdenken gebracht. Max präsentiert eine Zwischenbilanz. Die Geschichte um den luxemburgischen Geheimdienst SREL und die parlamentarische Untersuchungskommission ist mittlerweile so weit, dass sich Menschen fragen, ob Jean-Claude Juncker eben jene Kommission belogen hat.

pianocktail ist wieder da, was mich sehr freut.

In Chicago soll die Luft von zwei Wolkenkratzern mit Hilfe von Mikroalgen gereinigt werden. Das Konzept klingt interessant, aber ich frage mich, wie gut die Mikroalgen auf Feinstaub und andere Luftverunreinigungen, die eine vielbefahrene Straße (bzw. die Kraftfahrzeuge, die darauf fahren) verursacht, reagieren. Algenbioreaktoren klingen für mich auf jeden Fall nach einer interessanten Art und Weise der Energieproduktion, die aber sicherlich auch ihre Nachteile hat. Ich wüsste z.B. gerne, ob die Algen in der Fassade im Winter eine besondere Beheizung brauchen, ob es Krankheitserreger gibt, usw. Ein weiteres spannendes Konzept, über das vielleicht nicht so oft berichtet wird sind Osmosekraftwerke.

photo: some rights reserved by kaibara87

Linkdump (II)

Ich will in Zukunft viel mehr über Bücher, Filme, Serien, Musik und sonstigen Kram schreiben, der mich bewegt. Weil es wichtig für mich ist, das aufzuschreiben, weil ich ich es fast elf Jahre lang viel zu unstrukturiert getan habe. Ich glaube nicht, dass ich es schaffen werde, viel strukturierter zu werden, aber wir brauchen ja alle etwas, wonach wir streben können. Manche Menschen wollen reich und berühmt werden, andere alle 150 151 649 Pokémon fangen, ich will mehr Struktur in der Art und Weise, wie ich hier über die Dinge, die mich beschäftigen, berichte. Ich gelobe, stets besser zu scheitern! Hier also jetzt einige Links, die ich interessant finde:

Über die Verfassungsreform in Luxemburg habe ich schon ein paar Worte verloren. Seit dieser Woche ist das Informationsportal der Zeitschrift forum unter constitution.lu online. Sehr gelungen, wie ich finde. Es ist zu hoffen, dass die Debatte dadurch Fahrt aufnimmt.

In Berlin beginnt jetzt bald eine Konferenz über JavaScript, die es geschafft hat, den Anteil der Frauen*, die dort Vorträge halten, auf 25% zu heben:

The ingredients are as simple as they are obvious:

  1. Open an inviting call for presentations (CFP).
  2. Select talks anonymously, and state in the CFP that you do so.
  3. Encourage people from under-represented groups to submit to the CFP.

Beating the Odds — How We got 25% Women Speakers for JSConf EU 2012

In dem deutschen Ort Insel gibt es seit Monaten Proteste gegen zwei Sexualstraftäter, die zugezogen sind. Und so reihen sich „normale Bürger_innen“ in Demos von Rechtsextremen ein:

Immer wieder reihen sich Menschen in die Demonstration ein, die nur von wenigen Polizisten begleitet wird: Eine Mutter mit drei Kindern, eine junge Frau, die anscheinend gerade mit dem Hund Gassi gegangen ist. Hier geschieht, was die Rechtsextremen sich so gern herbeifantasieren.

publikative.org – Bürger und Neonazis gemeinsam – NPD-Demonstration in Stendal

Es scheint mir umso wichtiger, auf die Menschen aufmerksam zu machen, die während des Nationalsozialismus ihr Leben riskiert haben, um unschuldige Menschen zu schützen und zu retten. Adolfo Kaminsky hat als Fälscher Tausenden das Leben gerettet, wie der Standard berichtet:

Bald überzog das Mansardenlabor ganz Frankreich, die Nordzone über Belgien bis nach Holland mit falschen Papieren. Wie viele es waren, weiß Kaminsky nicht. „10.000 Dokumente für Kinder, bedeutend mehr für Erwachsene“, schätzt er heute.

derStandard.at – Ein Meisterfälscher im Wettlauf gegen den Tod

FILMography ist ein schönes Projekt, das Fotos aus Filmen an den Originalschauplätzen zeigt. Bisher nur in New York, wenn ich das richtig gesehen habe, aber mehr kann ja noch kommen.

die Herzen, die ich nicht brechen wollte, dann aber doch gebrochen habe ist der lange Titel eines Blogs, das Christina ausgerufen hat und das Geschichten über Herzen, die eins nicht brechen, dann aber doch gebrochen hat, sammelt. Und die Geschichten gibt es jetzt auch als Zine. Ich habe noch nie so schnell etwas bekommen, das ich im Internet bestellt habe wie dieses Zine (glaube ich), aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich nur selten Dinge aus Graz im Internet bestelle. Ich habe es noch nicht durch, aber bin durchaus begeistert. Vor allem, dass es wieder Menschen gibt, die Zines machen. Eigentlich merkwürdig: Ich wäre begeistert bei einem „online only“-Medium dabei, habe bisher aber bei mindestens drei verschiedenen Printprojekten in irgendeiner Form mitgemacht.

Es hat mich gefreut, wieder mehr Kommentare hier zu lesen. Es ist schön zu wissen, dass doch einige mitlesen. So macht das mehr Spaß.

Eine Warnung zum Schluss: Glitch macht sehr viel Spaß und noch viel süchtiger. Wenn ihr nicht tage- und nächtelang Zeit habt, lasst es lieber sein. Ansonsten würde ich behaupten, dass es eine sehr gelungene und massentaugliche Mischung aus Farmville und Minecraft ist.

Linkdump

Ich dachte, ich würde mal wieder einige interessante Links posten, die mir heute so begegnet sind. Der Standard hat dieses Wochenende eine Schwerpunktausgabe über Mobilität. Ich habe meine Bachelorarbeit über Mobilität und insbesondere „intelligente Mobilität“ geschrieben und seit ich Anfang dieses Jahres ein Seminar über Urbanismus und Verkehr belegt habe, komme ich von dem Thema nicht mehr weg. Spannend finde ich diesen Artikel über die „Super-Radwege“ in Kopenhagen, wobei da das Blog Copenhagenize auf jeden Fall erwähnt werden sollte. Sehr interessant ist mit „der politische Wille ist entscheidend“ im Hinterkopf auch dieses Doppelinterview. Mit der Frage, ob das Internet Mobilität substituiert, wird Christoph Reinprecht konfrontiert.
Ist es eigentlich Usus, seine Bachelorarbeit online zu veröffentlichen?

Wie Google versucht, mehr Frauen einzustellen (und eingestellt zu behalten), hat sich die New York Times angeschaut. Poscoleri erfuhr leider einen homophoben Schlag in sein Gesicht und schrieb über seinen Umgang mit dieser Situation.

Zuletzt aber noch eine erfreuliche Nachricht: Mit the science of stupidity ist ein neuer Podcast über Zeichentrickserien gestartet, der sich in seiner ersten Folge mit Daria befasst, was ich grandios finde.

Update 24.08.2012 – 23:57 Den einen auch-verdammt-spannenden Link habe ich natürlich vergessen: Evernote – wohl irgendeine Notizapp für iOS – hat mit Moleskine ein smartes Notizbuch entwickelt. Mit der Kamera das Notizbuch abfotografieren, um die Notizen digital weiterverwenden zu können klingt wie ein „Hack“, eine Brückentechnologie bis es das digitale Notizheft gibt, das so gut und einfach zu verwenden ist wie ein analoges. Smartphones und Tablets sind, soweit ich das sehe und höre, ja eher nicht so für längere Textinputs zu gebrauchen, werden aber immer mehr zum universellen Gerät für alles und alle. Insofern spannend, dass es dieses Notizbuch überhaupt gibt. Vielleicht ist es dieser komischen Retrowelle zu verdanken, die gleichzeitig zurück zu der glorifizierten Analogzeit und vollständig digital (und social media) sein will. Ich fände beschreibbares e-paper ja sehr spannend, aber das ist wohl Zukunftsmusik.

Radio ARA vue par … Yours truly.

(Da fällt mir gerade ein, Jur Struly wäre eigentlich gar kein so schlechter halblustiger Pseudonym)

Dieses Jahr feiert „mein“ freies Radio, Radio ARA, 20 Jahre. (Meine Uni feiert 140 Jahre und ich verwechsele beides manchmal, was zu lustigen Sätzen und verwirrten Gesichtern führt.) Deshalb hat Sandra, die die Jugendsendungen Graffiti betreut, eine Portraitreihe gemacht, in denen Radiomoderator_innen von ARA ihre persönliche Sichtweise des Radios und oft auch ihre ganz spezielle Geschichte dazu erzählen. Am Radiocamp am Bodensee Mitte Mai hat sie mich am Ufer des Sees interviewt. Ich erzähle ungefähr zwölf Minuten lang auf Luxemburgisch wie ich zum Radio kam, dass ich als Kind bei RTL Hörspiele über Vogelbabys, die auf die Straße gefallen sind, aufgenommen habe und von den Extremsituationen wie der 24-Stunden-Jingle-Marathon und die lange Nacht der luxemburgischen Musik.

[audio:http://podcast.ara.lu/wp-content/uploads/2012/06/2012-06-08-Radio-ARA-vue-par-Joel.mp3]

Die Anne (aka meine beste Freundin) hat ein neues, ziemlich ambitioniertes Blog- und Podcastprojekt namens Daran geht die Welt zugrunde gestartet. Im ersten Podcast wird mir persönlich ein bisschen zu viel durcheinander geredet und gelacht, aber heute soll schon eine zweite Episode zum Thema Religion kommen. Schaut und hört euch das auf jeden Fall mal an, die Leute aus der Kleinstgroßstadt Trier haben was drauf und viel vor.

Das Foto in diesem Beitrag und das Foto vom letzten stammen übrigens aus einer analogen Kamera, die ich mit einem wahrscheinlich fast zehn Jahre altem Farbfilm bestückt habe. Mehr Resultate dieses Experimentes findet ihr in meinem flickr-Stream.

Im April

(Artikel am 4. Mai angefangen, dann war irgendwie Bachelorarbeit und Radiocamp und jetzt erst Zeit. Würde das jetzt gerne öfters machen, vielleicht dann auch poetischer.)

Im April hat der Sommer angefangen. Natürlich nicht wirklich, weil das Sommer-hēliostásion erst im Juni ist. Den ersten April habe ich in der Pampa verbracht. Vor dem Heimfahren haben wir Lieder gesungen und die schalen Reste aus den Bierflaschen in den Abfluss geleert. Wir sind in einem Pickup gefahren und haben Witze über die coolen Collegeboys in den Filmen gemacht. Offenbar sind wir nun die coolen Collegeboys mit Pickup.

Im April habe ich Daria zu Ende gesehen und musste fast weinen, weil mich kaum eine Serie bisher so mitgenommen hatte. Ich habe viel mitgenommen, nicht nur die Weisheit, dass jeder Aspekt des Lebens mit Pizza verbessert werden kann.

Ich habe Leute wiedergesehen und neue kennengelernt, an einem Regensonntag bei Kaffee und Kuchen, denn der Sommer war doch noch nicht so ganz da. Ich habe mich gewundert, dass die Zeit erst jetzt den Rebound-Effekt entdeckte. Ich habe viel zu wenig Bücher geöffnet und mich über lustige Ansichten über kleine Großherzogtümer gewundert, habe gute Artikel über Rassismus gelesen und mich sehr gefreut, dass Lee wieder da ist. Auf dem Klo habe ich gelesen, allerdings nichts über Podcasts.

Im April sind wir in den Wald gefahren, viel zu früh und haben uns den ganzen Tag lang beschwert, haben uns Sonnenbrand geholt und einen Kohlenmeiler gesehen. Der April 2012 war ein guter Monat, er war ein schlechter Monat und er war ein mittelmäßiger Monat.
Er war und wird nie wieder sein.

Photo: Some rights reserved by AJ Batac

1001 x Silent Running

Radio ARA, der freie Radiosender in Luxemburg, bei dem ich jeden Montag meine Sendung Crumble sende, wird im Dezember 2012 zwanzig Jahre alt. Einige Sendungen, die von Anfang an bestanden, gibt es noch immer, so z.B. die Electronica-Sendung Silent Running von Gast. Über 1000 Sendungen von Silent Running wurden schon ausgestrahlt. Die 1001. wurde von Gasts Sohn gefilmt:

So sieht das übrigens nicht während den seltenen Gelegenheiten, zu denen ich Livesendungen fahre, aus. Ich brauche wohl noch mindestens dreizehn Jahre, bis ich so cool und gelassen hinter dem Mischpult sitze.