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Das Ende der Welt revisited

Hochspannungsmast
(Um mal wieder etwas… „künstlerischen“ Inhalt zu bringen:)
Und auf einmal stehst du wieder am Ende der Welt. Es bläst ein höllischer Wind, den man wohl mit ruhigem Gewissen „steife Brise“ nennen kann. Es wird kalt, obwohl vor wenigen Minuten noch die Sonne geschienen hat, als gebe es das Wort „Winter“ in ihrem Sprachschatz nicht.

Dieses Feld, dieser Ort war einst magisch. Hier lebten nicht nur Wichtel, sondern es war auch das Ende der Welt. Du errinerst dich an ewig lange Nachmittage in Streuobstwiesen nicht weit von hier, in denen die Sonne durch die dicken Apfelbaumblätter ein diffuses Licht verbreitet hat.

Heute ist nur ein grauer Himmel. Die Zeit scheint still zu stehen. Der Wind ist das einzige, was sich wirklich bewegt. Es fühlt sich an, als wäre die Luft eine dicke, durchsichtige, sirupartige Masse, durch die man sich schwer bewegen kann. Eine unglaubliche Melancholie und Schwere legt sich auf deinen Geist, ohne dass du auch nur irgendetwas dagegen tun könntest.

In dieser Zeit, da alle Flaschen zu brechen scheinen und sich ihr Inhalt auf dem Boden ergießt, fühlst sich dieser Ort wirklich wie das Ende der Welt an. Nur noch 100 Meter und du kommst an die unsichtbare Grenze, an der es nicht mehr weitergeht. Wie ein Abgrund, der dir unüberwindbar im Weg steht.

Du atmest tief ein. Die kalte Luft scheint deine Lungen verbrennen zu wollen. Und dennoch, ein diffuses Gefühl des Glücks.

Wieso sollte jemand in so einer Hölle glücklich sein, fragst du dich. Aber es ist ganz klar, dass du dich nicht nur unglücklich fühlst in der Situation, in der du dich befindest. Obwohl es ein ständiger Kampf ist.

Aber vielleicht bist du zum Kämpfen geboren. Es muss vielleicht Leute geben, denen jede Widrigkeit des Lebens entgegenschlägt, damit sie anderen Freude schenken können.

Der Wind wird immer kälter, deine Finger werden langsam steif. Du gräbst deine Hände tief in deine Taschen, während deine Haare ungebändigt vor deinem Kopf herumschweben und deine Sicht auf eine merkwürdige Art und Weise veränderen. Es ist schwierig, gegen den Wind zu gehen. Er erzählt keine Geschichten heute, er bringt keine Botschaften vom fernen Meer. Heute ist nur triste Wut und Melancholie zu spüren.
Wo sind all die Vögel bloss?

Du kannst gut zuhören.
Vielleicht genügt das.