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die besten Nächte.

diebestennaechte

„Ich weiß gar nicht mehr, was mein Stil überhaupt ist!“
„Wusstest du das je?“, fragt sie mich, treffend wie immer. Ich mag ihr keinen Namen mehr geben, denn sobald ich ihr einen Namen gebe, wird ein Mensch mit eben jenem Vornamen in meinem Leben auftauchen und die Leute werden mich fragen, ob ich über sie schreibe und ich müsste dann wie eine Sphinx lächeln, aber stattdessen werden ich rot und sage Dinge wie „Nein, sie ist nur eine Figur, um die Leser_innen zu verwirren, die gar nicht wirklich existiert, aber gewisse Aspekte von gewissen Menschen zu manchen Zeiten repräsentiert, spiegelt oder hologrammiert.“ (Natürlich sage ich nicht „hologrammiert, ein so gutes Verb würde mir beim Sprechen niemals einfallen)

Früher hieß sie Ruth. Es muss auch keine „sie“ sein, das ist im Grunde völlig egal, in welcher Form ich sie imaginiere. Ihre Frage versetzt mir einen kleinen Stich zwischen die zweite und dritte rechte Rippe von unten. Wie mit einer sehr spitzen und sehr dünnen Nadel gesetzt schmerzt mich ihre Aussage kurz und ungeahnt tief. Weiterlesen

Kälteeinbruch

„Ich habe unglaubliche Lust auf Kamillentee.“, sagt sie.
Zum Glück versteckt sich in meinem Schrank eine Tüte mit getrockneten Bio-Kamillenblüten, die einen wirklich wunderbaren Tee ergeben. Ich setze Wasser auf, putze meine Brille, während der schäbige Wasserkocher vor sich hin brodelt.

Kamillentee

„Eigentlich wäre es schön“, meine ich, „wirklich Wasser aufzusetzen. In einer Teekanne, die auf den Herd kommt und lustig pfeift, wenn das Wasser fertig ist.“
Sie nickt, sagt nichts. Leider ist das energetisch wohl ziemlich ineffizient. Ich bin nicht der Meinung, dass alles immer möglichst effizient sein sollte, aber Energie sparen ist mir wichtig.

Die Katastrophe, in die wir uns und unseren Planeten stürzen, mag nicht so plötzlich kommen wie beispielsweise ein Atomkrieg, und wahrscheinlich ist genau das ihr Problem – sehenden Auges laufen wir in den Abgrund, weil er gar nicht so tief aussieht – aber verheerend wird sie trotzdem sein. Vielleicht hätte sie sogar das Potential, den eben genannten atomaren Konflikt auszulösen. Ich erzähle ihr das. Nein, ich halte eher eine Rede. Meine eigenen Worte regen mich auf, während dem Sprechen stellen sich mir die Nackenhaare auf, mein Rücken eine einzige Gänsehaut. Zu viel Pathos in meiner Stimme.
Sie hat Gänsehaut auf den Armen und schaut mich schockiert an. Vielleicht ist das einer dieser Momente, die das Leben verändern. Vielleicht ändert sich ihre Sicht auf alles im Leben, weil ich so gefangen von meinen eigenen Worten war, als ich meinen Monolog gehalten habe.
Der atomare Winter, die Gänsehaut: Ironie des Schicksals.

Nachdem sie am Tee genippt hat, öffnet sie den Mund, als ob sie was sagen wollte, schließt ihn wieder.
Dann, endlich: „Ich fühle mich manchmal unglaublich einsam.“
Ihre Stimme ist eiskalt.
Ich frage sie, ob sie darüber reden will.
„Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es sich nicht mehr lohnt, darüber zu reden, weil es nichts mehr zu reden gibt.“
Ob es ihr helfe, wenn ich sie umarmte. Ich bin so. Ich stelle solche Fragen genau so dumm und gerade heraus, weil ich Angst habe, etwas Falsches zu tun. Magie des Augenblicks: esoterischer Humbug.
„Irgendwann bringt auch jede noch so freundschaftlich gemeinte Umarmung nichts mehr, weil sie nur den Schmerz aus einem heraus presst. Diese Momente kommen und gehen. Sie tun weh, aber sie sind nicht dauerhaft. Die Frage ist nur, wann diese Momente keine Löcher mehr sind, aus denen ich raus krabbeln kann, sondern ein Abgrund.“
Wieder ein Monolog, diesmal von ihr. Mich fröstelt es überall.

Die Probleme im Großen und im Kleinen ähneln sich.

photo CC BY 2.0 derya

Lazy on a wednesday afternoon

Woher kommt eigentlich das Bedürfnis, englische Titel benutzen zu müssen? Eigentlich bist du gar nicht faul. Du musst diese Tasse Kaffee trinken. Und für den Rest bist du einfach nur verrückt, glaube ich.
Das Wetter ist alles andere als Sommerwetter. Es ist grau, regnerisch und relativ kalt. Eine Welt ohne Jahreszeiten. Nie wieder den Geruch von Sommergewittern, weil es einfach keinen Sommer mehr gibt. Das wird der große Verlust unserer Generation. Einfach, weil es keine Jahreszeiten mehr gibt. Zeit ist relativ, über Geschmack lässt sich streiten, aber ich will nicht in einer immerfeuchten, immergrauen, deprimierenden Welt leben.
Sie verändern das Wetter! Sie bauen riesige Antennen, um Wolken zu erschaffen, dicker als Wolldecken!
Was für ein Blödsinn. Als ob Autos nicht genügen würden…
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Synästhesie deluxe oder: treasures look like common stuff

„Wie wär es, den Scheiss erstmal zu trinken?“
„Is kein Scheiss.“
„Ich weiß.“, sagte ich und lächelte.
„Jetzt bist du wütend auf dich selbst, weil du das gesagt hast.“
„Du hast Recht.“

Es war schwer, das zuzugeben, sofort danach. Wobei das auch wieder nicht stimmte. Es war schwieriger zuzugeben, dass sie meine Charade voll und ganz durchschaut hatte.
Zum Glück war auf ihrem Gesicht eins der netteren Lächeln zu sehen.
Auch wenn mir der Stand des Gespräches nicht umbedingt gefiel, so mochte ich doch die Atmosphäre, in der wir uns befanden.

Es war mittlerweile dunkel geworden, und der Mond schien durch das große, vorhanglose Fenster in die Küche. Wir waren beide zu faul gewesen, aufzustehen, um das Licht anzumachen – und mir jedenfalls gefiel das Zwielicht, in dem wir saßen, und ihr schien es auch nichts auszumachen, soweit ich das beurteilen konnte.

Sie nahm einen Schluck des Rums und warf einen zweideutigen Blick auf mein noch gefährlich volles Glas.
„Küss nicht zu viele Engel…“ Weiterlesen

“Oh mein Gott, wir sterben!!” brüllte er, während er das Radio mit einer Axt in kleine Stücke zerteilte und Tee über die Trümmer goss II

„Die globale Erwärumg schlägt jetzt also zu. Und wir können nichts dagegen tun, dass ein Großteil der weiblichen Bevölkerung nun allem Anschein nach so viel Haut wie nur irgend möglich zeigen muss – is das wirklich so angenehm oder fühlt man sich in gewissen Kleidungstücken nicht *zu* nackt?“

Anne nahm einen großen Schluck des eisgekühlten Orangensaftes, den ich ihr serviert hatte und wie ich ebenfalls einen trank, bevor sie antwortete:
„Ich hab dir ja erzählt, was für Ängste ich manchmal habe.“
Ich lächelte und drehte mein Gesicht in die Richtung des Ventilators, der in der drückenden Hitze meines Dachbodenzimmers die einzige Kühlung darstellte.

Die Musik, die mir wie farbige, grünliche Dunstschleier in der schweren und dicken Luft des Sommerabends, der unter dem Dachboden einfach nicht abkühlen wollte, schien, war uns beiden bekannt und passte zu der Hitze.

Ich nippte ebenfalls an dem großen Orangensaft, der herrlich kalt war und mich sehr erfrischte. Trotzdem spürte ich, dass ich komplett durchgeschwitzt war und nichts dagegen tun konnte. Ich saß gegen meinen Kleiderschrank gelehnt, die Beine weit von mit gestreckt, phlegmatisch. Anne saß mir gegenüber, auch auf dem Boden, allerdings gegen mein Bett gelehnt. Sie hatte den Kopf in den Nacken gelegt und beobachtete das rege Treiben der Schwalben über unseren Köpfen.

Der Ventilator schnitt kaum merklich durch die Musik, jedes Mal, wenn er sich Kühle spendend zu mir drehte.

Ich erzählte Anne von meinem Tag. Dass die luxemburgische Bahn das erste Mal in meiner Bahnfahrerkarriere Verspätung hatte, und auch gleich noch so heftig, dass ich ne halbe Stunde Verspätung hatte und die Frau, die ich interviewte, auch noch so lange warten musste.
Nach der Sendung, die meiner Einschätzung nach gut geworden war, hatte ich mir ein Eis gekauft.

Eis erschien fast wie ein Luxusobjekt im Anbetracht der Hitze unter dem Dachboden. Glücklicherweise wehte ein wenig laue Abendluft hinein.

Anne fragte mich, wo ich das Eis gekauft hatte, und ich erklärte ihr die Stelle. Ich erzählte ihr auch von den merkwürdigen Gedanken, die ich bei dem Mädchen im Zug hatte, das ich eigentlich nicht kannte. Ich saß nur mal mit Ohrstöpseln in den Ohren neben ihr in der Bibliothek.

Meine Gesprächspartnerin lächelte und nahm einen großen Schluck Orangensaft.

Ich mochte diese ruhige, von der Hitze beherschte Stimmung.

Der seltenste Vogel

Ich saß mit Anne auf dieser Parkbank in D. und beobachtete ein Blatt, das sich im leichten Wind des grauen Tages hin und her bewegte, so dass ich es für einen Vogel hielt.
Wir redeten über den Tag, wie er bisher gelaufen sein. Meine Erzählung war recht kurz, immerhin war ich erst spät aufgestanden und hatte erst um 17 Uhr in D. sein gemusst, wo mich ein merkwürdiges Briefing erwartet hatte. Nun war ich auf der Wanderung, um mir die Zeit zu vertreiben, zwichen Briefing und Einsatz.
Einsatz war ein Wort, das militärisch klang.
Es war ja nur eine Party.

Ich war froh, die getroffen zu haben, denn ansonsten hätte ich alleine auf dieser Bank gesessen und das Blatt beobachtet, das aussah wie ein Vogel.
Es war grau. Und mit einem Male schien das ganze Leben grau zu sein. Kam „grausam“ von grau? Das war eine Frage, die niemand von uns beantworten konnte.
Wir saßen noch eine ganze Zeit schweigend auf dieser Parkbank, beobachten das Blatt in dem gepflegten Rasen des Parks, starrten in die ewig fliessende Sauer.
Und diese Brücke. Mir kamen die Worte „Die Brücke, der Scheideweg. Hier entschied sich einst alles.“ in den Sinn, obwohl ich hierfür keine Erklärung hatte.

Ich ging wieder, diesmal alleine, denn wir beide hatten verschiedene Dinge zu tun, und trotzdem war es gut, sie getroffen zu haben, dereinst.
Ich errinerte mich an das merkwürdige Lächeln dieses Mannes.

Mein Löffel der hat drei Ecken, drei Ecken hat mein Löffel. Mein Löffel der hat drei … Drei … hat mein Löffel. Mein Löffel der hat … … hat mein Löffel.

Ich saß mich auf das große Sitzkissen und warf meinen Kopf in den Nacken, während ich meine Knie zusammenzog. In den Händen hielt ich eine große Tasse schwarzen Tees, der wunderbar duftete und sehr gesüßt war, das wusste ich.
Anne nahm auf dem Bett Platz, ebenfalls in Kauerstellung, auch mit dem Rücken zur Wand. Mein Blick drehte sich und ich fing an zu reden, und die ersten Sätze, die ich von mir gab, klangen wie schlecht nachgemachte Sätze aus einem Film von Quentin Tarrantino.

Die Welt war im Arsch, und wir alle lebten in Wirklichkeit nach dem Weltuntergang.
In wessen Arsch, mochte man sich vielleicht fragen?

In Gottes heiligem Arsch. Ich überlegte laut, ob Gott anstatt von Bakterien einen Engel auf jedem geheiligten Milimeter seines Darms hatte. Dann würde mir der Gedanke, mich im Arsch von irgendjemanden zu befinden, zu blöde, und nach einem Lachen redeten wir über etwas anderes.

Ich kostete einen großen Schluck des warmen Tees und genoß es, einfach nur dazusitzen und die Stimmung zu genießen. Wir hörten AIR, und ein Teil von mir war in ähnlich weit entfernten Sphären wie diese Musik.

Ich erzählte Anne, dass mir das Wort „Elite“ nicht gefiele. Vielleicht war es nur Neid, kein Elitebewusstsein zu haben, obwohl ich ganz sicher zu irgendeiner Elite gehörte. Vielleicht zur Elite derer Leute, die sich über die abstrusesten Themen in Verbindung mit Gott und in Verbindung mit Verdaungsträckten unterhalten konnten. Jedenfalls, und das war der Hauptpunkt, gefiel mir dieses Wort nicht. Ich wusste ausserdem nicht, was dieses fictionpress dot com war, und ich spielte mit dem Gedanken, dort einiger meiner Geschichten reinzustellen. Es genügte, wenn die gelesen wurden – egal, wo. Und Ef Ef dot net konnte ich ja nicht benutzen, denn ich schrieb ja keine Fanfiction.

Ich erzählte Anne, dass niemand auf meine „Ich liege nackt mit Comme einem braunhaarigen Mädchen im Bett und höre Neubauten“-Anspielungen eingangen ist. Ihr konnte ich das ja erzählen, sie bloggte nicht und kannte Comme das braunhaarige Mädchen nur aus Erzählungen.

Der Tee schmeckte gut.
Zwichendurch erzählte mir Anne von ihrem Leben, ihren Problemen, ihren schönen Momente, und ich nickte, kommentierte, und trank schweigend meinen Tee dazu, nicht ohne aufmerksam zuzuhören.

Wir fragten uns beide, wie es wohl wäre, nicht mehr in der Schule zu sein. Und ich meinte, dass mir ein eigener Herd sehr viel Wert wäre. Mit oder ohne unsichtbares Zeppelin im Garten.
Trotzdem sei Orangengeruch im Aufzug etwas, was nicht umbedingt sein müsste – sowas wäre zu vermeiden.

Ich sah meine Cds durch, denn ich musste noch Musik für den nächsten Tag zusammensuchen, und das sei keine so leichte Aufgabe, wenn gewisse Leute einen sitzenliessen. Anne grinste und meinte: „Du kennst sie doch.“
Ich genoß den Tee.

Got the blues? oder: Dark grey clouds above Luxembourg-City

Als ich von ihr kam, erreichte mich ne SMS von Anne, und so ging ich, gebückt unter dem grauen Himmel der trostlosen Hauptstadt, wegen dem Feiertag unbelebt wie ein ausgebrannter Ameisenhaufen, zu ihr, bzw. zu dem ausgemachten Treffpunkt.

Wieder einmal eine düstere, verrauchte Bar und wieder einmal bot sie mir eine ihrer selbstgedrehten Zigaretten an, und wieder nahm ich einen Tee. Mir war nicht danach zu Mute, mich zu betrinken, auch wenn es in dem Lokal, das in dunkelen Blau und Grautönen gehalten war und dunkele Holztische und -stühle als Einrichtung besaß, offenbar populär war, langsam einen Whiskey zu geniessen.

Sie erklärte, die Musik gefalle ihr, ich nickte und fragte, ob ich erzählen könnte.
Anne meinte, nur zu, dazu wären wir doch teilweise in dem Laden, wenn auch nicht nur.
Und ich erzählte alles, was ich mit ihr gemacht hatte, das gemeinsame Schmusen, das Fummeln, das Nebeneinander Schlafen, das gemeinsame Frühstück und all die anderen mehr oder weniger unmoralischen Dinge.

Auf der kleinen Bühne, zu der die meisten Tische gedreht waren, stand, halb im Schatten, was bei der sowieso düstern Beleuchtung der Bar nicht viel Unterschied machte, ein etwas dickerer Mann mittleren Alters, der den Blues wirklich beherschte. Er spielte auf der Mundharmonika und sang dazu, während ein anderer, den ich nicht sofort erkannt hatte, auf dem Saxophon dazu improvisierte. Es war herrliche Musik, und irgendwie traf sie genau meine merkwürdige Stimmung zwichen Fröhlichkeit und einer sich aus unbekannten Beweggründen anbahnenden Depression – oder sollte ich es „den Blues“ nennen?

Was bliebe denn, fragte Anne.
Ich wusste nicht, ob ich wirklich eine Schlussfolgerung ziehen sollte, aber mir fiel etwas ein, das mir in den Sinn gekommen war, als ich über die Brücke gegangen war, die über den Luxemburger Hauptahnhof führt:
Es bleibt, das Gefühl, jemanden besiegt zu haben, und das auf in allen Berreichen. Einmal durch dieses Lied und einmal durch die Dinge, die ich mit ihr gemacht hatte.
Letzendlich war es auch der Sieg über mich selbst gewesen, über mein früheres Ich. Und deshalb sei es egal, was Wünsche, Träume, Vorstellungen und dessen Mischformen gewesen seien, denn das was zählte, sei das hier und jetzt.

Anne lächelte, nahm einen Schluck des Tees und ich dachte daran, dass Stella und Anne auf eine gewisse, merkwürdige Art und Weise untrennbar miteinander verknüpft waren. Und auf die gleiche merkwürdige und seltsame Art und Weise war ich froh darüber.

Und da trat ein achter Engel hervor, herrlicher und schrecklicher als alle vor ihm, und er spielte auf einer von göttlicher Energie angetriebenen Gitarre

Ich saß in einem dunkelen exotischen Cafe und rauchte eine selbstgedrehte Zigarette und schaute Anne an,während ich den Duft dieses merkwürdigen Getränkes einatmete. Das Sonnenlicht des sich dem Ende neigenden Nachmittages wurde von den roten und orangen Vorhängen abgehalten, und so enstand eine warme Atmosphäre, die düster genung war, um mir nicht freundlich zu erscheinen. Und dennoch mochte ich diesen düstern, verrauchten Ort.
Der Tee roch sehr exotisch, aber gut. Ein bittersüßer Duft, wie wenn man in einen Laden mit Räucherstäbchen geht. Solche brannten auch und vermischten sich mit den dicken Rauchschwaden die von den in kleinen Ecken gestellten Tischen kamen, an denen die Gäste saßen.
Wie bereits gesagt, ich schaute Anne an und nahm einen Schluck Tee, dann schaute ich wieder in ihre Augen. Ich weiß nicht mehr, wie lange, aber es muss länger als eine Minute gewesen sein. Dann erst fing ich an zu sprechen und erzählte ihr von dem Tag, den ich in einer anderen Stadt verbracht hatte. So schien es mir jedenfalls, denn ich wusste nicht wirklich, wo genau ich jetzt war. Es wirkte unendlich weit entfernt, das „Jetzt“ damals.

Ich war also damals aufgestanden nach diesem Traum, in dem ich mich im Spiegel gesehen hatte und ausgesehen hatte wie ein Taliban in spe, also mit nem 35-Tage-Bart.
Es war spät im Morgen gewesen, oder früh im Nachmittag, jedenfalls, blieb mir nur noch Zeit, ein Glas Orangensaft zu trinken und mangels Fernbedienung Pipi Langstrumpf zu sehen, bevor es zu essen gab.
Danach war ich mit einem Freund, den Anne mit einem Lachen „der Baum“ nannte, weil er von weitem wirklich aussah wie ein von Kindern gemalter Baum, ins Kino gefahren und wir hatten usn Karten gekauft für einen Filmmarathon und hatten uns dann einen Horrorfilm angesehen, der mich ein paar mal erschreckt hatte.

Anne nickte und erzählte mir von ihrem Tag. Es war schön, ihr zuzuhören, mich an dem Klang ihrer Stimme zu erfrischen. Zwichendurch nahm ich immer wieder einen Schluck des stark gesüßten Tees. Der Zucker darin hatte sich noch nicht ganz aufgelöst, also baggerte ich ihn mit dem Löffel herauf und lutsche ihn ab. Ich mochte das Knistern des Zuckers zwichen
Im Hintergrund lief merkwürdig ruhige Musik. Exotisch und doch modern, also mit dem, was man „Techno-Beats“ nennen könnte, aber unendlich langsamer. Chill-Out Musik, aber orientalisch angehaucht, was angesichts dem Laden, in dem wir uns befanden, auch gar nicht wunderte.

Dann fiel mir noch ein, dass ich vergessen hatte, zu erwähnen, dass an dem einen Dienstag wie prophezeit die 100% ungenutzte Zeit Wirklichkeit wurden, wobei ich den Vorteil hatte, eine Stunde mit meiner Deutschleherin zu diskutieren. Anne lächelte, als ich das sagte, denn sie kannte die Frau.