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Quelle horreur

Was für ein Horror, grob übersetzt, meinte gestern eine Frau im Supermarkt, als zwei Mädchen Hand in Hand an ihr vorbeigingen. Ich war mir erst nicht sicher, ob die Person mit dem Kurzhaarschnitt weiblich sei, aber als ich näher war, sah ich dann, dass es sich offensichtlich um ein lesbisches Päarchen handelte. Ich fühlte mich merkwürdig, weil ich die erschreckende Aussage der Frau mitbekommen hatte und gleichzeitig irgendetwas in meinem Gehirn so geschaltet ist, dass ich Lesben erstmal „süß“ finde. Also eine komische Mischung von grundlosem Anhimmeln und einer Solidarität, die ich nicht kommunizieren konnte (oder nicht wusste, wie.)

Und dann stell ich mir Fragen. Nicht nur über mein eigenes Verhalten, sondern auch darüber, wie solche Äusserungen zustande kommen. Wieso wird Homosexualität als etwas “schlimmes”oder ekliges empfunden? Und wieso finde ich das bei Mädels „süß“ und bin zumindest der Meinung, dass es sich hierbei um eine Art Verbundenheit, vielleicht ausgelöst durch relativ intime persönliche Erfahrungen mit Lesben/Bi-Mädchen und nicht um ein Pornoklischeedenken handelt?

Die Beiden sahen auf jeden Fall glücklich aus, und im Nachhinein freut mich das vielleicht am meisten.
Das alles sind Fragen, die mich beschäftigen, hier in Marseille, wenn ich nicht gerade durch Landschaften wie diese hier stolpere:

Calanches de Marseille et Cassis