Die Impfung (I)

Als ich die erste Dosis erhielt.

Ich spüre nicht nichts, aber ich bin mehr von den Ablenkungsversuchen abgelenkt, als dass ich mich groß auf irgendwelche Schmerzen konzentrieren könnte. Ich kriege kein Pflaster, weil ich zu viele Haare am Arm habe. Ich finde diese Betrachtungsweise sehr rührend, bereue aber wenig, nachher kein Oberarmfoto posten zu können. Dafür poste ich einen lustigen Spruch, auch damit kann ich leben. Fünfeinhalb Stunden später fühlt sich mein Arm an, als hätte ich einen Muskelkater. Und alles etwas weniger schlimm.

Die Unumarmtheit

Als ich im Regen nachgab.

Ich stehe im Betonhof, ungeschützt, unter keinem Dach, obwohl es in Strömen regnet. Ich schaue auf den Quittenbaum, unter dem ich einst einen Pfirsich aß. Er ist in voller Blüte, der Regen macht ihm nichts aus. Ich sehne mich nach dieser einen Schulter, an der ich mich ausweinen könnte – oder einfach danach, einmal nicht vor Rührung zu weinen.

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Das Herumträgen

Als ich träge war.

Der Mai beginnt nicht sonderlich freundlich. Statt Sonnenschein oder zumindest einem grauem, aber trocknen Wetter begrüßt mich das Draußen mit Regen. Ich halte nichts von solchen Umgangsformen und beschließe, Drinnen zu bleiben und mich mit Festplattenarchäologie und anderen merkwürdigen Sonntagshobbys zu beschäftigen, die vor allem darin von meiner Arbeit unterscheiden, dass ich dabei weniger abgelenkt bin oder mir die Abgelenktheit nicht so vorkommt. Ich poste einen Artikel auf social media, streite mich mit Menschen auf social media, ziehe mich in ein Spiel zurück und möchte am Liebsten gar nicht mehr aufhören.

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Der Sonnsamstag

Als sich der Samstag wie ein Sonntag anfühlte.

Ich werde das Gefühl nicht los, es sei Sonntag. Vermutlich liegt es an dem Feiertag, an der dösigen Stimmung und dem Wetter, das sich nicht entscheiden kann, was es sein will. Ich erwarte, morgen freudig überrascht zu sein.

Der Brief

Als ich Post bekam.

Ein Brief kommt, er verrät schon auf dem Umschlag, worum es geht. Außerdem hat das Netz mich schon informiert, was kommen wird. Ich kann es nicht ganz fassen, es ist wie unerwartete Geburtstagsgeschenke an an der Haustür entgegenzunehmen.

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Das Zelt

Als ich verdaute.

Jemand erzählt mit etwas über fiktive Züge und Fabriken, ich höre nur so halb zu, obwohl ich mir das Thema ausgesucht habe. Ich bin so sehr mit Verdauen beschäftigt, ich kann mich auf kaum was anderes konzentrieren.

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Das Birkenwäldchen

Als die Erinnerung in den Kniekehlen brannte.

Mir brennt die Erinnerung an das Birkenwäldchen in den Kniekehlen. Ich verfluche es und gleichzeitig kann ich nicht anders, als es zu genießen. Ich muss an das Grinsen denken, das mir zeitweise nicht aus dem Gesicht gleiten wollte.