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Der Wunsch

Ich wünschte
ich könnte dir sagen
wie sehr ich dich umarmen will
ohne dass es so klingt wie es klingt
Ich wünschte
ich müsste es dir nicht sagen
Ich wünschte
ich hätte mehr zu sagen
als dieses Entfernungsding
immer und jeden Tag
Ich wünschte
ich müsste nicht so viel wünschen

Internationaler Kampftag der Arbeiter*innenklasse

Als ich am 1. Mai Home-Office machen musste.

Ein sehr blauer Himmel mit vielen Wolken

Eine Musikkapelle, die morgens in meinen traumlosen Schlaf einmarschiert
Der Kaffee, den ich viel zu schnell trinke
Der Käsetoast, den ich zum Frühstück esse
Das Aufraffen, für das ich einen Spezialkran benötige
Der Zettelberg, in dem ich Notizen verstreut habe
Die Tastatur, die sich vertrauter anfühlt als noch vor einem halben Jahr
Forest, das dafür sorgt, dass ich auch tatsächlich arbeite
Der Feierabend, in dem ich mich in die Sonne setze
Die Sonne, die viel zu schnell hinter dem Horizont verschwindet
Der Abend, an dem ich allen Möglichkeiten hinterhertrauere

Der ewige Sommer

Als ich mich an ein Badegewässer wünschte

ein Badesee. Es ist nur ein schmaler Streifen Horizont zu sehen, sonst nur Wasser, im Hintergrund ein Boot und eine Boje

Irgendwann wird er kommen, der ewige Sommer
und alle Städte werden an der Donau liegen
oder es wird nur noch eine Stadt geben
und viel wichtiger: Wir alle werden schwimmen gehen
an einem Alt-Arm oder in der Donau selbst
das Wasser wird immer Badewannentemperatur haben
und wir immer zu salzige Pommes.

Tausend Inseln

Als ich mich mal wieder an „Poesie“ versuchte.

Satellitenaufnahme des Aaland-Archipels, Finnland.

Ich erinnere mich an den Tag, der damit begann, dass beim Versuch, die Sojamilch in den Kühlschrank besonders cool zurückzustellen
eine Flasche veganes Thousand Islands-Dressing
was für ein poetischer Name, dem das Dressing nicht gerecht wurde
Zu Boden fiel
Aus dem Kühlschrank sprang
Zu meiner völligen Zerknirschtheit
Denn es war eine Glasflasche, die in tausend Stücke zersprang
Und das Thousand Island Dressing in tausend kleine Spritzer am Küchenboden verteilte
Ich erinnere mich genau an das Knirschen der Scherben auf dem Fliesenboden, der eine undefinierbare Farbe irgendwo zwischen grau, ocker, beige und anderen Farbtönen hatte.

Auch ich möchte zu tausend Inseln fahren, obwohl ich gar nicht weiß, was ich dort soll.

Foto: NASA/METI/AIST/Japan Space Systems, and U.S./Japan ASTER Science Team.

Komm, süßer Schlaf

Als ich ein „Gedicht“ über meinen Schlafrhythmus verfasste.

ein sehr zerknülltes Bett

Am Sonntag nahm ich mir vor, eine halbe Stunde früher aufzustehen
Am Montag blieb ich so lange auf, dass ich die halbe Stunde früher sein ließ
Am Dienstag blieb ich noch länger auf
Am Mittwoch nahm ich mir fest vor, diesmal wirklich früher ins Bett zu gehen
Morgen ist endlich Freitag und ich kann so lange aufbleiben wie ich will.
Und übermorgen schlafe ich aus.

Im Nebel

Als ich eines Abends im Nebel stand

Ein Bahnsteig im Nebel.

Ich wache morgens im Nebel auf und gehe am Abend mit dem Nebel schlafen.
Ich ignoriere, dass er tagsüber nicht da war, dass die Sonne schien und ich die jubelnden Gedanken an den nahenden Frühling beinahe schon nachvollziehen konnte.
Der Nebel hat das Land eingepackt, wie in Watte.
Ich atme aus und ein und bei jedem Ausatmen kommt eine kleine Nebelwolke aus meinem Mund und meiner Nase.
Vielleicht besteht der Nebel ja auch nur aus der Summe allen Atems, der morgens und abends in den Himmel geblasen wird?

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Polüberfahrt

Als ich wieder einmal meinen Wintertraum träumte

Eiskristalle auf einer Glasscheibe, unscharf.

Und ich träume immer noch
Von der Durchquerung einer Winternacht
So wie dieses Jahr um diese Jahreszeit
Von der Überquerung der Polarkappen
Kurs gesetzt und volle Kraft
Gen Horizont
Immer noch träume ich von einem besseren Sommer
Kälte und Dunkelheit und knirschendes Eis tief unter mir
Mein Blick nur zum Morgengrauen
Der nicht kommen will, nicht kommen kann
Und ich träume immer noch.

Tuwörter

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Einen Ohrwurm haben und den Text bloggen wollen, weil du dir dadurch Linderung versprichst.
Auf dem Bett statt am Schreibtisch sitzen, weil sich das Schreiben so viel casualer anfühlt, obwohl es eigentlich sogar nerviger ist, weil du unmöglich länger als ein paar Minuten in dieser Position verharren kannst.
Bedauern, dass du keine Katze bist, die nicht nur die unmöglichsten Verrenkungen schafft, sondern auch so gut wie überall und ständig schlafen kann.
Feststellen, dass am Schreibtisch ein Joghurt steht, dass du vor Stunden schon essen wolltest (Erdbeere, gut für die Verdauung, läuft morgen ab).
An die letzten fünf Wochen denken und wenig bedauernswertes finden.
Noch nicht gepackt haben.
Fürchten, dass wer „Was willst du uns damit sagen?“ kommentieren wird.
Einmal im Leben etwas durchgezogen haben.
An Texte in Deutschbüchern denken müssen.
Die Gedichte und Bilder über dem Jugendbett vermissen.
Auf „publish“ klicken.

Ich wollte doch noch.

bringmethathorizon

Ich wollte doch noch diesen furchtbar langen Text schreiben. Ich wollte dir doch noch ein Lebenszeichen abverlangen, in der Hoffnung, dass du vielleicht doch wieder mit uns allen reden willst. Ich wollte dir doch eine Warnung schicken, wenn diese eine Geschichte, die ich wohl nie zu Ende schreiben werde, ihr Ende findet. Ich wollte doch extra früh damit anfangen, Dinge anzufangen, um sie dann nie zu beenden. Ich wollte doch noch eine Liste machen mit all den Dingen, die ich wollen sollte. Ich wollte doch noch das Notizheft vollschreiben mit Ideen, um sie dann mühsam abzuschreiben, um sie dann nicht zu veröffentlichen. Ich wollte doch noch zeichnen lernen und programmieren. Ich wollte doch noch wollen.

Es kam halt was dazwischen.