Schlagloch

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Früher habe ich Texte über mein kompliziertes Gefühlsleben geschrieben, heute habe ich kein kompliziertes Gefühlsleben mehr. Tag as: Lieber nicht daran denken. Das ist komfortabel, aber es funktioniert natürlich nur so lange, bis es irgendwann nicht mehr funktioniert. Ich könnte über meine Wut und meinen Frust in diversen Projekten schreiben, aber ich weiß nicht, ob das wirklich Wut und Frust ist. Oder nur der Cynar (Artischockenlikör, wie gut ist das eigentlich?) in meinem Magen. Oder ich könnte über alles das schreiben, was heraus kommt, wenn ich tief in mich rein schaue. Angst vor der Zukunft, dem Tod, Einsamkeit, Zweisamkeit, von allen Menschen lächerlich gehalten zu werden. Heute schreibe ich also Texte über die Texte, die schreiben könnte, wenn ich denn wollen würde. Oder wollen könnte.

Ich starre in einen Abgrund, der überhaupt keiner ist. Es ist mehr ein Schlagloch. Weiterlesen

Klimakonferenz in Paris – High Stakes

In diesen Tagen läuft in Paris die UN Klimakonferenz (COP 21). Dort wird es vor allem um Finanzierungsfragen gehen. Wie im Kasino sind dabei die (finanziellen) Einsätze hoch und der Ausgang ungewiss. Dieser Artikel erschien zuerst in einer etwas kürzeren Fassung im luxemburgischen Magazin forum.

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Eigentlich sollte es doch nicht so schwer sein: Es gibt eine Bedrohung für die Umwelt, die ein globales Problem darstellt. Alle Staaten treffen sich und überlegen sich mithilfe von ein paar Wissenschaftler_innen und anderen Expert_innen, wie alle gemeinsam das Problem lösen können. Sowohl die internationale Politik als auch die Wissenschaft hat mit dem Verbot von FCKWs zum Schutz des stratosphärischen Ozons eigentlich schon einen Erfolg erlebt. Leider war das jedoch ein vergleichsweise einfacher Fall: FCKWs sind im Gegensatz zu Treibhausgasen eine klar abgegrenzte Stoffgruppe, deren Einsatz in der Wirtschaft auch eher auf verschiedene Anwendungen begrenzt war. Es war somit 1987 – nur zwei Jahre nach der Entdeckung des Ozonlochs und 13 Jahre nach der ersten Warnung über die Gefährlichkeit – in Montreal nicht besonders schwer, eine Reduktion auszuhandeln. Weiterlesen

Ann Leckie – Ancillary Mercy

Ancillary Mercy Als ich Ancillary Justice kaufte, dachte ich wenig darüber nach. Das eBook war für den deutschen Sprachraum recht billig, ich brauchte neuen Lesestoff und das Buch hatte gerade einen Hugo gewonnen und war von einer Frau. Ich habe das Buch vorbestellt, weil es dafür die ersten drei Kapitel von der Autorin gab. Wenn ich englischsprachige ebooks kaufen will, ist das meistens so ein wenig ein Krampf, um einen Shop zu finden, der einigermaßen günstig ist und nicht irgendwelchen merkwürdigen IP-Sperren hat, um Leuten außerhalb der USA ihre Bücher nicht zu verkaufen. Google play ist da oft eine gute Anlaufstelle, aber das mit dem Vorbestellen hat nicht so ganz geklappt. Oder eher: Das mit dem Ausliefern nicht. Der große Tag war da, aber das Buch war nirgendwo zu sehen. Ich schrieb dem Support und bekam – statt dem Buch – mein Geld zurück. Kobo konnte ich dann doch noch überlisten, indem ich zuerst auf kobo.at ging. Ich habe aufgegeben, das verstehen zu wollen. Immerhin hatte ich jetzt das Buch und konnte mit dem Lesen anfangen (unnötig zu erwähnen, dass ich die ersten drei Kapitel, die ich vorab bekommen hatte, noch nicht gelesen hatte).

Das zumindest von mir lang erwartete Ende der „Imperial Radch“-Trilogie hat auf jeden Fall nicht enttäuscht. Während „Justice“ einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt des ehemaligen Raumschiffes Breq gewährte, zeigte „Sword“ eine einzige teezüchtende Welt des weiten Radch Imperiums. „Mercy“ ist anders: Schneller, düsterer, verzweifelter und überraschenderweise auch lustiger [kleinere Spoiler ahead]. Weiterlesen

14 Jahre bloggen: mein halbes Leben.

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Vor ein paar Wochen ist mir beim Duschen aufgefallen, dass mein Blog 14 und ich 28 Jahre alt werde und ich damit doppelt so alt wie mein Blog bin. Oder umgedreht: seit heute blogge ich schon mein halbes Leben lang (Das weiß ich so gut, weil ich mein Blog praktischerweise nur wenige Tage nach meinem Geburtstag begründet habe). Das ist so ein bisschen überwältigend. Von jetzt an werde ich immer schon länger als mein halbes Leben bloggen. Das ist nicht nur einer dieser merkwürdigen Timeghost-Momente, sondern auch eine schöne Gewissheit: der Anteil meines Lebens, in dem ich Blog führe, wird nun stetig größer werden. Mir fällt eigentlich sonst nichts ein, was ich schon mein halbes Leben lang tue und was ich durchgehalten hätte. Weiterlesen

Octavia E. Butler – Dawn

dawnDie Erde wird in einem Atomkrieg zerstört und die letzten Menschen werden von sehr merkwürdigen Aliens, den Oankali, gerettet. Die lassen die Menschen erstmal eine Runde schlafen und nach ein paar hundert Jahren wecken sie Lilith auf, die erst lernen muss, sich an den Anblick der Oankali zu gewöhnen, um dann in eine Familie aufgenommen zu werden. Die Oankali haben nicht nur ein merkwürdiges Aussehen mit vielen vielen tentakelähnlichen Sinnesorganen, sondern auch noch ein etwas komplexeres Fortpflanzungssystem als Menschen, mit drei Geschlechtern. Außerdem können sie (zumindest das „neutrale Geschlecht“) direkt DNA manipulieren, Krebs heilen und müssen sich öfters mal mit anderen Spezies paaren, um ihre genetische Vielfalt zu erhöhen. Das Wenige, was von der Menschheit nach dem Atomkrieg übrig blieb, wurde also gerettet. Aber die Oankali stellen eine Bedingung: Für sie kommt so eine Rettungsmaßnahme nur in Frage, wenn sie „einen Tausch“ dabei erledigen können.

Dieser Tausch besteht darin, dass sie die Erde mit Oankali/Menschen-Hybriden wiederbesiedeln wollen. Lilith findet diesen Plan schrecklich, kann aber in ihrer Lage als „Gerettete“ (oder Gefangene?) nichts dagegen tun. Sie integriert sich in eine Familie, in die sie zugeteilt wurde und freundet sich nach und nach mit dem Kind an. Ihr wird die Aufgabe zuteil, eine Gruppe von Menschen aus dem Tiefschlaf aufzuwecken und sie darauf vorzubereiten, mit den Oankali gemeinsam die Erde wiederzubesiedeln. Weiterlesen

du hannerhältegt Stéck Schäiss

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Übersetzt steht da: Luxemburg, du hinterhältiges Stück Scheiße. Meine Freund_innen des Künstler_innenkollektives Richtung22 haben ein Theaterstück über die Nationbrandingkampagne des Großherzogtums geschrieben. Ich lege euch den Besuch ans Herz, denn wenn R22 etwas anfasst, wird das meistens ziemlich gut. Der Spruch, der sich etwas an „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“ anlehnt, passt in meinen Augen sehr gut zur hinterhältigen Politik Luxemburgs. Sowohl auf der Ebene der Steueroptimierungen, auf der Luxemburg nur davon profitiert, dass andere keine/nur sehr wenig Steuern zahlen möchten, als auch auf der gesellschaftlichen Ebene, wo ungefähr 80 Prozent der Wahlberechtigten Nicht-Luxemburger_innen das Wahlrecht verwehrt haben. Mit dem Argument, die sollen doch einfach Luxemburgisch lernen (Wer an dieser Stelle „hä?“ denkt: Ja, das tat ich auch. Fakten oder Sinnzusammenhänge spielten in dem Referendum keine Rolle). Und wenn ich mir die Kommentare unter Artikeln, die von 42 Refugees berichten, die eins der reichsten Länder der Welt gnädigerweise aufgenommen hat, ansehe, bestärkt sich der Eindruck nur allzusehr. R22 erklären in diesem Text, warum sie den Titel gewählt haben und hier gibt es Tickets für die Vorstellungen zu reservieren. Während ich dies schreibe, sind nur noch sehr wenige Plätze frei, also macht euch ran.

Ach ja, ihr könnt jetzt dann auch das hier machen: Follow my blog with Bloglovin, wenn ihr eure Blogs über Bloglovin lest.

Edit:
Das Stück gibt es nun auch auf vimeo zum Streamen oder runterladen.

choose your own dream!

chooseyourowndream

Seit ben in diesem Artikel (darüber, was ein Buch ist) interactive Fiction erwähnte, kribbelte es mir in den Fingern, endlich was mit Twine zu machen. Ich weiß schon seit mindestens fast einem Jahr, dass Twine existiert, denn ich habe ein Buch zum Thema „mit einfachen Mitteln selbst Spiele entwickeln“ gelesen, um einen Artikel (bzw. einen Absatz) darüber zu schreiben.

Anfang Juli spielte ich ein paar Tage mit Twine herum, ohne aber über drei Passagen hinauszukommen, weil ich mich zu sehr auf die technischen Details und Möglichkeiten fixierte. Da es verschiedene Twine-Versionen und verschiedene Storyformate gibt, die alle eine unterschiedliche Syntax brauchen (die ich jedoch in den feineren Details in keiner Version ganz verstehe), lässt sich damit viel Zeit verbringen. Im August ist mir dann die Idee gekommen, dass ich mein aktuelles Lieblingsgenre der ausgedachten Träume ja mal in Twine schmeißen könnte, um zu sehen was dabei herauskommt.

Hier klicken um ausgedachte Träume zu spielen/lesen/testen/wasauchimmer.

„ausgedachte Träume“ ist ein literarisches Experiment, im besten Fall sowohl Textadventure als auch Literatur, im schlechtesten Fall ein weirdes choose your own adventure-Ding. Ein Wort zu Warnung: Dies ist eine sehr frühe Version, weshalb noch nichts poliert ist, es keine Spezialeffekte und sehr wenig Bilder gibt. Für einen ersten Durchgang reicht es aber sicherlich.

Ich freue mich sehr über Feedback! Das ist mein allererstes Projekt dieser Art, daher kann es sein, dass irgendwo der Wurm drin steckt oder Dinge nicht so funktionieren wie sie sollen.

photo cc by Jason Trbovich

Sommerhimmel

sommerhimmel

„Aber heute ist Samstag, heute mag ich nicht bloggen. Heute mag ich im Park liegen und nach Sonnencreme riechen“, sage ich.
„Du kannst ja was auf deinem Telefon schreiben!“, kommt sogleich eine hilfreiche Antwort.
Ich lege mich wieder hin, starre in den Himmel und tue so, als hätte ich den Ratschlag nicht gehört.
In der Ferne weht irgendwo der Wind. Es ist nicht ruhig, aber noch ist es ruhig genug, so dass ich die singenden Kinder und den schlechten Nu-Metal der coolen oberkörperfreien trinkspielenden Leute neben uns ignorieren kann.

Ich rieche nach Sonnencreme, heute ist Samstag und ich mag keine langen Text schreiben.

Sommerabend

sommerabend
Ich mag die Sommerabende, die nicht mehr zu heiß sind, an denen die Grillen schon etwas leiser zirpen und die sich dennoch noch so anfühlen, als wäre da ein riesiges Stück Sommer vor mir, das ich genüßlich wegknabbern kann.