Die Krisen

Als ich die Kapuze hochzog.

Ich sitze im Dunkeln und ziehe die Kapuze über meinen Kopf, um mich von der Welt abzuschirmen. Irgendetwas tut weh, und sei es nur die Hoffnungslosigkeit, mit der ich der Welt begegnen muss. Muss, weil ch keine andere Wahl habe, weil es mir nicht vergönnt ist, ein anderes Gefühl zu haben, in dieser Pandemie, in diesen Krisen, in dieser Welt, die schon aus den Fugen war, als ich geboren wurde. Die Krise ist Normalität und ich habe nicht einmal mehr einen Strandsessel, in den ich mich zurücklehnen und den Untergang beobachten kann.

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Der wunderschöne Frühlingstag

Als die Osterblumen blühten.

Es ist ein wunderschöner Frühlingstag und ich habe mindestens zwei Dinge, auf die ich mich freuen kann. Die Sonne scheint und ich kann im T-Shirt im Garten stehen, ohne zu frieren. Trotzdem ist alles stressig und ich fühle mich unwohl. Im Flur stehen bedrohliche Schatten, die auch meine Zukunft voraussagen. Ankündigen werden gemacht, und ich kann es kaum glauben.

Die Osterblumen blühen schon, ist es nicht zu früh?

Der kalte Sommertag

Als etwas zerrann.

Ich trage keine Kopfhörer mehr. Ich hatte sie den ganzen Tag auf, irgendwann muss es auch reichen. Ein, zwei Lieder höre ich über die Boxen, bevor ich schlafen gehe. Einfach nur, um das Gefühl zu haben, dass zumindest irgendetwas in der Luft liegt. Will ich eine bekannte Stimme hören? Will ich mich mit einer Person auseinandersetzen, die meine innersten Gedankengänge kennt, noch bevor ich es tue? Wir haben das so lange nicht getan.

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Der Vulkanausbruch

Als ich mich durch einen Texte kämpfte.

Screenshot: RÚV

Ich kämpfe mich den ganzen Tag durch einen Text. Metaphorische Schlachtfelder, auf denen ich mein Möglichstes tue. Ich trage Kopfhörer, lasse mich beschallen. Ich betrete fortan ein ganz anderes Schlachtfeld, das viel weniger metaphorisch ist, obwohl auch es eine Parabel ist, Mensch gegen Maschine, Mensch als Maschine. Wir sprechen so viel von Funktionieren, dass wir ganz darauf vergessen, dass Maschinen manchmal geölt werden müssen.

In irgendeinem Tab läuft ein Vulkanausbruch, live. Ich kann kaum wegsehen, es sieht aus wie aus einem Fantasy-Film, wenn der Bösewicht vorgestellt wird. Immerhin passiert diese Apoklypse in einer Zeit, in der wir sie streamen können, mit nur wenig Zeitverzögerung.

Die blutweinenden Heiligenfiguren

Als ich Musik mit 3D-Effekt hörte.

Ich stehe in einer nicht mehr existierenden Kathedrale und höre Musik, die mir eigentlich nicht besonders gefällt. Dadurch, dass irgendein spezielles Verfahren verwendet wurde, hört sich die Musik auch über meine Kopfhörer so an, als würde ich tatsächlich in dem erwähnten Gotteshaus stehen. Zumindest ist es das, was sie auf der Packung schreiben, und warum sollte jemand lügen, nur damit Musik sich für die Hörenden besser anfühlt? Wenn ich die Augen schließe, kann ich den kalten Marmorboden, von Millionen Füßen seit Jahrhunderten glatt geschliffen, unter meinen Füßen spüren. Die Musik will, dass ich tanze, der Beat dropt oder wie das heißt. Ich aber stehe mit meinen geschlossenen Augen da und atme die staubige und gleichsam frische Luft ein.

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Das Zerstechen

Als der Rosenbusch Blätter bekam.

Meine Arme werden zerstochen. Ich trage am Abend immer noch die Male, als wären es Stigmata. Ich bemitleide mich selbst und mag es, bemitleidet zu werden. Es ist das einzige, was mir an diesen Tagen bleibt. An einen Gartenschuppen gelehnt entfaltet ein Rosenbusch die ersten neuen Blätter im Jahr, trotz der Kälte der letzten Tage. Kurz regnet es nicht, kurz tut nichts weh, kurz wirkt die Welt, als könne sie aus all den Scherben wieder zusammengeflickt werden.

Die Dunkelheit

Als ich so müde war.

Ich habe zu wenig geschlafen und fühle mich den ganzen Tag über wie gerädert. Ich freue mich so auf mein Bett, ich kann es kaum erwarten. Und dennoch fürchte ich mich vor der Dunkelheit.