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Daria

Ich schreibe gerade an einem längeren Post über Umwelt- und Naturschutz, der sozusagen der Auftakt einer Serie über Umweltthemen darstellen soll. Da ich aber gerade nicht so wirklich vorankomme – überwältigendes Lebensgefühl gerade – will ich euch auf eine Perle des Zeichentricks hinweisen: Daria.

Daria ist Siebzehn, lebt in Lawndale und geht dort zur Schule. Wer Beavis and Butt-head gesehen hat, wird sich eventuell an Daria erinnern. Und Kinder 1990er kennen die Serie wahrscheinlich eh besser. Ich habe sie erst vor kurzem entdeckt. Auf soup.io sind öfters Screenshots von Daria zu sehen gewesen, ich konnte das aber nur so weit einordnen, als dass das Mädchen mit den zynischen Sprüchen wohl irgendetwas mit Beavis and Butt-head zu tun hätte. Irgendwie bin ich dann drauf gekommen, dass MTV auf ihrer Streaming-Webseite Liquid Television, der alternative to reality, alle Daria-Folgen im Stream anbietet. Allerdings sind es die Versionen, die auch auf DVD veröffentlicht wurden – im Fernsehen ist die Serie mit zeitgenössischer Musik gelaufen, deren Lizenzierung für die DVD-Veröffentlichung (und Stream) zu teuer gewesen wäre. Das ist auch etwas, was eins sich mal auf der Zunge zergehen lassen muss: MTV hat nicht genug Geld für Musiklizenzierung.

Ich mag Daria. Sie ist sarkastisch, sie liest gerne Bücher und kümmert sich nicht um Aussehen. Sie schreibt gerne, ihre beste (und einzige) Freundin Jane malt gerne. Was wären das für Rollenbilder für mich gewesen! Ich wünsche mir wirklich, ich hätte Daria als Teenager gekannt. Vielleicht hätte ich keine so große Faszination für Neon Genesis Evangelion entwickelt, aber ich wäre vielleicht früher auf den Geschmack von Grunge gekommen – und das kann ja nun mal nichts schlechtes sein. Vielleicht mag ich die Serie aber auch so sehr, weil mich Daria schon ziemlich an mich erinnert (Die Kontaktlinsendiskussion!) und ich von dieser 1990er-Subkultur ziemlich angetan bin. Warum auch immer. Vor ein paar Jahren hätte ich auf die Frage noch geantwortet: Weil es zu meiner Jugend keine „Bewegung“, keine „Subkultur“ gab oder gibt und Grunge das letzte war, bevor es nichts mehr gab. Aber ich weiß nicht mal, ob das stimmt. Wahrscheinlich nicht.

Schaut euch Daria an! Oder: Schaut euch Daria nochmal an. In Zeiten, in denen Jugendliche halbseidenen NGOs hinterherhecheln, können wir ein paar Darias gebrauchen, die uns erden.

(Und als ich auf twitter nach Jahren mich wieder einmal selbst fragte, ob eins sich in Zeichentrickfiguren verlieben könnte, passierten merkwürdige Dinge.)

photo cc by-sa Daniel Schwenn. Und ja, das ist Seattle, weil mir nichts kreativeres eingefallen ist. Aber hey, nichts sagt so sehr Neunziger wie die Stadt!

Verrückte Jahreszeit

Mad Season - Above Cover
Ich hätte ja nie gedacht, dass ich mal von einem Grunge-Album sagen würde, dass ich es wunderbar und sehr sehr schön finden würde. Normalerweise find ich Grunge so Musik, die man sich halt anhören kann und von der man verschiedene Tracks im Radio spielen kann.

You know you're right von Nirvana ist zum Beispiel so ein Lied. Eigentlich wurde das ja oft genung von MTViva usw. durchgenudelt, aber das ist mittlerweile auch schon wieder 5 Jahre her und die Zeiten, als die Schulhöfe voll von Nirvana-Pullis waren, sind auch vorbei. Und es ist Musik, die während einer Magazinsendung nicht unbedingt stört. (Im Kontext von einem freien Radio jedenfalls nicht.)

Von Mad Seasons Album „Above“ (Ein anderes gab es ja nie!) kann ich aber ohne zu Lügen sagen, dass ich es wunderbar und sehr sehr schön finde. Und ich habe noch keinen Song gefunden, den ich *nicht* mag. Und generell könnte ich mir von jedem Song vorstelen, ihn zu spielen. Ausser vielleicht November Rain Hotel, weil das ein Instrumental-Track ist und dazu noch ein langer. Aber auch dafür gibt es Einsetzmöglichkeiten.

Anspieltipps: Wake Up (wunderschön!), Artificial Red und Long Gone Day

Nachtrag: Danke Sara für den wunderbaren Tipp :)

Here we are now, entertain us Oder: You know you’re right Oder: Rape me! Oder: Kurt Cobain is dead, the Pixies are alive!

Ich hör zuviel Nirvana, und das verführt Jugendliche dazu, Karohemden zu tragen und in Selbstmitleid zu versinken. Und da ich keine Karohemden besitzen, könnte diese Verführung teuer werden und außerdem zu einem grausigen Stilbruch meines post-everything Stils führen.

Als Post-everything Blogger in der pre-apokalyptischen Welt des frühen 21. Jahrhunderts
Ist das nicht so? Wir hören keinen Rock mehr, sondern post-rock, wir essen kein Müsli mehr, sondern post-Müsli, wir schützen uns in der post-AIDS-Zeit nicht mehr mit Kondomen, sondern mit post-Kondomen und wir verschicken keine Post mehr, sondern post-Post Mails.
Trotzdem hört sich die Musik immer gleich an (nur etwas anders halt), das Müsli schmeckt nicht bedeutend besser, es sterben immer mehr Leute an AIDS und Spam ist es neues Problem, das nicht nur Vegetarier beschäftigt.

Als Nachwuchsradiojournalist und Moderator beim jüngsten Tag
Gedanken über Jingels, neue Tische, Stühle, Rasenmäher, Geräusche, alles gemischt. Ich muss was ausmachen, mir Dinge aufschreiben, aus der Ferne arbeiten, wie der Geheimdienst in einer fernen Zentrale alles steuert, während draussen das Meer verdampft, es Blut regnet und die apokalyptischen Reiter vorbeireiten.

Nach der Apokalypse essen post-post-everything Blogger Folienkartoffeln mit den Mutanten

Oh, und es gibt auch eine Zeit nach Nirvana. post-grunge. Zum Beispiel Dizzar, die zwar so gar nicht nach Nirvana klingen, mir aber gefallen. Und es ist ja schliesslich auch post-grunge. Ich kannte Dizzar bis vor 5 Minuten auch noch nicht, aber man muss eigentlich nur nach post-grunge suchen, um sie zu finden. Nett. Ja, die klingen wirklich nett. Absolut nicht das, was ich gesucht habe, aber sehr nett. Leute, ihr kommt bald aufm Radio.

Und sonst so? Bald ist wieder Herbst, ich spüre es. Wie gut dass wir viele Tassen im Haus haben, in denen ich mir Tee kochen kann.