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Der Termin

Als Naika etwas über sich erfuhr, das sie noch nicht wusste.

„Einfach nur ‚Miau‘ ist jetzt nicht unbedingt die Botschaft, die ich mir von einer Person erwartet hätte, die mir eine Krähe schickt. Noch dazu eine sprechende.“, sagte Naika, immer noch grinsend. Sie hatte sich mittlerweile wieder aufgerichtet und nahm noch einen Schluck Kaffee. Sie spürte die Wirkung des Getränks noch nicht. Sie war überhaupt kein Mensch, bei dem sich Koffein besonders manifestierte, wie etwa bei anderen, die Herzrasen bekamen oder zumindest ein Kribbeln verspürten. Sie wurde halt irgendwann wach, was hoffentlich auch ohne die Zufuhr von Koffein passieren würde.

„Das war auch nur ein Test. Um zu sehen, ob du auch wirklich wach genug bist, um zuzuhören.“, sagte die Krähe. Ihre Stimme klang weicher, noch weniger krächzend. Vielleicht machte Kaffee Krähen tatsächlich nicht nur wacher, sondern auch weniger heiser? Naika wusste nicht genug über Krähen, um sich darüber tatsächlich ein Urteil machen zu können. Vor allem wusste sie nicht genug über sprechende Krähen. Und noch viel weniger über sprechende Krähen mit einem merkwürdigen Sinn für Humor.

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Der Marmeladenfleck

Als Naika die Botschaft nicht hören wollte

Foto einer Krähe vor weißem Hintergrund.

Naika nahm noch einen Schluck und antwortete nicht sofort. Sie war definitiv noch nicht wach genug, um mit der Krähe über den idealen Mahlgrad ihres Kaffees zu diskutieren. Vor allem verwendete sie eine billige, elektrische Mühle, die sie für 10 Euro online bestellt hatte. Sie war sich nicht sicher, ob es möglich war, den Mahlgrad damit großartig zu beeinflussen. Vor allem lenkte das alles davon ab, dass die Krähe höchstwahrscheinlich nicht zufällig da war.

Sie kreuzte die Arme auf dem Küchentisch, der ausnahmsweise einmal frei von Krümeln war. Mit ein wenig Glück würden sich danach auch keine Marmelade- oder Magarineflecken auf den Ärmeln ihres Kapuzenpullovers finden. Dann legte sie ihren Kopf in die Arme und seufzte laut, theatralisch. Sie machte so etwas vor allem für sich selbst, sie hätte diese Geste definitiv auch ohne Publikum vorgeführt. Sie mochte es, ihr Gefühlsleben in der Art zu verdeutlichen, sich selbst darin zu bestätigen, wie sie fühlte.

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Die Kakaonote

Als Naika der Krähe Kaffee servierte.

Eine Krähe auf einem Holzlattenzaun

„Wie trinkst du deinen Kaffee denn?“, fragte Naika.
Die Krähe legte ihren Kopf schief, und es wirkte so, als wäre sie sehr beleidigt.
„Ach, das war jetzt nicht unbedingt so offensichtlich.“, antwortete Naika dem schweigenden Vogel, „Auch wenn du das natürlich ganz anders siehst.“
Sie kraulte der Krähe wieder den Kopf, woraufhin diese genüsslich die Augen schloss. Naika rechnete damit, dass sie jeden Moment damit anfangen würde, zu schnurren, auch wenn das wirklich sehr merkwürdig gewesen wäre, für einen Vogel.

Sie holte zwei Tassen aus ihrem Schrank, einen großen Becher für sich und eine kleine Espressotasse für die Krähe. Sie füllte ihren Becher zu grob einem Drittel mit Hafermilch, ließ zwei Würfel Zucker in die Tasse fallen, die sogleich anfingen, sich mit der Hafermilch vollzusaugen. Den Kaffee goss sie zuerst in die Espressotasse, dann in ihre eigene, um ihren Gast nicht noch weiter zu verprellen.

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Der Kaffee

Als Naika sich einen Kaffee machte und die Krähe zusah.

Nakia stand in der Küche und warf einen Blick über ihre Schulter. Die Krähe saß auf dem Stuhl und beobachtete sie seelenruhig mit ihren tiefen, schwarzen Augen. So wie Krähen nun einmal schauen, wenn sie Menschen beobachten, die Kaffee machen. Genaugenommen saß die Krähe auch nicht auf dem Stuhl, wie ein Mensch auf dem Stuhl sitzen würde, sondern hockte auf der Lehne. Alles, was Nakia tat, schien sie sehr zu interessieren, denn bisher hatte sie noch nicht angefangen, sich gelangweilt das Gefieder zu putzen.

Sie schraubte die Kaffeekanne auf, fischte mit einer geschickten Bewegung das Sieb heraus, öffnete den Biomüllbehälter – ein unangenehmer Geruch einer etwas älteren Bananenschale stieg heraus – klopfte das nasse Kaffeepulver heraus und begann, sämtliche Teile zu waschen, füllte den unteren mit Wasser, füllte Kaffee ein, setzte die Maschine wieder zusammen, schraubte sie wieder zusammen, so fest es ging und setzte alles auf den Herd.

„Und deswegen sind wir jetzt reingekommen?“, fragte die Krähe, „Damit ich dir zusehen kann, wie du irgendwelche Kunststückchen mit einer Maschine machst?

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Der Spaßvogel

Als Nakia die Krähe zum Kaffeetrinken einlud

Nakia runzelte etwas übertrieben die Stirn. Dann konnte sie sich nicht zurückhalten und grinste breit.
„Du bist mir aber vielleicht ein … Spaßvogel.“, sagte sie, behutsam, wie um die kleinen Dunstwölkchen, die beim Sprechen aus ihrem Mund kamen, nicht zu zerstören. Sie grinste immer noch über das ganze Gesicht, einerseits wegen der Krähe, andererseits wegen ihres Wortspiels.

Die Krähe neigte den Kopf, als wäre sie verwundert. Nakia warf ihr nochmal eine halbe Erdnuss hin, die die Krähe aufpickte und schnell schluckte.
„Ein gutes Wortspiel, aber ich habe es schon sehr oft gehört, deswegen ist es nicht mehr so lustig für mich“, entschuldigte sich der Vogel.

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Die Krähe

Als Nakia sich mit einer Krähe anfreundete

Kopf einer Krähe

Krähe oder Rabe? Das ist eine Frage, die sich moderne Stadtmenschen immer wieder stellen. Sie versuchen dann, sich Dinge zu merken, wie die Schnabelfarbe oder die Farbe der Füße. Die aber nichts darüber aussagen, ob eins es mit einer Krähe oder einem Raben zu tun hat. Im Wesentlichen gibt es auf die Frage eine gute Antwort: Wenn du einen Raben siehst, wirst du es merken, weil die Viecher verdammt groß sind.

Das auf dem Balkongeländer war also eine Krähe. Vielleicht ein etwas größeres, dickeres Exemplar, aber definitiv kein Rabe. Sie stecke ihren Schnabel in den Sichtschutz aus Bast und stocherte darin herum. Hätte Nakia es nicht besser gewusst, wäre sie der Überzeugung gewesen, die Krähe hätte ihren Sichtschutz zerstören wollen. Aber sie kannte Krähen. Nicht diese spezielle Krähe, aber insgesamt hatte sie eine ganze gute Beziehung zu Rabenvögeln.

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