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Gibt es Einhörner?

Ich sitze in einem Konzertsaal und lausche einem klassischen Musikstück. Musik, von der ich nichts verstehe, die mich aber trotzdem irgendwie beflügelt. Außer mir ist niemand hier. Ich sitze alleine in diesem riesigen Raum, während das Orchester spielt, als wäre der Saal voll. In Neonbuchstaben leuchtet der Name des Komponisten und des Stückes über der Bühne. Ich kann mit dieser seltsamen Mischung aus Symbolen und Zahlen nichts anfangen – der Name des Komponisten scheint nur aus Sonderzeichen zu bestehen. Hier sollte meine Bühne sein.
Hier sollte ich als Hamlet, Othello, Kaufmann, Tod, Orpheus stehen.
Hier sollte mein Blut vergossen werden, hier sollte ich heiraten, hier sollte mein Drama stattfinden.

Irgendwo dröhnt ein billiger Kühlschrank. Vielleicht ist es auch nur das Surren eines Fernsehers auf dem Videokanal ohne Signal.
Hintergrundrauschen aus dem All. Die Verbindung zu Alpha Centauri ist schlecht, ich höre ständig meine eigene Stimme. Das andere Ende der Leitung versteht mich kaum. Im Radio: Billiger Telefonsex, während die Moderatoren auf den Tischen tanzen.
Diesmal rettet dich keine Atombombe. Diesen Alptraum musst du ganz alleine austrinken. Wie Bier mit zu viel Schaum.
Wollte sie dich betrunken machen? War das ihr Plan? Deine Zunge lockeren, um sie letztendlich zu verschlingen?
Dieses Blasinstrument sollte mit furzen aufhören, das würde ihm gut tun. Blähungen sind ein ernsthaftes gesundheitliches Problem, dem in unserer Gesellschaft viel zu wenig Achtung geschenkt wird. Verkaufen sie deshalb noch heute ihre Seele und erhalten sie ein zweites Gehirn gratis dazu!

Ist dies eine Folter, oder soll ich tatsächlich noch länger in diesem Traum bleiben? Der diabolische Dr. Faust hat sich mit anderen Superschurken verbündet, um meinen Schädel mit ihren antiken Folterinstrumenten zu öffnen und mein Gehirn zu untersuchen. Vielleicht pflanzen sie Chips ein, um meine Hände zu steuern, während ich schlafe?

Der Held der Oper tritt vor, fällt auf die Knie und bittet seinen Gott um Erlösung.
»Dein Wille komme, oh Spongebob!«
Statt mir trifft ihn eine Erscheinung und sein Geiste klärt sich auf. Große Schuppen fallen ihm aus den Augen. Ein Team von Sanitätern stürzt von beiden Seiten auf die Bühne, wischt den Schaum vor seinem Mund mit einer übergroßen Klobürste ab und zieht die Schuppen mit chromglänzenden Apparaturen aus dem Auge des Heldens. Es stellt sich heraus, dass er ebenfalls seine Kontaktlinse verloren hat.
Ein Gott fällt aus der Reinigungsmaschine, die irrtümlicherweise schon auf der Bühne stand. Er torkelt, offensichtlich betrunken, in den Orchestergraben und fällt in die Tuba, die dennoch nicht ihren Einsatz verpasst. Pflichtbewusst bis zum Ende.
Der Tumult auf der Bühne löst sich auf. Der Held, nun erleuchtet, kleidet sich in nacktes Segeltuch. Es scheint nicht zu kratzen.

Wieder flammen Buchstaben über der Bühne auf. Ich verschlucke mich an einer Erdnuss. Dies sollte meine Bühne sein!
Hier sollte mein Drama stattfinden!
Der schwarze Block erklärt sich solidarisch und stürmt den Konzertsaal. Im Orchestergraben leichter Applaus, ohne dass jemand seinen Einsatz verpasst. Einzig die Musik ist nicht wahnsinnig geworden. Dr. Schiwago spielt Simultanschach mit einer Herde Einhörner, während der Held noch immer von seiner Erleuchtung singt. Großartige Landschaften überlappen sich mit dem Gemetzel aus einem Sandalenfilm. Man projeziert zwei, drei, vier Filme über- und nebeneinander, um den Zuschauer zu verwirren. Aber war ich je nur Zuschauer?
Die Sitze beginnen zu brennen, der schwarze Block hat die Philharmonie zum Einsturz gebracht. Säule um Säule kracht dumpf im Hintergrund. Das Orchester spielt weiter. The show must go on. Der Held, einsam wie ich selbst, ein Spiegelbild nunmehr, singt noch immer, während die Ruinen um die Bühne zu wuchern beginnen. Ich muss keine Angst haben um meinen Kragen, man hat ihn mir chirurgisch entfernt.
Ich warte. Auf das Ende. Auf einen weiteren Gott aus dem Nassstaubsauger.
Die Tage der Wut beginnen.
[Notiz des Autors an sich selbst: Eigentlich wollte ich ein Gedicht schreiben. Sei‘s drum.]

Hi-Fi is dead

Auf jeden Fall fast. Die Musikindustrie forciert die Produzenten, Stücke bis aufs letzte durch den Kompressor zu jagen, damit sie so laut wie möglich klingen. Dadurch ensteht das, was man gemeinhin als »Brei« bezeichnet. Die Rolling Stone (USA) hat ein exzellentes Dossier dazu zusammengestellt: The Death of High Fidelity.
Was noch dazukommt: Radiostationen jagen ihr Programm ebenfalls durch einen Kompressor, um im Gegensatz zur Konkurenz noch einmal lauter zu wirken. Was dabei rauskommt, muss ich niemanden mehr beschreiben.
(via Nerdcore)

Black Dog

Wie passend: Ich höre gerade Black Dog von dem Reunion-Konzert von Led Zeppelin, als ich einen Blogpost schreiben will. Da könnte ich ja gleich anmerken, dass die Sache mit dem Cat-Content wohl auf ewig Wunschtraum bleiben wird, da meine Familie sich heute einen Hund anschaffen wird. Für jene, die es interessiert: Bernersennen-Schäferhundmischling, weiblich, 9 Wochen alt. Ich bin ja mal gespannt. Namenstechnisch werden sich 7 Leute wohl nie eins werden, und ich unterstütze im Moment Sira (abgeleitet von Sirius, ui!), was wirklich das kleinere Übel darstellt. Natürlich werden alle meine Vorschläge wie »Sgt. Pepper« sofort mit einem »Au ja! Gute Idee!« begrüßt und sofort verniedlicht. Aus Sgt. Pepper würde dann Peppa.
Na ja, immerhin habe ich das nächste Mal, wenn ich ein Herbarium machen muss, Begleitung. Und Spaziergänge sollen ja inspirierend wirken.

Said this denke ich, dass ich das, was ich eigentlich schreiben wollte, wohl auf später verschiebe. Erstens mag ich gemischte Beiträge nicht so sehr und zweitens ist es in meinem Zimmer unerklärlicherweise eiskalt. Drittens brauche ich immer noch ein Kabel. Und neuen Tee. Weshalb ich mich jetzt schon mal im Gassigehen üben werde.

genuflecting

Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass ich das »neue« Sigur Rós Album Heim/Hvarf einfach nur wunderbar finde und seit Tagen damit in den Ohren durch das herbstliche E. wandere, Texte dazu schreibe, damit schlafengehe und wieder damit aufwache?
Ich kann einfach nicht genung von dieser Musik kriegen. Und immer wenn ich glaube, ich könnte es nicht mehr hören, schalte ich es trotzdem ein und werde immer wieder aufs Neue überrascht.

Das “Radiohead”-Modell

macht Schule: Trent Rezor, der normalerweise Nine Inch Nails ist, hat ein Projekt zusammen mit Saul Williams, der normalerweise Hip-Hop und Reden gegen Bush schwingt, gemacht. Das ganze nennt sich »The Inevitable Rise and Liberation of NiggyTardust « und kommt am 1. November als Download-Album raus. Und das schöne: gratis.
Wenn man nichts bezahlt, bekommt man 192-kbps-mp3s, wenn man 5 Dollar springen lässt, kann man zwischen drei Formaten, darunter sogar das verlustlose FLAC wählen. Wow.
Das ganze gibt‘s hier: The Inevitable Rise and Liberation of NiggyTardust

Möblierte Seele

Afurnishedsoul - Collapse of the Ivory Towers Afurnishedsoul - roboticat afurnishedsoul - BROKEN RECORD
Ich mag ja elektronische Musik, besonders wenn man ihr das Label »Indie« irgendwie aufdrücken kann. Das ist ein Grund, wieso ich öfters ins D:qliq gehe oder mich auf Konzerten innerhalb der »Republique Libre de Clairfontaine« herumtreibe. Afurnishedsoul macht solche Musik und das erste und einzige Konzert, das ich von ihm gesehen habe, war in der Republik. Seine Musik wurde davor aber schon einmal in der Queesch vorgestellt. Ich habe mir damals Collapse of the Ivory Towers heruntergeladen, alles ganz toll gefunden, die Seite gebookmarkt und das ganze fast vergessen. Für eine Radioserie habe ich die Musik dann als Hintergrundmusik benutzt, was ja auch ein Qualitätsmerkmal ist.
Auf jeden Fall ging die Webseite von damals irgendwann nicht mehr. Und so wartete ich. Bzw. ich habe öfters mal daran gedacht, dass Jeff, so heißt Afurnishedsoul nämlich im richtigen Leben, mir gesagt hat, er würde die Musik zurück online bringen.
Und das hat er jetzt getan. Auf seiner Myspaceseite kann man ganze 5 Alben oder Sessions herunterladen, immer komplett mit Cover. (Und das als Zip-Datei, anders als bei vielen Bands, die offenbar nie ein Gesamtprojekt verkaufen wollen?) Einziger Nachteil: Unter einer speziellen Lizenz wie Creative Commons oder ArtLibre gibt es die Musik leider nicht.
Prädikat: Empfehlenswert! Luxemburgischer Indie at it‘s best!

Interview mit Blixa Bargeld

Ich weiß nicht, ob Interview mit Herrn Bargeld selten sind, aber da ich bisher noch nie eins gelesen habe, scheint mir dies so. Allerdings habe ich auch noch nicht wirklich danach gesucht. Auf jeden Fall hat die Zeit, die Zeitung mit dem Format, das man sich erstmal trauen muss für das allein sie von mir Bewunderung erhält, ein solches „Interview“ für uns parat.
Verformte Zeit nennt sich das und ist mehr ein Protokoll dessen, was Blixa erzählt als ein klassisches Interview mit Fragen und Antworten.
Sehr lesenswert trotzdem.

A Weekend in the city

Ich habe mich ja bisher gefragt, was „alle“ so toll an dem neuen Album von Bloc Party, einer mir bis dato unbekannten Band, finden. Jetzt ist mir aufgefallen, dass ich noch gar nicht richtig hingehört habe. Der Opener mag ein wenig seicht beginnen und mich an irgendetwas gehörtetes errinnern, doch er wird dann kraftvoll und verdammt, er rockt!
Hunting for witches ist ebenso musikalisch – sind das elektronische Töne?, wie textlich interessant. Terrorangst in London, gewürzt mit einer Portion allgemeiner „Schaut nicht so viel TV-Sozialkritik“.

Und auch sonst bietet A weekend in the city genung, was man als „hörbar“ bezeichnen kann. Ich bin noch nicht restlos überzeugt, aber ich denke, ich sollte das Album noch ein paar mal hören, ehe ich es als „Überzeugt mich nicht wirklich“ weglege. Denn das hat es bestimmt nicht verdient.