_

Die Schwerelosigkeit

Als Alles Kopf stand.

Schneelandschaft mit Bäumen und Häusern, verschwommen weil aus dem Zug heraus fotografiert.

Der Raum dreht sich. Der Porzellanladen, wie ich ihn für mich genannt habe, in Ermangelung eines besseren Namens, steht auf dem Kopf. Ich falle nicht. Die Person, die ich einst Ruth nannte, fällt nicht. Die Vasen und anderen zerbrechlichen Gefäße fallen nicht. Nicht einmal die Flüssigkeit, die in manchen von ihnen steckt, tropft heraus. Aber ich spüre, dass der Raum sich einmal um 180 Grad gedreht hat, mein Vestibularapparat sendet das Signal an mein Hirn, dass wir uns auf dem Kopf befinden. Und ein wenig habe ich das Gefühl, dass mir das Blut aus den Füßen in den Kopf fließt, wo es sich unangenehm ansammelt.

Mein Baseballschläger schwebt schwerelos in der Mitte des Raumes. Ich muss ihn losgelassen haben, als ich dachte, ich würde fallen, als sich alles drehte. Ob die Person, die ich einst Ruth nannte, ihren noch hat, sehe ich nicht.

„Was war das?“
„Ich weiß es nicht.“
Die Person betont das „Ich“ in einer Art und Weise, die mir absolut unmissverständlich klar macht, dass ich es eigentlich wissen müsste, denn, so die Unterstellung, immerhin spielte sich das hier ja alles in meiner Vorstellung ab. Ich aber bin mir sicher, dass dies zumindest so etwas ähnliches wie die Realität ist und mein Gegenüber deswegen auch ein klein wenig Verantwortung dafür trägt, zu wissen, was zum Teufel hier eigentlich passiert.

Weiterlesen