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Getriebe

Dies ist die beste aller Zeiten – dies ist die schlechteste aller Zeiten.
Es regnet ohne Unterlass. Es wird nie wieder aufhören. Sommer und Winter werden Erinnerungen sein, zu Legenden werden und einzig das Sterben und Wiederauferstehen der Pflanzen wird uns daran erinnern, dass es sie einmal gegeben hat.
Eine Welt ohne Jahreszeiten. Die Wirklichkeit verschwindet unter einem Schleier aus ewig währendem Regen, gefüllt mit den Gerüchen nasser Haare und Hunde. Alles wird unwirklich.

Plötzlich stehst du am Flughafen, hast irgendeine wichtige Lieferung abgegeben, und redest noch ein wenig mit den Leuten dort. Ein Flugzeug dröhnt über dich hinweg. Reisende, Flüchtlinge, irgendwohin, egal wo, Hauptsache weg. Fast wünschst du, das Flugzeug explodiere, um die Hoffnungslosigkeit der Flucht zu metaphersieren.
Du kannst nichts tun als hier zu stehen und kleine, wohl dosierte Päckchen ins Paradies zu schicken. Ob es etwas bringt?
Manchmal kommen Postkarten zurück.
Irgendwo im Dunkeln verschwindet eine Telefonzelle.

Du gehst zurück durch den Regen, und wünschst dir, der Hund wäre da, damit du wenigstens einen Gefährten hättest. So bleiben bloß deine Gedanken, groß und erschreckend. Zahnräder greifen ineinander, d1/d2 = n2/n1, krächzend, ächzend, beginnt die Falle dich zu verschlucken. Der Bürgersteig versinkt mechanisch im Boden, du weißt vor Schreck nicht, was zu tun ist. Das letzte, was du siehst, ist die Explosion eines abgeschossenen Satelliten, voll mit giftigem Treibstoff.

Es begrüßt dich der Bombenleger im Atombunker. Nachdem er seine grotesken Sätze gesagt hat, verschwindet er in der Kanalisation, wo er mit drei Schildkröten in einer Peace&Love-WG wohnt.
Alles schmilzt um dich herum. Ein grünlicher Schleim entsteht und verkrustet zu bizarren Formen. Dein Unterbewusstsein hält dich gefangen. Selbsterkenntnis brennt in deinen Augen.
Dies ist die Hölle.