Die Stange

Als mir alles zu schnell ging.

Ich möchte eine Eisenstange in das Innere des Erdballs rammen. Nicht, um unseren Planeten aus den Angeln zu heben, sondern um die Zeit anzuhalten, oder zumindest langsamer vergehen zu lassen. Der Sommer hat noch nicht begonnen und ich trauere schon seinem Ende nach, sehe schon das dürre Laub, obwohl es gerade erst wächst.

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weekend reading 20

Als mal wieder Freitag war

eine Zeitung

Diese Woche war ich so fleißig wie sonst nie, ich hab schon letzten Samstag damit angefangen, mir Links zu speichern. Dafür habe ich diese Woche keinen langen Artikel geschrieben, aber so einige kurze: Radiohead wurde gehackt und spendet an Extinction Rebellion, Einsatz für mehr Nachtzüge und den Podcast habe ich auch aufgenommen: Diskriminéierung a politesch Korrektheet. Wir reden darüber, dass bei der Anprangerung von Diskriminierung erstmal Abblocken als Gegenreaktion kommt. Und darüber, wie das vermeidbar wäre.

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Der Neonregen

Als die Dystopie nicht sichtbar war.

Lichter in einer japanischen Großstadt.

Am Abend regnet es wieder. Ich trete aus dem Büro, zünde eine Zigarette an, und obwohl ich von Innen glaubte, es hätte aufgehört, regnet es immer noch. Manchmal wünsche ich mir, die Stadt wäre in ewiges Neonlicht getaucht, damit die Welt zumindest äußerlich so aussieht, wie die Dystopie, die sie ist. Stattdessen ist alles eine staubige, laute, ewige Baustelle, mit hässlichen Metallabsperrungen, alle paar Meter eingedellt.

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Das Zeitmanagement

Als es mal wieder viel zu spät war.

Bahnsteig, aus dem fahrenden Zug aufgenommen. Alles vers

Als ich das letzte Mal auf die Uhr geschaut habe, war es noch eine Stunde früher und ich hatte alle Zeit der Welt, dann habe ich mich mit Unbekannten über die Lebensdauer von Honigbienen gestritten. Verschwende deine Jugend, haben sie gesagt. Aber die frühen Dreißiger müssen ja auch für irgendetwas draufgehen, wenn ich nicht schon schlaflose Nächte habe, weil ich Nachwuchs verpflege.

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Das Jubiläum

Als es wirklich der Tag war und ich es fast vergessen hätte.

EIn grüner Hügel, ein grauer Himmel, alles verschwommen und verwischt.

Als ich die Tür öffne, regnet es schon wieder. Gerade eben hatte ich noch in der Sonne gesessen, oder zumindest in dem Schatten neben der Sonne. Nun schüttete es auf den Beton, laut und nass (wie das Regen eben so an sich hat, es wird niemanden überraschen) und mein Weg wurde etwas länger, umständlicher, mühsamer.

„Ich dachte, wir könnten uns auch mal in einem nicht-metaphorischen Raum treffen.“

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Die Dramatik

Als ich über mein Selbstbild nachdachte.

Bahndamm im Vorbeifahren

Ich war nie dramatisch genug für meinen eigenen Geschmack. Mein Balkon war nur im ersten Stock und ging zum Hinterhof. Keine Chance, darauf zu stehen und dramatisch auf die Stadt hinabblicken zu können. Auch sonst bin ich nicht groß genug für lange Trenchcoats oder sonstige wallende Gewänder, die dramatisch wirken könnten. Chronisch uncool, das ewige Label.

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Die Perfektion

Als mir eine Widmung peinlich war.

einen Sternenhimmel, ein sehr hübscher.

Am Morgen sehe ich ein Buch, das ich mal verschenkt habe, voller Hoffnung. Die Widmung, die ich damals reingeschrieben habe, ist mir unglaublich peinlich, auch nach all diesen Jahren noch. Durch einen Zufall finde ich ein Datum wieder, das sich morgen jähren wird. Es sind dann dreizehn Jahre, was ich für eine unbegreifliche Zeitspanne halte.

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weekend reading 19

Als ich Links postete. Wie überraschend an einem Freitag.

eine Zeitung

Ich habe mich diese Woche vor allem mit der Europäischen Investitionsbank beschäftigt. Eins dieser Themen, auf denen ich schon länger saß und irgendwann entnervt alle Tabs dazu geschlossen hatte, weil der Moment vermutlich eh nie wirklich kommen würde. Dann kündigte sich ein Protest in Luxemburg vor dem Hauptgebäude der EIB an, und ich zimmerte Den Wandel finanzieren, in dem ich die Widersprüche der Finanzierungspolitik aufzeigte. Vermutlich hätte ich noch ein paar Seiten darüber schreiben können, aber das Gefühl hat eins ja häufiger. In unserem Podcast habe ich auch darüber gesprochen (auf Luxemburgisch) und dann war ich heute morgen bei der angesprochenen Protestaktion. Die war viel kleiner als die „Youth for Climate“-Proteste der letzten Monate, aber durch den Einsatz von Gesang nicht weniger gänsehautauslösend.

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Das leere Firmament

Als ich mich fragte, wo die Sterne sind.

Ein verschwommenes Bild einer Landschaft, grün mit düsterem Himmel. In der Ferne ist ein Hochspannungsmast zu sehen.

Ich lese über die Sanddornseife, die genauso roch wie Sanddornsaft schmeckt: nach Schleifpapier. Gleich bin ich zurück in dieser Dusche und wünsche mir, einen Tag länger geblieben zu sein in dem Sommer davor, sehne mich nach dieser naiven Körperlichkeit, nach der vermeintlichen Leichtigkeit, die in Wahrheit nur bedeutete, dass ich alle anderen Beteiligten verletzte. Damals wollte ich Entfernungen abwaschen, heute sind es Erinnerungen.

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