Der Oslobesuch (1)

Als ich inmitten eines Neubaugebietes das Paradies entdeckte

Heute morgen ist mein zweiter Urlaubstag, und ich bin zum zweiten mal um 6 Uhr aufgestanden, also einiges früher als gewohnt. Der Flug (ich weiß, ich weiß!) ging halt früh, und das geht dann halt nicht anders. Immerhin werde ich jetzt die nächsten Tage ausschlafen können. Und das im wunderschönen Oslo.

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Die Landschaftsmüdigkeit

Als ich müde Zug fuhr

Die Wiesenlandschaften sehen im Sonnenuntergangslicht so unschuldig aus, beinahe wünsche ich mir, auch mit einem Pickup durch sie fahren zu können, im Autoradio ein Sender, der nur unpassende Popsongs spielt. Ich kann meine Freiheit noch nicht genießen, also versuche ich es einfach mit meiner Müdigkeit, vielleicht funktioniert auch das.

Das Packen

Als ich bald wegfuhr.

Ich hasse packen. Ich hätte fast geschrieben, dass ich reisen nicht mag, aber das stimmt nicht. Ich mag nur nicht, wenn sie zu lange dauern und ich hasse es, mich darauf vorzubereiten. Mein Körper spannt sich an, in meinem Hinterkopf macht sich bereits Panik breit, etwas vergessen zu haben, obwohl ich noch nicht einmal losgefahren bin. Und wenn ich mit anderen darüber rede, bin ich immer so unglaublich cool, weil was tut eins beim Packen schon anderes, als Tage abzuzählen und dann Kleidungsstücke und diese dann in einen Rucksack zu stopfen?

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Die Ausreden

Als ich mich selbst entschuldige.

Ich bin so erschöpft, ich spüre, wie die Müdigkeit mich einige Zentimeter nach unten zieht und ich kleiner werde. Bald kann ich dem allem für einige Tage entfliehen. Vielleicht habe ich dann auch wieder mehr Zeit, um über mein eigenes Leben nachzudenken und nicht immer jene Antworten wiederzukauen, die ich ohnehin schon erarbeitet habe.

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Das Strecken und das Recken

Als ich über eine wunderbare Freund*innenschaft nachdachte

Ich weiß nicht, ob ich noch mit einer anderen Person befreundet bin, die ich schon 18 Jahre lang kenne. Natürlich sagt die Länge nicht unbedingt etwas über die Qualität aus, aber ich finde es trotzdem so bemerkenswert. Ich wünschte, ich hätte tatsächlich immer gleich alles aufgeschrieben, was wir so gemeinsam erlebt haben, ich hätte die Diagramme gezeichnet und könnte jetzt bereits eine halbe Biografie schreiben. Ich wünschte, ich hätte nicht so oft „mal sehen“ oder „nein“ gesagt oder im letzten Moment doch die sicherere Option gewählt – obwohl ich auch ganz froh bin, zu wissen, was ich brauche und wie viel ich aushalte.

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Die Afterparty

Als ich etwas lädiert war.

Im Dämmerzustand liege ich den ganzen Tag herum. Die letzte Nacht hallt noch nach. Die Hütte im Wald, das Feuer, um das Leute herumstehen, das Menschen umarmen, in dem auch ich einmal herumstochere. Ich erinnere mich an die vielen Male, die ich den Hügel hochgegangen bin, um ihn dann wieder rauchend, den Kopf gen die Sterne gerichtet, breit grinsend heruntergegangen bin. Viel zu wenig Umarmungen, eigentlich. „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist wabbelig.“, sagte ich zum Abschied, denn wie immer wurde ich viel zu früh müde.

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weekend reading 35

Als ich die Freitagslinks Samstags postete.

Auch diese Woche dominierte der Klimawandel. Ich schrieb ein Editorial über die Notwendigkeit eines Systemswechsels, den ich Ändern oder untergehen nannte. Über die Utopien, die uns dorthin begleiten könnten, ging ein längerer Artikel namens Eine bessere Welt erträumen. Und auf der Klimademo war ich auch und hab Fotos gemacht: Zusammen für Klimagerechtigkeit.

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Der Tisch

Als mein Zynismus mich überholte.

Wir sitzen in einem Restaurant und essen und reden, aber eigentlich sitzen wir in einem kalten, gefühlslosen Universum, dem es komplett egal ist, was wir tun und fühlen. Ich kann nicht damit umgehen, wenn andere Menschen das sagen, ich kann so etwas nur selbst sagen. Es ist ein wenig wie mit Betrunkensein: Wenn du nicht mehr ausmachen kannst, wer die am meisten betrunkene Person im Raum ist, bist du es vermutlich selbst. Wenn ich nicht die zynischste Person im Raum bin, habe ich ein Problem.

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