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Die Geschichte mit der Tracht

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Gestern geisterte auf twitter das Stichwort „Dirndl“ durch die Timeline. Ich habe die Aufregung nicht gleich verstanden, aber soviel ist nachzulesen: die deutsche Verkehrsstaatssekretärin Dorothee Bär (CSU) trug im Parlament ein Dirndl, was grüne Politiker_innen zu Kommentaren zur Tracht verleitete (Nachzulesen hier oder hier). Von Österreich heraus betrachtet ist das eine ziemlich lustige Geschichte, denn hier stört sich keine_r an Trachten im Nationalrat. Es sei denn, sie werden von türkischstämmigen Grünen-Politikerinnen getragen. Ich musste an eine Geschichte denken, die ich damals nicht erzählt habe, obwohl sie mit einigem Leidensdruck verbunden war. Ich habe mich nämlich auch einmal zur Tracht geäußert und gefühlt alle Konservativen meiner Uni verärgert … Weiterlesen

Studierendenvertretung à la Luxembourgeoise

Dieser Post erschien zuerst in der Ausgabe 03/2014 des progress und wurde im März 2016 rückdatierend auf dieses Blog gepostet.

Sie hat nur wenige aktive Mitglieder und die sind dazu noch über den Globus verstreut. Dennoch gelingt es der UNEL, tausende Studierende für Demonstrationen zu mobilisieren. Wir werfen einen Blick auf die luxemburgische Studierendenvertretung.
In einer Artikelserie wollen wir verschiedene Studierendenvertretungen, die neben der ÖH in der gemeinsamen europäischen Studierendenorganisation European Student‘s Union (ESU) vertreten sind, vorstellen. Wir fangen mit einem Land an, das bis vor zehn Jahren noch überhaupt keine Uni hatte: Luxemburg. Die Studierendenvertretung Union Nationale des Étudiant-e-s du Luxembourg (UNEL) ist dennoch schon beinahe ein Jahrhundert alt.

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25. April 2014, Luxemburg-Stadt. 17.000 Studierende und Schüler_innen demonstrieren gegen die geplanten Kürzungen der Studienbeihilfe. Innerhalb weniger Wochen wurde in sozialen Netzwerken und in Schulen für den „Streik“ mobilisiert. Die Demonstration ist ein voller Erfolg, die pittoreske Altstadt Luxemburgs platzt aus allen Nähten. Aus dem ganzen Land sind Schüler_innen und Studierende angereist, um ihren Unmut gegen die Reform der Studienbeihilfen, die im Gesetz mit der Nummer 6670 beschlossen werden sollen, kundzutun. Sprüche wie „Dir soot kierzen, mir soe stierzen“ (Ihr sagt kürzen, wir sagen stürzen) oder „Wem seng Bildung? – Eis Bildung!“ (Wessen Bildung – Unsere Bildung!) lassen erkennen, dass die Demonstrierenden von den #unibrennt-Protesten inspiriert wurden. Die ehemals großzügige Beihilfe, die fast alle Studierenden beziehen konnten, soll von der neuen sozialdemokratisch- liberal-grünen Regierung massiv gekürzt und in ein bürokratisches Ungetüm verwandelt werden. Es ist die erste Sparmaßnahme der Regierung, sie findet ausgerechnet im Bildungsbereich statt. Hinter den Protesten steht das „Streikkomitee 6670“, ein Zusammenschluss aus verschiedenen Studierenden- und Schüler_innenorganisationen. Eine der wichtigsten Organisationen in diesem Bündnis ist die UNEL, die nationale Union der luxemburgischen Studierenden. Weiterlesen

Ein Leben (fast) ohne Supermarkt

Dieser Post erschien zuerst in der Ausgabe 02/2014 des progress und wurde im März 2016 rückdatierend auf dieses Blog gepostet. Foto von Johanna Rauch.

Auf der Suche nach nachhaltigen und regionalen Lebensmitteln schließen sich immer mehr Menschen zu Foodcoops zusammen. progress hat sich angesehen, wie ein Leben fast ohne Supermarkt funktionieren kann.
Dienstagabend in einem Kellergeschoss im 15. Wiener Gemeindebezirk. In den Räumen des PerpetuuMobile 2.3 stapeln sich Kisten mit Gemüse, Getreide, Nudeln und Sojaprodukten. Dazwischen wuseln Menschen umher, vergleichen den Inhalt der Kisten mit Listen und wiegen Erdäpfel, Frühlingszwiebeln, Salat, Rüben und Pastinaken ab. Es ist Abholtag in der vegan food coop, einer von über 20 Foodcoops in Österreich. Gerade ist eine Lieferung eingetroffen, frisch vom Bauernhof.

foodcoop5_blog (Foto: © Johanna Rauch)

„Ich hatte sehr lange Zeit eine Biokiste, aber ich wollte dann noch einen Schritt weiter gehen. Ich wollte wissen, wo mein Essen herkommt“, erzählt Christina. Sie studiert an der BOKU und ist seit anderthalb Jahren Mitglied der vegan food coop. Der Kontakt zu Produzent_innen ist ihr besonders wichtig: „Ich kann hier wirklich sehen und nachprüfen, wie meine Lebensmittel angebaut werden. Wir organisieren öfters Reisen zu Bauernhöfen und können uns anschauen, wie die wirtschaften.“ Weiterlesen

Liberal, demokratisch, deutschnational?

Dieser Post erschien zuerst in der Ausgabe 01/2014 des progress und wurde im März 2016 rückdatierend auf dieses Blog gepostet.

Immer wieder versuchen Burschenschaften, ihre Rolle während der Deutschen Revolution 1848 zu glorifizieren und ihre Beteiligung am Nationalsozialismus kleinzureden. Ein Fest am 8. Mai soll die Mythen der Burschenschaften zementieren.
24. Jänner, Wien. Auf den Straßen demonstrieren Antifaschist_innen gegen den von der Wiener FPÖ organisierten „Akademikerball“, in der Hofburg tanzen schlagende Burschenschaftler und rechte Politiker_innen. In den darauffolgenden Tagen und Wochen wird eins dieser Ereignisse heiß diskutiert: die Demonstrationen und ihre Kollateralschäden, vor allem umgeworfene Mistkübel und eingeschlagene Fensterscheiben. Am achten Februar findet darauffolgend in Linz der „Burschenbundball“ statt.

20140124-PLN_0525_blogBunter und kreativer Protest gegen den „Akademikerball“ im Januar 2013. Foto: Luiza Puiu

Auch hier findet eine große antifaschistische Kundgebung statt, bei der allerdings Menschen aufgrund dunkler Kleidung von Demoordner_innen vom Rest der Demonstration ausgegrenzt wurden. Angeblich, um Szenarien wie in Wien zu vermeiden. Gebracht hat diese Entsolidarisierung außer einer fragwürdigen Spaltung der Demonstration nichts: Ein Diskurs um den Auslöser der Demonstrationen blieb, wie in Wien, aus. Stattdessen reden rechte Politiker_innen von der bedeutenden liberaldemokratischen Rolle der Burschenschaften während der Revolution 1848, im gleichen Atemzug wird dann meistens auch ihre Auflösung 1938 als „Beweis“ dafür genannt, dass die deutschnationalen Männerbünde nicht rechtsextrem seien. Weiterlesen

Ministerium für eh alles

besetztes Audimax an der Uni Wien 2009

2009 brannten die Unis – heute gibt es in Österreich kein Wissenschaftsministerium mehr

Österreich hat nach langen Koalitionsverhandlungen seit gestern wieder eine schwarz-rote Regierung. Obwohl so gut wie alles gleich bleibt, was bisher schon still stand, gibt es eine bedeutende Neuerung: Das Wissenschaftsministerium abgeschafft und der Bereich dem Wirtschaftsministerium untergeordnet.

Ist es zynisch, das „konsequent“ zu nennen? Weiterlesen

Homophobie in Luxemburg: Normalzustand

stitchery of the writing homophobia is a choice(Dieser Artikel ist aus Sicht eines weißen cis-männlichen Luxemburgers mit Hetero-Privilegien geschrieben. Beachtet auf jeden Fall auch die Linktipps.) In Luxemburg wird in den nächsten Tagen eine neue Regierung vereidigt werden. An ihrer Spitze werden aller Voraussicht nach zwei schwule Minister stehen, den liberalen Xavier Bettel als Premierminister und den Sozialdemokraten Etienne Schneider als sein Vize. Schon im Vorfeld wurde bekannt, dass das Te Deum als offizieller Festakt anlässlich des Nationalfeiertages künftig durch eine nichtreligiöse Feier ersetzt werden wird.

Den frischgebackenen Abgeordneten der rechts-außen ADR Roy Reding fand das Anlaß genug, einen homophoben Witz auf Facebook zu posten, der offensichtlich darauf abzielte, Bettel und Schneider als „homosexuell, und deswegen Kirchengegner“ zu brandmarken. Weiterlesen

Links zur Wahl in Luxemburg

WahlzettelDie Wahlen in Luxemburg sind vorbei, als Wahlsieger_innen sahen sich außer den Grünen alle Parteien – auch jene, die es nicht ins Parlament geschafft haben. Jetzt scheinen DP, LSAP und déi Gréng eine liberal-sozialdemokratisch-grüne Koalition vorzubereiten, was für einiges an Aufregung und Euphorie (je nach politischer Ausrichtung) sorgt. Einige Links, davor aber noch etwas Eigenwerbung, die nichts mit den Wahlen zu tun hat: Ich bin, wie einige von euch vielleicht mitbekommen haben, seit Sommer Teil der Chef_innenredaktion des progress, dem Magazin der Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft. Meinen ersten Artikel habe ich für unser Dossier über Mehrsprachigkeit geschrieben: Von Eichhörnchen und Igeln – Mehrsprachigkeit in Luxemburg. Das progress ist auch auf facebook – und nach 12 Jahren (den Geburtstag habe ich im Prewahlstress völlig vergessen!) ist mein Blog dort nun auch. Ihr dürft also kräftig liken und teilen, wenn ihr das wollt. Nun aber zu den Links: Weiterlesen

Von Eichhörnchen und Igeln – Mehrsprachigkeit in Luxemburg

Dieser Post erschien zuerst in der Oktober-Ausgabe (05/2013) des progress und wurde im März 2016 rückdatierend auf dieses Blog gepostet.

Neben Banken und Tankstellen ist Luxemburg bekannt für seine mehrsprachigen Einwohner_innen, sprechen doch die meisten von ihnen drei bis vier Sprachen. Ist das Großherzogtum ein Eldorado der Vielsprachigkeit?

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Luxemburg hat drei offizielle Sprachen: Luxemburgisch, Deutsch und Französisch. Ihr Gebrauch ist nicht, wie etwa in der Schweiz oder in Belgien, regional begrenzt, sondern hängt sehr stark von den Sprechenden und dem jeweiligen Kontext ab. Luxemburgisch ist eine stark mit dem Deutschen verwandte Ausbausprache, das heißt eine sich momentan weiterentwickelnde Sprache, die aus einem moselfränkischen Dialekt entstanden ist. Deutschsprachige verstehen Luxemburgisch zwar zum Teil, aber spätestens bei Sätzen wie „d‘ Kaweechelchen an de Kéiseker frupse Quetschegebeess“ (Das Eichhörnchen und der Igel futtern Powidl.) müssen sie passen. Seit 1984 hat Luxemburg ein eigenes Sprachengesetz, in dem Luxemburgisch als Nationalsprache definiert und neben Deutsch und Französisch als Amtssprache eingeführt wurde. Der Text des Gesetzes ist dabei – wie alle luxemburgischen Gesetze – auf Französisch verfasst. Weiterlesen

Umweltwahlprogramme der luxemburgischen Parteien – PID

pid-logoDie Partei fir integral Demokratie ist die jüngste Partei in Luxemburg.

Ihr Gründer Jean Colombera saß schon für die ADR im Parlament, ist Ende 2012 aber ausgetreten und tut nun das, was 2009 Aly Jaerling, ebenfalls Ex-ADRler, bereits erfolglos versucht hat: mit der Bekanntheit, die ein freies Abgeordnetenmandat mit sich bringt, eine neue Partei ins Parlament zu hieven.

Die Partei für integrale Demokratie benutzt in ihrem Wahlprogramm sehr oft das Wort „integral“ – was soll eins sich unter „integraler“ Umweltpolitik also nun vorstellen? Weiterlesen

Umweltwahlprogramme der luxemburgischen Parteien – Piratenpartei

PpLogo-stneg-lb-webDie Piratenpartei tritt zum allerersten Mal zu Wahlen in Luxemburg an und hat, obwohl ihr immer vorgeworfen wurde, sie habe kein Programm, fast 170 Seiten Wahlprogramm geschrieben.

Es finden sich darin etwas weniger umweltrelevante Passagen als vielleicht bei anderen Parteien, aber dennoch einige interessante Aspekte, die ich in den folgenden Zeilen untersuchen will. Weiterlesen