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Die adr und ihr “City-Tunnel”

Wäre es nicht so traurig, würde ich seit einigen Minuten lachen und nicht mehr damit aufhören. Denn das, was ich eben gesehen habe, kann doch gar nicht ernst gemeint sein. Pure Realsatire.

Die alternative demokratische Reformpartei (früher „Aktionskomitee für Demokratie und Rentengerechtigkeit“ (früher „Aktionskomitee 5/6“ (früher „Aktionskomitee 5/6 Rente für jeden“))) hat schon im späten August eine Pressereise nach Leipzig organisiert, um den dortigen City-Tunnel zu besichtigen. Damals schon wurde der City-Tunnel zur Lösung aller Transportprobleme erklärt und den Tram, den man in Luxemburg-Stadt bauen will verdammt.
Ich weiß nicht, wie ich zum Tram in Luxemburg-Stadt stehe. Das ist sicherlich ein schwieriges Projekt, das aber realisierbar ist. Realisierbarer als eine Untergrundbahn, aber dazu komme ich noch.
Der City-Tunnel in Leipzig ist vor allem als Eisenbahntunnel gedacht, nicht so sehr als U-Bahn. Ironischerweise hat die Stadt Leipzig nämlich ein sehr weit ausgebautes Straßenbahnnetz (16 Linien).

Auf ihrer neuen Webseite maachmat (mach mit), die merkwürdigerweise sehr viel besser aussieht als die Homepage der Partei selbst, wird das Projekt „City-Tunnel“ in einem durchaus professionel gemachten Video vorgestellt. Wir lernen: die adr will Tunnel unter die Stadt bauen, von der man aus zB. aus Bettemburg sofort zur Messe auf dem Kirchberg fahren kann. In 18 Minuten. Ein Zug von Bettemburg nach Luxemburg-Stadt braucht heute übrigens acht bis zehn Minuten. Klingt ja alles sehr schön, ich würde auch gerne ohne umzusteigen von E. ins Stadtzentrum fahren.
Wenn man sich das so auf einer Straßenkarte ansieht, sieht es wunderbar aus. Eine gerade Trasse vom Bahnhof zum Stadtzentrum, von da aus weiter zum Glacis und von dort auf den Kirchberg (was übrigens ziemlich genau der Trasse des geplanten Trams entspricht!).

Wäre da nicht ein kitzlekleines Problem.
Luxemburg-Stadt ist nicht sehr flach.
Luxemburg-Stadt ist auf zwei (oder drei) verschiedenen Felsen gebaut, die durch ein ziemlich tiefe und schmale Täler voneinander getrennt sind. Verschiedene Stadtteile liegen in diesen Tälern
Vom Stadtzentrum aus sieht das Richtung Bahnhof so aus:
cc by David Evers
(Foto cc David Evers)

Der Höhenunterschied vom Tal zur Oberstadt beträgt ca. 70 Meter.
Eigentlich könnte ich jetzt aufhören, denn endweder müsste man sehr sehr tief bohren, um die Strecke ganz unter Tage bauen zu können oder eine weitere Brücke für den „City-Tunnel“ bauen, damit dieser das Petrustal überqueren kann. Und das noch viel tiefere Tal zwischen Oberstadt und Kirchberg, das momentan die „rote Brücke“ überspannt:

roud Breck

Dann stellen sich weitere Probleme:
Zum einen sind Bohrungen im Luxemburger Sandstein sind normalerweise ziemlich kritisch, da es sich meistens um Trinkwassergebiete handelt, zum anderen ist Luxemburg-Stadt schon sehr weit unterhöhlt.
Die berühmten Kasematten, die unsere nationalistisch-faschistoiden Freunde vom adr eigentlich mit Stolz erfüllen sollten, bilden ein großes Gewirr von Tunneln und Gängen unter der Stadt. Außerdem wurde von 1960 bis 1963 ein Tunnel quer unter die Oberstadt gegraben, der als Atombunker dienen sollte, jedoch nie seiner Bestimmung übergeben wurde. Was die Geschichte mit der Tunnelbohrung wohl nicht nur kulturtechnisch zum No-Go macht, sondern auch noch zum Sicherheitsrisiko.

Das spricht alles nicht sehr für ein City-Tunnel-Konzept. Vielleicht habe ich auch noch ein paar Faktoren vergessen oder mich in verschiedenen Sachen geirrt. Aber eigentlich verbietet ja schon der gesunde Menschenverstand die Idee, sowas in Luxemburg-Stadt bauen zu wollen.
Und ich darf jetzt ernsthaft glauben, dass in der adr offenbar alle zu doof sind, das zu bemerken? Gut. Denn so lange sie sich mit solchem Blödsinn beschäftigen und ihr Geld dafür zum Fenster rauswerfen, müssen wir uns wahrscheinlich keine Sorgen machen.
Edit: Übrigens hat sich Philip Schockweiler in seinem Blog auch an die adr gewendet und meint „Es riecht nach brauner Scheiße“. Ich möchte auch nochmal auf mein legendär gewordenes „Wenn man hellbraun mit Scheiße mischt, was kommt denn da raus?“ verweisen.

Jagd

DieJulia hat mich mit ihrem kulinarischen Schüttelreim zur Jagdsaison daran erinnert, dass ich schon etwas länger plane, etwas über das Thema Jagd zu schreiben.
Ich möchte anmerken, dass ich mir aufgrund meiner Ausbildung einbilde, relativ viel Ahnung von den Thema zu haben und keiner extremer Ideologie nachzueifern. Ich werde auch vor allem auf die Situation in Luxemburg eingehen, da es die ist, die ich am besten kenne.

Aber das ist ja eigentlich schon das große Problem: Jeder, der eine Meinung zur Jagd hat, bildet sich ein, furchtbar viel Ahnung zu haben. Was dann oft nicht so sehr der Fall ist.

Ist Jagd notwendig?
Um es kurz zu machen: Ja, Jagd ist notwendig. Es gab immer schon Tiere, die Jagd auf das heute gejagte Wild gemacht haben. Diese Super-Prädatoren wie der Wolf und der Luchs sind größtenteils verschwunden und werden auch so schnell nicht zurück kommen. Die Populationen von Rehwild und Schwarzwild (Wildschweinen) sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Es ist quasi unmöglich, Rehe und Wildschweine im Wald zu zählen und auf brauchbare Zahlen zu kommen. (Auf der dänischen Halbinsel Kalø wurden unter größten Anstrengungen 70 Rehe gezählt, als man einen Totalabschuss durchführte, zählte man 213 Tiere.) Die hier genannten Populationsanstiege berufen sich also auf die einzigen Zahlen, die zur Verfügung stehen: die Zahl der abgeschossenen Tiere.

Die Wildschweine haben sehr viel bessere Lebenskonditionen, seit intensiver Maisanbau betrieben wird. Was wiederum zu sehr viel Wildschaden führt. Schädigen die Wildschweine in den Wäldern selbst kaum Bäume (höchstens einzelne Stämme, an denen sie sich nach einem Schlammbad abreiben, was aber wirtschaftlich absolut verträglich ist), so sind die Schäden in der Landwirtschaft relativ groß.
Wildschweine haben keine „eingebaute“ Populationskontrolle wie beispielsweise Füchse, bei denen bei hoher Populationsdichte nur ein Α-Weibchen Junge gebärt, dh. aus einer kleinen Rotte Wildschweine kann sehr schnell eine sehr große werden, welche natürlich auch sehr viel mehr Futter braucht. Wildschweine haben unter den momentanen günstigen Bedingungen eine Vermehrungsrate von 150 bis 200% pro Jahr. In den letzten Jahren kommt verstärkt das Problem der vielen aufeinander folgenden Mastjahre hinzu, dh. die Wildschweine leben quasi im Schlaraffenland – und vermehren sich dementsprechend.
Weitere mögliche Ursachen der Populationsexplosion der Wildschweine sind die starke Fütterung durch Jäger, die gezielte Hege der Bachen (man schießt keine weiblichen Tiere, um mehr Nachwuchs zu erhalten), milde Winter und der naturnahe Waldbau – welcher natürlich auch für mehr Nahrung sorgt.

Die Population des Rehwildes ist seit den 60er Jahren steigend. Wurden 1960 noch etwas über Tausend erlegte Rehe gezählt, so waren es um 2000 über 7000. Beim Reh ist allerdings zu bedenken, dass der Populationszuwachs wesentlich geringer ist als beim Schwarzwild, da eine Rehgeiß meistens zwei Kitze auf die Welt setzt. Eine Überpopulation, die weniger Nahrung bietet, bedingt auch, dass weniger Kitze durchkommen.
Rehe verursachen eine ganze Reihe von Schäden, vor allem im Wald. Man unterscheidet zwischen Fegeschäden und Verbissschäden. Fegeschäden werden von Böcken verursacht, die die anfänglich vorhandene Haut über ihren Geweihen an Bäumen abfegen, was wirtschaftlich wenig von Bedeutung ist. Die Verbissschäden sind jedoch schwerwiegender und werden mit steigender Rehpopulation schlimmer.

Da Rehe sogenannte Konzentratselektierer (Artikel vom Hirsch verlinkt, da sich hier der Begriff erklärt wird – Rehe und Hirsche haben aber sehr wenig gemein!) sind, d.h. energiereiches Futter benötigen, fressen sie vor allem die energiereichen Knospen von jungen Bäumen (da kommen Rehe besser dran!). Entfernt man den Terminaltrieb (die Knospe, die später einmal der Stamm wird), kommt es zur Bildung von Bonsaibäumchen.
Bei wenigen Rehen stellt das noch kein großes Problem dar, in der waldbaulichen Planung rechnet man immer mit Verlust und pflanzt deshalb mehr – wenn es Naturverjüngung gibt ist das Problem bei einzelnen Pflanzen nicht sonderlich schwerwiegend. Fehlt jedoch nun andere Äsung (Nahrung) und ist die Rehdichte hoch, kann der Schaden von den einzelnen Pflanzen schnell auf den kompletten Ausfall einzelner Baumarten (Eiche und Kirsche werden bevorzugt) bis hin zu einer Situation, in der nicht einmal mehr Naturverjüngung ohne Schutzmaßnahmen mehr möglich ist, reichen. Rehe können sogar verschiedene Pflanzen lokal ausrotten, z.B. die Türkenbundlilie.
Anzumerken vielleicht noch, dass der Vebissdruck auf eine Pflanzung (Kulturfläche) in einem äsungsarmen Gebiet (also ein Gebiet, in dem es sehr wenig andere Pflanzen gibt, an denen sich Rehe bedienen können) trotz geringer Rehdichte sehr hoch sein kann. Waldbaulich kann man Rehen begegnen, indem man artenreiche Mischwälder und gut strukturierte Waldränder gestaltet und fördert – was natürlich Arbeit bedeutet!

Übrigens ist die Winterfütterung von Rehen ziemlich Unsinn, da Rehe im Winter normalerweise ihren Magen so umstellen, dass sie mit sehr wenig Nahrung zurechtkommen (die Entwicklung der Föten steht ebenfalls still). Füttert man sie, so stellt sich der Magen nicht um und man muss bis ins späte Frühjahr weiter füttern, da die Rehe sonst eingehen.

Was ist denn mit den Prädatoren?
Der einzige Super-Prädator, der in Luxemburg vorkommt, ist der Uhu. Und das auch nicht gerade in atemberaubenden Zahlen. Vor allem ist ein Ein-Meter-Vogel auch nicht unbedingt das Tier, das unsere riesigen Reh- und Wildschweinpopulationen dezimiert.

Der Luchs wird oft als möglicher Superprädator in Luxemburg zitiert. Nun, auch wenn Luchse nicht, wie das oft angenommen wird, riesige Wälder brauchen und sich nur auf 500 Meter vom Waldrand entfernen (ein telemetrisch beobachteter Luchs ist zwei mal durch Zürich gelaufen), so brauchen Luchse dennoch ein ziemlich großes Territorium. Man könnte sich durchaus einige Tiere in den Ardennen, dem Ösling und der Eifel vorstellen. Gerüchten zufolge gibt es auch schon einige wenige Luchse in Belgien. Allerdings wäre der Luchs eher ein Gast in Luxemburg, der alle paar Wochen oder Monate mal ein Reh erlegt und sonst wenig zur Verkleinerung der Populationen beitragen würde. Fazit: Schön wärs, aber der Nutzen ist eher klein.

Der Wolf ist das nächste Kandidat auf der Prädatorenliste – und meiner Meinung nach der vielversprechenste. Definitiv auf dem Weg der weiteren Ausbreitung wird der Wolf wohl von alleine in den nächsten 50 Jahren irgendwann in Luxemburg ankommen. Dafür wäre er allerdings ziemlich effektiv, vor allem was die Rehpopulationen angeht. Schafherden können durch Hunde gut geschützt werden. Wildschweinrotten können größer werden, dh. mehr Schweine in einer Gruppe, wenn eine ständige Nahrungsquelle vorhanden ist (Maisfeld oder Futterstelle im Wald). Wölfe haben auch den Vorteil, dass sie, anders wie der Luchs, dessen Jagderfolg vom Überraschungseffekt abhängig ist, vor allem junge, kranke oder schwache Tiere angreifen.
Noch gibt es die Wölfe aber nicht – und es scheint mir zumindest auch nicht so, als gäbe es politischen Willen, welche auszusetzen.

Was kann man an der Jagd kritisieren?
Mein Problem mit Jagdgegnern/Jagdkritikern ist, dass sie oft ziemlich dämliche Argumente haben. Man kann einfach nicht mit „Die armen Bambis“ und die angeblich brutalen Jagdhunde argumentieren. Auf jeden Fall dann nicht, wenn man sich ebenfalls für den Luchs oder den Wolf stark macht. Ich vermute jetzt einfach mal, dass ein Tod durch die Kugel, wenn sie denn sauber trifft (mit flüchtenden Tieren hat man selten die Chance für einen zweiten Schuss), „humaner“ ist als von einer Meute Wölfe kilometerweit gehetzt zu werden und dann totgebissen zu werden. Überhaupt frage ich mich, ob die Tiere den Schuss hören, denn die Kugel ist ja schneller als der Schall.

Fütterung von Wildtieren ist kontraproduktiv und gehört verboten, was im neuen Jagdgesetz ebenfalls der Fall sein wird. Wie es sich mit der Äsung (zum Anlocken) verhält, mag ich nicht genau sagen. Es kommt dort wahrscheinlich auch auf die Menge an.

Fuchsjagd bringt nicht sehr viel, sie ist oft sogar kontraproduktiv
. Aber es gibt auch außer „die armen Tiere“ nicht wirklich viel Argumente dagegen. Man sollte sich als Jäger halt nur bewusst sein, dass es wegen Fuchsbandwurm auch noch gefährlich ist und man deshalb wohl sehr wenig davon hat, einen Fuchs zu schießen. Aber das ist ein Punkt, den man sicherlich kritisieren kann: Trophäenjagd anstatt Wildregulierung.
Auch das System in Luxemburg das, einen ja menschenrechtsverachtend dazu zwingt, als Grundstückbesitzer Mitglied in einem Jagdsyndikat zu werden, dh. in dem Club, der dafür sorgt, dass man Geld für die Jagdpacht und den Wildschaden bekommt, kann man sicherlich kritisieren. Es dürfte wohl auch kein Geheimnis sein, dass die Jägerzunft in Luxemburg oft aus der Oberschicht besteht, was zumindest bei mir einen merkwürdigen Beigeschmack erzeugt.

Ich kann nicht einschätzen, wie die Situation in Luxemburg momentan ist. Es gibt sicherlich einige schwarze Schafe unter den Jägern – vielleicht auch mehr, als man glauben mag, vielleicht aber auch weniger. Vielleicht kommt mit einer neuer Generation Jäger auch ein Wechsel der Methoden und vor allem des „Spirits“, mit dem die Jagd betrieben wird.

Falls ich jetzt irgendwo einen Fehler begangen habe – was bei der komplexen Materie sicherlich leicht der Fall ist, so bitte ich, mich darauf hinzuweisen. Und auf eine Diskussion freue ich mich schon!

Republik Luxemburg

Je nachdem, wie die Mühlen der Geschichte jetzt mahlen, wird heute der Tag sein, der als Wendepunkt Luxemburgs in die Geschichtsbücher/ebooks eingehen wird. Großherzog Heinrich I., (eigentlich S. K. H. Großherzog von Luxemburg, Herzog von Nassau, Prinz von Bourbon-Parma, Graf von Sayn, Königstein, Katzenelnbogen und Diez, Burggraf von Hammerstein, Herr von Mahlberg, Wiesbaden, Idstein, Merenberg, Limburg und Eppstein) hat heute bekanntgegeben, dass er das vieldiskutierte Sterbehilfegesetz aus moralischen Gründen nicht unterschreiben und damit legalisieren will. Das ist das erste Mal dass sich Henri aktiv in die Politik einmischt und das zweite Mal, dass ein Großherzog das überhaupt tut.

Und schon das letzte Mal hatte es fast eine Republik gegeben. Ein wenig Geschichtsunterricht:
Am 11. November 1918, also am Ende des ersten Weltkrieges bildete sich in Luxemburg-Stadt ein Arbeiter- und Bauerenrat, der die Abdankung der Großherzoging Marie-Adelheid und die Einführung der Republik beschloss. Dieser sprache bei Staatsminister Reuter vor und überreichte ihm eine Petition, die eine marxistisch geprägte Republik forderte.
Auch in Esch/Alzette und Düdelingen bildeten sich solche Räte, welche die Republik und Abschaffung der Monarchie forderten. Diese Forderungen kamen auch aus der sozialistischen Partei und von einer gewissen Ligue Française, die allerdings auch einen starken Anschluss an Frankreich forderte.
Berreits zwei Tage drauf, am 13. November waren vor allem im Escher Tageblatt und in der Volkstribüne Schlagzeilen zu lesen, die die Abschaffungs der Monarchie forderten und der Großherzogin einen Prozess an den Hals wünschten.

Im Dezember 1918 wurde es zusehens verworrener. Die politischen Parteien waren sich nicht nur uneins ob Monarchie oder Republik, sondern auch ob Anschluss an Frankreich oder Belgien.
Im Januar 1919 gab es dann den ersten Versuch, die Republik zu gründen. Ein Wohlfahrtsauschuss (Comité du Salut Public) wollte am 9. Januar eine vorläufige Regierung aufstellen, welche am Tag drauf vorgestellt werden sollte. Da die Republik nicht sofort ausgerufen wurde, wurde dieser Ausschuss von Volksmaßen ausgepiffen. Der Ausschuss wollte die Schranken des Gesetzes nicht verlassen und hatte daher keinen Erfolg.

Am Tag drauf, 10. Januar 1919 wurde nach Verhandlungen mit dem Ausschuss, Soldatenführern und Sozialdemokraten ein weiterer Ausschuss gebildet, der aus René Blum, Gaston Diderich, Jacques Gallé, Aloys Kayser, Adolf Krieps, Eduard Léon, Emil Mark, Josef Palgen, Jakob Schaack, Emil Servais, Josef Thorn, Jules Ulveling und Dr. Michel Welter bestand.

Die französische Besatzungsarmee schützte jedoch die Regierung Reuter. Und sie scheint wohl auch der Grund für das Scheitern des zweiten Wohlfahrtsausschusses zu sein. Zumindest hat sie die Leute, die sich vor der Chamber (lux. Parlament) versammelt hatten, auseinandergetrieben. Am 12. Januar 1919 gab der Wohlfahrtsausschuss seine Niederlage zu und erklärte die Revolution für beendet.

Ein Brief von Gust van Werveke, der diesen am 11. Januar 1919 um 4 Uhr morgens an seinen Freund Marius Wagner auf dem offiziellen Briefpapier der Chambre geschrieben hat, beschreibt er dass republikanische Kräfte und der Wohlfahrtsausschuss die Chambre besetzt hielten und dass, wenn Wagner den Brief in den Händen halten würde, vielleicht schon die Flage der Republik über Luxemburg wehen würde.
Den Briefkopf hat van Werveke folgendermaßen modifiziert:
Gr.-Duché de Luxembourg République luxbeoise

Drei Wochen später erhielt Wagner wieder einen Brief, diesmal mit unverändertem Briefkopf. Die Republik wäre nach nur sechs Stunden bestehen sabotiert worden. Man müsse einen zweiten Versuch wagen, sobald die Gefahr einer französischen Einmischung nicht mehr bestehe.

Die Informationen zu diesem Beitrag habe ich zum größten Teil aus dem Buch Luxemburgische Avantgarde von Gast Mannes, erschienen im Mai 2007 bei Editions Phi. Weitere Informationen kamen von dieser Webseite.
Wenn jemand mehr weiß – die Kommentare sind dafür da!

Man darf gespannt sein, was jetzt mit Luxemburg passiert. Vor allem die Aussage von Jean-Claude Juncker, er habe das schon lange gewusst, macht mich irgendwie wütend. Immerhin hätte man schon länger darüber diskutieren können, aber vielleicht war das ja auch kalkuliert? (Mein Spaß-Vorschlag war ja die demokratische Monarchie: Wir wählen den Monarchen einfach, verraten das aber niemanden. So können wir den Grüßmonarchen benutzen, um asiatische Konzernchefs zu beeindrucken und haben aber ein demokratisches System.)
Bleibt nur zu hoffen, dass wir kein zweites 1919 erleben müssen und die Zeiten anachronistischer Regierungsformen in Luxemburg bald gezählt sind …

Anteile

Wenn man Anteile an einer Firma kauft, hat man ja (theoretisch) als Inhaber ein gewisses Mitspracherecht, je nachdem wieviel Teile man besitzt. Wenn ich jetzt Anteile am Luxemburger Staat kaufen würde, gelten meine Stimmen bei der Wahl dann zweimal? Können Ausländer so jetzt Wahlrecht kaufen? Oder sind das überhaupt keine „richtigen“ Anteile?
Und vor allem: Wieso dürfen die ehemals bankrotten, jetzt geretteten Banken da wieder ordentlich mitspielen? Was, wenn die das Staatsgeld jetzt ungefragt in albanischen Hüttenkäse investieren und der Markt für albanischen Hüttenkäse in zwei Jahren implodiert?
Hat der Staat sein Geld eigentlich auch auf einer Bank? Wenn ja, auf welcher? Wieso ist die „Spuerkees“ nicht auch Zentralbank, und was macht die eigentlich?

Yegussa (Liveblogging)

Yegussa Cover

Ich habe am Freitag eine, die CD von Yegussa geschenkt bekommen. Also, die CD war übrig geblieben und deshalb durfte ich sie mitnehmen. Ich nehme das als Anlass, mal wieder livezubloggen. Dh. ich werde die knappe halbe Stunde, die die CD dauert, meine äusserst subjektiven Eindrücke in die Tastatur hämmern. Yegussa ist übrigens eine luxemburgische Band, deren drei Mitglieder Carlo, Yannick und Pit heißen. Und los geht‘s:

elVis iS a clicHE (0‘24)
Das Intro ist vom King geklaut, so steht es zumindest auf dem kleinen Beipackzettel, den Yegussa als einzigste Information zu dem wunderschön gestalteten Cover gegeben haben. Und genauso wie der Titel fühlt sich das Lied dann auch an: Wie ein ein Elivs-Klichélied, das sofort in

CheAp BoXxX (3‘30)
übergeht. Das fängt kraftvoll an, um dann nach einigen Sekunden in einer Art postrockigem Intermezzo zu verebben. Die ersten eigenen Töne der nur instrumental spielenden Band gefallen. Die ausuferenden, langsamen Teile werden immer wieder von einem kurzen Krachschwall unterbrochen, um schlussendlich in ein rockigeres, schnelleres Part überzugehen. Bemerkenswert auch der Bass-Teil gegen Ende. Der Schluß des Songs ist mitreißend, chaotisch, brachial – und genau das gefällt mir!

mONolOguE (5‘32)
Der dritte Titel, einer der längeren, beginnt genauso kraftvoll wie sein Vorgänger aufgehört hat. Auch hier haben wir keinen Moment Ruhe, es geht schnell nach vorne, wobei kein Instrument ins Hintertreffen gerät. Ich stelle die Boxen lauter, was sicherlich kein Zeichen für schlechte Musik ist! Ein wunderbar stimmungsvolles Drumsolo in der Mitte des Tracks, von der „singenden“ Gitarre begleitet, wird mit der Zeit langsamer, ebbt ab, es ist nur noch Gitarre zu hören, der Bass schaltet sich zu, baut wieder Spannung auf – kommt da ein Höhepunkt? Die Drums sind auch wieder da, die Stimmung schauckelt sich wieder hoch, um dann in ein gegenseitiges Kräftemessen überzugehen. Ich hätte jetzt ein großes Finale erwartet, aber vielleicht ist genau das ja eine Qualität von Yegussa.

PUbLIc ENEmy (5‘17)
Dieser Song beginnt mit einem coolen Bass, der sogleich von der stürmischen Gitarre unterbuttert wird. Beide Instrumente bauen zusammen Spannung auf. Ich kriege Lust zum Headbangen. Der Krachfaktor ist hoch, aber genau das gefällt, vor allem, da es sofort wieder in einen ruhigeren, aber dennoch energiereichen Teil weitergeht. Yegussas Musik fließt, ist ständig in Bewegung, keine Minute gleicht der anderen. Und schon beginne ich meinen Kopf zu bewegen, kann kaum still sitzen, als es wieder ruhiger wird – nur, um gleich danach wieder Spannung aufzubauen, die dann gegen Minute 4 beinahe explodiert. Elektrisierend geht es weiter. Der Song versandet, ehe ein einzelner Schlag auf die Drums ihn beendet.

WE dOn‘T nEEd BoDYbuilDing (5‘25)
Auch hier geht es kraftvoll zur Sache, allerdings beruhigt sich der Song nicht so oft wie sein Vorgänger. Das erfordert natürlich mehr Durchhaltevermögen beim Zuhören. Allerdings ist die Musik von Yegussa, die man wohl irgendwie in die Schublade „Postrock/Instrumentalrock“ stecken kann, nicht wirklich die, die man sich als einzelne Songs anhören sollte. Vielmehr ist das Gesamtkunstwerk gefragt. Krachpassagen werden durchbrochen von ruhigeren, die wieder Spannung erzeugen. Die Aufnahme klingt nicht perfekt, aber die ist auch live im Proberaum von Yegussa aufgenommen und deshalb ist der Sound wohl auch so, wie die Band ihn haben will. Wäre ich Musikexperte, könnte ich auch sagen, ob man irgendwelche Fehler hört, aber ist das wirklich wichtig? Der ungestürme, brachiale Eindruck, der Yegussas Musik hier macht verträgt auch Spielfehler. Ich auf jeden Fall kann Spielfehler und semiprofessionelle Aufnahmebedingungen (von denen ich im Proberaum hier frecherweise mal ausgehe) verkraften, wenn die Instrumente so präsent und so ungestürm klingen wie auf diesem Album.

…aND ThEN notHinG happENED (0‘36)
36 Sekunden kurz ist dieser Track, der leise beginnt und quasi mit jedem Drumschlag lauter wird, anschwillt, nur um wieder abzuschwillen. Hier hätte ich mir mehr erwartet, aber der Titel verrät ja schon, dass nichts passiert.

OUr ShIP wiLL SiNk (8‘18)
Der längste Track vom Debütalbum Yegussas ist auch der letzte. Er beginnt ruhig. Und nach knapp zwei Minuten fühlt es sich für einen Moment so an, als würde er aufhören. Aber weit gefehlt, es geht weiter mit einem sehr rockigen Part, der eher ungewohnt und nicht so sehr nach Yegussa klingt. Dieser Eindruck wird aber schnell wieder wettgemacht, nur um danach wieder in noch experimentelle Klangerzeugungen überzugehen. Ich weiß nicht, was genau die Jungs mit der Gitarre angestellt haben, aber die fiept ziemlich, während Schlagzeug und Bass unbeirrt auf „Yegussa“ machen.
Dann folgt ein ruhiger, melodischer Part, der wiederum Spannung aufbaut. Ich hoffe diesmal auf die große Explosion. Und, kommt sie? Die Gitarre und die Drums bereiten darauf vor, und ja, es explodiert schon ein wenig. Und weiter. Kein großes KA-BOOM, aber immerhin. Jetzt (6‘27) flacht es wieder ab, vereebt. Dann setzt der Bass ein, spannungsgeladen auch die Gitarre. Hoffentlich kommt da jetzt noch die lang erwartete Explosion! Mhmm, dann verpufft die Energie einfach so, schade.

Ingesamt ist die Scheibe von Yegussa wohl etwas für Liebhaber des Krach-Instrumental-Rock-Genres. Auch wenn die endgültige Explosion leider fehlte, so macht Yegussa gepflegte Chaosmucke, die sich hören lassen kann. Hört euch einfach die Songs auf Myspace an, ehe ihr irgendwie versucht, an die CD zu kommen, um eventuelle Überraschungen zu vermeiden.

Rheinufer

Rheinufer, denke ich. Immer nur Rheinufer.
Ein Schiff mit bunten Girlanden zieht vorbei.
Du bist Ostern nicht Baden gegangen, hast dich nicht rheingewaschen und bereust das immer noch.
Rheinufer.
Dir fällt nichts ein, du blickst in den leeren, grauen Himmel und auch von da fällt nichts, kein Regen, kein Meister, keine Inspiration.
Rheinufer.

Rheinufer (cc by phototram)

Diese Stadt hat dir schon einmal nicht gut getan, dich in den Wahnsinn getrieben.
„Du Ratte!“. Irgendwo spricht jemand mit einem Telefon.
Ein schneeweißer Dom, Bahnhofskapelle, mit dem Dreck nur von Friedenstauben.
M., L., S. und B. verschwinden in einem U-Bahnschacht. Wie Rohrpost verlieren wir uns. zwischen zwei Rheinufern.
In meinem Kopf nur Ufer und U-bahn, nur Stadt und Plan, alles kreist sich um die Engel des Elfenbeinturms.
Als gäbe es keine andere Zeit. Es bleibt doch immer noch ein Ticket, eine Wegbeschreibung, ein Kölsch, ein Gedanke, ein anderes Mal, eine Decke, ein T-Shirt, ein Stift, ein Block, eine Lampe, sonst nichts.
Der Kreist schließt sich. Am Rheinufer?
Das ist nicht wahr.
Die Straße, die alle Romantik besiegt, führt nach Luxemburg.
Wie gut, dass ich die Bahn nehme.

(Photo cc by phototram)

Der Junge und die Bombe

Es war einfach gewesen, lächerlich einfach sogar. Eine Atombombe in Russland kaufen. Das klang so aberwitzig und unrealistisch, dass er es selbst immer noch nicht glauben konnte. Eigentlich sollte es nur der Test sein, ob sowas wirklich möglich war, aus einer Laune heraus. Immer wurde davon geredet, dass man angeblich alte Atombomben kaufen konnte, von korrupten Generälen oder Aufsehern von beinahe aufgegebenen und damit chronisch unterbesetzten ehemaligen sowjetischen Militärbasen.
Aber die Zeit, als die Bomben chromglänzend Richtung USA gezeigt hatten, waren lange vorbei. Viele der alten Trägerrakten waren mittlerweile verrostet – weil nicht aus Chrom, sondern aus poliertem Stahl. Den Leuten ging es schlecht, so weitab von Moskau, wo sich niemand darum scherte, was aus den alten Basen wurde, die einst der Stolz der Union gewesen waren – auf jeden Fall hatte man das den Menschen damals weisgemacht.

In einem versifften und super hässlichen Plattenbau hatte er den Aufseher in seiner Wohnung besucht. Merkwürdig hatte es gerochen. Nach Kohlsuppe. Obwohl er nicht genau gewusst hatte, wie Kohlsuppe riecht, hatte er den Geruch sofort erkannt. Wieso aßen Menschen Kohlsuppe, wo man doch immer nur von den russischen Kartoffeln hörte? Oder gingen die alle für den Wodka drauf? Das waren die Fragen, die in seinem Kopf herumschwirrten, als er an dem kargen Esstisch aus Kunststoff Platz genommen hatte.
Der Aufseher hatte eine dreistellige Summe genannt. Er wollte Euro, aus welchem Grund auch immer. Währungsumrechnungen und Wechselkurse waren noch immer eine merkwürdige Wissenschaft gewesen, bei der man besser einfach so machte, wie die Leute einem sagten.

Es wirkte immer noch unglaublich, aber wenn es tatsächlich funktionieren würde, wenn man tatsächlich eine alte Atombombe aus Sowjetzeiten einfach so kaufen konnte, dann war das eine so großartig verrückte Sache, dass man sie einfach tun musste. Wie hätte man so eine Gelegenheit nicht ergreifen können?

Nach der Zahlung waren nur noch einige Bestechungsgelder sowie einige Flaschen teuren Wodkas nötig gewesen, um die spärliche Mannschaft der Basis, irgendwo in der bitterkalten Einsamkeit Sibiriens, dazu zu bewegen, ihm die Bombe nicht nur zu verkaufen, sondern auch auf seinen Lastwagen zu laden.

Die Grenzübergänge waren harmlos gewesen. Ein paar Euroscheine und ein ordnungsgemäß ausgefüllter Frachtschein überzeugte die Zöllner, ihn ohne Durchsuchung fahren zu lassen. An der luxemburgischen Grenze hatte er nicht einmal stehen bleiben müssen, Schengen sei Dank.

(wird eventuell fortgesetzt…)

Überwachung in Luxemburg

Ich bin normalerweise nicht unbedingt ein Freund von Parteien, was aber auch an dem Wahlsystem liegt, das mir nicht sonderlich gefällt und weil ich oft das Gefühl habe, Machtsterben in Parteien dominiert. Oft bin ich aber von Jugendparteien sehr positiv überrascht. Und so auch dieses Mal von den jungen Grünen Luxemburgs, die eine sehr interessante und sehenswerte Analyse von Überwachungsgesetzen in Luxemburg online gestellt haben. Einbinden des Videos geht leider nicht, sonst hätte ich es hier reingestellt.

Das Video hat mich noch wütender auf CSV und LSAP (Wer, wer, wer hat uns verraten?) gemacht. Und die Grünen sind mir jetzt wieder symphatischer.