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State of the Blog

Ich sollte mehr hier reinschreiben. Es ist schlimm, wie wenig ich blogge, wenn ich es damit vergleiche, wie oft ich mal gebloggt habe, wie wichtig es mir war. Jetzt ist es mir fast egal. Ich mag das Layout nicht mehr, aber das kann doch nicht wirklich ein Grund sein, oder?

Es ist nicht mehr wie früher. Es kommen weniger Kommentare und es gibt weniger Blogs in der „Nachbarschaft“, zumindest fühlt sich das so an. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich jetzt in einer Großstadt lebe und mehr Möglichkeiten habe, so dass ich den Blogklumpen um mich herum nicht so brauche. Vielleicht bin ich viel zu oft auf twitter und blase meine Gedanken in kleinen, maximal hundertvierzig Zeichen großen Fetzen heraus. Und auf diesem Blog erscheinen nur noch die großen Stücke, wenn ich Zeit habe. Aber selbst die werden kaum kommentiert. Ich weiß aber nicht, ob ich, wenn ich mir ansehe, was manche auf ihren Blogs für eklige Kommentare ertragen müssen, wirklich mehr Kommentare wünsche. Das Internet ist an vielen Stellen sehr ungemütlich geworden. (Oder ich merke es mehr.)

Ich bilde mir ein, genug zu sagen zu haben. Nur sprudelt es nicht mehr so aus mir heraus wie sonst. Der Gedanke kommt mir bekannt vor, ich denke ihn wahrscheinlich schon, seit ich das Blog habe. Momentan suche ich nach einer möglichst einfachen und gleichzeitig auch nachhaltigen Methode, ein eigenes, einspaltiges WordPress-Theme zu stricken, mit dem das hier wieder mehr Spaß machen wird. Das Layout ist nun wirklich schon sehr alt und ich mag Platz für Texte schaffen, nicht für die Sidebar.

Mal sehen, wie es weitergeht. Ich habe auf jeden Fall nicht vor, aufzuhören. Ich atme nur manchmal sehr lange und sehr tief durch.

Mehr!

Ich will wieder mehr bloggen. Ich weiß eigentlich selbst nicht, warum ich in letzter Zeit so selten blogge. Und das so gut wie nur noch in der Rubrik „literarische Spielwiese“. Im Januar habe ich versucht, damit anzufangen, so richtig geholfen hat der Vorsatz nicht. Ich würde auch gerne einige „fundierte“ Artikel schreiben, zu Themen, in denen ich mich auskenne oder die mich interessieren. „Umweltpolitik“ oder der Themenkomplex „Umwelt und Gesellschaft“ wären neben dem öfters schon angedeuteten „Feminismus und Gender“ Dinge, über die ich schreiben möchte. Und mittlerweile glaube ich auch, genug Ahnung zu haben, um über diese Themen schreiben zu können. Meine Artikel über die Jagd und über Märchen aus dem Pleistozän wären Beispiele dafür. Wobei ich über Umwelt sicherlich mehr weiß als über Genderthemen, einfach deswegen, weil ich „was mit Umwelt“ studiere.

Da ich das jetzt einfach mal so ankündige, muss ich es dann auch machen. Ich weiß natürlich nicht, ob das klappt. Zumindest wisst ihr, dass ich gerne würde und euch nicht nur aus Böswilligkeit nicht unterhalte.

Ein anderes Thema ist das Layout des Blogs, das mir schon länger nicht mehr gefällt. Ich mag zwar das Headerbild noch, aber das war es dann auch schon. 100e2r geht anders. Dann stelle ich mir die Frage, ob ich das Blog nicht unter einer eigenen Domain laufen lassen soll. joeladami.net wäre dann eine Visitenkarte, ein online-Lebenslauf. Ob ich das unbedingt brauche, ist auch so eine Frage, aber repräsentativer als ein Facebook-Account oder ein Blog, das eben nicht auf den ersten Blick über mich informiert, wäre es schon. Ihr merkt, das Mantra „Spätere Arbeitgeber_innen werden dich googeln!!!!11Elf“ hat sich eingebrannt. Angriff ist in der Hinsicht die beste Verteidigung und sämtliche Dienste, sei es about.me oder gar facebook, können von heute auf morgen abgeschaltet werden. Besser also, das eigene „Profil“ selbst zu hosten. Andererseits reicht vielleicht auch ein „Lebenslauf“ auf meiner Autorenseite.

Ansonsten: Meine Radiosendung Crumble lässt sich jetzt auch als Podcast hören. Meine Suppe benutze ich wieder regelmäßiger, da gibt es aber vor allem Bilder, die ich auf irgendeine Art und Weise interessant finde. Ich habe mir außerdem fest vorgenommen, in nächster Zeit Kuchenbaum fertig zu schreiben und Verlagen zur Veröffentlichung vorzulegen. Für Tipps oder Hinweise dementsprechend bin ich natürlich immer offen.

photo cc by Dinukshan Kuruppu

NaNoWriMo

NaNoWriMo

Ich mach dieses Jahr beim National Novel Writing Month mit. Der eigentlich „international“ heißen sollte, denn die Aktion begeistert weltweit Menschen, im November einen 50.000-Wörter Roman zu schreiben. Ich zweifele noch ein wenig daran, ob mir das gelingen wird. Denn ich bin heute gerade mal bei 2000 Wörtern, 10.000 sollte ich heute um Mitternacht erreichen, laut Plan. Mein Terminplan im November sieht nicht gerade unglaublich leer aus. Aber etwas hat NaNoWriMo schon erreicht: ich habe angefangen. Und Motivation. Also mal sehen, wie weit ich es heute noch schaffe. Mein Profil befindet sich übrigens hier.

Zehn Jahre Schreiben

Zehn Jahre Bloggen heißt auch: zehn Jahre schreiben. Deshalb ein Überblick über die letzten zehn Jahre, über Schreibversuche und Stilfindungen. Eigentlich sollte das hier nur eine kurze Liste mit je einem Text pro Jahr werden. Es ist dann ein bisschen länger geworden. Aber im Netz ist ja Platz genug.

Ich behaupte ja gerne, dass ich schreibe, seit ich es kann. Meine erste „Publikation“ war ein Heft über Waldsäugetiere, mit selbst gemalten Bildern. Mit dem ersten Computer im Haushalt kam dann auch Wordpad und damit wieder eine wildtierökologische Abhandlung. Aber hier soll es ja um die Texte im Blog gehen. 2001 habe ich ja nur drei Monate gebloggt, Anfang 2002 bis Juli hat das Blog dann geruht, ehe ich Tag für Tag etwas HTML strickte, es „Blog“ nannte und mir unheimlich cool vor kam, nicht von blogger.com abhängig zu sein und ein eigenes Layout zu haben. Deshalb gibt es aus dieser Periode auch keinen Text, der nicht auch Tagebucheintrag wäre.

23.10. 2001 – Ohne Titel
Mir gefällt das. Die Schreibe ist natürlich unbeholfen, der Wunsch nach zwei Liter Kakao hätte wohl in Bauchweh geendet, aber ich kann ihn mit dem nahenden Winter im Genick durchaus nachvollziehen.

One Dead every day“ habe ich wohl Anfang 2002 geschrieben – beachtet auch das lustige Vorwort, das ich drei Jahre später schrieb. Leider habe ich ziemlich viele längere und prosaische Texte nicht direkt im Blog, das ich damals wirklich als öffentliches Tagebuch verstand, sondern auf statischen Seiten daneben veröffentlicht, so dass es schwierig ist, sie zu datieren. (Beim Umzug auf ein CMS habe ich die Texte nach Gutdünken eingeordnet.) Wer sich ODED nicht antun will: Meine damaligen Lehrer_innen und Klassenkamerad_innen metzeln sich gegenseitig ab. Im Weltraum.

2002 und 2003 waren auch die Jahre von „NEON ODED“, eine Mischung aus einer Neon Genesis Evangelion-Fanfiction (deren Fanfictionhaftigkeit ich mir aber nicht eingestehen wollte!) und dem eben erwähnten, etwas älteren Text. Interessanterweise habe ich mit NEON ODED etwas getan, was ich sonst mit so gut wie keinem wichtigen Text getan habe: Ich habe ihn nie online veröffentlicht, sondern nur Freund_innen gezeigt. Was wohl auch sein Verhängnis ist. Ich habe ihn nämlich nicht mehr auf der Festplatte, bei irgendeinem Crash ging er verloren. Was eigentlich schade ist, denn er war ca. 60 Seiten lang und wäre sicherlich ein interessantes Dokument meines Schreiben-Lernens gewesen.

Sehr glücklich war ich damals nicht. Es fühlt sich nicht gut an, über diese Zeit zu lesen. Kein Wunder, dass der Löffelmörder in dieser Periode entstanden ist, ein Text, der offenbar nur noch auf ff.net zu finden ist. (Die Fortsetzung ist allerdings im Blog.) Ab Oktober 2003 wurde es besser. Ich lernte L. kennen, schreib merkwürdige Songtexte und solche Aufsätze in der Schule.

2004 schrieb ich an einer Fantasygeschichte, in der die verschiedensten Personen aus meiner damaligen Clique auftauchten. Ich glaube, auch dieser Text ist verloren, einen Ausschnitt gibt es hier. Ich finde es interessant, wie ich damals so bloggte. Das sind oft Tagebucheinträge, bei denen die Gedanken so derart hin und her springen, dass ich sie wahrscheinlich oft nur selbst verstanden habe. Ich muss wahrscheinlich nicht erwähnen, dass vieles von dem, was ich damals geschrieben habe, mir heute zumindest schleierhaft ist. Musik beschreiben konnte allerdings ich besser als heute, habe ich das Gefühl.

Anfang 2005 versuchte ich zu dichten. Lustigerweise habe ich 2005 meine immer noch existierende Rubrik „fiktive Gespräche“ begonnen, in der ich, wenn ich das richtig sehe, immer nur Gespräche mit A. geführt habe, zum Beispiel dieses hier. Gedichtet habe ich immer noch, allerdings für ein Mädchen. „When I come arround“ war ziemlich beliebt bei den Leser_innen, so dass es sogar eine vorgelesene Version gibt. Nach meinem Rant über die luxemburgische Blogosphäre nahmen mich die Eingeborenen gut auf und wählten mich zu ihrem König. (Oder so ähnlich.) *fucker war wohl der Anfang zu dem, was so was wie „mein Stil“ werden würde. Ich würde den Text heute anders schreiben, aber ich finde ihn immer noch sehr spannend. Beschreibungen von Zärtlichkeiten und Sex, wie feeling so unholy fand ich damals aber wohl noch spannender.

Anfang 2006 lernte ich L. kennen und schreib AIDYLL, das ich mit Scribus zu einem pdf machte und als Heftchen fotokopieren ließ und verteilte. Es folgten oben erwähnte Beschreibungen wie Steg oder FrühlingsErwachen. Für Schwalbenhimmel gab es immerhin einen Anlass. Heute finde ich Texte wie days of war, nights of love oder den Sci-Fi Versuch Weltraum Blues ja wesentlich interessanter, ich würde die Kuschelprosa aber nicht unterschätzen, immerhin habe ich sogar noch 2007 einen solchen Text öffentlich vor Publikum vorgelesen. Weltraum Blues stammte übrigens aus einer Sci-Fi-Serie, die als Wiki angelegt war. Das Wiki war auf einem unglaublich tollen Wikisystem aufgebaut, das alle Funktionen hatte, von denen MediaWiki wahrscheinlich heute noch träumte: nur updaten konnte man es nicht. So sind auch dort viele Texte verschwunden. Achherje. Stelle ich die Texte nicht online, verschwinden sie, stelle ich sie online, verschwinden sie erst recht.

2007 war voller interessanter Texte: XX/Y. Oder das Gedicht Tränen, das mir einfach so auf der Straße einfiel. Ich schreib an einem Text namens EVA, immer noch inspiriert von Neon Genesis Evangelion und L. Ich würde EVA auch heute noch Potential geben. Irgendwann vielleicht. Bei meinem ersten Freewriting-Text habe ich Ina entdeckt. 2007 haben wir les jeunes melancoliques gegründet und im Dezember das erste mal im D:qliq vor Publikum gelesen. Mit Hoffnung habe ich die Arbeit an Kuchenbaum begonnen, unwissend, was da kommen würde.

Anfang 2008 fühlte ich mich wortlos und pflanzte den Wunsch, mit den jungen Melancholiker_innen in einem VW-Bus nach Skandinavien zu fahren. Was wir übrigens nie getan haben. Ich war 2008 trotzdem viel unterwegs und kam nicht immer ganz damit zurecht. Ich glaube, Ein dicker Strich aus schwarzer Kreide ist der erste Text, in dem das Zeppelin erwähnt wird, sicher bin ich mir allerdings nicht. Im September begann mein letztes Jahr in der Schule und ich kritzelte rote Zeichen in meinen Kalender. Übrigens die Daten der Examen.

Im Februar 2009 verliebte ich mich richtig heftig, das erste Mal in meinem Leben. Fühlte sich an wie ein Tumor in meinem Kopf, der sich dann verflüssigte und schließlich platzte. Im Sommer war dann nicht nur die Schulzeit vorbei, sondern ich fand das Zentrum des Universums. Ein Gefühl, das ich eigentlich gerne mal wieder hätte.

2010 vermisse ich k. auf meinem Fensterbrett, habe Kopfschmerzen und rieche Benzingeruch. Wien hat mein Schreiben verändert. Das Tagebuchartige ist wieder da, aber in einer prosaischen Form, die mir immer noch sehr gut gefällt. Ich wartete auf Dr. Kroko und warf Gewehre über Bord. Der Herbst war emotional sehr anstrengend, was ################################# und Yogaübung klar zeigen.

2011: Kälteeinbruch im März. Ich wünsche mir mehr verfickte Poesie in meinem Leben und finde sie im April beim Duschen. Noch bevor der Sommer richtig begonnen hat, versuche ich mir vorzustellen, wie ich ihn erinnern werde. Natürlich kam alles ganz anders als geplant.

Wow. Zehn Jahre. Ich staune immer noch über diese Zeit. Ich tue mir schwer mit vielen Texte, die im Blog stehen. Ich könnte sie höchstens aus heutiger Sicht kommentieren, aber wie lächerlich würde das in ein paar Jahren erst wirken. Löschen ist keine Lösung, also müssen sie stehen bleiben, als Zeugen von dem Joël, der sie vor sieben, acht, neun, zehn Jahren schrieb.

Hättet ihr andere Texte für diese Retrospektive ausgewählt? Gibt es Texte, die euch besonders am Herzen liegen, die euch berührt haben?

photo: some rights reserved by Thomas Fisher Rare Book Library

Zehn Jahre Bloggen

Krass. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Zehn Jahre! Ein Jahrzehnt! Dabei bin ich noch nicht mal drei Jahrzehnte auf diesem Planeten. Ich habe mit vierzehn angefangen zu bloggen, damals noch bei blogger.com. Ich weiß nicht, ob es noch eine Ruine der ersten paar Monate bei blogger.com gibt, ich schätze nicht.

Gerade sitzt ein Kumpel bei mir und wir lesen und gegenseitig Blog- und Tagebucheinträge vor und lachen über unsere damaligen Schreibversuche. Wenn ich Sachen wie „One dead every day“ lese, weiß ich nicht, ob ich über meinen Versuch, Dragonball, Sci-Fi und meinen offensichtlichen Hass auf meine Lehrer_innen zu einer Fortsetzungsgeschichte zu verbinden, lachen, weinen oder mir ernsthafte Gedanken über meinen damaligen geistigen Zustand machen sollte.

Aber gerade das ist das spannende. Ich habe die letzten zehn Jahre meiner Entwicklung ziemlich genau dokumentiert. Von 14 bis 24, wahrscheinlich eine der einflussreichsten Dekaden meines Lebens. Passenderweise habe ich mein Blog kurz nach meinem Geburtstag begonnen.

Wie alles anfing …
Eigentlich wollte ich ein Bildbearbeitungsprogramm. Damals gab es in Luxemburg noch kein DSL, oder es war so teuer, dass meine Eltern sich das nicht leisten wollten. Über ISDN war es nicht möglich, sich GIMP herunter zu laden. (Heute dauert der Download weniger als eine Minute) Zumindest war die .exe immer defekt, warum auch immer. Die Lösung bot Martin, eine meiner längsten Internetbekanntschaften, mit der ich noch immer in Kontakt – über Facebook, ironischerweise – bin. (Danke für die Karte aus Brasilien, übrigens!) Auf einer Heft-CD gab es GIMP. Und in dem Heft einen Artikel über Blogs.

Natürlich hatte ich davor eine Homepage. Zusammengebastelt mit dem damals schon veralteten Netscape Composer, gehostet auf tripod, das damals Lycos gehörte. Das war eine Suchmaschine, die Fernsehwerbung mit einem schwarzen Labrador schaltete. (Fernsehwerbung für Suchmaschinen! Überhaupt: Suchmaschinen! Plural!) Ich glaube, darauf standen Dinge über mich und Harry Potter. Überhaupt hat meine Netzsozialisation viel mit Harry Potter zu tun gehabt, auch Martin kannte ich aus dem Phoenixfeder/Expertenrunde-Forum. Er hat mich dann auch animiert zu bloggen: „Das wäre doch was für dich!“

War es dann auch, wie wir alle gemerkt haben. Der erste Artikel ist typisch für den vierzehnjährigen Joël: „ICH WILL ES ALLEN ZEIGEN !“. Das ich irgendwie „anders“ war wie die meisten Menschen, die mir bis dorthin begegnet waren, war mir klar. Ob mein doch sehr stark nerdhaftiges Benehmen immer zu dem gewählten Ziel geführt hat, wage ich zu bezweifeln. Aber es ist leicht, über Vierzehnhjährige und ihre Vorstellungen und vermeintliche Naivität zu lachen. Es ist auch merkwürdig, diese Dinge zu lesen. Zu Wissen, dass ich die mal geschrieben habe. Der Joël, der vor zehn Jahren schrieb, dass er es allen zeigen will, hätte sich wahrscheinlich nicht vorstellen können, dass er mal in Wien sitzt, studiert, Referent für Öffentlichkeitsarbeit ist, immer noch bloggt, auf einer Hörbuch-CD veröffentlicht wurde, usw. Der Gedanke macht mich ein wenig wirr.

Zehn Jahre Bloggen heißt auch: Zehn Jahre interessante Menschen kennen lernen. In den ersten Jahren habe ich mich so gut wie nicht vernetzt, ich habe sicher ein Jahr oder noch länger gebloggt, ohne je ein anderes Blog zu lesen. Wenn ich mich richtig erinnere, war das Blog von Doc Rollinger unter den Ersten, die ich gelesen habe, mit dem Herrn Stardustlyricer zusammen. Viele Blogs von „damals“ sind verschwunden oder wurden eingestellt, manche haben einfach aufgehört, ganz still. Andere sind dazu gekommen und stellen sich immer wieder als wunderbare Freundschaften und Bekanntschaften heraus.

Ich hoffe, ich habe euch, meinen Leserinnen und Lesern die letzten zehn Jahre über zumindest etwas unterhalten, anregen und sogar inspirieren können. Ich freue mich auf die nächsten zehn Jahre. Und werde in den nächsten Tagen noch ein bisschen darüber bloggen, wie das so war, in den letzten zehn Jahren und wie es weiter gehen soll. Dank euch!

photo: AttributionSome rights reserved by Thomas Fisher Rare Book Library

Mal wieder in Münster lesen


Wer mich mal live erleben will, meine Texte aus meinem Mund hören will, dem kann ich nur empfehlen, am 26. Februar nach Münster zu kommen. Ich lese wohl wieder aus meiner bekannten Mischung von surrealen, traumähnlichen Befindlichkeitsbeschreibungen, irgendwo zwischen Gonzojournalismus und
Beat-Generation und Texten über die Liebe, Hass und die Ortungsschwierigkeiten im beginnenden 21. Jahrhundert.

Schöngeist und Mouvement Électronique. Prosa I und Lyrik aus Münster und Wien – Clemens B. Gatzmaga, Daniel Mattner, Joël Adami und Johanna-Yasirra Kluhs lesen ihre Texte für Euch.
Diachron und dicht. Kryptisch und klar.
Später Disco mit Musik vom Teller. Elektronisch und indie.
Reinhören und bewegen: Am 26. Februar um 20:00 im SpecOps in Münster. Präsentiert von artifarti.de.
Flyer und genaue Adresse nach dem Klick. Weiterlesen

Kuchenbäume im Weinberg des Textes

Lange Zeit was ich hin- und her gerissen zwischen Begeisterung und Skepsis, was individuelle Artikelgestaltung angeht, die Ben im wundervollen Anmut und Demut immer öfter praktiziert. Es braucht viel Zeit und ich will mich nicht immer neben dem Schreiben auch noch mit „Layouten“ beschäftigen. Dann kam die Einsicht viel zu spät: Nicht jeder Artikel muss ein Schmuckstück sein, aber es gibt einige, für die es sich lohnt, einen größeren Aufwand zu betreiben. Und als ich anfing, meine lang gehegte Idee, alle Texte des Ina/Zoës-„Epos“ in eine Seite zu hauen, damit man die Geschichte bequem nachlesen kann, umzusetzen, beschloss ich, ebenfalls Pionierarbeit zu leisten und einen Artikel individuell zu gestalten. Geholfen hat natürlich dieses Tutorial. Das Smashing Magazine hat auch einen wundervoll gestalteten Artikel über die Vor- und Nachteile.

Hier ist nun das Ergebnis. Das „Epos“ hat damit nun auch einen Namen, nämlich den des Baumes, unter dem Ina und Zoë sich das erste Mal gesehen haben: Kuchenbaum. Der Text bekommt mehr Breite, denn es ist viel Text. Und sollte Apple mit ihrer Fernbedienung Erfolg haben, so wird der Widescreen wohl immer bedeutender werden. Die Schriftgröße ist angenehm groß, hoffentlich nicht zu groß. Dann gibt es große Bilder mit einzelnen Zeilen, die so hervorgehoben werden und dem Ganzen einen (hoffentlich nicht zu prätentiös wirkenden) poetischeren Anstrich. Mit den Schriften habe ich herumgespielt und mich ausgetobt. Wer heute noch alte Browser benutzt, hat sowieso verloren. Mit Webkit (Safari, Chrome) sieht das Font-Rendering wohl etwas besser aus als bei Mozilla, trotzdem bin ich überall zufrieden. Das Gedicht, das Ina und ihr Ex geschrieben haben, habe ich in zwei verschiedenen Schriften gesetzt, um den Eindruck des abwechselnden Schreibens zu erwecken. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen, wie ich finde!

Was das HTML und das CSS angeht: Da muss ich noch viel lernen. Es erscheint mir vieles als üble Hacks, wobei es aber auch sein kann, dass diese Technologien halt einfach nie dafür gedacht waren, so richtig viel zu gestalten. Ja, vieles hätte ich auch einfach als Bilder machen können und wäre innerhalb weniger Stunden anstatt mehrer Tage fertig gewesen. Und ja, ich hätte sicherlich noch mehr aus dem Text machen können. Aber irgendwo muss man ja anfangen. Ich freue mich schon auf die nächste Gelegenheit, einen Artikel individuell zu gestalten.

Edit: Jemand meinte jetzt, bei einer Auflösung von 1600px wäre das Ganze unschön und der Text würde aus den Bildern rausstehen, was natürlich nicht Sinn der Sache ist. Ich habe jetzt versucht das mit „max-width:1024px;“ zu umgehen. Leider habe ich keinen Monitor, der eine so hohe Auflösung unterstützt, um das genauer nachzuprüfen.
Edit2: Das Problem dürfte jetzt gelöst sein!

Axolotl copykills

photo cc by Roselle Kingsbury

Wie alle Menschen, die gerne schreiben und von sich glauben, einen Funken Talent zu besitzen, würde ich gerne einmal ein Buch veröffentlichen, das dann in den Feuilletons (in Frankreich wird das Wort übrigens vor allem für Soaps verwendet) der Zeit, FAZ, des Standards und eventuell auch noch der Taz hochgelobt wird. So war ich auch etwas neidisch auf Helene Hegelmann, die diesen Wunschtraum bereits mit siebzehn Jahren erleben darf.

Oder durfte. Denn Helene hat beim Verfassen von Axolotl Roadkill fast wortwörtlich in Airens Werk Strobo abgeschrieben, wie einer meiner persönlichen Helden, Deef Pirmasens aufdeckte. Das macht gerade ordentlichen Medienrummel.

Mich stört, dass die Autorin jetzt oft als Kind bezeichnet wird. So falsch Hegemanns Verhalten auch war, persönliche Angriffe sind nicht zu rechtfertigen und es ist für mich etwas leicht gegriffen, zu sagen, die ist so jung, die weiß es nicht besser. Wenn plagiieren als falsch verstandene „Remix“-Kultur gedeutet wird und die Autorin nicht als medienkompetent genug, den Unterschied zu verstehen, gebrandmarkt wird, dann steht sie vielleicht doch für den Umgang der Erwachsenen mit den Kindern des neuen Jahrhunderts. Mal abgesehen davon, dass ich es für hochgradig lächerlich halte, einen Stellvertreterroman schreiben zu wollen, wenn man am 11. September 2001 gerade mal acht Jahre alt war, die Demonstrationen gegen den Irak-Krieg nur vom Hörensagen kennt, usw. Genauso gut könnte ich einen Stellverteterroman für die 1990er schreiben, Nirvana hat mich in meiner Jugend ja auch viel bewegt.

Dann stellt sich die Frage, ob nicht ein Pornotag für Feuilletonisten geführt werden sollte. Damit würden zu ausgiebige Beschäftigungen mit Büchern von jungen Frauen, die über ihr Sexualleben schreiben, vielleicht nicht in Hypes ausarten, die sich später als heiße Luft entpuppen. Wie wichtig die Literatur bei den Lobhudeleien über Axolotl Roadkill waren, zeigt Willi Winkler bei der Süddeutschen. Ausgiebig wurde sich mit der Frisur der Autorin befasst.

Und dann: Wie sieht es bei mir selbst aus? Hegemann hat nicht nur bei Airen abgeschrieben, sondern auch den Song Fuck U der Band Archive übersetzt und als ihr eigenes Werk ausgeben. Da greift das schlechte Gewissen. Ich habe Ina und Zoë abgeschrieben schon sehr oft aus Lieder, die mich gerade bewegt haben, zitiert. Und das auch nicht immer sehr kenntlich gemacht. Vor allem auf dem Werk der Einstürzenden Neubauten ist die eine oder andere Zeile.

Was tun? Darauf verzichten will ich nicht wirklich, denn oft sind es die Sätze, die mir beim Schreiben in den Kopf kommen und ein spielerischer Umgang mit Zitaten und Motiven aus der (Pop)Kultur macht schon seit einiger Zeit das aus, was wir Kultur nennen. Ich werde die Zitate, die sich im übrigen durchaus in Grenzen halten (die vorhin erwähnten Ina und Zoë-Texte sind, soweit ich das überblicke, völlig frei davon), kennzeichnen (etwa durch Verlinkung auf den Originaltext).

Denn schlimmer noch als Eigenlob ist Lob, das man für etwas erhält, das man gar nicht gemacht hat.

State of the onion

photo cc by Darwin Bell

Seit ein paar Tagen Wochen geistert formspring.me, eine Mischung zwischen Kontaktforumlar und twitter vor allem durch die twitterosphäre. Auch viele luxemburgische Netzpersönlichkeiten haben sich den Fragen, die sie vor allem anonym gestellt bekommen haben, gestellt. Die Ungewissheit, wer da eigentlich gefragt hat und die Möglichkeit, anonym Fragen stellen zu können machen den Reiz von formspring.me aus, obwohl es leider so scheint, als habe sich der erste Hype schon wieder gelegt. Ich konnte mich zumindest nie darüber beklagen, uninteressante Fragen gestellt zu bekommen, habe aber auch schon seit einer guten Woche keine Frage mehr beantworten dürfen.

Vor zwei Wochen wurde Chris die Frage gestellt, was in der luxemburgischen Blogosphäre fehlen würde und nachdem er sie beantwortet hatte, stellte er mir die gleiche Frage. Hier und hier sind unsere Antworten. Und die sind durchaus lesenswert. Und so am Jahresende kann man sich schon Gedanken über den Zustand unseres kleinen, feinen Blogklumpens machen. Chris fehlen Kommentare von Nicht-Bloggern, ein gehobenes Niveau in Kommentaren und gute Blogs. Ich wünsche mir einen höheren Frauenanteil, LGBTQ-Blogs, mehr Gendersensibilität, mehr Vernetzung mit MigrantInnenblogs und mehr Blogs. Es nervt mich ungemein, dass viele Geschichte halböffentlich und unausgesprochen in Galerien und Kommentaren auf Facebook herumliegen, wo sie im allgemeinen Blödsinnsstrom untergehen.

Ich würde mir also wünschen, dass mehr Menschen damit anfangen, zu bloggen. Ihre Geschichten erzählen, ihre Meinungen kundtun, ihre Fotos zeigen. Und wenn ein Blog nur einmal im Monat einen kleinen, aber feinen Beitrag hat, dann ist es halt nur einmal im Monat. Besser so, als auf Facebook unter den neusten Highscores von Farmville unterzugehen. Bleibt die Frage, wie man den Leuten das sagt und beibringt. Immerhin ist ein Account auf Facebook immer noch einfacherer als ein Blog bei wordpress.com. Vor allem fehlt bei wordpress.com die Community. Das ist wohl nicht zu unterschätzen, immerhin kann ich mir bei Facebook sicher sein, dass ich zumindest einen „Like“ kassiere, wenn ich Inhalt online stelle. Für ein Blog muss ich mir erst Publikum erarbeiten, das dann auch noch oft genug undankbar oder gar beleidigend ist. Also nicht nur technisch, sondern vor allem was das Publikum angeht ist ein Blog komplizierter und unbequemer. Aber vielleicht kann man ja Möglichkeiten schaffen, das zu vereinfachen? Vor allem im luxemburgischen Blogklumpen, der doch sehr überschaubar ist, fällt es relativ leicht, sich mit vielen BloggerInnen zu vernetzen und somit schneller an LeserInnen zu kommen. Bleibt halt nur die Frage, wie man die Leute ans Bloggen und ans Lesen bekommt.

Was denkt ihr? Was fehlt euch in der luxemburgischen Blogosphäre? Was wünscht ihr euch?