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Blogathon: Anarchie in Afrika

Da hab ich mir ja was schönes eingebrockt. Als Chris den Blogathon über Afrika ausgerufen hat, dachte ich: Afrika. Mhmm. Doofes Thema. Das könnte man genausogut zu Themen wie „Europa“ oder „Südamerika“ sagen, aber mich interessiert Afrika als Kontinent weniger als beispielsweise Südamerika. Obwohl beides ja mal ein Kontinent war. Aber darum geht es hier nicht. Hier soll es jetzt um Anarchie bzw. Anarchismus in Afrika gehen. Ich hatte mir das als Thema ausgesucht, wahrscheinlich noch angestachelt von dem furchtbar schlechten RAF-Film und mit der Meinung, ich hätte ja noch genug Zeit „bis November“ und würde deshalb wohl ausgiebig über das Thema recherieren können.

Dass ich jetzt überhaupt wieder schreibe (die ersten Zeilen habe ich tatsächlich heute morgen geschrieben), liegt daran, dass ich eigentlich mein Zimmer aufräumen soll, weil morgen die Heizungsmonteure kommen, die gleichzeitig auch noch unsere Nachbarn sind. Also, deren Atelier ist in unserer Straße.

Die Wikipedia weiß quasi nichts über Anarchie in Afrika. Die wenigen Länder, die zum Thema verlinkt sind, führen sogleich wieder auf den Artikel, der den ganzen Kontinent begreift.
Afrika, ein Kontinent, auf dem es so gut wie keine Anarchie gibt? Eigentlich verwunderlich, da es in Spanien ja grundsätzlich deshalb mehr Anarchisten als Sozialisten gab, weil die Bevölkerung eher auf dem Lande lebte und der Marxismus eher auf den Fabrikarbeiter abzielte als auf Bauern. Übrigens haben die Gebiete, die anarchistisch „verwaltet“ wurden, eine höhere Produktion als die anderen zur gleichen Zeit. Wir wir alle zur Genüge wissen, ist ein Großteil der Bevölkerung Afrikas in der Landwirtschaft tätig, insofern sind die Grundvoraussetzungen also nicht die schlechtesten für Anarchismus.

Das einzige, was in der Wikipedia beschrieben wird, ist die Annahme, dass es heute noch in Afrika viele Stammesstrukturen gibt, welche in ihren Grundzügen als anarchistisch bezeichnet werden könnten. Ob das nun so stimmt, mag ich hier mal bezweifeln, immerhin gibt es, wenn die Ältesten herschen, zumindest de facto eine kleine Hierarchie, wenn auch eine flache. Trotzdem dürfte eine Gesellschaft, die sowieso schon an flache Hierarchien gewöhnt ist, eigentlich den idealen Nährboden für Anarchismus bieten.

Und siehe da, es gibt auch so einiges zum Thema im Internet:
Als erstes stoße ich auf zwei Buchrezensionen. Das eine ist eine Doktorarbeit mit dem Titel Post-Colonial African Theory and Practice: Wole Soyinka‘s Anarchism von Joseph Walunywa. Der erste afrikanische (Literatur)nobelpreisträger hat auf 313 Seiten zusammengefasst, wo der Anarchismus in afrikanischen Mythen und in den Werken von Wole Soyinka gefunden hat. Da sag doch noch jemand, Anarchismus und Literatur könnten sich nicht prima ergänzen.

Das zweite besprochene Buch ist geschichtlicher und sicherlich leichter zu lesen (wie auch die Besprechung) und nennt sich African Anarchism: The History of a Movement, wobei der Rezension nach diese Bewegung nie so wirklich bestanden hat. Interessant jedoch die Meinung des Besprechers, dass Nationalismus in Afrika nicht immer gleich, wie in Europa, Kapitalismus heißen muss.

Was gibt es denn nun tatsächlich an Bewegungen in Afrika? Anarchism and Revolutionary Syndicalism in Africa gibt Aufschluss darüber. In Nigeria z.B. gibt es die Awareness League, welche 99 mehrere tausend Mitglieder hatte – aktuellere Zahlen sollten kleiner sein. Eine Art Verfassung hat diese Liga auch, worin die Ziele der Organisation wiederzufinden sind:
The AWARENESS LEAGUE upholds the principles and dictates of internationalism convinced that national boundaries and territoriality are but artificial creations. The LEAGUE stands for and is committed to PEACE and rejects WAR, militarism, fascism and racism as well as the acquisition and development of technologies that promote war, militarism and, in turn, undermine peace and peaceful co-existence among nations. The LEAGUE advocates violence only as a form of resistance to the violence and violent methods and tactics of the ruling class its agencies and collaborators or as a form of liberation struggle. To this end, AWARENESS LEAGUE, as an anarcho-syndicalist and revolutionary socialist front proclaims all over the world and insists that no form of collaboration can exist between the ruling classes – the exploiter and their victims, the masses
Interessant ist hier wieder, dass in Nigeria Anarchismus nicht gleich Antinationalismus heißt.

In Uganda gibt es dann die Anarchist Democratic Forces, von welchen einige Emails veröffentlicht sind. Interessant ist vor allem die mit dem Titel , aus der folgendes Selbstverständniss hervorgeht:
UADF struggle is about a just society with no Class structure. Uganda is a society based on class and land ownership. Free use and equal distribution of Land is one of UADF‘s causes. Reactionary forces have used an „allied democratic forces (adf)“ to contra UADF from the masses. Basically UADF is a revolutionary science in Uganda that has no face, something strange. The regime claims that UADF is run by Islamic fundamentalists, wrong. ADF (Anarchist Democratic Forces) sees any form of religion to be a class structure.
Weiter wird erklärt, dass das Land lange Zeit vom Westen ausgenutzt wurde und es jetzt an der Zeit sei, das zu ändern. Die in den Mails angebene Webseite existiert nicht mehr, ob die Gruppe, die offensichtlich auch bewaffnet agiert hat, nocht existiert, weiß ich nicht.

In Südafrika gibt es das Bikisha Media Collective, die anarchistische Medien verteilen und Pramphlete verteilen. Auf deren Webseite ist auch von „Revolutionary internationalism“ die Rede – es scheint also, als ob der südafrikanische Anarchismus mehr von der europäischen Idee der Abschaffung der Nationalstaaten gemeinsam hat als jene Gruppierungen, die wir bisher behandelt haben.

Ansonsten bleibt nur die Information, dass es in Sierra Leone, Libanon, Ägypten, Marocco, Kongo, Somalia und Algerien wohl auch anarchistische Gruppierungen gibt oder gegeben hat. Ich bin bei meiner Informationssuche auch auf die Seite struggle.ws gestoßen, welche aber eng verknüpft mit blackened.net zu sein scheint, wo ich den Großteil der Infos gefunden habe.

Burkina Faso, Togo und Lehrer

Es ist ein wenig so, wie die Eltern dabei zu erwischen, dass sie heimlich Videospiele spielen. (Ich hätte jetzt fast etwas schlimmeres geschrieben, aber das verkneif ich mir jetzt mal.)
Meine Lehrer bloggen. Also, einige von ihnen.
Die befinden sich nämlich gerade im Burkina Faso und reisen irgendwann mal diese Woche in den Togo.
Lehrerblog mit merkwürdiger URL und unkreativem Titel

Schöne Initative trotzdem. Ich frag mich bloss, ob das Konzept „Bloggen“ den Lehrern ganz neu ist, oder ob die das auch privat machen. Ich mag Kontraste zu Dingen wie blogdelux, zu denen ich mich heute auch noch einmal äussern werde.
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