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analog adventures (XXIV)

Schnee im Schwarzwald. Zu sehen sind schneebdeckte Hügel, Bäume und ein Dach.
Der Schnee legt sich auf uns, begräbt uns und lässt keinen klaren Gedanken mehr durch. Er würde auch den Mobilfunkempfang lahmlegen, wenn es an diesem Ort überhaupt Mobilfunkempfang gäbe.

Was will uns der Autor mit dieser Metapher sagen?
Richtige Antwort: Der Autor hat überhaupt nichts zu sagen und will endlich etwas zu diesem Bild schreiben, das schon seit fast zwei Wochen in den Entwürfen liegt und veröffentlicht werden will.
Bessere Antwort: Der Autor hat überhaupt nichts zu sagen, weil er tot (genauso wie Barthes!) ist.
Beste Antwort: Warum steht da so oft „der Autor“ und so selten „die Autorin“ (oder gar der_die Autor_in)?

Ich erinnere mich an die Nacht, in der wir in die Unterführung gingen und tanzten und versuchten, damit die Geister zu vertreiben. Ich schrie das Universum an, was wahrscheinlich besser klingt als es ausgesehen hat. Und seit fast einem Monat versuche ich, einen Text zu diesem Bild zu formulieren, aber ich schaffe es nicht.
Hiermit gebe ich auf.

analog adventures (XXIII)

Blick auf einen verschneiten Hof im Schwarzwald
Ich weiß nicht, ob der Schnee weniger geworden ist. Vielleicht kommt auch noch mehr und wir werden diese Hütte niemals verlassen können. Das wäre auch nicht so schlimm, denn hier sind einige spannende Menschen, mit denen ich mich sicher länger unterhalten könnte. Über Träume, die walisische Nationalhymne, Wien in den 1980ern oder The Great Gatsby. Zu anderen haben ich nicht wirklich Draht, vielleicht auch, weil sie jünger sind und ganz andere Erwartungen an all dies hatten. Wir trinken wahnsinnig viel Filterkaffee, nutzen jede noch so kleine Pause zum Rauchen und irgendwann muss ich mich mitten in den Flur setzen, weil eine Katze zu mir kam und gestreichelt werden wollte.
Ich mag diese Schulungssituationen, weil sie so weit weg vom Alltag sind.
Der Schnee lässt hoffen, dass sie ewig dauern könnten.

analog adventures (XXII)

Fischaugenfoto aus einem Fenster heraus auf einen verschneiten Hügel. Am linken Bildrand ist ein Haus zu erkennen, am rechten ein Baum.
Nach dem Nebel kam der Schnee. Der Nebel war unheimlich gewesen, so dicht und dick wie sonst nur in Sherlock Holmes-Romanen, aber ich hatte mich über ihn freuen können. So merkwürdig das auch klingt, ich hatte mich in dieser dichten Suppe aus Luftfeuchtigkeit geborgen gefühlt. Aber dann kam der Schnee und bedeckte die Hügel und Bäume und Dächer und den Hof, in dem wir in den Pausen rauchten und uns mit dem Koch unterhielten. Es war doch erst Oktober! Ich versuchte zu erklären, dass ein früher Wintereinbruch noch keinen Klimawandel macht und hoffte, Recht zu haben. Dieser Schnee war nicht der freundliche Stadtschnee, der alle Geräusche dämpft und nach zwei Tagen am Straßenrand zu grauen Eisbergen, die bis im April liegen bleiben, zusammenschmilzt. Würden wir die Sonne wiedersehen? Würde es je wieder Sommer werden? Hoffnungslosigkeit fiel vom Himmel, jede Flocke ein quasi-einzigartiges Muster.

analog adventures (XXI)

Fischaugenfoto einer grünen Wiese im Wiener Prater. Im Hintergrund sind Bäume zu sehen, die Wiese ist menschenleer.
Wenn zwei sich streiten, macht der Dritte ein Foto. Es ist grün und friedlich im Prater, das Wetter gibt wenig Anlass zum Klagen. Wir machen dennoch kaum mehr als Lesen und Rumsitzen. Ich kann mit diesen Situationen nicht umgehen. Vielleicht wäre es besser, die Leute für eine Stunde alleine zu lassen, damit sie sich aussprechen können. Das klingt wie ein Allheilmittel, ist deswegen mit Sicherheit keins. So bleibt nur: Herumsitzen, das Schweigen unangenehm finden und ein Foto machen. Ein einziges, denn dieser Moment verdient nicht mehr.

analog adventures (XX)

Blick auf das Petrus-Tal in Luxemburg-Stadt. Im Vordergrund ein grünes Geländer, ein grünes Tal, durch das ein kleines Rinsal fließt, im Hintergrund einige Gebäude von Luxemburg-Stadt
Ich weiß nicht, wie oft ich schon über diese Brücke gegangen, gelaufen, flaniert und gefahren bin. Ich weiß immer noch nicht, ob es die „neue“ oder die „alte Brücke“ ist. Das macht wenig Unterschied, beide führen zum Bahnhof (Diese wird nicht gerade renoviert, was aber wenig zur Sache tut, denn das Foto ist zwei Jahre alt und der Text soll ja so tun, als würde er meine Gedanken in dem Moment, in dem ich den Auslöser drückte repräsentieren). Der Blick von dieser Brücke ist der Blick auf Luxemburg: der kleine Bach muss durch ein Betonbett fließen, während an seinen Rändern ein Park Wildnis simulieren darf, die niemand bewohnen will oder darf, wo Wohnraum doch so teuer wäre. Der Jusitzpalast aus Beton fügt sich neben Kathedrale und Sparkassenturm in die Skyline. Wer über die Brücke zum Bahnhof will, muss an der ewigen Flamme vorbei, an der ich einen Sommerabend mit I. verbrachte, weil wir beide keine Lust auf das Konzert hatten, auf das wir verabredet waren. Neben dem Denkmal steht noch eins, das außer mir niemand sehen kann. Ich habe es in Gedanken dorthin gesetzt zur Erinnerung an diesen Abend, an dem nichts besonderes passiert ist, an den ich mich wie an jeden anderen Abend auch nicht erinnern könnte. Aber so lange jemand diese Worte liest, so lange wird es dort stehen und mahnen.

analog adventuresanalog adventures (XIX)

Fischaugenfoto aus dem Zug heraus fotografiert. Neben den Schienen ist ein großer gelber Sandhaufen zu sehen.
Neben den Gleisen liegt ein großer Haufen Sand. Das beschreibt den Zustand dieses Ortes sehr gut. Mir fallen die Wolken auf, die hier sehr erhaben und groß wirken. Im Zug, der bald losfährt, fühlt sich dieser Ort auch gar nicht mehr so schlimm eingekesselt an. Hier ist einfach mehr Leinwand für Wolkengemälde. Aber sonst gibt es nichts zu sehen.

analog adventures (XVIII)

Fischaugenfoto. Der Himmel ist blau, mit einer großen weißen Wolke. Im Vorderung sind Menschen in Liegestühlen zu sehen, in der Mitte ein Plastikflamingo

ROUGH AS SILK steht an dem Gebäude, das früher eine Fabrik war und das Café der Kulturhauptstadt 2007 ersetzt. Das musste aufgegeben werden, weil der Untergrund – ein ehemaliges Betriebsgelände der Bahn – kontaminiert war. Für ein Jahr und für Kultur reichte das, nun gibt es dieses Provisorium. Es ist Sommer, wir sind gut gelaunt und über uns thront ein Plastikflamingo. Der Umgangston ist so rau wie Seide. Alle sind unglaublich nett und freundlich zueinander, weil ja alle alle kennen, aber so bald jemand den Rücken dreht oder aufs Klo geht, werfen sich verdrehte Augen vielsagende Blicke zu. Willkommen in Luxemburg.

analog adventures (XVII)

In einer kleinen Bude nehmen zwei Menschen eine Radiosendung auf, im Hintergrund ein altes Fabrikgebäude, im Vordergrund ein Planschbecken. Sonnenuntergang.
An diesem Ort, an dem sich alle kennen, kenne ich nur ein paar Personen, die alle damit beschäftigt sind, eine Radiosendung aufzunehmen, müde zu oder auf sonst eine Art und Weise unabkömlich zu sein. Ich stehe also alleine vor dieser eigentlich ziemlich coolen Location und merke, dass alle anderen alle anderen kennen. Manche kennen sogar mich, aber ich kann mich natürlich nicht an sie erinnern. Da ich unfähig bin, mir fremde Menschen anzuquatschen und Smalltalk zu führen, halte ich mein Getränk so fest es geht und versuche nicht traurig oder wütend auszusehen. Das geht nicht lange gut, denn alleine herumzustehen macht auf Dauer wütend und/oder traurig. Ich halte mein Getränk noch fester.
Radio hören ist dann doch eher eine Einzelsportart.

analog adventures (XV)

Sonnenuntergang. Das Bild ist fast komplett schwarz, nur der Himmel mit den letzten Sonnenstrahlen und ein Sonnenschirm sowie Bäume sind zu erkennen.
Manche Abende bleiben nicht in Erinnerung. Es ist ganz egal, wie gut du dich währenddessen fühlst, zurück bleibt nur ein unscharfes Bild eines Sonnenuntergangs. Und ohne dieses Foto würde überhaupt nichts bleiben, falls nicht jemand das lustige Wortspiel getwittert hat. Ist das schlimm? Wir vergessen auch die guten Dinge, die besseren Abende, die wirklich lustigen Witze. Ich würde den Verlust nicht einmal bemerken. Sollte ich noch genauer dokumentieren, was ich erlebe, wie ich meine Tage verbringe, worüber ich lachte und was meinen Magen in einen harten Knoten verwandelte?

Am Ende bleibt doch nur eins: Daran zu glauben, dass der Abend zumindest das Foto wert war.