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Das Eis und das Blau des Himmels

Als ich nachzählte.

Ich habe die Tage bisher nicht gezählt, weil ich nicht ganz wusste, wo ich anfangen sollte. Aber wenn ich richtig gezählt habe, sind es zwölf. Ich weiß immer noch nicht, wie ich es nennen soll, vielleicht bleibe ich bei meiner Schiff-Metapher. Mir ist die Richtung, in die das alles segelt, immer noch nicht klar. Es scheint, als gäbe es jeden Tag ein Tau zu reparieren, was gleich wieder die nächste Reparatur nach sich zu ziehen scheint. Ich durchblicke das alles nicht und versuche, mein bestes Selbst zu sein, so lange ich das kann.

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Keine Enklave

Als jemand über das Piano sang.

Ich kann mit dem Piano nichts anfangen, aber ich mag den Song darüber. Eigentlich habe ich persönlich ja gar nichts gegen das Piano, aber mein früheres Ich hatte da eine tiefe Verbindung mit einer Piano-Geschichte, die damals noch nicht so lange her war und deswegen war das Piano unsympathisch – obwohl es ja eigentlich gar nicht das Piano war.

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Die Brise

Als ich an Deck stand.

Es ist wie auf einem Schiff. Ich finde den Gedanken tröstend. Es gibt Menschen, die ständig in vergleichbaren Situationen leben und damit klarkommen. Es ist grau, ich laufe in einer virtuellen Welt herum und baue Dinge, die dort Sinn ergeben. Es ist klar, dass eine Situation, in der ich Kontrolle hab, in einer Krisensituation wie dieser erstrebenswert wirkt.

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Der Anfang

Als ich den Mond sah.

Als ich meine Augen wieder öffne, stehe ich im Wald. Es ist jener Wald, in dem ich öfters mit dem Hund gehe, so matschig und nass und kalt und dunkel wie immer. Hat es hier begonnen? Nicht weit von dem Weg, auf dem ich stehe, sind die alten Minen, ich muss nur die Treppen hinabsteigen, mich gut an dem Stahlseil festhalten und einen Schritt vor den anderen setzen, dann spüre ich schon den kalten, muffigen Wind, der aus ihnen weht.

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Der müde Blick

Als ich aufräumte.

„Gib mir deine Erklärung. Ich möchte es endlich wissen, nach all diesen Jahren.“, flehe ich die Person, die wir einst Ruth nannten, an. Ich erwarte keine Antwort. Zumindest keine klare. In all dieser Zeit, in der ich mich mit ihren orakelhaften Sprüchen herumplagte, habe ich noch nie eine klare Antwort bekommen, warum erwarte ich jetzt eine?
„Oh, du hast schon klare Antworten bekommen. Du hast sie nur nicht annehmen wollen.“
Ich hätte genau das erwarten können, aber aus irgendeinem Grund dachte ich, es würde etwas kommen, was ich besser verwerten könnte. Ich schließe die Augen. Der Abgrund, der nur aus Sternen besteht, macht mich schwindelig.

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Der Leuchtturm

Als ich das Licht sah.

Manchmal kommen die guten Tage unverhofft, und manchmal sollte ich mir nicht zu viel Fragen stellen, warum sie da sind. Ich sollte sie wie unverhoffte Pakete von längst vergessenen Kickstarterprojekten aufmachen und mich über den Inhalt freuen – egal, wie selten sie kommen. Dies ist meine Erinnerung daran, als Leuchtturm in allen dunklen Zeiten, die da noch kommen mögen.

Die Heimfahrt

Als ich den Alptraum lebte.

Es kommt mir wie ein Alptraum. Ich sitze im Zug und starre aus dem Fenster. Das Gespräch neben mir bekomme ich kaum mit, auch wenn ich einmal grinsen muss. Meine Reaktion ist es, gemein und unnahbar zu sein, was ich selbst nicht nachvollziehen kann. Das macht mich noch unrunder, als presse mich etwas in ein Viereck.

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Die Werbung für den verfickten Achtsamkeitskurs

Als ich mich fragte, ob Steine Freund*innen sein können.

Ich weiß gar nicht, wie es jetzt schon wieder so spät geworden ist. Ich weiß auch nicht, warum ich noch Hunger habe und wieso keine Musik läuft. Ich weiß überhaupt nichts von diesen Dingen, obwohl die Antworten stets ganz einfach sind. Ich schreibe ins Netz, dass es mir nicht gut geht und am nächsten Tag bekomme ich Werbung für einen verfickten Achtsamskeitskurs. Ich achte doch ohnehin auf mich selbst, zumindest manchmal. Ich frage mich, ob es nützen würde, zu weinen. In letzter Zeit finde ich Geologie so spannend. In den Youtube-Roadtrip-Videos, die ich in den letzten Wochen geschaut hab, ging es viel darum, wie die Landschaften entstanden sind. In dem Einschlaf-Podcast um die Geologie des Mars. Steine sind außerdem sehr selten gemein, vielleicht sollte ich mehr mit Steinen zu tun haben.

Der verdammte Wespenschwarm

Als es immer noch kribbelte.

Ich halte inne. Ich weiß nicht, ob ich wirklich loslaufen soll. Meine Hand fühlt sich auf einmal kalt an, da niemand sie hält. Sie kribbelt dafür umso mehr, es tut schon beinahe weh. Manchmal wünsche ich mir, es gäbe eine gute Erklärung dafür, die nicht „psychosomatisch“ lautet, dann hätte ich zwar seit über 15 Jahren eine schreckliche Krankheit, die dafür sorgt, dass meine Hände kribbeln, aber immerhin eine befriedigendere Erklärung.
„Du willst eine befriedigendere Erklärung?“, fragt mich die Person, die wir einst Ruth nannten.

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