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long gone day

Isn‘t it so strange
How far away we all are now
Am I the only one who remembers that summer

Ich erinnere mich an eine Sommernacht an einer Bushaltestelle in Oberschlesien. Wie verwirrt ich war, obwohl eigentlich alles ganz klar war. Ein guter Abend, zuckersüß im Sonnenuntergang der Erinnerung.

Und sehr gut, ein Blog zu haben, um die Erinnerung an solche Tage zurückzurufen. Ich sollte viel mehr aufschreiben, alles am Besten, jeden Tag. Auch wenn ich die Stunden, die ich vor der Maschine darauf verwende, nie wieder kriege, so ist das besser, als andere anderen nicht wieder erleben zu können.

Wo sind die Tage hin? Wo die Menschen? Kommen bessere? Kommen schlechtere?
Ich glorifiziere Jahre, in denen es mir nicht besser ging als jetzt, in denen ich ein sehr viel weniger umgänglicher Mensch war als ich es heute bin. Und es fällt mir heute kaum noch auf, wie ich damals war, wie schwierig Dinge waren, die mir heute selbstverständlich erscheinen.

Und dennoch vermisse ich diese Zeit.

In den richtig schwierigen Situationen, den tiefen Löchern, in die ich an manchen Tagen stolpere, denke ich zurück, weil ich mich wieder so fühle wie damals. Wusste ich damals, was ich tun musste, um es besser zu machen. Wusste ich, was ich tun konnte, um die Gedanken in meinem Kopf weniger laut werden zu lassen?

Damals hab ich mich hingesetzt und einen Text geschrieben. Scheint, als würde ich das heute ebenso machen.

Es kommt ein neuer Sommer und mit ihm laue Abende und Nächte an Bushaltestellen, auf Balkonen und an Seeufern. Vielleicht verbringe ich sie mit Menschen, die ich lange nicht gesehen habe. Ich darf nur nicht vergessen, sie in irgendeiner Art und Weise zu verschriftlichen.

Die Zeilen in kursiv sind Teile der Lyrics des hier verlinkten Liedes „Long Gone Day“ der Band Mad Season. Geschrieben und komponiert wurde das Lied von Martin, McCready, Staley, Lanegan.

[0808282204]

Du kannst dein Glück kaum fassen. Du hast den Zug noch erreicht, der aus irgendeinem Grund fünf Minuten zu spät abfährt – als habe er auf dich gewartet. Wie war das nochmal? „Ein Gonzojournalist kommt nie zu spät oder zu früh, sondern immer genau dann, wenn er es will …“

Virtuos mit irgendwelchen Zitaten hantieren, postmodern, Cutup 2.0, quasi. Darin bist nicht nur du Meister.
Zu dritt saßt ihr irgendwo in Oberschlesien, im Niemandsland des polnisch-tscheschichen Grenzgebietes, auf einer Mauer in einem Hinterhof. Der Mond war beinahe voll und hing entgegen seiner Gewohnheiten wärmend am Himmel. Jede/r hing seinen eigenen Gedanken nach, die so laut waren, dass sie die Stille fast durchbrachen.

Eine dicke Motte flog gegen die Straßenlaterne, die ihrerseits ihr Licht auf die kaum befahrene polnische Straße war.
Es war dennoch nicht unkomfortabel. Eher angenehm.

Einige Zeit später. Ob Stunden oder Minuten konnte niemand mehr so genau sagen. Karaoke, John Lennon und viel zu viele fehlende Lieder. Ein Bushäuschen irgendwo in Oberschlesien.
Sie hatte dir ihre Hand hingehalten. Und du hattest sie genommen.
Und jetzt hattet ihr einander an der Hand. Und du wusstest, dass du sie nicht loslassen würdest, niemals am Besten, wenn nicht irgendwann der Bus kommen oder deine Muskeln schlapp machen würden.

Jede Berührung, jeder Atemzug, jeder Herzschlag brannten sich dir ins Gedächniss, wie das Gegenteil von Narbengewebe.

Podcast: Angst und Schrecken irgendwo in Oberschlesien

Ich wollte diese Folge ursprünglich nicht mit „Angst und Schrecken“, sondern mit „Furcht und Grauen“ beginnen, aber ich hab das dann doch sein gelassen. Ratibor liegt irgendwo in Oberschlesien und es gibt dort neben dem üblichen „Wir sind halt in Polen“-Gefühl auch nocht merkwürdige Deutsche Freundschaftskreise mit singenden Omas und Volkstänzen…

Joel mit psychelischem Bild

[audio:http://media.switchpod.com//users/angschtaschrecken2008/angschtaschrecken77.mp3]
MP3-Download Angst und Schrecken irgendwo in Oberschlesien

Die Musik stammt von Revolution Void und steht unter einer cc-Lizenz.

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