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Der Fakeurlaub

Als ich mich zurücksehnte.

Ich vermisse die zwei Tage, die ich Urlaub nannte, in dieser Wohnung, die nicht deine war, am Rande des Parks. Ich möchte den Schlafsack wieder ausrollen, sobald ich daran denke, obwohl ich ganz genau weiß, was mich dort zu diesen Tagen erwartet. Ich vermisse die Stimmung, ich vermisse das Gefühl, alle Zeit der Welt füreinander zu haben. In einem unbekannten Bett einschlafen. In einem anderen schlafengehen. Ich kann diese zwei Tage, wenn es überhaupt so lange war, immer noch romantisieren. Ich erinnere mich noch an die Pizza, die wir bestellten, an das Rauchen, an das T-Shirt, das ich bei dort vergaß und in dem du ein Foto machtest.

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Die Wintersonne

Als der Schlafsack eingerollt blieb.

Als ich die Rollläden hochziehe, erkenne ich nicht ganz, ob alles zugeschneit ist oder ob es nur heller ist, weil die Sonne scheint. Die Sonne scheint, und trotzdem ist es so unglaublich kalt, dass ich mich ständig blinzelnd zu unserem Zentralgestirn wenden muss, um es überhaupt auszuhalten. Ich mache einen Spaziergang über eine Autobrücke, als wäre das ein Hobby. Der Wind ist kalt, ich sehe nichts durch meine beschlagene Brille und außerdem habe ich Hunger.

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Die Büchse

Als ich den Schlafsack aufrollte.

Ich öffne Pandoras Büchse. Es befindet sich ein dicker Winterschlafsack daran, den man in den Bergen braucht oder bei Temperaturen nahe des Gefrierpunktes oder halt auf einem Festival. Er wurde oft benutzt, das spürt man irgendwie. Ich rolle ihn aus, so wie ich ihn schon zehntausendmal im Geiste auseinander- und wieder zusammengerollt habe. Dieses Mal liegt er wirklich vor mir, ich kann ihn tatsächlich anfassen und spüre, wie er sich anfühlt, wenn ich ihn ausrolle. Viel weicher als erwartet, viel zu weich, erstickend flauschig.

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Der wasserdichte Bluetoothspeaker

Als ich duschte.

Ich dusche, so wie Menschen es tun, wenn sie Körperhygiene betreiben wollen. Dabei höre ich einen Podcast über meinen wasserdichten Bluetoothspeaker, was genauso absurd ist wie es klingt. Irgendwann driften meine Gedanken ab. Sie wandern in ein Gebiet, in dem ich lange nicht war, vor allem nicht unter der Dusche. Ich merke es nicht einmal, bis es passiert und ich wieder ein Zwiegespräch führe.

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Das All-you-can-eat-Buffet

Als ich einen Stich versetzt bekam.

Ungeahnt kommt ein Gefühl auf. Ich habe etwas gelesen, das mich erinnert hat, obwohl ich gar nicht weiß, ob ich mich nicht vielleicht irre, ob es überhaupt eine Bedeutung hat. Ein fieser, grüner giftiger Stich zwischen meine weichen Rippen. Ich versuche nicht an die Stadt und den Balkon und die Oktoberverzweiflung zu denken, sondern an luxemburgische Landstraßen. Nie werde ich verstehen, wie weit der Himmel über den Kuhweiden sein kann, wie gigantisch der Horizont über dem Asphalt zwischen den Dörfern.

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Der aufgeheizte Asphalt

Als ich einen bestimmten Song hörte.

Ich höre das Lied, das ich damals gehört habe, als ich zum ersten Mal aus G. nach Hause gefahren bin und mir bereits ausgemalt habe, dass das, was gerade erst begonnen hatte, irgendwann zu Ende sein würde. Der Bus war noch nicht aus der Stadt und ich bereits melancholisch über eine Zeit, die eben erst begonnen hatte. Das ganze Album hörte ich auf der Rückfahrt, euphorisiert. Es wurde über die Zeit zu dem Soundtrack dieses Jahres, zum Soundtrack dieser schlechten Beziehungen, von denen ich von Anfang an hätte wissen können – oder wusste ich es gar?

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Das Überkochen

Als ich all meinen Mut zusammenfasste.

„Wo waren wir?“
Die Person, die wir einst Ruth nannten, schaut mich etwas verwundert an. Als habe unser Gespräch einfach eine Woche pausiert. Dabei stehen wir seit gefühlten Ewigkeiten in dieser nutzlosen Kälte unter diesem nutzlosen Himmel, im hohen Gras, das nicht sein sollte, bestückt mit Raureif, den ich nicht ausstehen kann, weil ich Angst davor habe, mich daran zu schneiden, so scharf wirkt er in meiner unterkühlten Hand, wenn ich sie gedankenverloren wie ich bin aus der Tasche ziehe und an einem Grashalm entlang reibe.

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Die Idylle

Als ich durch Dörfer fuhr.

Das Lachen hört nicht auf. Ich erkenne, wie merkwürdig meine Feststellung geklungen haben muss, wie selbstverständlich sie war. Natürlich die die Person, die wir einst Ruth nannten, nicht P. Sie tut jetzt so, als habe sie das nicht selbst in den Raum gestellt, als hätte sie nicht von einem großen Streit gesprochen.

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Die Filterkaffeemaschine

Als ich den Blick zuwandte.

„Schau mich an.“
Ich blicke stur weiter in den Himmel, der tatsächlich lila wurde. Ich möchte meine Gedanken darauf konzentrieren, mich zu fragen, ob das heißt, dass die Sonne bald aufgeht.
„Na los. Trau dich.“
Ich weiß ganz genau, dass ich mich nicht trauen sollte. Aber der Himmel ist so undankbar, er ist einfach nur ein Stück Pappe, das ungleichmäßig und ohne große Lust und Mühe eingefärbt wurde. Ich sehe ganz genau, dass er nur Kulisse ist, dass es sich nicht um einen echten Himmel handelt. Außerdem ist es noch immer kalt.

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