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Die Unglaublichkeit der Wolken

Als ich den Horizont sah.

Wir machen einen Ausflug, wie vor fünf Wochen, als sich alles noch normal anfühlte. Es ist auch heute alles wie immer, nur dass das „immer“ ein anderes ist. Heute sind die Regale aufgefüllt, sogar Nudeln und Mehl gibt es so viel, dass ich es nicht wagen würde, eine Frage dazu zu stellen. Heute wirkt es merkwürdig, nur zwei Liter Hafermilch zu kaufen – ich kaufe natürlich einen dritten dazu. Vielleicht werde ich mich in einem Monat darüber wundern, wie wenig Hafermilch ich heute gekauft habe – wenn ich überhaupt noch Hafermilch kaufen werden kann.

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Das Eis und das Blau des Himmels

Als ich nachzählte.

Ich habe die Tage bisher nicht gezählt, weil ich nicht ganz wusste, wo ich anfangen sollte. Aber wenn ich richtig gezählt habe, sind es zwölf. Ich weiß immer noch nicht, wie ich es nennen soll, vielleicht bleibe ich bei meiner Schiff-Metapher. Mir ist die Richtung, in die das alles segelt, immer noch nicht klar. Es scheint, als gäbe es jeden Tag ein Tau zu reparieren, was gleich wieder die nächste Reparatur nach sich zu ziehen scheint. Ich durchblicke das alles nicht und versuche, mein bestes Selbst zu sein, so lange ich das kann.

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Keine Enklave

Als jemand über das Piano sang.

Ich kann mit dem Piano nichts anfangen, aber ich mag den Song darüber. Eigentlich habe ich persönlich ja gar nichts gegen das Piano, aber mein früheres Ich hatte da eine tiefe Verbindung mit einer Piano-Geschichte, die damals noch nicht so lange her war und deswegen war das Piano unsympathisch – obwohl es ja eigentlich gar nicht das Piano war.

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Die Brise

Als ich an Deck stand.

Es ist wie auf einem Schiff. Ich finde den Gedanken tröstend. Es gibt Menschen, die ständig in vergleichbaren Situationen leben und damit klarkommen. Es ist grau, ich laufe in einer virtuellen Welt herum und baue Dinge, die dort Sinn ergeben. Es ist klar, dass eine Situation, in der ich Kontrolle hab, in einer Krisensituation wie dieser erstrebenswert wirkt.

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Der Anfang

Als ich den Mond sah.

Als ich meine Augen wieder öffne, stehe ich im Wald. Es ist jener Wald, in dem ich öfters mit dem Hund gehe, so matschig und nass und kalt und dunkel wie immer. Hat es hier begonnen? Nicht weit von dem Weg, auf dem ich stehe, sind die alten Minen, ich muss nur die Treppen hinabsteigen, mich gut an dem Stahlseil festhalten und einen Schritt vor den anderen setzen, dann spüre ich schon den kalten, muffigen Wind, der aus ihnen weht.

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Der müde Blick

Als ich aufräumte.

„Gib mir deine Erklärung. Ich möchte es endlich wissen, nach all diesen Jahren.“, flehe ich die Person, die wir einst Ruth nannten, an. Ich erwarte keine Antwort. Zumindest keine klare. In all dieser Zeit, in der ich mich mit ihren orakelhaften Sprüchen herumplagte, habe ich noch nie eine klare Antwort bekommen, warum erwarte ich jetzt eine?
„Oh, du hast schon klare Antworten bekommen. Du hast sie nur nicht annehmen wollen.“
Ich hätte genau das erwarten können, aber aus irgendeinem Grund dachte ich, es würde etwas kommen, was ich besser verwerten könnte. Ich schließe die Augen. Der Abgrund, der nur aus Sternen besteht, macht mich schwindelig.

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Der Leuchtturm

Als ich das Licht sah.

Manchmal kommen die guten Tage unverhofft, und manchmal sollte ich mir nicht zu viel Fragen stellen, warum sie da sind. Ich sollte sie wie unverhoffte Pakete von längst vergessenen Kickstarterprojekten aufmachen und mich über den Inhalt freuen – egal, wie selten sie kommen. Dies ist meine Erinnerung daran, als Leuchtturm in allen dunklen Zeiten, die da noch kommen mögen.