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Filmsommer 2009: Midnight Meat Train

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Der Fotograph Leon Kauffmann, bisher eher schlecht als recht durch Fotos für die Sensationspresse über die Runden kommend, fotografiert auf der Suche nach Motiven ein Model, das kurz danach für vermisst erklärt wird. Bald vermutet er einen Zusammenhang mit dem Verschwinden weiterer Menschen und einem Schlachter, den er beim Austeigen aus der New Yorker U-Bahn fotografiert hat. Er wird besessen von der Idee, dass der Schlachter irgendetwas mit dem Fakt zu tun hat, dass immer wieder Menschen in der U-Bahn verschwinden. Seine Freundin Maya (Leslie Bibb), die in einem Restaurant arbeitet, in das Leon immer sein Tofu mitbringt, um es dort vom mürrischen Küchenchef Otto, gespielt von Peter Jacobson (bekannt als Dr. Taub in House), braten zu lassen, erklärt ihn für verrückt und will, dass er mit seinen Nachforschungen, bei denen er vom Schlachter Mahogany (Vinnie Jones) auch schon mal durch das Schlachthaus gejagt wird, aufhört.

Durch Zufall landet er wieder in der U-Bahn, in der Mahogany seine Opfer mit einem gigantischen Fleischhammer tötet, um sie dann von Nägeln und Haaren befreit im letzten Wagen des Zuges kopfüber an Fleischerhaken zu hängen und beobachtet das grässliche Schauspiel, ehe er vom wortlosen Schlachter entdeckt wird. Merkwürdigerweise tötet dieser ihn nicht. Leon erwacht im Schlachthaus und hat ein merkwürdiges Symbol auf seiner Brust eingeritzt. Auf den Schreck hin verputzt er erstmal ein Steak in Ottos Restaurant. Die Polizei glaubt ihm natürlich nichts, so dass er sich im Schlachthaus mit allerlei Messern und Beilen ausrüstet und durch die geheime U-Bahnstation wieder in den Midnight Meat Train einsteigt. Seine Freundin Maya und sein bester Freund Jurgis, gespielt von Roger Bart, ermitteln derweil auf eigene Faust im Appartement des Schlachters, wobei Jurgis von Mahogany erwischt wird.

Es kommt zum Showdown in der U-Bahn, Leon tötet Mahogany in einem heldenhaften Kampf und findet raus, das das Fleisch der entführten Menschen tatsächlich ins Schlachthaus gebracht wird. Sein Freund Jurgis hat die Attacke des Schlachters nur knapp überlebt. In der Endszene sitzt Leon im Restaurant und isst wieder Tofu. Auf die Frage, wieso er dem Steak wieder abgeschworen hat, meint er nur: „Ich weiß jetzt, wo das Zeug herkommt!“

Leider endet Midnight Meat Train nicht so. Das wäre ein halbwegs gutes, akzeptables Ende gewesen. Die Auflösung ist mehr als dürftig und zerstört vor allem die ganze Atomsphäre des Filmes, der eigentlich bis auf das Ende halt, ganz solide ist. Die Hintergrundgeschichte des Fotografen, der Künstler werden will und „das Leben der Stadt“ einfangen will, ist ganz okay und der mysteriös-stumme metzelnde Schlachter gibt genug Rätsel auf, die eben nur unbefriedigend erklärt werden. Kamera, Schnitt und Musik verleihen dem Film eine spannende Atmosphäre. Aber das Ende, leider durch die Geschichte des Schriftstellers und Produzenten Clive Baker vorgegeben, konnte der japanische Regisseur Ryuhei Kitamura auch nicht mehr retten. Nett fand ich den Aufritt von Peter Jacobson, der hoffentlich auch bald mal größere Rollen spielen kann.

Auf Rotten Tomatoes hat der Film merkwürdigerweise 70% bekommen, metacritic ist realistischer und vergibt 58 Punkte und bescheinigt „mixed or average reviews„.

Wegen des lausigen Schlusses und verpatzter Möglichkeiten (Soylent Green!) würde ich den Film nur absoluten Gerne-Fans empfehlen und vergebe 38 von 100 möglichen Tofustücken.

photo cc by Molly Des Jardin