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Die Stange

Als mir alles zu schnell ging.

Ich möchte eine Eisenstange in das Innere des Erdballs rammen. Nicht, um unseren Planeten aus den Angeln zu heben, sondern um die Zeit anzuhalten, oder zumindest langsamer vergehen zu lassen. Der Sommer hat noch nicht begonnen und ich trauere schon seinem Ende nach, sehe schon das dürre Laub, obwohl es gerade erst wächst.

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Der Neonregen

Als die Dystopie nicht sichtbar war.

Lichter in einer japanischen Großstadt.

Am Abend regnet es wieder. Ich trete aus dem Büro, zünde eine Zigarette an, und obwohl ich von Innen glaubte, es hätte aufgehört, regnet es immer noch. Manchmal wünsche ich mir, die Stadt wäre in ewiges Neonlicht getaucht, damit die Welt zumindest äußerlich so aussieht, wie die Dystopie, die sie ist. Stattdessen ist alles eine staubige, laute, ewige Baustelle, mit hässlichen Metallabsperrungen, alle paar Meter eingedellt.

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Das Zeitmanagement

Als es mal wieder viel zu spät war.

Bahnsteig, aus dem fahrenden Zug aufgenommen. Alles vers

Als ich das letzte Mal auf die Uhr geschaut habe, war es noch eine Stunde früher und ich hatte alle Zeit der Welt, dann habe ich mich mit Unbekannten über die Lebensdauer von Honigbienen gestritten. Verschwende deine Jugend, haben sie gesagt. Aber die frühen Dreißiger müssen ja auch für irgendetwas draufgehen, wenn ich nicht schon schlaflose Nächte habe, weil ich Nachwuchs verpflege.

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Das Jubiläum

Als es wirklich der Tag war und ich es fast vergessen hätte.

EIn grüner Hügel, ein grauer Himmel, alles verschwommen und verwischt.

Als ich die Tür öffne, regnet es schon wieder. Gerade eben hatte ich noch in der Sonne gesessen, oder zumindest in dem Schatten neben der Sonne. Nun schüttete es auf den Beton, laut und nass (wie das Regen eben so an sich hat, es wird niemanden überraschen) und mein Weg wurde etwas länger, umständlicher, mühsamer.

„Ich dachte, wir könnten uns auch mal in einem nicht-metaphorischen Raum treffen.“

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Die Dramatik

Als ich über mein Selbstbild nachdachte.

Bahndamm im Vorbeifahren

Ich war nie dramatisch genug für meinen eigenen Geschmack. Mein Balkon war nur im ersten Stock und ging zum Hinterhof. Keine Chance, darauf zu stehen und dramatisch auf die Stadt hinabblicken zu können. Auch sonst bin ich nicht groß genug für lange Trenchcoats oder sonstige wallende Gewänder, die dramatisch wirken könnten. Chronisch uncool, das ewige Label.

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Die Perfektion

Als mir eine Widmung peinlich war.

einen Sternenhimmel, ein sehr hübscher.

Am Morgen sehe ich ein Buch, das ich mal verschenkt habe, voller Hoffnung. Die Widmung, die ich damals reingeschrieben habe, ist mir unglaublich peinlich, auch nach all diesen Jahren noch. Durch einen Zufall finde ich ein Datum wieder, das sich morgen jähren wird. Es sind dann dreizehn Jahre, was ich für eine unbegreifliche Zeitspanne halte.

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Das leere Firmament

Als ich mich fragte, wo die Sterne sind.

Ein verschwommenes Bild einer Landschaft, grün mit düsterem Himmel. In der Ferne ist ein Hochspannungsmast zu sehen.

Ich lese über die Sanddornseife, die genauso roch wie Sanddornsaft schmeckt: nach Schleifpapier. Gleich bin ich zurück in dieser Dusche und wünsche mir, einen Tag länger geblieben zu sein in dem Sommer davor, sehne mich nach dieser naiven Körperlichkeit, nach der vermeintlichen Leichtigkeit, die in Wahrheit nur bedeutete, dass ich alle anderen Beteiligten verletzte. Damals wollte ich Entfernungen abwaschen, heute sind es Erinnerungen.

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Die Erlösung

Als sich das Gewitter wie eine Erlösung anfühlte

Regentropfen auf einem Fenster

Endlich, ein Gewitter, das die Versprechen der letzten Nacht einlöst. Ich räume alle vier Pflanzen auf meinem Fensterbrett sorgsam zur Seite, ehe ich es endlich wieder groß öffne, damit die kühle feuchte Nachtluft hineindringt und mich abkühlt. Wie gerne würde ich heute Nacht frieren, die Decke fest über mich und um mich herum schlingen, als wäre sie mein einziger Schutz vor der Welt. Einzig die Fahrzeuge, die meiner Meinung nach allesamt unerlaubt schnell durch diese Straße donnern, stören meine Regenmeditation.

Vielleicht ist Regenwetter das einzige Wetter, das ich wirklich mag, oder das, was ich am meisten mag.

Die Rückkehr

Als wieder alles merkwürdig war.

eine Autobahn, zu sehen ist eine Leitplanke und die Fahrbahnmarkierung in der Nacht, der Rest ist Dunkel und Bewegungsunschärfe.

Mein Körper macht merkwürdige Dinge, die ich nicht interpretieren kann. Ich bin grundlos gereizt, würde mir gerne Streit suchen, wenn es ich mich denn überhaupt auf sowas konzentrieren könnte. Die Hitze ist da, ich kann mit ihr nicht umgehen, genausowenig wie mit jedem anderen Wetter. Vermutlich gibt es genau einen einzigen Tag im Jahr, den ich angenehm fände, aber ich habe ihn wohl verpasst.

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