_

in aller Demut

Ich weiß nicht genau, seit wann ich ben_s Blog Anmut und Demut lese. Vielleicht drei, allerhöchstens vier Jahre. Das ist nicht so lange, denn Anmut und Demut wird heute zehn Jahre alt. Damit haben ben_ und ich was gemeinsam: wir haben 2001 mit bloggen angefangen. Denn auch die ältesten Posts in diesem meinem (nicht immer so ganz bescheidenen) Blog werden dieses Jahr zehn Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch, ben_! Ich habe bei Anmut und Demut viel gelernt. Über das Internet, über Literatur, über mich selbst. Darüber, wie ich bloggen will. Ich weiß auch ncht, wie ich auf anmut und demut gestoßen bin. Vielleicht über wirres, vielleicht auch ganz anders. ben_ schafft es, die Dinge, die ihn interessieren, die er in den Weiten des schäumenden Ozeans den wir Internet nennen, findet, so zu präsentieren, dass ich mich sofort heimisch fühle in dem kleinen anmutigen Garten, den er angelegt hat.
Danke dafür!

Und alle, die anmut und demut noch nicht lesen: Schaut euch das Blog an, klickt euch durch! Kein anderes Blog ist so darauf angelegt, durchgestöbert zu werden. Wie ein schönes Antiquariat: du ziehst ein Buch heraus und entdeckst wieder drei neue, die du auch noch lesen willst.

photo cc by Yves Cosentino

Zwischenrufe

Ich darf mal kurz auf einige Dinge aufmerksam machen:

Es gibt ein interessantes neues literarisches Blog einer jungen Luxemburgerin: weit weg, das mir sehr gut gefällt. Die luxemburgische Blogosphäre ist zwar in den letzten Jahren und Monaten durchaus stark gewachsen, blogbuerg zählt fast 400 existierende und 160 aktive Blogs, aber die Vernetztheit hat nicht unbedingt zugenommen und es scheint mir, als stünden vor allem neue Blogs oft ziemlich alleine da. Zum Glück bin ich nicht der einzige, der sich darum kümmert.
Und wenn wir schon beim Thema „aktiv“ sind: Gedibbers ist nach fast einem Jahr wieder da. In zehn Minuten werden wir eine neue Episode aufnehmen, so dass es was zu hören gibt. Zumindest für Menschen, die Luxemburgisch können.

Des weiteren:
Die taz hat eine Lobrede auf das Radio geschrieben, was mich sehr freut.

Write Out Loud wurde von Thorben auf pianocktail kritisiert bzw. gelobt. Ich weiß nicht, ob das unmittelbar miteinander zu tun hat, aber die erste Auflage nähert sich dem Ende zu. Also zugreifen, wenn ihr euch für wirklich exzellente (und meine) junge luxemburgische Literatur interessiert! Wie bereits erwähnt, können Menschen, die in Wien leben, sich gerne bei mir melden, dann spart ihr euch das Porto!

Die Zeit hat einen interessanten Artikel über erneuerbare Energien und das dafür benötigte Stromnetz. Schade allerdings, dass der wichtigste Faktor, nämlich das Stromsparen und Senken des Energieverbrauchs, gar nicht angesprochen wird. Auch die „Batterie Europas“ (ich nehme an, Österreich wäre tendenziell auch eine solche?) sollte nicht als Wunderlösung gesehen werden, denn Pumpspeicherkraftwerke sind große Eingriffe in die Natur. Vielleicht sollte ich mal einen Artikel über erneuerbare Energien, Klimawandel und den ganzen Rest schreiben und dieses diffuse Gefühl, dass wir uns sehenden Auges in eine Katastrophe stürzen, nicht nur literarisch verwursten.

photo: A papier-mache cow on Mrs Mellor’s car, 1944Australian War Memorial‘s collection

Kopenhagen 4

YOURCE Conference
Die erste Open Space-Phase ist jetzt vorrüber, und ich habe an drei verschiedenen Workshops teilgenommen, einmal über Blogs, einmal über die Motivation von engagierten Jugendlichen und einmal über Creative Commons.
Ich habe das Gefühl, dass ich relativ viel Input gegeben habe und nicht unbedingt sehr viel neues gelernt habe, was aber OK ist, da der Gedankenaustausch sehr interessant ist. Ich denke die entstehende YOURCE-Plattform ist vielversprechend, und wird wohl viele Organisationen und Leute zusammenbringen können.
Der Tag war anstrengend und ich denke morgen wird es genauso anstrengend weitergehen. Mal sehen, was alles so herauskommt. Und heute Abend werden wir uns wohl Kopenhagen noch ein wenig ansehen, wenn das Wetter es zulässt. Oder ich setze mich einfach noch einmal in das lustige Hippiecafé, was anscheinend eins der einzigen ist, das ein offenes und freies WLAN bietet.
Wer mehr über das ganze wissen will und den Prozess quasi „live“ vefolgen will, dem ist das YOURCE-Blog ans Herz zu legen.

Regentropfen auf deiner Nase

Thierry hat Recht. Wir brauchen ein Manifest.
Ich verstehe nicht viel von Literatur. Und ich will mich selbst nicht Künstler nennen, weil ich zu sehr fürchte, damit falsch zu liegen. Ich bin doch einfach nur ich.
Ich habe das Gefühl, es werden nur noch Sachbücher und schlechte Romane über Geheimnisse der Kirche geschrieben, die aufregen wollen, es aber nicht wirklich tun. Jedenfalls so lange nicht, bis Hollywood darauf aufmerksam wird.
Nun, das ist jedenfalls das, was ich auf dem Büchermarkt sehe. Vielleicht lege ich vollkommen daneben damit. Aber im Internet, so scheint es, werden die wahren Geschichten geschrieben. Jeder Tag eine neue Perle, die nur darauf wartet, entdeckt zu werden.

Und ich sitze hier und lese die gleichen Blogs. Und jene 36 Feeds, die ich aboniert habe, sind nur ein Bruchteil von all dem, was ich lesen könnte und lesen sollte. Dazu kommen all jene Blogs, die kein Feed haben oder die ich nur sporadisch besuche, immer hunrig, immer auf der Suche nach neuem Lesestoff. Der nicht immer Literatur ist. Der manchmal einfach nur Alltagsgedanken sind.
Aber das ist egal, ein Manifest brauchen wir trotzdem.

Ich will wieder Bettgeschichten schreiben. Und verdammt, ich möchte die wunderbaren Geschichten anderer Leute lesen. Ich will länger aufbleiben wollen, um „nur noch schnell diesen Blogpost“ zu lesen. Ich möchte den Stimmen von Bloggern zuhören, wie sie ihre Geschichten vorlesen. Ich möchte junge Autoren lesen. Ich möchte diese Autoren zu bloggen bewegen. Ich möchte Blogger zum Schreiben bewegen. Ich will nicht, dass die wunderbare therapeutische Wirkung von Schreiben in verstaubten Schubladen in einem verschliessbaren Buch endet. Ich will ein Buch drucken lassen, mit Texten aus Blogs und jungen Autoren und Fotos von Menschen, die wenig Gelegenheit haben, ihre Fotos zu veröffentlichen.
Ich will, das eine Bewegung entsteht. Denn die Feder ist stärker als das Schwert, wie es so schön abgedroschen heißt.
Ich will weiter Geschichten schreiben. Ich habe verdammt viele Ideen, die alle nur darauf warten, geschrieben zu werden. Und ich jedes Buch, das ich mir als Kind ausgedacht habe und nicht geschrieben habe, weil ich dachte: „Das machst du später“, und es nicht geschrieben habe. Ich bereue jede Idee, die ich vergessen habe.
Und ich will nicht, dass es so weitergeht. Sei dies mein Manifest! Es ist ein persönliches, und es mag aus einer unbestimmten Wut heraus geschrieben sein, aber es besteht. Kunst wird erst durch Veröffentlichung zur Kunst. Ein Buch, das niemand je liest, könnte genausogut aus leeren Seiten bestehen. (Ein Schicksal, das Telefonbücher einst erleiden könnten!)
Ich will schreiben.