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Sitting (5)

Als Estragon mir seine Sneakersammlung zeigte.

(Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.)

Sogleich antwortete ein Hund irgendwo im Treppenhaus, der Stimme nach ein kleines, aber dafür sehr aufgeregtes Tier. Natürlich hatte mir Estragon nicht gesagt, in welchem Stockwerk er lebte, aber so wie die Verteilung der Klingeln war, wohnte er vermutlich ziemlich weit oben. Ich beschloss, dass es angenehmer sei, den Lift nach oben zu nehmen und mich nach unten an Estragons Wohnung ranzutasten als bei jedem hochgekraxeltem Stockwerk zu hoffen, endlich eine offene Tür zu sehen.

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Sitting (4)

Als Estragon mir die Tür öffnete.

Ein Briefkasten mit vielen Klingeln

(Teil 1, Teil 2, Teil 3.)

Ich brauchte eine Zeit lang, bevor ich realisierte, dass ich Estragons Nachnamen nicht auf den vielen Klingeln seines Wohngebäudes fand. Ich überprüfte die Messengernachricht, in der er mir seine Adresse geschickt hatte. Ein prüfender Blick auf das Nummernschild verriet mir, dass ich vor dem richtigen Haus stand. Eigentlich hätte Estragon mich auch gleich von der Arbeit aus mitnehmen können, aber er war etwas früher aufgebrochen. Sein müdes Gesicht hatte gegrinst und er gesagt, er müsse noch etwas erledigen.

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Sitting (3)

Als Estragon ungewohnt still war.

Eine Filter-Kaffeemaschine

„Vielen Dank. Das bedeutet mir mehr, als du dir vorstellen kannst.“
Nochmals dieser förmliche Tonfall, den Estragon nicht einmal in professionellen Gesprächen zu Tage brachte. Ich schaute ihm in die Augen, erblickte wieder den Hundeblick. Ich strengte mein Gesicht zu einem Lächeln an, nickte ihm zu und wandte mich wieder zu meinem Computerbildschirm. Eigentlich hätte ich noch mindestens zehn Fragen stellen sollen, aber ich hatte das Gefühl, dass das Estragon nicht unbedingt gefallen würde. Und nachdem es ihn offenbar schon einigen Mut gekostet hatte, mich überhaupt zu fragen, wollte ich ihn nicht noch weiter verschrecken.

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Sitting (2)

Als Estragon Pizza versprach.

Ein buntes LSD-Löschblatt

„Und es muss wirklich diesen Freitag sein?“, fragte ich etwas verdutzt. Nicht die erste Wahl gewesen zu sein, verletzte mich ein wenig. Und die Idee, dass sich Estragon unbedingt diesen Freitag auf eine psychedelische Reise begeben musste, verwirrte mich. Wenn eins einen vollen Tag zum Runterkommen haben will, ist der Freitag ideal, vor allem bei längerwirkenden Substanzen. Das war natürlich einleuchtend, aber warum Estragon seinen Trip nicht einfach auf ein Wochenende verschob, an dem seine Freund*innen Zeit hatten, wollte nicht in meinen Kopf. Andererseits hatte er vielleicht schon Pläne für die nächsten Wochenenden und wollte seinen Trip nicht noch weiter verschieben? Wer war ich, um ihm das zu verwehren?

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