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über der Arktis.

Zeppelin vor dunklen Wolken
Ich fühle mich, als hätte ich eine offene Wunde, durch die Gefühle in mein Innerstes eindringen können.
Meine rechte Hand kribbelt, das hat sie schon ewig nicht mehr getan, sicher zehn Jahre sind das her. Ich bin seit all diesen Jahren nicht schlauer geworden und weiß nicht, was das heißt oder heißen soll. Immer, wenn ich Leuten davon erzähle, fragen sie mich Dinge, die danach klingen, als wüsste ich nicht, wie sich „eingeschlafene“ Gliedmaßen anfühlen. Auf dem Klo in der Arbeit habe ich den Drang, einen Vorschlaghammer zu nehmen und durch die Wand zu brechen, immer weiter, immer weiter, durch alle Gebäude durch, bis es nicht mehr weitergeht. Auch nicht viel absurder als die anderen Dinge, die so in meinem Kopf herumschwirren.

Unrund. So heißt das hier. Von allen Formen ist mir der Tesserakt die liebste Form, aber leider hat Hollywood das Ding nur kurz nach mir entdeckt und somit kann ich es nicht mehr benutzen oder auch nur darüber reden, ohne wie jemand zu wirken, der seine lustigen „wissenschaftlichen“ Anekdoten aus Filmen hat. Auf jeden Fall: Wäre ich eine Form, ich wäre höchstwahrscheinlich eher nicht rund, was wiederum gut zur Gesamtwetterlage meiner Gefühle passt. Letzte Nacht waren alle Gedanken sehr klar, da war das Kribbeln in der Nacht am stärksten spürbar, als hätte ein Blitz in meine Hand geschlagen und ich würde meine Nervenstränge bis in den Oberarm brennen spüren, mit der Gewissheit, dass das eine körperliche Reaktion auf IRGENDETWAS ist, aber ich natürlich nicht weiß, was. Nicht nur, dass ich zwischenmenschliche Beziehungen nicht so hinkrieg; ich schaffe es noch nicht einmal, mit mir selbst so zu kommunizieren, dass die Botschaft ankommt. Nachts, wenn ich zu müde zum Schreiben bin, weiß ich immer ganz genau, was ich schreiben würde, wie ich Sätze und Silben aneinanderreihen würde, um einen großartigen Text zu schaffen, der noch in fünf Jahren glänzt. Weiterlesen

Keine Antworten.

snowing vienna photo by whiteout_box
„Und, wie geht‘s dir damit?“, werde ich gefragt und muss mit einem leeren Blick antworten.
Ich weiß nicht, wie es mir damit geht. Vor allem, weil „damit“ ein Wirrwarr von ungefähr 10.000 verschiedenen Dingen sind, die ineinander verwoben und miteinander verstrickt sind. Ich kann sie nicht entwirren, nicht nach dieser Woche, die definitiv zu anstrengend für meinen Geschmack war. Ich war seit Jahren nicht mehr verliebt, aber da fragt mich niemand, wie es mir damit geht. Die Antwort wäre übrigens genau die gleiche: „Ich weiß es nicht.“

Nichtsdestotrotz denke ich darüber nach. Über beide Fragen.
Ich sitze drinnen, draußen fängt es an zu schneien und ich habe Zeit zum Nachdenken. Das ist schön, das mag ich am Winter, wenn ich drinnen sitzen kann und es draußen schneit und aber noch nicht dunkel ist. Oder den Weg vom Café zur Straßenbahn, da darf es auch ruhig etwas schneien. Der Schnee lenkt ab, der Schnee fragt nicht, wie es mir damit geht, dass ich mich schon ewig nicht mehr verliebt habe (Oh, habe ich das nicht gerade dem Rest der Welt vorgeworfen?). Allerdings wird er auch wieder zur Hälfte schmelzen und sich zur anderen Hälfte mit Hundekot, Reifenabrieb und den festeren Teilen von Autoabgasen zu einer grauen Masse verwandeln, die unsere Städte bis Mitte April nicht verlassen wird. Weiterlesen

Schlagloch

schlagloch

Früher habe ich Texte über mein kompliziertes Gefühlsleben geschrieben, heute habe ich kein kompliziertes Gefühlsleben mehr. Tag as: Lieber nicht daran denken. Das ist komfortabel, aber es funktioniert natürlich nur so lange, bis es irgendwann nicht mehr funktioniert. Ich könnte über meine Wut und meinen Frust in diversen Projekten schreiben, aber ich weiß nicht, ob das wirklich Wut und Frust ist. Oder nur der Cynar (Artischockenlikör, wie gut ist das eigentlich?) in meinem Magen. Oder ich könnte über alles das schreiben, was heraus kommt, wenn ich tief in mich rein schaue. Angst vor der Zukunft, dem Tod, Einsamkeit, Zweisamkeit, von allen Menschen lächerlich gehalten zu werden. Heute schreibe ich also Texte über die Texte, die schreiben könnte, wenn ich denn wollen würde. Oder wollen könnte.

Ich starre in einen Abgrund, der überhaupt keiner ist. Es ist mehr ein Schlagloch. Weiterlesen

choose your own dream!

chooseyourowndream

Seit ben in diesem Artikel (darüber, was ein Buch ist) interactive Fiction erwähnte, kribbelte es mir in den Fingern, endlich was mit Twine zu machen. Ich weiß schon seit mindestens fast einem Jahr, dass Twine existiert, denn ich habe ein Buch zum Thema „mit einfachen Mitteln selbst Spiele entwickeln“ gelesen, um einen Artikel (bzw. einen Absatz) darüber zu schreiben.

Anfang Juli spielte ich ein paar Tage mit Twine herum, ohne aber über drei Passagen hinauszukommen, weil ich mich zu sehr auf die technischen Details und Möglichkeiten fixierte. Da es verschiedene Twine-Versionen und verschiedene Storyformate gibt, die alle eine unterschiedliche Syntax brauchen (die ich jedoch in den feineren Details in keiner Version ganz verstehe), lässt sich damit viel Zeit verbringen. Im August ist mir dann die Idee gekommen, dass ich mein aktuelles Lieblingsgenre der ausgedachten Träume ja mal in Twine schmeißen könnte, um zu sehen was dabei herauskommt.

Hier klicken um ausgedachte Träume zu spielen/lesen/testen/wasauchimmer.

„ausgedachte Träume“ ist ein literarisches Experiment, im besten Fall sowohl Textadventure als auch Literatur, im schlechtesten Fall ein weirdes choose your own adventure-Ding. Ein Wort zu Warnung: Dies ist eine sehr frühe Version, weshalb noch nichts poliert ist, es keine Spezialeffekte und sehr wenig Bilder gibt. Für einen ersten Durchgang reicht es aber sicherlich.

Ich freue mich sehr über Feedback! Das ist mein allererstes Projekt dieser Art, daher kann es sein, dass irgendwo der Wurm drin steckt oder Dinge nicht so funktionieren wie sie sollen.

photo cc by Jason Trbovich

Sommerhimmel

sommerhimmel

„Aber heute ist Samstag, heute mag ich nicht bloggen. Heute mag ich im Park liegen und nach Sonnencreme riechen“, sage ich.
„Du kannst ja was auf deinem Telefon schreiben!“, kommt sogleich eine hilfreiche Antwort.
Ich lege mich wieder hin, starre in den Himmel und tue so, als hätte ich den Ratschlag nicht gehört.
In der Ferne weht irgendwo der Wind. Es ist nicht ruhig, aber noch ist es ruhig genug, so dass ich die singenden Kinder und den schlechten Nu-Metal der coolen oberkörperfreien trinkspielenden Leute neben uns ignorieren kann.

Ich rieche nach Sonnencreme, heute ist Samstag und ich mag keine langen Text schreiben.

Aérogareportdrome V

Ich träume so gut wie nie oder erinnere mich nie an meine Träume, deswegen denke ich mir selbst welche aus …

aerogareportdrome5

„Wir möchten die Passagiere von [u̢̖̮̗̮̪͂᷈̀̇ͫ̕̕͟͝n̞̣̫᷿͚̩̯̋̀᷅᷾̕͜͜͝v̡͎̯̖̥͎͙̎̀͐́᷾̆ͭ͟͠ͅe᷊̭͈᷅͆̇ͣ̈̀ͫ͊͒᷆͘͝r̥̞᷉ͭ͋͏̨̘͙̹͇̀ͭ͟ͅs̸̭̺̹̃͆᷁᷈ͤ̀̀̅̈́͠͝ţ̲̼̦̣̘᷂̓᷄̀͊ͮ̃̒̄͑᷀̋̕ä̺̺̥̭̘̯᷀͌ͮ͐̀ͧ᷇̍̍n̷̴̡̩̺̘͖᷀͆̀͗͘̚͜ͅd̳ͦ͏̵̠̱̹͕̭̅̀͑͌ͩ̈l̴̬̻͖̪̻̳̲̰̈̈̀͋͋᷉͆͟͝͠i͔̰͓᷊̯͍ͩͧ́̀ͩ̆̅͗ͣc̵̢̪᷊̯͉̓ͯ̀ͫͨ᷆̅᷅͡h̡̜̼᷂᷿̄͆ͪͥ̀̇̉᷉̏᷾̔̚] informieren, dass wir nun bei Gate F542 mit dem Boarding beginnen. Bitte halte sie ihre Tickets bereit“, tönt es aus Lautsprechern. Es ist genau die gleiche Stimme, die schon unzählige andere Passagiere zu unzähligen anderen Flügen aufgerufen hat. Die Aufforderung folgt auf weiteren Sprachen, von denen ich einige nicht verstehe, aber ich muss sie mir dennoch anhören, denn die Realität hat noch keinen Mehrkanalton. Weiterlesen

Tuwörter

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Einen Ohrwurm haben und den Text bloggen wollen, weil du dir dadurch Linderung versprichst.
Auf dem Bett statt am Schreibtisch sitzen, weil sich das Schreiben so viel casualer anfühlt, obwohl es eigentlich sogar nerviger ist, weil du unmöglich länger als ein paar Minuten in dieser Position verharren kannst.
Bedauern, dass du keine Katze bist, die nicht nur die unmöglichsten Verrenkungen schafft, sondern auch so gut wie überall und ständig schlafen kann.
Feststellen, dass am Schreibtisch ein Joghurt steht, dass du vor Stunden schon essen wolltest (Erdbeere, gut für die Verdauung, läuft morgen ab).
An die letzten fünf Wochen denken und wenig bedauernswertes finden.
Noch nicht gepackt haben.
Fürchten, dass wer „Was willst du uns damit sagen?“ kommentieren wird.
Einmal im Leben etwas durchgezogen haben.
An Texte in Deutschbüchern denken müssen.
Die Gedichte und Bilder über dem Jugendbett vermissen.
Auf „publish“ klicken.

Kokon

kokon

Ich möchte mich einspinnen in ein Kokon aus Halbsätzen und Wortfetzen, darin schlafen und wunderbar wirre Träume träumen. Es ist nun schon zu kalt geworden, um den Ventilator laufen zu lassen, so dass ich die Tippgeräusche beim Schreiben wieder gut höre, egal wie sehr ich mich anstrenge, wegzuhören. Das Netbook, auf dem ich seit über einem Monat jeden Abend einen Eintrag für dieses Blog verfasse, ist nur dann laut, wenn es an das örtliche Stromnetz angeschlossen ist. So genieße ich in den Pausen, in denen ich metaphorisch Luft hole, um einen langen Atmen für den nächsten Bandwurmsatz, wie ich sie so gerne schreibe, zu haben. Einen ganzen Absatz schaffe ich nicht am Stück, einen langen Satz schon. Weiterlesen

die besten Nächte.

diebestennaechte

„Ich weiß gar nicht mehr, was mein Stil überhaupt ist!“
„Wusstest du das je?“, fragt sie mich, treffend wie immer. Ich mag ihr keinen Namen mehr geben, denn sobald ich ihr einen Namen gebe, wird ein Mensch mit eben jenem Vornamen in meinem Leben auftauchen und die Leute werden mich fragen, ob ich über sie schreibe und ich müsste dann wie eine Sphinx lächeln, aber stattdessen werden ich rot und sage Dinge wie „Nein, sie ist nur eine Figur, um die Leser_innen zu verwirren, die gar nicht wirklich existiert, aber gewisse Aspekte von gewissen Menschen zu manchen Zeiten repräsentiert, spiegelt oder hologrammiert.“ (Natürlich sage ich nicht „hologrammiert, ein so gutes Verb würde mir beim Sprechen niemals einfallen)

Früher hieß sie Ruth. Es muss auch keine „sie“ sein, das ist im Grunde völlig egal, in welcher Form ich sie imaginiere. Ihre Frage versetzt mir einen kleinen Stich zwischen die zweite und dritte rechte Rippe von unten. Wie mit einer sehr spitzen und sehr dünnen Nadel gesetzt schmerzt mich ihre Aussage kurz und ungeahnt tief. Weiterlesen

Aérogareportdrome IV

Ich träume so gut wie nie oder erinnere mich nie an meine Träume, deswegen denke ich mir selbst welche aus …

AerogareportdromeIV

Der Koffer brummt und sagt mir damit, dass wir noch genug Zeit haben, um das Angebot an Franchiseunternehmen der Gastronomiebranche eingängig zu studieren. Ich weiß nur noch nicht ganz, bei welchem der vier Kaffeeunternehmen ich mir einen Becher holen will. Oder ob ich doch lieber ein gigantisches Sandwich will und mich darüber ärgern muss, dass es eh nur eine einzige vegetarische Variante gibt (Bin ich im Traum überhaupt vegetarisch?). Ich mag öffentliche Transportmittel, die Farbe Grün und Sandwiches auch, es fällt mir also schwer, zu widerstehen. Weiterlesen