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Analsex mit fremden Menschen

Wir sitzen im Hörsaal und warten darauf, dass die Vorlesung beginnt. Unsere Gedanken drehen sich derweil nicht um Umweltrecht, sondern um Analsex mit fremden Menschen.

Ich laufe durch den großen Park und rieche den Kuchenbaum, der seinen betörenden Duft ausströmt, der Baum, der einst Ina und Zoë betörte, und ich frage mich, wieso ich ihn immer nur rieche, wenn ich alleine bin, ob er mich erkennt und weiß, wie ich ihn schätze, gar heilige. Ich hetze, um Tseh zu erreichen, denn ich weiß, oder glaube zumindest, nur ich kann ihr helfen. Hat sie nur mich? Ich komme mir vor wie ein mythischer Krieger mit einem heiligen Schwert, ein Bote von Entropia, höheres Wesen des Chaos, gekommen um die Dunkelheit aus den Herzen zu vertreiben.
Entweder hat Spieltheorie eine berauschende Wirkung auf mich, oder ich bin einfach schon so voll von Sorge, dass auch ich durchdrehe.

Ich brauche jemanden zum Reden, denke ich, als ich in letzter Sekunde die S-Bahn erreiche, die mich um den äußeren Kreis der Stadt, vorbei an Straßen großer Traurigkeit, nach Hause bringt, wo Fi mit Tee und Geduld wartet. Im Zug nur Menschen, die aussehen wie Menschen, die aussehen wie Menschen, die ich kenne. Fast will ich sie ansprechen, die eine Frau.
„Sind Sie nicht Frau Prof. …“ –“Na, san se deppat?“
Die Antwort, die an den Innenseiten meines Schädels widerhallt, schreckt mich ab.
„Sechs schaff ich fix bis Mittag!“
Er meint leider Zigaretten, nicht Orgasmen. Interessante Gespräche finden nicht auf dieser Strecke statt. Ich überlege, wo ich aussteige, entscheide mich dann für den bekannteren Weg. Ihre weißen Schuhe irritieren mich. Die Botschaft des Barons von Luxemburg, der flötend „Ech sinn de groussen Hexemeeschter“ singt. Man sieht sie nicht, weil der Zug durch einen langweiligen Tunnel fährt. SUPER-DOPE! Wirre Wortfetzen wabbern aus wirren Menschen in wirre Wollmützenohren.

Ich verkündige lauthals, ich habe Geburtstag, zur Feier des Tages.
Es ist der letzte Tag ohne Nebel, zur Feier des Tages.
Wir zünden eine Kerze an, die der Wind gleich aus bläst, zur Feier des Tages.
Retten wir den Urwald, saufen wir uns zu Tode, zur Feier des Tages!

Hat das alles irgendetwas gebracht? Bringt überhaupt irgendetwas, was wir hier veranstalten, etwas? Ich bin unsicher ob meines Wirkens sowie meiner Wirkung. War ich nicht einst auch einer von den großen Kriegern, die da zum Angriff geblasen haben? Ich sehe mich alleine unter dem Pendel stehen, einziger Fixpunkt einer unsteten Welt, ordnendes Element der Entropie. Ich sehe mich niederknien.
Hat das einen Sinn? Hatte das einen Sinn? Ich versuche mich nicht daran zu erinnern.