Der (vermutlich nicht ganz) schlechtester aller Tage

Als ich nur Kaffee in der Sonne trinken wollte.

Es ist der schlechteste aller Tage, zumindest fühlt es sich so an. Nicht nur für mich, sondern vermutlich für die gesamte Menschheit, obwohl einfach nur irgendein Tag ist, der wenig Bedeutung hat. Drei fremde Menschen reagieren auf mein Essensfoto auf Instagram, was mir noch nie passiert ist, ich verstehe es auch nicht ganz. Ich möchte doch nur meinen Kaffee in der Sonne trinken, vielleicht auch noch im Gras an diesem einen See, an dem ich viel zu lange nicht war.

Der falsche Februartag

Als es surrte und summte.

Die Sonne scheint so stark, die blühenden Krokusse wirken fast wie ein Anachronismus. Der Garten ist voller Bienen, es summt und surrt so laut, dass ich beinahe meine Sorgen nicht mehr höre. Es ist der erste Sommertag, auch wenn es noch nicht einmal Frühling ist. Zwischen all den Bienen auch eine riesige Hummel, die brummt wie ein kleiner Helikopter, während sie von Blüte zu Blüte fliegt. Der Kaffee ist etwas zu sauer, vielleicht vertrage ich die Sorte nicht so gut, vielleicht ist mir etwas auf den Magen geschlagen. Der Wind geht. Niemals würde ich annehmen, dies sei ein Februartag.

Die Tätigkeiten

Als es reichte.

Den ganzen Tag über so schrecklich müde sein. Einer Marssonde bei der Landung „zuzusehen“. Eine Bialettikanne machen, ganz für mich alleine. Viel zu früh aufwachen und im Halbschlaf Podcasts hören. Eine Playlist nervig finden und stattdessen ein Jazzalbum auflegen. Sich selbst den Kopf kraulen.

Die Kraniche

Als ich motiviert war.

Ich bin so motiviert, habe so viele Notizen, so viele offene Dokumente, noch viel mehr offene Tabs. Ich mache mir noch einen Kaffee, aber es will nicht fließen. Ich quäle mich durch die Wörter, lehne mich zurück, atme durch, Strecke mich, und quäle mich weiter.

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Die Kaffeerunde

Als es warm genug war.

Im Garten blühen die Krokusse tatsächlich. Die Sonne steht so, als wäre es bereits Frühling und scheint auf den Hof. Es ist nicht wirklich warm, aber es fühlt sich so an. Man kann eine Bank in den Betonhof setzen und sich drauf und die Sonne scheint einem*einer ins Gesicht, wie eine sanfte behandschuhte Hand, die über das eigene Gesicht streichelt. Drei Menschen sind im Hof und halten ihren Kaffee in der Hand. Sie warten auf den Frühling, der langsam seine Flügel ausbreitet wie ein kokonnasser Schmetterling nach dem Schlüpfen.

Der Anfang

Als es reichen musste.

Manche Tage sind so lang, so voller Gespräche und Sitzungen und Recherche, dass am Ende nichts mehr übrig bleibt, wenn ich auch noch eine Dreiviertelstunde virtuelles Herumlaufen reinquetschen will.

Die Socke

Als ich nicht weiterschlummern konnte.

Es ist bitterkalt, aber es regnet nicht mehr. Es ist hell, die Sonne scheint. Im Nachbarhaus bohrt jemand. Es fängt in dem Moment an, in dem ich mich ausstrecke und mich in Position bringen will, um weiterzuschlummern. Es bringt alles nichts, ich muss aufstehen.

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