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Der rote Tee

Als ich an den Balkon dachte.

komischer rot-cyan-3D-Effekt auf einem Foto von einer Tasse mit rotem Tee. Es steht auf Holzlatten, auf denen auch gelbe Birkenblätter liegen. In der Tasse ist ein Löffel.

Ich werde daran erinnert, dass vor vier Jahren der Monat war, während dem ich einen Monat lang bloggte. Einfach nur, weil ich mir es vorgenommen hatte und es konnte. Ich finde meine Texte von damals natürlich besser als die kargen Skizzen, die ich heute auf dem Klo in mein Handy tippe, aber ich finde ja immer alle Texte, die älter als einen Monat sind, besser als das, was ich gerade produziere.

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Die Sommermelancholie

Als ich mit keinem Flugzeug über das Meer fliegen wollte.

Ein Plastikeimer, gefüllt mit Wasser und ein paar vertrockneten Blättern.

Ich mache eins dieser Videos an, wo jemand einen Mix aus elektronischer Musik gemacht hat und das mit Szenen aus Animes illustriert. Menschen fliegen in altertümlichen Flugzeugen über das Meer. Sofort werde ich melancholisch, auch wenn ich gar nicht mit einem Flugzeug über das Meer fliegen will oder das je getan hätte.

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Die Motte

Als ich einen steifen Nacken hatte.

Eine schwarze Motte

Ich denke mir, ich sollte mal weiterschreiben, aber ich hatte ja noch nicht einmal ein Dokument offen. Dabei habe ich in letzter Zeit sehr oft einfach nur auf mein Handy getippt, ohne Dokument, in einen Chat mit mir selbst. Auch eine merkwürdige Entwicklung, aber vielleicht gar nicht so schlecht, aus dem fahrenden Bus heraus meine innersten Gedanken oder das, was ich dafür halte, aufzuschreiben.

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Die Fragen an den untergegangenen Mond

Als ich mir Fragen stellte.

Werde ich je noch ein einziges Mal tief und fest schlafen?
Werde ich je nicht eifersüchtig sein auf die halbe Welt?
Werde ich je einen anderen Nachthimmel sehen?
Werde ich je einen Text schreiben, mit dem ich zufrieden bin?
Werde ich je jede Faser und jedes Haar an mir akzeptieren können?
Werde ich je eine Biene streicheln?
Werde ich je an alles denken?
Werde ich je dieses Buch lesen, das mir einmal geliehen und einmal geschenkt wurde?
Werde ich mich je nicht mehr an P. erinnern?
Werde ich je die Sache mit dem T-Shirt vergessen?
Werde ich je ohne Kribbeln in den Händen sein?
Werde ich je wirklich glücklich sein?

Das Bröckeln

Als ich nicht in den Abgrund starrte.

Jeden Tag bröckelt ein Stück Grundvertrauen in alle Menschen um mich herum weg, ich halte mich beinahe nur noch an mir selbst fest. Dabei steht auch ich am Abgrund, der beständig errodiert. Ich kann nicht runterschauen, denn ich habe etwas Höhenangst, die sich vor allem darin manifestiert, dass meine Brille mir von der Nase fallen könnte (und ich ihr hinterher).

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Der McMoment

Als ich mich – wie alles – wiederholte.

Ein Glas Wasser, in dem Chiasamen schweben.

Ich will nicht jeden Tag nur eine Variation des gleichen Textes schreiben. Aber leider scheint mein Leben gerade eins dieser single-issue-lifes zu werden, von denen ich immer höre, dass niemand sie lebt. Am Morgen habe ich versucht, den McMoment des letzten Mittwochs – er wirkt schon wieder so unvorstellbar weit weg – nachzustellen, aber es ist mir nicht gelungen. Mein Kopf war nicht in der Musik, der Regen nicht anwesend, und auch der Nebel, der gewissenhaft am Horizont hing, konnte die Stimmung nicht retten.

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Die Kernspaltung

Als ich den Kern traf.

Hauling crates of peaches from the orchard to the shipping shed, Delta County, Colo.

Unter Beobachtung schreiben ist immer merkwürdig. Meistens können die Menschen gar nicht auf mein Display sehen, oder nicht in mein Notizbuch. Das ist gut, denn mit Schreiben verhält es sich wie mit dieser merkwürdigen Theorie aus der Physik, dass sich Dinge verändern, sobald sie beobachtet werden. Ich weiß nicht, ob das nicht einfach auf alles zutrifft, was beobachtet wird. Verändere ich mein Verhalten, wenn ich mich selbst beobachte? Ich beobachte mich seit 96 Tagen selbst. In einer Form, die ich so noch nie praktiziert habe. Es ist ein Experiment.

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Die Endlagerung

Als ein Screenshot mich wach hält.

Eine Tasse Tee (er ist orange, es ist Tee mit Milch) in einer großen Tasse. Sie steht auf den Holzlatten, die den Boden des Balkons bilden. Daneben liegen drei gelbe, welke Birkenblätter.

Kurz bevor ich den Text poste, gehe ich alte Fotos durch, weil ich eins suche. Sie liegen alle in einem Ordner, in den sie automatisch hochgeladen werden, chronologisch geordnet. Aus irgendeinem Grund sind auch Screenshots darunter.

Ich klicke mich also durch all diese Fotos und als wäre es nicht hart genug, all diese Erinnerungen zu sehen, die zwischen belanglosen Screenshots, fruchtlosen Selfieversuchen und „Wie sieht meine Frisur von hinten aus“-Überprüfungsfotos liegen, ist da auch was anderes.

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Der Apfelwodka

Als ich mich beim Bloggen streamte.

Das ist alles überhaupt nicht verwirrend.
„Wer kommt überhaupt auf so eine Idee?“, fragt die Person, die ich einst Ruth nannte.
„Ich“, antworte ich, „weil es nie genug Möglichkeiten gibt, sich vor der ganzen Welt (okay, es schauen vielleicht zwei Leute zu und die Kamera-Einstellung ist sowieso nicht sehr vorteilhaft) lächerlich zu machen.“
Die Person, die ich einst Ruth nannte, schüttelt den Kopf, als sei das überhaupt nicht klar, als könne sie meine Gedanken nicht nachvollziehen, wie sie es sonst kann.

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