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[0808282204]

Du kannst dein Glück kaum fassen. Du hast den Zug noch erreicht, der aus irgendeinem Grund fünf Minuten zu spät abfährt – als habe er auf dich gewartet. Wie war das nochmal? „Ein Gonzojournalist kommt nie zu spät oder zu früh, sondern immer genau dann, wenn er es will …“

Virtuos mit irgendwelchen Zitaten hantieren, postmodern, Cutup 2.0, quasi. Darin bist nicht nur du Meister.
Zu dritt saßt ihr irgendwo in Oberschlesien, im Niemandsland des polnisch-tscheschichen Grenzgebietes, auf einer Mauer in einem Hinterhof. Der Mond war beinahe voll und hing entgegen seiner Gewohnheiten wärmend am Himmel. Jede/r hing seinen eigenen Gedanken nach, die so laut waren, dass sie die Stille fast durchbrachen.

Eine dicke Motte flog gegen die Straßenlaterne, die ihrerseits ihr Licht auf die kaum befahrene polnische Straße war.
Es war dennoch nicht unkomfortabel. Eher angenehm.

Einige Zeit später. Ob Stunden oder Minuten konnte niemand mehr so genau sagen. Karaoke, John Lennon und viel zu viele fehlende Lieder. Ein Bushäuschen irgendwo in Oberschlesien.
Sie hatte dir ihre Hand hingehalten. Und du hattest sie genommen.
Und jetzt hattet ihr einander an der Hand. Und du wusstest, dass du sie nicht loslassen würdest, niemals am Besten, wenn nicht irgendwann der Bus kommen oder deine Muskeln schlapp machen würden.

Jede Berührung, jeder Atemzug, jeder Herzschlag brannten sich dir ins Gedächniss, wie das Gegenteil von Narbengewebe.

Schaumschläger

[Dieser Beitrag ist nicht in dieser Reihenfolge entstanden, wie ich ihn hier zusammenstückele.]

Wild schäumen die verwischten Traumerinnerungsfetzen ins Unterbewusstsein zurück, als du diese Zeilen liest. Dein Körper ist wie elektrisiert – deine Hände kribbeln mal wieder.
Dir ist, als hörst du das Pendel wieder kurz über deinem Kopf schwirren – was du selbst nicht wahrnehmen willst. Damokles ist blind für Schwerter. Du hast geglaubt, aufschreiben würde wegsperren bedeuten, aber vielleicht musst du auch veröffentlichen. Und dann ist die Gefahr, dass diese Bilder ein noch stärkeres Eigenleben führen könnten, egal.
Immer wieder diese Berührung. Finale Bestimmung?

Vielleicht sollte man Träume einfach deshalb aufschreiben, damit sie einem aus dem Kopf verschwinden. Wie man sich einen Dorn oder Splitter aus dem Finger zieht, weil er einen ständig enerviert.
Man kann bei diesem Traum nicht wirklich von stören reden. Im Endeffekt, im Rückblick sozusagen, bleibt ein wohliges Gefühl der Geborgenheit. Zu den Tatsachen: I. und ich auf irgendeinem Konzert. (Mal wieder.) Es muss Sommer sein, denn I. trägt, wie alle Mädchen auf dem Konzert, nur ein Top. Und das ist auch schon bezeichnend für diesen Traum: Hitze, gepaart mit leichter Kleidung (die du an ihr noch nicht gesehen hast, soweit du dich erinnern kannst.) und dieses seltsame Gefühl, in der Menschenmenge eingeschlossen zu sein. Sie steht vor dir – und du nimmst sie in den Arm, deine Hände auf ihrem Bauch.
Die Umarmung ist intim, zu intim für Freundschaft. Das ist es, was den Traum so merkwürdig erscheinen lässt, weil trotz irgendeiner Story mit unwichtigen Nebenfiguren und ungewollten(?) Berührungen nur dieses Gefühl der Geborgenheit bleibt, nicht mal, wie sonst üblich, ein Kopfschütteln oder das berühmte »Blub«.

Traumdeutung?
Schnelle, skizzenhafte Gedanken: Du schreibst über Ina, als du zu einem Konzert mit I. fährst. Schlimmer noch: Du bekommst auf dieser Fahrt seit langem wieder Lust, zu schreiben. Da scheint es irgendwo also eine Verbindung zu geben (Als ob das nicht offensichtlich wäre!) Ina = I.? Nee.
Merkwürdig, dass deine Hände kribbeln, wenn du in deinem Heft liest, wann du jenen Text geschrieben hast, was nur in einer kleinen Randnotiz vermerkt ist. Was heißt das jetzt?

Eigentlich weißt du nur, dass es keine Antworten gibt. Und das auch diese Antwort ein klein wenig Selbstbetrug ist.

My chemical Romance

(Nein, es geht in diesem Artikel nicht um eine Popband. Tut mir sehr Leid, falls ihr danach gesucht habt. Damit ihr trotzdem in die Kommentare flammen könnt: MCR stinkt!)

Mein Traum ging so:
Ich musste in einem Schulfach (da sich das ganze im Chemiesaal abspielte und meine Chemielehrerin anwesend war, ist es nur logisch, dass es Chemie war, aber das wurde nicht explizit »gesagt«) ein Referat halten. Das lief für mein Verständniss gut, aber ich wollte die Lehrerin natürlich noch nach Feedback fragen, am Ende der Stunde. Ich packte also meine Schachtel. (Ich habe mal gesagt bekommen, auf Deutsch solle man dazu »Federmäppchen« sagen, aber ich ignoriere dieses scheussliche Wort.) Im Traum hatte ich meine alte Schachtel, das war so ein ausklappbares Modell mit Gummibändern, um die einzelnen Stifte festzuhalten. Aus Leder, mit einer Karte der EU drauf. Da waren auch nur die EU-Länder drauf, dh. der abgebildete Kontinent hatte da, wo die Schweiz ist, ein Binnenmeer. Wäre auch vielleicht in Wahrheit gar nicht so verkehrt, nur ist die Schweiz ein wenig hoch, um ein Binnenmeer daraus zu machen. Auf jeden Fall brauchte ich ewig, um diese Schachtel zu packen, so dass ich noch im Klassensaal stand, als schon wieder Leute reinkamen – unter ihnen auch I. Bei den meisten hatte ich das Gefühl, dass es »eine andere Klasse« war, nur bei I. nicht – weiß der Teufel warum, aber so wichtig erschien mir das auch nicht. Ich habe I. einige Mal gegrüßt, bis sie dann heftig, genervt (oder gespielt genervt?) antwortete.
Ich kam nicht dazu, die Leherin zu fragen, wie mein Referat war, denn zu dem Zeitpunkt war es 735 und ich musste aus dem Bett – um rechtzeitig zur Chemiestunde zu kommen.

(Ja, solche Träume machen mir genausoviel Angst wie euch.)