Der Glasboden

Als ich Gänsehaut hatte.

Obstwiese im Sonnenaufgang, aus dem Zug heraus fotografiert.

Meine Augen sind weit geöffnet. Ich verstehe nicht, was ich da sehe. Erst denke ich, dass wir wieder einmal an der Decke eines Raumes hängen, statt auf dem Fußboden zu stehen, dass die himmlische Mechanik zwischen mir und der Person, die wir einst Ruth nannten, wieder einmal die Schwerkraft für kurze Zeit außer Kraft gesetzt hat. Es ist nicht das. Ich blinzele. Oder eher: Ich schließe und öffne meine Augen bewusst nochmal. Würde ich nicht immer noch ihre Hand halten, würde ich sie benutzen, um mir die Augen zu reiben. Da es recht ungewohnt und vermutlich auch wenig wirksam ist, nur ein einziges Auge zu reiben, lasse ich es sein. Dann starre ich nur noch.

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Die Schlupp

Als ich ein heimliches Lieblingsgericht kochte.

Ich stehe am Ufer, die Gischt der Suppe schlägt mir entgegen. Wenn ich einen Eintopf koche, fühle ich mich erhaben, wie am Meer. Noch schlimmer ist es nur bei Risotto, da wähne ich mich Kapitän eines alkoholdämpfenden Frachters.

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Das Schwimmbad oder das Museum

Als ich im Traum kuschelte.

Ich bin in einem Schwimmbad oder einem Museum, ein großes Gebäude auf jeden Fall. Gemeinsam mit meinen Geschwistern bewege ich mich zum Ausgang. Auf unserem Weg begegnen wir immer wieder kleinen Tischen, über die wir auf dem Hintern drüberrutschen. Ich weiß nicht, warum wir das machen, aber es macht Spaß. Insgesamt empfinde ich den Weg aber als mühsam. Irgendwann komme ich aber in einer Lobby herum.

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Das Augenöffnen

Als ich Pizza aß.

„Du kannst deine Augen wirklich wieder öffnen.“
Die Person, die wir einst Ruth nannten, wiederholt ihre Aufforderung. Ich kneife meine Augen noch etwas fester zusammen, weil ich mich nicht traue, vor allem nicht, wenn sie mich auffordert. Was habe ich schon zu gewinnen?
„Na los.“
Ich halte ihre Hand und hoffe, dass meine Augen sich von selbst öffnen.

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weekend reading 51

Als ich viele Links hatte.

Ich habe diese Woche über Wasserstoff geschrieben und den Artikel Stoff der Träume genannt, als Anspielung auf die vielen Träume, die in Wasserstoff gesteckt werden und hinter denen nicht immer so viel steckt. Am Anfang der Woche schrieb ich eine Glosse über die luxemburgische Monarchie und machte den Vorschlag, den*die Großherzog*in doch zu wählen: Die Lösung für das Monarchie-Problem. Zum gleichen Thema kann ich Enfin responsables ? empfehlen, wo mein Kollege den ganzen Problemkomplex nochmal aufdröselt.

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Keine Demokratie

Als mein Brot schimmelte

Morgens stelle ich fest, dass mein Brot geschimmelt ist. Immerhin muss ich mich so nicht zum Essen zwingen, sondern kann in Ruhe meinen Kaffee trinken, für den mir beinahe zu viel Zeit bleibt. Der Radiomoderator, den ich eigentlich so gerne mag, sagt dass nun Zeit für eine bestimmte Musikrichtung ist. Ich stimme nicht zu, aber Radio ist keine Demokratie.

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Der Filter

Als ich mich nicht gut fühlte.

Mein Körper weiß besser als ich, dass das hier ein langer Tag werden wird, so dass ich noch vor dem Wecker wach werde. Das verwirrt mich zutiefst, so dass ich den ganzen Nachmittag über unkonzentriert bin und keinen Zentimeter weiterkomme.

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Über das Denken

Als ich über mein Denken nachdachte

Ein Glas mit trüber Limonade, in der eine Lychee schwimmt.

Zurzeit kursiert dieser Artikel im Netz. Ich dachte, er würde das Phänomen, welche Personen wie denken und wieso nicht alle einen „inneren Monolog“ haben, genauer untersuchen und beschreiben. Leider lassen sich alleine durch Überschriften lustige Blogsposts nicht mehr von ernsthaftem Journalismus unterscheiden (Ich bin da selbst nicht ganz unschuldig) und auf die URL habe ich nicht geschaut. Die Person, die das geschrieben hat, ist ja sehr überrascht, dass nicht alle Menschen einen internen Monolog haben. Mir ist das schon länger klar.

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Am Fluss

Als ich an die Stadt dachte.

Ich muss an die Stadt an dem Fluss denken und an meine Wohnung dort und an den Balkon. Und ich stelle mir vor, wie es wäre, im Februar auf dem Balkon zu sitzen, in der Sonne bei beinahe 20 Grad Celsius und dort zu rauchen und vielleicht einen Rooibos-Tee mit viel Sojareismilch und Zucker zu trinken. Und dann denke ich an die anderen Wohnungen, die ich besuchen durfte, in denen ich mich wohl fühlte und an jene, die ich nie besucht habe, weil ich mich nicht getraut habe.

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