Die Dramatik

Als ich über mein Selbstbild nachdachte.

Bahndamm im Vorbeifahren

Ich war nie dramatisch genug für meinen eigenen Geschmack. Mein Balkon war nur im ersten Stock und ging zum Hinterhof. Keine Chance, darauf zu stehen und dramatisch auf die Stadt hinabblicken zu können. Auch sonst bin ich nicht groß genug für lange Trenchcoats oder sonstige wallende Gewänder, die dramatisch wirken könnten. Chronisch uncool, das ewige Label.

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Die Perfektion

Als mir eine Widmung peinlich war.

einen Sternenhimmel, ein sehr hübscher.

Am Morgen sehe ich ein Buch, das ich mal verschenkt habe, voller Hoffnung. Die Widmung, die ich damals reingeschrieben habe, ist mir unglaublich peinlich, auch nach all diesen Jahren noch. Durch einen Zufall finde ich ein Datum wieder, das sich morgen jähren wird. Es sind dann dreizehn Jahre, was ich für eine unbegreifliche Zeitspanne halte.

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weekend reading 19

Als ich Links postete. Wie überraschend an einem Freitag.

eine Zeitung

Ich habe mich diese Woche vor allem mit der Europäischen Investitionsbank beschäftigt. Eins dieser Themen, auf denen ich schon länger saß und irgendwann entnervt alle Tabs dazu geschlossen hatte, weil der Moment vermutlich eh nie wirklich kommen würde. Dann kündigte sich ein Protest in Luxemburg vor dem Hauptgebäude der EIB an, und ich zimmerte Den Wandel finanzieren, in dem ich die Widersprüche der Finanzierungspolitik aufzeigte. Vermutlich hätte ich noch ein paar Seiten darüber schreiben können, aber das Gefühl hat eins ja häufiger. In unserem Podcast habe ich auch darüber gesprochen (auf Luxemburgisch) und dann war ich heute morgen bei der angesprochenen Protestaktion. Die war viel kleiner als die „Youth for Climate“-Proteste der letzten Monate, aber durch den Einsatz von Gesang nicht weniger gänsehautauslösend.

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Das leere Firmament

Als ich mich fragte, wo die Sterne sind.

Ein verschwommenes Bild einer Landschaft, grün mit düsterem Himmel. In der Ferne ist ein Hochspannungsmast zu sehen.

Ich lese über die Sanddornseife, die genauso roch wie Sanddornsaft schmeckt: nach Schleifpapier. Gleich bin ich zurück in dieser Dusche und wünsche mir, einen Tag länger geblieben zu sein in dem Sommer davor, sehne mich nach dieser naiven Körperlichkeit, nach der vermeintlichen Leichtigkeit, die in Wahrheit nur bedeutete, dass ich alle anderen Beteiligten verletzte. Damals wollte ich Entfernungen abwaschen, heute sind es Erinnerungen.

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Die Erlösung

Als sich das Gewitter wie eine Erlösung anfühlte

Regentropfen auf einem Fenster

Endlich, ein Gewitter, das die Versprechen der letzten Nacht einlöst. Ich räume alle vier Pflanzen auf meinem Fensterbrett sorgsam zur Seite, ehe ich es endlich wieder groß öffne, damit die kühle feuchte Nachtluft hineindringt und mich abkühlt. Wie gerne würde ich heute Nacht frieren, die Decke fest über mich und um mich herum schlingen, als wäre sie mein einziger Schutz vor der Welt. Einzig die Fahrzeuge, die meiner Meinung nach allesamt unerlaubt schnell durch diese Straße donnern, stören meine Regenmeditation.

Vielleicht ist Regenwetter das einzige Wetter, das ich wirklich mag, oder das, was ich am meisten mag.

Die Rückkehr

Als wieder alles merkwürdig war.

eine Autobahn, zu sehen ist eine Leitplanke und die Fahrbahnmarkierung in der Nacht, der Rest ist Dunkel und Bewegungsunschärfe.

Mein Körper macht merkwürdige Dinge, die ich nicht interpretieren kann. Ich bin grundlos gereizt, würde mir gerne Streit suchen, wenn es ich mich denn überhaupt auf sowas konzentrieren könnte. Die Hitze ist da, ich kann mit ihr nicht umgehen, genausowenig wie mit jedem anderen Wetter. Vermutlich gibt es genau einen einzigen Tag im Jahr, den ich angenehm fände, aber ich habe ihn wohl verpasst.

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Die neue Welt

Als ich Ordnung schaffen wollte.

Die Welt ist so verworren, zwischen Glasbaukästen und Presslufthämmern laufen Tourist*Innengruppen herum, die sich eigentlich nie in dieses Viertel verirren. Und inmitten stolpere ich, denn stolpern ist meine bevorzugte Fortbewegungsart, sie verkörpert mein ganzes Wesen, meinen Zugang zu dieser stofflichen Wirklichkeit, in der zu wandern ich verflucht bin.

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Auf nach Ibiza!

Als ich mal wieder Werbung für den Podcast machte.

Ich habe den größten Teil meiner produktiven Zeit heute damit verbracht, den Podcast zu schneiden. Es war höchste Zeit, denn wir haben schon vor zwei Wochen aufgenommen und mit zunehmenden Freizeitaktivitäten sinkt natürlich auch die Bereitschaft, am Abend nochmals ein paar Stunden vor dem Schneidprogramm zu sitzen. Nun ist es aber soweit.

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weekend reading 18

Als das lange Wochenende mich durcheinanderbrachte

Durcheinandergebracht ist vielleicht ein zu großes Wort, aber ich habe gestern einfach so darauf losgeschrieben, und bellende Hunde soll eins ja nicht aufhalten. Überhaupt habe ich diese Woche ziemlich viel geschrieben, zum Beispiel passend zum Pride Month Videospiele: Subversives Zocken. Das hatte ich schon lange vor, spätestens seit ich in der entsprechenden Ausstellung in Berlin war. Wer die verpasst hat, kann sich den Katalog aber noch kaufen oder einfach im LGBTQ Video Game Archive stöbern.

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Die Baumkronen

Als ich den Blick nicht vom Horizont abwenden konnte.

Der Horizont ist nie weiter, die Himmel sind nie offener als in diesem Land. Ein Paradox angesichts der Größe des Zwergenstaates, möglicherweise auch nur eine optische Täuschung, der ich seit Kindstagen unterlegen bin. Ich fühle mich in Städten stets freier, die Welt sich größer und die Möglichkeiten unbegrenzter an, als hier, wo lediglich mittelhohe Wälder die Sicht auf die Scheibe begrenzen.

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