_

Tausend Inseln

Als ich mich mal wieder an „Poesie“ versuchte.

Satellitenaufnahme des Aaland-Archipels, Finnland.

Ich erinnere mich an den Tag, der damit begann, dass beim Versuch, die Sojamilch in den Kühlschrank besonders cool zurückzustellen
eine Flasche veganes Thousand Islands-Dressing
was für ein poetischer Name, dem das Dressing nicht gerecht wurde
Zu Boden fiel
Aus dem Kühlschrank sprang
Zu meiner völligen Zerknirschtheit
Denn es war eine Glasflasche, die in tausend Stücke zersprang
Und das Thousand Island Dressing in tausend kleine Spritzer am Küchenboden verteilte
Ich erinnere mich genau an das Knirschen der Scherben auf dem Fliesenboden, der eine undefinierbare Farbe irgendwo zwischen grau, ocker, beige und anderen Farbtönen hatte.

Auch ich möchte zu tausend Inseln fahren, obwohl ich gar nicht weiß, was ich dort soll.

Foto: NASA/METI/AIST/Japan Space Systems, and U.S./Japan ASTER Science Team.

Komm, süßer Schlaf

Als ich ein „Gedicht“ über meinen Schlafrhythmus verfasste.

ein sehr zerknülltes Bett

Am Sonntag nahm ich mir vor, eine halbe Stunde früher aufzustehen
Am Montag blieb ich so lange auf, dass ich die halbe Stunde früher sein ließ
Am Dienstag blieb ich noch länger auf
Am Mittwoch nahm ich mir fest vor, diesmal wirklich früher ins Bett zu gehen
Morgen ist endlich Freitag und ich kann so lange aufbleiben wie ich will.
Und übermorgen schlafe ich aus.

Im Nebel

Als ich eines Abends im Nebel stand

Ein Bahnsteig im Nebel.

Ich wache morgens im Nebel auf und gehe am Abend mit dem Nebel schlafen.
Ich ignoriere, dass er tagsüber nicht da war, dass die Sonne schien und ich die jubelnden Gedanken an den nahenden Frühling beinahe schon nachvollziehen konnte.
Der Nebel hat das Land eingepackt, wie in Watte.
Ich atme aus und ein und bei jedem Ausatmen kommt eine kleine Nebelwolke aus meinem Mund und meiner Nase.
Vielleicht besteht der Nebel ja auch nur aus der Summe allen Atems, der morgens und abends in den Himmel geblasen wird?

Weiterlesen

Polüberfahrt

Als ich wieder einmal meinen Wintertraum träumte

Eiskristalle auf einer Glasscheibe, unscharf.

Und ich träume immer noch
Von der Durchquerung einer Winternacht
So wie dieses Jahr um diese Jahreszeit
Von der Überquerung der Polarkappen
Kurs gesetzt und volle Kraft
Gen Horizont
Immer noch träume ich von einem besseren Sommer
Kälte und Dunkelheit und knirschendes Eis tief unter mir
Mein Blick nur zum Morgengrauen
Der nicht kommen will, nicht kommen kann
Und ich träume immer noch.

Tuwörter

wpid-wp-1440283793360.jpg

Einen Ohrwurm haben und den Text bloggen wollen, weil du dir dadurch Linderung versprichst.
Auf dem Bett statt am Schreibtisch sitzen, weil sich das Schreiben so viel casualer anfühlt, obwohl es eigentlich sogar nerviger ist, weil du unmöglich länger als ein paar Minuten in dieser Position verharren kannst.
Bedauern, dass du keine Katze bist, die nicht nur die unmöglichsten Verrenkungen schafft, sondern auch so gut wie überall und ständig schlafen kann.
Feststellen, dass am Schreibtisch ein Joghurt steht, dass du vor Stunden schon essen wolltest (Erdbeere, gut für die Verdauung, läuft morgen ab).
An die letzten fünf Wochen denken und wenig bedauernswertes finden.
Noch nicht gepackt haben.
Fürchten, dass wer „Was willst du uns damit sagen?“ kommentieren wird.
Einmal im Leben etwas durchgezogen haben.
An Texte in Deutschbüchern denken müssen.
Die Gedichte und Bilder über dem Jugendbett vermissen.
Auf „publish“ klicken.

Ich wollte doch noch.

bringmethathorizon

Ich wollte doch noch diesen furchtbar langen Text schreiben. Ich wollte dir doch noch ein Lebenszeichen abverlangen, in der Hoffnung, dass du vielleicht doch wieder mit uns allen reden willst. Ich wollte dir doch eine Warnung schicken, wenn diese eine Geschichte, die ich wohl nie zu Ende schreiben werde, ihr Ende findet. Ich wollte doch extra früh damit anfangen, Dinge anzufangen, um sie dann nie zu beenden. Ich wollte doch noch eine Liste machen mit all den Dingen, die ich wollen sollte. Ich wollte doch noch das Notizheft vollschreiben mit Ideen, um sie dann mühsam abzuschreiben, um sie dann nicht zu veröffentlichen. Ich wollte doch noch zeichnen lernen und programmieren. Ich wollte doch noch wollen.

Es kam halt was dazwischen.

Chronos

{[Dieser Text hat sich nach dem Abtippen erheblich verändert. Nicht so sehr die Worte, mehr die Stuktur. Die Tastatur hat die Sätze beinahe vollständig aufgelöst. Vielleicht ist es so besser, vielleicht lag es auch nur an den Popsongs der 1990er Jahre, die ich dabei gehört habe. Ist eh ein Experiment. ]

Die Zeit.
Der Zeitliche.
Frühzeitig.
Dem Leben entrissen steht unser liebster Gott ein weiteres Mal vor demjenigen, der Sturm (und Drang) erntet.

Cronus (Saturn) defeats his father Uranus, the greek sky god (before Zeus)

Zeitlos.

Nicht nur, weil Zeit keine Rolle für einen Gott oder einen Toten spielt, sondern auch, weil es mit seinem Verschwinden niemanden mehr gibt, der sich um die Zeit kümmert.

Uns so erstarren Sensemann und Taktgeber.
Für immer und ewig,
Eigentlich: nie, denn:
Ohne Zeit keine Ewigkeit

Leider spielt/spielte diese Tragödie vor der Erfindung von Atombomben, Raumschiffen und temporalen Paradoxien, so dass von dort keine Hilfe zu erwarten ist.

Die Filmrollen „Vergangenheit“ und „Zukunft“ ersetzt durch das Dia „Gegenwart“.
Zeit ist nicht mehr: linear, spiralförmig, dreieckig, stringent oder in Tütensuppen
Sondern: viereckig und halbtransparent.

Aktion und Reaktion: zur Bedeutungslosigkeit verurteilt.
(Richter war der Henker)
Paradoxerweise: Kein Moment NACH dem Tod des Chronos.
Deduktion: So tot kann er nicht sein.
Vorhersagen: schwierig bis unmöglich (ohne Zeit)

Hoch lebe: die Kuckucksuhr.

tiefnachts

In der Tiefe der Nacht
tiefnachts
rattert rattert rattert rattert
der Zug, der Belgische
rattert rattert rattert rattert rattert
dunkle Gedanken spiegeln sich im Fenster
verlieren sich im halbleeren Abteil
braunes Interieur, herrliche Kulisse für diese Nacht
rattert rattert rattert rattert rattert rattert
reden, laut denken, quasi-philosophieren
ohne Ende, einziges Ziel nur:
der nächste Bahnhof
rattert rattert rattert rattert rattert rattert rattert
an mir vorbei
(nun allein)

nay th’ end

Death be nay th‘ end, they say
But I, standin‘ in a deep dark hole
I dare t‘ ask
if maybe th‘ end comes before Davy Jones‘ locker
dark an‘ intriguin‘ questions
asked winterlong durin‘ cold nights
Nay answers in these ruins build upon
ancient myths an‘ legends
nay more songs t‘ be sung by old men
this ivory tower has collapsed t‘ nothin‘ more
than a well
Davy Jones‘ locker be nay th‘ end, they say
I dare t‘ think: maybe destruction be
an‘ in th‘ same moment
I be collectin‘ pieces t‘ build
a new – me own tower
‚ere all me toughts shall be thought
‚ere I shall write me stories
‚ere I shall find protection
in deep winter nights

(International talk like a pirate day)