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Die Hagelkörner

Als es schneite.

Ich habe den Schnee überlebt. Als ich ich Rolläden hochziehe, sehe ich, dass das schlimmste schon vorbei ist. Nur noch einige wenige Reste liegen auf den Dächern und auf den Autos, die langsam vorbeifahren, als sei dieser 30er Zone irgendeine wichtige Passage. Ich möchte immer winken und eine Handgeste macht, die sagt „Ich weiß, dass ihr hier eigentlich nicht fahren müsst und es nur tut, weil ihr irgendwie glaubt, es wäre schneller, was es aber sicher nicht ist, sonst müsstest ihr hier nicht durch eine 30er Zone fahren“, aber ich weiß nicht, ob ich genügend Finger hätte, um das mit einer einzigen Geste auszudrücken. Außerdem bin ich morgens meistens zu müde, um so etwas glaubhaft feinmechanisch auszuführen.

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Der Weichspüler

Als ich Gerüche roch.

schlammiges Feld, grüne Wiese, graue Wolken

Ich fühle mich einsam, obwohl ich auf einer intellektuellen Ebene weiß, dass ich es nicht bin. Es ist erst Dienstags, und die Luft fühlt sich trotzdem so an, als wäre bereits das Ende der Woche. Am nächsten Tag soll es schneien, und ich frage mich, ob ich es verkraften kann, wenn ich morgen durch eine schneebedeckte Landschaft fahren muss. Eigentlich dachte ich ja, der Frühling käme endlich, aber es ist lediglich die scheißverdammte Klimakrise, die uns das vorgaukelt. Ich hätte an der Bushaltestelle dennoch ein Foto von dem lustigen Graffiti machen können, für das es die letzten Wochen immer bereits zu dunkel war. Vielleicht gewinnen wir den Kampf doch.

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Der Schlammweg

Als ich durch den Wald ging.

Ich werde gefragt, wie mein Tag war, und ich kann ausnahmsweise einmal ein positives Fazit ziehen. Ich weiß nicht genau, wie das gekommen ist, aber ich fühle mich tatsächlich nicht so schlecht. Vermutlich liegt es einfach nur an der einzigen Konstante, die mein Leben ständig verschlechtert oder verbessert: dem Sonnenlicht, das mehr oder weniger wird. Eventuell lag es aber auch daran, dass ich mich tatsächlich produktiv fühlte. Und natürlich denke auch ich, dass mein Wert in Produktivität gemessen werden kann, denn auch ich bin ein Kind dieser kapitalistischen Gesellschaft.

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Die Anspannung

Als es in meiner Stirn zog.

Ständig reden alle von Stürmen, so dass ich den heutigen überhaupt erst wahrnehme, als er vor der Tür steht. Eine Tür irgendwo im Haus knallt von Zeit zu Zeit, aber ich bin zu müde, um herauszufinden, welche es ist. Ich bin viel zu früh aufgewacht, freue mich aber gleichzeitig auch darüber, weil ich noch zu tun habe.

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Die Kraniche

Als ich es über mir schnattern hörte.

Über mir fliegen Kraniche. Es ist majestätisch, ein großartiger, seltener Anblick. Ich muss daran denken, wie oft ich als Kind im November zu einem See gefahren bin, den diese Vögel als Ruheplatz auf ihrer Reise nach Süden benutzen. Es war stets kalt und wir schauten im Bus dahin immer den gleichen Film. Aber ich ich heute meinen Kopf in den Nacken lege, zögernd mein Handy zücke, fällt mir noch was anderes auf.

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Der Teer

Als der Boden zu weich war.

Es strengt mich an, obwohl es mich nicht anstrengen sollte. Eigentlich dachte ich, alle Last sei von mir gefallen und ich könnte fortan ein ruhiges Leben führen und mich nur noch über merkwürdige Ideen, welche Insekten wie viel Rettung brauchen, aufregen. Stattdessen aber gibt es keine Ruhe, keine Entschleunigung, kein einziger Tag, ohne dass etwas passiert.

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Der Passagier

Als Jonathan ein Kind rettete.

Die rasch untergehende Wintersonne färbte die Umgebung der Landstraße in festliche Farben. Wer den Blick von der Straße abwandte, konnte einen glühenden rosa Feuerball sehen, der sich langsam unter den Horizont schlich. Fast so, als wäre der Sonne der Winter ebenfalls zu viel und sie versuche, noch ein paar Minuten Tag mehr herauszuschlagen. Doch Jonathan konnte den Blick nicht von der Straße abwenden. Er musste noch einige Kilometer hinter sich bringen.

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Die letzte Frage

Als ich nicht im Matsch unterging.

Eine Wiese mit lila Krokussen

Fast ist die Welt wieder normal. Es fühlt sich an wie immer, nur anders. Ich verpasse meinen Bus, aber das ist in Ordnung, der nächste kommt fast pünktlich. Wir laufen irgendwann am Abend durch den Wald und ich vergesse wieder, Fotos zu machen, obwohl ich diesmal sogar vor dem Weggehen daran gedacht habe.

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Die Verspannungen

Als es regnete.

Es regnet und ich bin alleine. Das ist alles, was ich über meinen Tag wissen muss. Es ist alles, was irgendwer wissen muss. Ich fühle mich nicht einsam, aber ich frage mich immer öfter, ob ich mich nicht selbst belüge. Und dann wieder, ob ich gerne einsam wäre, ob ich mich in den Straßengraben werfen, dort ein Loch buddeln und immer tiefer graben will, um mich in meinem Elend suhlen zu können. Als würde mir irgendetwas von alledem Spaß bereiten.

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