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Tuwörter

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Einen Ohrwurm haben und den Text bloggen wollen, weil du dir dadurch Linderung versprichst.
Auf dem Bett statt am Schreibtisch sitzen, weil sich das Schreiben so viel casualer anfühlt, obwohl es eigentlich sogar nerviger ist, weil du unmöglich länger als ein paar Minuten in dieser Position verharren kannst.
Bedauern, dass du keine Katze bist, die nicht nur die unmöglichsten Verrenkungen schafft, sondern auch so gut wie überall und ständig schlafen kann.
Feststellen, dass am Schreibtisch ein Joghurt steht, dass du vor Stunden schon essen wolltest (Erdbeere, gut für die Verdauung, läuft morgen ab).
An die letzten fünf Wochen denken und wenig bedauernswertes finden.
Noch nicht gepackt haben.
Fürchten, dass wer „Was willst du uns damit sagen?“ kommentieren wird.
Einmal im Leben etwas durchgezogen haben.
An Texte in Deutschbüchern denken müssen.
Die Gedichte und Bilder über dem Jugendbett vermissen.
Auf „publish“ klicken.

Kokon

kokon

Ich möchte mich einspinnen in ein Kokon aus Halbsätzen und Wortfetzen, darin schlafen und wunderbar wirre Träume träumen. Es ist nun schon zu kalt geworden, um den Ventilator laufen zu lassen, so dass ich die Tippgeräusche beim Schreiben wieder gut höre, egal wie sehr ich mich anstrenge, wegzuhören. Das Netbook, auf dem ich seit über einem Monat jeden Abend einen Eintrag für dieses Blog verfasse, ist nur dann laut, wenn es an das örtliche Stromnetz angeschlossen ist. So genieße ich in den Pausen, in denen ich metaphorisch Luft hole, um einen langen Atmen für den nächsten Bandwurmsatz, wie ich sie so gerne schreibe, zu haben. Einen ganzen Absatz schaffe ich nicht am Stück, einen langen Satz schon. Weiterlesen

die besten Nächte.

diebestennaechte

„Ich weiß gar nicht mehr, was mein Stil überhaupt ist!“
„Wusstest du das je?“, fragt sie mich, treffend wie immer. Ich mag ihr keinen Namen mehr geben, denn sobald ich ihr einen Namen gebe, wird ein Mensch mit eben jenem Vornamen in meinem Leben auftauchen und die Leute werden mich fragen, ob ich über sie schreibe und ich müsste dann wie eine Sphinx lächeln, aber stattdessen werden ich rot und sage Dinge wie „Nein, sie ist nur eine Figur, um die Leser_innen zu verwirren, die gar nicht wirklich existiert, aber gewisse Aspekte von gewissen Menschen zu manchen Zeiten repräsentiert, spiegelt oder hologrammiert.“ (Natürlich sage ich nicht „hologrammiert, ein so gutes Verb würde mir beim Sprechen niemals einfallen)

Früher hieß sie Ruth. Es muss auch keine „sie“ sein, das ist im Grunde völlig egal, in welcher Form ich sie imaginiere. Ihre Frage versetzt mir einen kleinen Stich zwischen die zweite und dritte rechte Rippe von unten. Wie mit einer sehr spitzen und sehr dünnen Nadel gesetzt schmerzt mich ihre Aussage kurz und ungeahnt tief. Weiterlesen

Aérogareportdrome IV

Ich träume so gut wie nie oder erinnere mich nie an meine Träume, deswegen denke ich mir selbst welche aus …

AerogareportdromeIV

Der Koffer brummt und sagt mir damit, dass wir noch genug Zeit haben, um das Angebot an Franchiseunternehmen der Gastronomiebranche eingängig zu studieren. Ich weiß nur noch nicht ganz, bei welchem der vier Kaffeeunternehmen ich mir einen Becher holen will. Oder ob ich doch lieber ein gigantisches Sandwich will und mich darüber ärgern muss, dass es eh nur eine einzige vegetarische Variante gibt (Bin ich im Traum überhaupt vegetarisch?). Ich mag öffentliche Transportmittel, die Farbe Grün und Sandwiches auch, es fällt mir also schwer, zu widerstehen. Weiterlesen

Interlude: Die Wolkenschiffe.

Ich mag die Wolkenschiffe.

wolkenschiffe

Diese Wolken, die sich auftürmen und so aussehen, als wären sie gigantische Raumschiffe, die einfach irgendwo in der Atmosphäre hängen. Ich möchte sie besuchen können, sie betreten können, ein magisches Schloss aus Wolken vorfinden, obwohl ich weiß, dass das alles nicht geht, dass das nur Wasserdampf und Eis und ein wenig Schmutz ist, was da so majestätisch im Himmel thront.

Das mag ich auch an dem Ort hier, der ja wirklich Kleinststadt ist, fünf Minuten zu Fuß und du bist beinahe schon aus dem Ort raus und siehst nur noch Landschaft. Hügel und Felder und darüber ein gigantischer, epochaler Himmel, als müsste wenigstens irgendetwas in diesem Land groß sein.

Aérogareportdrome III

Ich träume so gut wie nie oder erinnere mich nie an meine Träume, deswegen denke ich mir selbst welche aus …

AerogareportdromeIII

Ich befinde mich nun in einer dunklen Röhre, die zu meinem Gate führt. Nachdem ich eine halbe Minute damit verbracht habe, zu Blinzeln, merke ich ich, dass es gar nicht so dunkel ist. Kleine weiße LED-Lampen am Boden zeigen den Weg. Ich empfinde die ansonsten absolute Dunkelheit jedoch als leicht bedrohlich. Auf jeden Fall zeigt das meine erste Reaktion: Unweigerlich ziehe ich meinen dumpf vor sich hin summenden Koffer etwas näher an mich und beschleunige meine Schritte. Kein Rollband zieht mich mehr einem unsichtbaren Ziel entgegen, ich bin nun auf mein selbst gestellt. Weiterlesen

Aérogareportdrome II

Ich träume so gut wie nie oder erinnere mich nie an meine Träume, deswegen denke ich mir selbst welche aus …

AerogareportdromeII

Weiter rollen die Bänder durch den weißen Tunnel, ich habe die dumme Angst, dass es ewig so weitergeht und ich in Wirklichkeit nie ein Flugzeug und/oder einen Bus besteigen werde, sondern meine Reise einfach mit dem Rollband bestreiten werde. Der Koffer piepst wieder, aber diesmal ist es undeutlich, ich weiß nicht, was er ausdrücken will. An den Wänden, auf die wichtige Informationen projiziert werden, blinken plötzlich hektisch Buchstaben und Zahlen und Kombinationen von beiden. Ich blicke kurz nach links und nach rechts und stelle fest, dass die anderen Rollbänder in abzweigende Tunnel führen. Mein Koffer fiepst beruhigend: Ich stehe auf dem richtigen Band und muss nur an meinem Gate abspringen. Weiterlesen

Aérogareportdrome I

Ich träume so gut wie nie oder erinnere mich nie an meine Träume, deswegen denke ich mir selbst welche aus …

AerogareportdromeI

Ich stehe auf einem Busbahnhof, der gleichzeitig auch ein Flughafen ist. Ich muss durch einige Kontrollen. Eine davon scheint in einem Glas- oder Spiegellabyrinth zu bestehen. Ich habe mein Gepäck schon abgegeben, dabei aber Handgepäck und Koffer vertauscht, deswegen muss ich nun einen kleinen Rollkoffer hinter mit herziehen. Natürlich eckt der kleine Koffer ständig an den unsichtbaren Wänden, durch die ich mich leise tasten muss, während um mich herum alles aus weißem Kunstmarmor ist. Ich bin sehr schlecht darin, den Weg zu finden und stoße mir einmal sogar den Kopf. Als ich endlich das andere Ende des Raumes erreiche, werden meine Papiere von einem Computer kontrolliert. Ein kleines Hinweisschild macht auf 34 Sprachen darauf aufmerksam, dass Menschen nicht sorgsam genug kontrollieren, deswegen muss ich meinen Pass, mein Ticket, meine Geburtsurkunde und den Nachweis über meine Lebendigkeit auf eine Art Scanner legen, der hell aufleuchtet. Dann erscheinen die eingescannten Dokumente auf dem Bildschirm, allerdings in Schwarz-Weiß. Weiterlesen

Ich wollte doch noch.

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Ich wollte doch noch diesen furchtbar langen Text schreiben. Ich wollte dir doch noch ein Lebenszeichen abverlangen, in der Hoffnung, dass du vielleicht doch wieder mit uns allen reden willst. Ich wollte dir doch eine Warnung schicken, wenn diese eine Geschichte, die ich wohl nie zu Ende schreiben werde, ihr Ende findet. Ich wollte doch extra früh damit anfangen, Dinge anzufangen, um sie dann nie zu beenden. Ich wollte doch noch eine Liste machen mit all den Dingen, die ich wollen sollte. Ich wollte doch noch das Notizheft vollschreiben mit Ideen, um sie dann mühsam abzuschreiben, um sie dann nicht zu veröffentlichen. Ich wollte doch noch zeichnen lernen und programmieren. Ich wollte doch noch wollen.

Es kam halt was dazwischen.

Gebirge (IV)

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Der Weg wird immer steiler. Das wundert mich nicht, denn ich erklimme ja einen Berg, der sich ja zuspitzen muss, was gleichzeitig bedeutet, dass alle Wege steiler werden müssen, je mehr ich mich der Spitze nähere. Zumindest scheint mir das eine logische Annahme zu sein. Ich habe zwar einen Gürtel voller merkwürdige Instrumente mit, die mir beim Bergsteigen helfen sollen, aber leider befindet sich darunter kein Miniaturphysikbuch, in dem ich solche Annahmen nachschlagen könnte. So sehr ich dies auch betrauere, so groß ist auch mein Misstrauen, in solch einem Werk überhaupt eine Antwort auf meine Fragestellung zu finden. Aber es bleibt keine Zeit, über den Inhalt hypothetischer Physikbücher zu sinnieren, ich muss zum Gipfel und überprüfen, ob der Himmel aus blauem Glas ist. Weiterlesen