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Tuwörter

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Einen Ohrwurm haben und den Text bloggen wollen, weil du dir dadurch Linderung versprichst.
Auf dem Bett statt am Schreibtisch sitzen, weil sich das Schreiben so viel casualer anfühlt, obwohl es eigentlich sogar nerviger ist, weil du unmöglich länger als ein paar Minuten in dieser Position verharren kannst.
Bedauern, dass du keine Katze bist, die nicht nur die unmöglichsten Verrenkungen schafft, sondern auch so gut wie überall und ständig schlafen kann.
Feststellen, dass am Schreibtisch ein Joghurt steht, dass du vor Stunden schon essen wolltest (Erdbeere, gut für die Verdauung, läuft morgen ab).
An die letzten fünf Wochen denken und wenig bedauernswertes finden.
Noch nicht gepackt haben.
Fürchten, dass wer „Was willst du uns damit sagen?“ kommentieren wird.
Einmal im Leben etwas durchgezogen haben.
An Texte in Deutschbüchern denken müssen.
Die Gedichte und Bilder über dem Jugendbett vermissen.
Auf „publish“ klicken.

Ich wollte doch noch.

bringmethathorizon

Ich wollte doch noch diesen furchtbar langen Text schreiben. Ich wollte dir doch noch ein Lebenszeichen abverlangen, in der Hoffnung, dass du vielleicht doch wieder mit uns allen reden willst. Ich wollte dir doch eine Warnung schicken, wenn diese eine Geschichte, die ich wohl nie zu Ende schreiben werde, ihr Ende findet. Ich wollte doch extra früh damit anfangen, Dinge anzufangen, um sie dann nie zu beenden. Ich wollte doch noch eine Liste machen mit all den Dingen, die ich wollen sollte. Ich wollte doch noch das Notizheft vollschreiben mit Ideen, um sie dann mühsam abzuschreiben, um sie dann nicht zu veröffentlichen. Ich wollte doch noch zeichnen lernen und programmieren. Ich wollte doch noch wollen.

Es kam halt was dazwischen.

Chronos

{[Dieser Text hat sich nach dem Abtippen erheblich verändert. Nicht so sehr die Worte, mehr die Stuktur. Die Tastatur hat die Sätze beinahe vollständig aufgelöst. Vielleicht ist es so besser, vielleicht lag es auch nur an den Popsongs der 1990er Jahre, die ich dabei gehört habe. Ist eh ein Experiment. ]

Die Zeit.
Der Zeitliche.
Frühzeitig.
Dem Leben entrissen steht unser liebster Gott ein weiteres Mal vor demjenigen, der Sturm (und Drang) erntet.

Cronus (Saturn) defeats his father Uranus, the greek sky god (before Zeus)

Zeitlos.

Nicht nur, weil Zeit keine Rolle für einen Gott oder einen Toten spielt, sondern auch, weil es mit seinem Verschwinden niemanden mehr gibt, der sich um die Zeit kümmert.

Uns so erstarren Sensemann und Taktgeber.
Für immer und ewig,
Eigentlich: nie, denn:
Ohne Zeit keine Ewigkeit

Leider spielt/spielte diese Tragödie vor der Erfindung von Atombomben, Raumschiffen und temporalen Paradoxien, so dass von dort keine Hilfe zu erwarten ist.

Die Filmrollen „Vergangenheit“ und „Zukunft“ ersetzt durch das Dia „Gegenwart“.
Zeit ist nicht mehr: linear, spiralförmig, dreieckig, stringent oder in Tütensuppen
Sondern: viereckig und halbtransparent.

Aktion und Reaktion: zur Bedeutungslosigkeit verurteilt.
(Richter war der Henker)
Paradoxerweise: Kein Moment NACH dem Tod des Chronos.
Deduktion: So tot kann er nicht sein.
Vorhersagen: schwierig bis unmöglich (ohne Zeit)

Hoch lebe: die Kuckucksuhr.

tiefnachts

In der Tiefe der Nacht
tiefnachts
rattert rattert rattert rattert
der Zug, der Belgische
rattert rattert rattert rattert rattert
dunkle Gedanken spiegeln sich im Fenster
verlieren sich im halbleeren Abteil
braunes Interieur, herrliche Kulisse für diese Nacht
rattert rattert rattert rattert rattert rattert
reden, laut denken, quasi-philosophieren
ohne Ende, einziges Ziel nur:
der nächste Bahnhof
rattert rattert rattert rattert rattert rattert rattert
an mir vorbei
(nun allein)

nay th’ end

Death be nay th‘ end, they say
But I, standin‘ in a deep dark hole
I dare t‘ ask
if maybe th‘ end comes before Davy Jones‘ locker
dark an‘ intriguin‘ questions
asked winterlong durin‘ cold nights
Nay answers in these ruins build upon
ancient myths an‘ legends
nay more songs t‘ be sung by old men
this ivory tower has collapsed t‘ nothin‘ more
than a well
Davy Jones‘ locker be nay th‘ end, they say
I dare t‘ think: maybe destruction be
an‘ in th‘ same moment
I be collectin‘ pieces t‘ build
a new – me own tower
‚ere all me toughts shall be thought
‚ere I shall write me stories
‚ere I shall find protection
in deep winter nights

(International talk like a pirate day)

I am with you.

in tiefer Ehrfurcht und mit Entschuldigungen an Allen Ginsberg, dessen Geheul mich nie loslassen wird

Ich sitze im Halbparadies unter den Zikadenbäumen
strecke meine Fühler nach den Sternen aus
und singe mein Lied
auf dass sie meine Satelliten werden
drahtlose Verbindungen schwirren durch die frische Kühle der Sommernacht
die köstlich duftet nach Thymian und Rosmarin, die auf den Hügeln verdorren
WLAN, GSM, Infrarot, GPRS, UMTS, Kurzwelle, Langwelle, Mittelwelle, Mikrowelle
ich atme ein und aus
und sage euch
Ich bin mit euch.

Ich bin mit euch in Schandel
wo grosse Hunde bellen und Bäuche schmerzen aber alles gut werden wird
Ich bin mit euch in Junglinster
wo stumme Türme Lügen verbreiten und Zweifel sähen
Ich bin mit euch in Luxemburg-Stadt
wo wichtige Kämpfe vorbereitet werden
Ich bin mit euch in Rostock
wo das Meer nicht so freundlich ist wie hier und Pläne geschmiedet werden
Ich bin mit euch auf Friedhöfen
wo ihr euch langweilen müsst in Ewigkeit
Ich bin mit euch in Köln
wo meine Ungewissheit mich verbindet
Ich bin mit euch in Tübingen
wo ihr erwachsen werdet und es schon länger seid als ich
Ich bin mit euch am Bodensee
wo ich ein Teil meines Herzens verloren habe
Ich bin mit euch in Blogbuerg
wo viel zu lange schon Stille herscht
Ich bin mit euch in Schottland und Wales und der Schweiz und wo auch immer ihr seid
denn eure Reisen erfreuen mein Herz
Ich bin mit euch in Ettelbrück
wo ihr mich anscheinend mehr vermisst als ich meine Freiheit geniesse
Ich bin mit euch in Rockland
wo ich diesen Spruch falsch übersetzt habe
Ich bin mit euch im Norden und Süden und Osten und Westen
auf dem gesamten Erdball und drumherun und innendrinnen bin ich mit euch
auf dieser und der anderen Seite bin ich mit euch
wo auch immer ihr seid, ich bin mit euch Freunde
denn Empathie ist die einzigste Waffe die ich aus der Ferne habe
denn ich weiss, wie gut es sich anfühlt, zu wissen
dass noch jemand die gleichen Sterne sieht wie ich selbst

Ina Marseille Sessions – Session 1

Ich habe das hier gestern in/außerhalb einem Strassencafé geschrieben, und wie der Titel verrät, hat das hier etwas mit meinem Ina-Epos zu tun. Es ist ein Entwurf, aber ich mag nicht nur „Es ist sooo heiß“-Postings schreiben und gerade dieses Stück kann auch für sich stehen. Aber es ist nicht meine Schreibe und ich weiß nicht, ob ich es gut finde. Ich bin da wirklich ohne Meinung. Ich hatte zwei süße Mädchen gegenüber sitzen und habe mich mehr auf das Lippenpiercing der Einen konzentriert als wirklich auf das Gedicht zu achten. Aber es ist eine Richtung. Und weil Schreiben auch immer mit Verbessern zu tun hat, bitte ich heute mal ausdrücklich um Feedback. Harte Bandagen. Wegen mir auch Rechtschrebfehler, wenn euch sonst nichts einfällt. Und ja, es ist von zwei Verliebten geschrieben, also darf es schmalzig sein. Und ja, Ginsberg hallt immer noch in meinem Kopf nach.

[Session #1 – 0806221904 Marseille, irgendwo in der Nähe des alten Hafens]

Sanfter Sommerwind wispert einsame Botschaften der Sterne
in die Ohren engumschlugener Körper, stöhnend und nassgeschwitzt
Sprache nur aus Bassnoten lässt Trommelfelle vibrieren
gemeinsamer Takt verbindet über Körpergrenzen
das, was zusammengehört in dunkler Nacht

an der Küste, Grenze zur Unendlichkeit des Ozeans
an der Küste, Ziel der mystischen Reise
an der Küste, voll der Liebe und des Schweisses
an der Küste, Anfang, nicht Ende der Reise
an der Küste, wo nur Sand ein Bett bildet
an der Küste, Ursprung der gemeinsamen Gedanken

Körper nur aus Zungen und Fingern und Löchern
Alles hier ist Liebe und Zärtlichkeit und Sex und Extase
Alles hier ist Inpiration und Idee
Alles hier ist Schwermut und Euphorie und Melancholie und Sinnlichkeit
Alles hier vibriert im Lied der Sterne

Kein Brunnen, in den man hinabsteigen muss
alles liegt offen, alles Geheimnisse gelüftet
kein Fluss, der die Geschlechter trennt
alle Teile fügen sich nahtlos zusammen
kein Käfig, die Vögel zu bewahren
alle Geister fliegen hoch unter diesem Himmel

Dieser Moment gehört den Verbundenen
auf ewig festgehalten auf Papier und im Geiste
Geheimniss für alle Uneingeweihten
verschlossen im Herzen des vereinten Körpers

Alles zerfliesst in Sinneseindrücken
Geist und Körper zu oranger Masse
lieblicher Stoff der Extase
erstarrt zum Denkmal für diesen Moment

Call me zero

[Im Laufe einer »Waldwachstumskunde«-Stunde geschrieben, was eventuel eine Erklärung für den depressiven Unterton ist. Ich weiß, dass ich des Englischen kaum mächtig bin und meine Ausdrucksmittel in dieser Sprache begrenzt sind. Kommentare bzgl. Rechtschreibung, Grammatik und ähnlichem sind deshalb erwünscht. Was nicht heißt, dass inhaltliche Diskusion verboten ist. Im Gegenteil. Gedicht? Liedtext? Geständnisse eines Automaten? Was weiß ich.]

Call me zero
cause I am none
I am the void
I am anonymous
I am a dark spot
I feel nothing

Do I search pain?
I always say
everything is okay
but nothing is okay
empty body
empty soul
plastic skin
plastic flesh
feels so real
faked robot style
human typewriter
writing only meaningless letters,
empty words, void phrases
emulating feelings
simulating chest pain

Call me zero
cause I am none

Not The End (Reprise)

Death is not the end, they say
But I, standing in a deep dark hole
I dare ask
if maybe the end comes before death
dark and intriguing questions
asked all winter long during cold nights
No answers in these ruins built upon
ancient myths and legends
no more songs to be sung by old men
This ivory tower has collapsed to nothing more
than a well

Death is not the end, they say
I dare to think: maybe destruction is
and at the same moment
I am collecting pieces to build
a new – my own tower
where I shall think
where I shall write my stories
where I shall find protection
in deep winter nights

[Das nennt man dann wohl user corrected poetry. Dankeschön Charel, Thierry, green_wasabi und sara!]

Not The End

Death is not the end, they say
But I, standing in a deep dark hole
I dare to ask
if maybe the end comes before death
dark and intriguing questions
asked winterlong during cold nights
No answers in these ruins build upon
ancient myths and legends
no more songs to be sung by old men
this ivory tower has collapsed to nothing more
than a well
Death is not the end, they say
I dare to think: maybe destruction is
and in the same moment
I am collecting pieces to build
a new – my own tower
where all my toughts shall be thought
where I shall write my stories
where I shall find protection
in deep winter nights

[Ich weiß, dass ich des Englischen kaum mächtig bin und meine Ausdrucksmittel in dieser Sprache begrenzt sind. Kommentare bzgl. Rechtschreibung, Grammatik und ähnlichem sind deshalb erwünscht. Was nicht heißt, dass inhaltliche Diskusion verboten ist. Im Gegenteil. Und: Na endlich, ein Gedicht.]