Der Cybretraum

Als ich von elektrischen Schafen träumte

ein sehr glitchiges bild eines netzwerk-switches

Ich hatte einen Traum – oder was es nur etwas, worüber ich las? – in dem das Internet noch mit diesen altmodischen Einwahlmodems funktionierte und alle, die sich darin bewegten, kannten sich aus und einander. Retrofuturistisch, aber nur um zwei- oder dreieinhalb Jahrzehnte verrückt. Ich bin zu spät geboren, ich bin zu früh geboren, nie ist mir etwas recht.

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Der ewige Sommer

Als ich mich an ein Badegewässer wünschte

ein Badesee. Es ist nur ein schmaler Streifen Horizont zu sehen, sonst nur Wasser, im Hintergrund ein Boot und eine Boje

Irgendwann wird er kommen, der ewige Sommer
und alle Städte werden an der Donau liegen
oder es wird nur noch eine Stadt geben
und viel wichtiger: Wir alle werden schwimmen gehen
an einem Alt-Arm oder in der Donau selbst
das Wasser wird immer Badewannentemperatur haben
und wir immer zu salzige Pommes.

Die Kernspaltung

Als ich den Kern traf.

Hauling crates of peaches from the orchard to the shipping shed, Delta County, Colo.

Unter Beobachtung schreiben ist immer merkwürdig. Meistens können die Menschen gar nicht auf mein Display sehen, oder nicht in mein Notizbuch. Das ist gut, denn mit Schreiben verhält es sich wie mit dieser merkwürdigen Theorie aus der Physik, dass sich Dinge verändern, sobald sie beobachtet werden. Ich weiß nicht, ob das nicht einfach auf alles zutrifft, was beobachtet wird. Verändere ich mein Verhalten, wenn ich mich selbst beobachte? Ich beobachte mich seit 96 Tagen selbst. In einer Form, die ich so noch nie praktiziert habe. Es ist ein Experiment.

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Knochenloses Glibberwesen

Als ich nicht schon wieder über Müdigkeit schreiben wollte

Eine Landschaft aus dem Zug heraus fotografiert. Grüne Wiesen, baune Wälder, sehr grauer Himmel, sehr triste Stimmung.

Ich möchte nicht schon wieder einen Text darüber schreiben, wie müde ich bin. Aber es ist die eine singuläre Beschäftigung meines Hirns. Ich denke mir oft, dass „heute“ der schwierigste Tag zum Bloggen war, dass ich nur so gerade daran vorbeigeschrammt bin, nichts zu bloggen. Ich weiß auch nicht, ob es wirklich eine gute „Regel“ ist, dass tatsächlich Kalendertage und nicht gefühlte Tage gelten. Ich weiß auch nicht, wer diese Regel aufgestellt hat, ich kann es kaum gewesen sein, aber ich kann es auch kaum nicht gewesen sein.

Ich möchte eintauchen in ein etwas zu heißes Bad und merken, wie die Hitze mein Inneres komplett aufweicht und ich mich dann als matschiges, knochenloses Glibberwesen in mein Bett legen kann. Und schlafen kann, den langen Schlaf der Gerechten und den der Ungerechten.

Die Vögelepisode

Als ich mal wieder meinen Podcast beweihräucherte

Ich bin gerade sehr stolz auf mich. Nicht nur, weil die wirklich schwierige Mammutaufgabe, rund zwei Stunden Aufnahme auf rund 35 Minuten zu schneiden, nach über einer Woche geschafft habe. Nein, obwohl die Themen der Folge aus irgendeinem Grund sehr viel mit Vögeln zu tun haben, ist es mir gelungen, auf jeden einzelnen „vögeln, haha“-Witz zu verzichten. Vielleicht bin ich ja mittlerweile tatsächlich erwachsen.

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Die Endlagerung

Als ein Screenshot mich wach hält.

Eine Tasse Tee (er ist orange, es ist Tee mit Milch) in einer großen Tasse. Sie steht auf den Holzlatten, die den Boden des Balkons bilden. Daneben liegen drei gelbe, welke Birkenblätter.

Kurz bevor ich den Text poste, gehe ich alte Fotos durch, weil ich eins suche. Sie liegen alle in einem Ordner, in den sie automatisch hochgeladen werden, chronologisch geordnet. Aus irgendeinem Grund sind auch Screenshots darunter.

Ich klicke mich also durch all diese Fotos und als wäre es nicht hart genug, all diese Erinnerungen zu sehen, die zwischen belanglosen Screenshots, fruchtlosen Selfieversuchen und „Wie sieht meine Frisur von hinten aus“-Überprüfungsfotos liegen, ist da auch was anderes.

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