Das Wasserverlangen

Als ich zu sehr auf die Werbung hörte.

Ich stehe unter der Dusche und höre eine Werbung für einen Online-Therapiedienst aus meinem wasserfesten Lautsprecher, mit dem ich Podcasts unter der Dusche höre. Ich frage mich kurz, was ich dem Dienst erzählen würde und ob nicht alle meine Probleme viel zu leicht zu lösen wären. Vermutlich ist das dieses Imposter-Syndrome, von dem immer alle erzählen. Das warme Wasser fühlt sich gut an. Manchmal dusche ich am Wochenende besonders lange und sage mir, dass ich sonst in der Wanne liegen würde, wenn ich denn eine hätte.

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Der Knutschtraum

Als ich von einer Holzterrasse flüchtete.

Ich bin nicht so wütend wie vor einer Woche, ich bin nicht einmal so müde wie die letzten Tage. Ich atme tief ein und schwachbrüstig wieder aus, die Luft ist mir zu kalt, sogar wenn meine eigenen Lungen sie aufgewärmt haben. Ich hatte einen wunderschönen Traum, von dem ich vermutlich noch Jahre zehren werde.

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Die Entschuldigung

Als ich nichts schnitt.

Am Ende des Tages überkommt mich das Gefühl, dass nun alles besser werde. Ich weiß nicht genau warum das so sein soll, aber immerhin ist der Tag vorbei, der mich angestrengt hat. Dabei habe ich nicht einmal über die wirklich schlimmen Dinge nachgedacht, keine neuen Termine gemacht, muir kein Abendprogramm aufgedrängt.

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Das Überbacken

Als ich Melanzani schnitt.

Überall suche und frage ich nach meinem Moussaka-Rezept, aber ich finde es nicht. In dem Buch, in dem ich es zweimal vermutete, ist es nicht, und das andere, in dem es vermutlich ist, habe ich überhaupt nicht mehr in meinem Besitz. Ich schaue kurz auf ein paar Seiten nach, aber die Rezepte sehen alle merkwürdig aus. Ich erinnere mich dann, wie ich das immer gemacht habe und mach es einfach so.

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Das Rühren

Als ich Kartoffeln machte.

Während ich Kartoffeln in der Pfanne anbrate, frage ich mich was dereinst diese eine Person dazu brachte, mich an dieser S-Bahnstation zu küssen. Rückblickend wirkte das dann doch eher untypisch, aber rückblickend lässt es sich leicht in den Kartoffeln rühren und Dinge „untypisch“ finden.

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Das Aufwärmen

Als ich Tee kochte.

Ich lasse mich nicht beeindrucken von der stürmischen See vor der Tür, die so ganz ohne Ozean auskommt. Wenn ich wollen würde, könnte ich durchaus meine Regenjacke anziehen und eine Wanderung tun, aber ich möchte nicht. Ich möchte einfach sitzen bleiben und rausschauen, wie die Welt untergeht und von dem Gemisch aus Nebel, Wolken und Regen verhüllt wird.

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Der Exorzismus

Als ich über den Frontverlauf sinnierte.

Der Tag ist länger als erwartet, ich komme erst in der Dunkelheit zu Hause an, immerhin mit gefüllten Einkaufssackerln. Ich muss langsamer gehen, als ich es eigentlich wollen würde, weil vor mit eine Familie mit Halloweenkindern geht, die langsam mit ihren leuchtenden Armbinden die Straße entlangschlendert, auf der Suche nach Türen, an denen sie klingeln kann.

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