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Der Apfelwodka

Als ich mich beim Bloggen streamte.

Das ist alles überhaupt nicht verwirrend.
„Wer kommt überhaupt auf so eine Idee?“, fragt die Person, die ich einst Ruth nannte.
„Ich“, antworte ich, „weil es nie genug Möglichkeiten gibt, sich vor der ganzen Welt (okay, es schauen vielleicht zwei Leute zu und die Kamera-Einstellung ist sowieso nicht sehr vorteilhaft) lächerlich zu machen.“
Die Person, die ich einst Ruth nannte, schüttelt den Kopf, als sei das überhaupt nicht klar, als könne sie meine Gedanken nicht nachvollziehen, wie sie es sonst kann.

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Nur die Wirklichkeit

Als ich in Weltuntergangsstimmung war.

Wieder das Bild der Teetasse, aber diesmal mit noch mehr Glitches und Bildfehlern, so dass sie kaum noch zu erkennen ist.

Meine Gedanken rasen. Ich versuche, eine gute Replik auf jene Worte zu finden, die die Person, die ich einst Ruth nannte, mir eben entgegengeschleudert hat. Ihre Stimme war ruhig, beinahe sanft, aber jede Silbe fühlte sich an wie ein Tennisball, der mit voller Wucht geschlagen den falschen Weg findet und mir im Gesicht landete.

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Antworten und Fragen

Als der Tee bitter wurde.

Teetasse, mit Bildfeldern, die einzelnen Farbschichten sind verschoben, so dass ein spannender Effekt entsteht.

„Das klingt viel zu einfach. Es muss doch komplizierter sein!“
Meine Stimme klingt erregter, als ich möchte dass sie klingt.

Ich war immer schon schlecht darin, meine Gefühle zu verstecken, mir ist immer alles ins Gesicht geschrieben. Was ironisch ist, denn im Alter von zehn Jahren hatte ich eine mysteriöse Krankheit, ausgelöst durch einen Zeckenbiss (oder auch nicht), die mit einer partiellen Gesichtslähmung einherging. Was dazu führte, dass ich in der Folgezeit große Probleme damit hatte, meine Mimik zu kontrollieren. Die logische Konsequenz davon sollte eigentlich ein resting irgendetwas face sein, nicht ein genaues Abbild all meiner Gefühlsregungen. Und dazu habe ich noch das Gefühl, überhaupt nicht richtig auf Dinge reagieren zu können. Vielleicht hätte ich doch Schauspieler werden sollen.

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Die Überrumpelung

Als die Person, die ich einst Ruth nannte, mir Tee anbot.

Eine filigrante Tasse mit orangem Muster und  Tee in der gleichen Farbe.

„Möchtest du Tee?“
Die Person, die ich einst Ruth nannte, sitzt auf einem sterilen Designermöbel. Sitzen ist das falsche Wort. „Lümmeln“ wäre vermutlich angebrachter. Diese Betrachtung hält mich davon ab, mich zu wundern. Der Porzellanladen, er ist verschwunden. Oder vielmehr: Wir sind aus dem Porzellanladen verschwunden. Alles steht wieder gerade herum, die Schwerkraft beträgt exakt 9,807 m/s² und alles wirkt ruhig, vertraut, nicht bedrohlich. Vor dem Designermöbel steht ein ähnlich abstraktes Beistelltischchen, auf dem eine Kanne Tee und zwei Tassen stehen. Das Getränk hat eine einladende, rötliche Farbe. Wie ein Sonnenuntergang nach einem anstrengenden Tag Nichtstun am Strand.

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Die Zufallsbegegnung

Als die Entfernungen größer wurden.

Ich mache einen Schritt. Und noch einen. Langsam, mit Bedacht, vorsichtig, um nicht versehentlich auf eins der zerbrechlichen Gefäße zu treten, die ich vor wenigen Minuten noch zertrümmern wollte. Ich gehe auf die Person zu, die ich einst Ruth nannte. Genauer: Auf ihr wortwörtlich strahlendes Antlitz, zu den gleißenden Augen, die mich anziehen, obwohl sie mich verblenden. Ich weiß nicht einmal mehr, ob ich die Person noch als Person erkenne oder ob sie für mich nur noch das Licht ist, in das es mich – nunmehr vollständig Motte – zieht.

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Was du willst.

Als ich viele banale Dinge tat.

Immer noch starren die Person, die ich einst Ruth nannte und ich uns an. Ich sehe ihr Gesicht mittlerweile wieder, aber es ist viel zu hell, strahlend, als hätte sie keine Löcher als Pupillen, sondern kleine Neutronensterne, die mich verblenden. Ich bin wieder nicht im Stande, von ihnen abzusehen. Ich fühle, wie mein Körper auf einmal merkt, dass ich auf der Decke stehe, oder der Boden sich gedreht hat – irgendetwas ist mit den Himmelsrichtungen und der Schwerkraft nicht ganz in Ordnung. Mein Magen es hat jetzt auch gemerkt, und er fühlt sich flau an. Oder ist flau geworden. Was ist das für ein Adjektiv, was soll ich damit tun?

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Der Betrug

Als ich über alle möglichen Wirklichkeiten nachdachte

Foto von Tramschienen in Luxemburg

Ich habe das Gefühl, der Raum müsste sich bald wieder verändern, ich und die Person, die ich einst Ruth nannte, wir, wenn ich es denn wagen kann, von einem „wir“ zu sprechen, müssten jeden Moment wieder woanders stehen. Zurück in der Betonkathedrale oder dem Maschinenraum oder was ich halt dafür hielt, zum Beispiel. Mir kommt das so lange vor, so fern, dabei kann es sich nur um Stunden handeln. (In Wirklichkeit sind es etwas mehr als zwei Wochen, aber wen interessiert schon die Wirklichkeit?)

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Saucenspritzer

Als ich mich selbst nicht mehr verstand

„Und was soll es dann bringen, unbelebte und unschuldige Objekte zu zerschlagen?“
„Du wolltest doch genau das gleiche tun. Du hattest doch auch einen Baseballschläger in der Hand! Du hattest doch genau den gleichen Plan?“
Meine letzte Anschuldigung klingt mehr nach einer Frage. Ich weiß nicht, ob ich wirklich Recht mit meiner Vermutung habe. Vielleicht wollte die Person, die ich einst Ruth nannte, auch einfach mich schlagen. Oder sich vor mir verteidigen. Es wäre ihr nicht einmal wirklich übelzunehmen.

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Die Wurzel der Wut

Als ich meine eigene Metapher entschlüsselte.

Sonnenaufgang am Bodensee. Links ist ein wenig Ufer zu sehen, sonst nur See und Himmel, beide rosa gefärbt. Am Horizont sind Seeufer und Berge zu sehen.

„Wieso schweben da zwei Baseballschläger in der Mitte des Raumes?“, fragt die Person, die ich einst Ruth nannte. In einem Tonfall, der mir unmissverständlich klar macht, dass es vor allem darum geht, sich mit der Art der Frage über mich lustig zu machen.

„Ich weiß es auch nicht. Ich weiß nicht einmal, warum du einen Baseballschläger dabei hast. Du bist ja nicht die Person, die wütend ist. Das sollte doch ich sein.“

Mein Gegenüber grinst, das Grinsen friert auf ihrem Gesicht, dann entspannt sie ihre Mimik und blickt mich wieder mit dem gleichen ernsten Blick an, den sie spätestens seit wir im Porzellanladen sind, aufgesetzt hat.
„Oh, ich sollte nicht wütend sein? Ich sollte nicht auf Porzellan eindreschen wollen, bis nur noch Staub übrig ist? Als hätte ich nicht gute Gründe, um genau so wütend so zu sein!“
Der Tonfall ist aber nicht wütend. Die Person, die ich einst Ruth nannte, spricht in einer ruhigen, salbungsvollen Stimme, die mich umso mehr trifft. Natürlich hätte auch sie allen Grund, wütend zu sein, so wie …

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