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Zehn Tage

Als Naika erfuhr, welchen Geburtstag sie bald feiern würde.

Eine Tasse Kaffee auf einem dunklen Holztisch

„An welchen meiner Geburtstage soll ich bitte nicht gedacht haben? Ich habe nur einen einzigen, ich kenne das Datum und weiß wann es ist. Mein Geburtstag ist noch weit weg.“, eröffnete Naika der Krähe und fühlte sich auf einmal viel selbstbewusster. Vielleicht war der Vogel zu der falschen Person gekommen, oder vielleicht hatte sich die Person, die sich geschickt hatte, einfach geirrt und Naika war gar nicht die Empfängerin einer schlechten Nachricht. Vielleicht konnte sie bald in Ruhe einen zweiten Kaffee trinken und würde nicht weiter über all das nachdenken müssen.

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Der Termin

Als Naika etwas über sich erfuhr, das sie noch nicht wusste.

„Einfach nur ‚Miau‘ ist jetzt nicht unbedingt die Botschaft, die ich mir von einer Person erwartet hätte, die mir eine Krähe schickt. Noch dazu eine sprechende.“, sagte Naika, immer noch grinsend. Sie hatte sich mittlerweile wieder aufgerichtet und nahm noch einen Schluck Kaffee. Sie spürte die Wirkung des Getränks noch nicht. Sie war überhaupt kein Mensch, bei dem sich Koffein besonders manifestierte, wie etwa bei anderen, die Herzrasen bekamen oder zumindest ein Kribbeln verspürten. Sie wurde halt irgendwann wach, was hoffentlich auch ohne die Zufuhr von Koffein passieren würde.

„Das war auch nur ein Test. Um zu sehen, ob du auch wirklich wach genug bist, um zuzuhören.“, sagte die Krähe. Ihre Stimme klang weicher, noch weniger krächzend. Vielleicht machte Kaffee Krähen tatsächlich nicht nur wacher, sondern auch weniger heiser? Naika wusste nicht genug über Krähen, um sich darüber tatsächlich ein Urteil machen zu können. Vor allem wusste sie nicht genug über sprechende Krähen. Und noch viel weniger über sprechende Krähen mit einem merkwürdigen Sinn für Humor.

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Die Kakaonote

Als Naika der Krähe Kaffee servierte.

Eine Krähe auf einem Holzlattenzaun

„Wie trinkst du deinen Kaffee denn?“, fragte Naika.
Die Krähe legte ihren Kopf schief, und es wirkte so, als wäre sie sehr beleidigt.
„Ach, das war jetzt nicht unbedingt so offensichtlich.“, antwortete Naika dem schweigenden Vogel, „Auch wenn du das natürlich ganz anders siehst.“
Sie kraulte der Krähe wieder den Kopf, woraufhin diese genüsslich die Augen schloss. Naika rechnete damit, dass sie jeden Moment damit anfangen würde, zu schnurren, auch wenn das wirklich sehr merkwürdig gewesen wäre, für einen Vogel.

Sie holte zwei Tassen aus ihrem Schrank, einen großen Becher für sich und eine kleine Espressotasse für die Krähe. Sie füllte ihren Becher zu grob einem Drittel mit Hafermilch, ließ zwei Würfel Zucker in die Tasse fallen, die sogleich anfingen, sich mit der Hafermilch vollzusaugen. Den Kaffee goss sie zuerst in die Espressotasse, dann in ihre eigene, um ihren Gast nicht noch weiter zu verprellen.

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