_

Die Versenkung

Als ich mein Schweigen brach.

„Dein Schweigen wird dich nicht retten.“
Die Worte der Person, die wir einst Ruth nannten, sind wie gewohnt hart. Sie genießt es sichtlich, mich vorzuführen. Ich weiß nur nicht, wer das beobachten soll, denn wir sind alleine an diesem merkwürdigsten aller Orte. Es ist immer noch so kalt, ich kann gar nicht wirklich damit umgehen, denn mehr als meine Hände tief in die Jackentaschen zu stecken und nervös das Gewicht von einem Bein auf das nächste zu verlagern, kann ich auch nicht tun.

Weiterlesen

Das Schweigen

Als ich nichts sagte.

„Hat das eigentlich aufgehört, mit den Menschen, in denen du P. wiedererkennst?“
Ich schweige nur. Fast möchte ich sagen, dass ich mein heiliges Recht, die Aussage zu verzweigern, wahrnehme, aber das muss ich nicht. Ich denke an Marshmallows und daran, was für ein komisches Wort sie sind. Wenn ich nicht darüber nachdenke, gibt es keine Antwort für die Person, die wir einst Ruth nannten. Wenn ich nicht darüber nachdenke, existiert das Problem nicht. Wenn ich jede Möglichkeit, es anzusprechen, elegant umschiffe und warte, bis sich das Thema von selbst wechselt, muss ich niemals darüber reden. Ich kann einfach für immer zwischen diesem unmöglich hohem Gras stehen und schweigen.

Weiterlesen

Die Luftreibung

Als ich reglos zwischen den Grashalmen stand.

Fast kommt mir der Name, mit dem wir diese Person früher bedacht haben, über die Lippen. Aber die Person, die wir einst Ruth nannten, hat keinen Namen mehr – oder keinen, den ich aussprechen oder auch nur schreiben könnte. Ich sage nicht, während meine Mund halb geöffnet bleibt. Kalte Luft strömt hinein, mein Rachen wird alleine davon kratzig. Ich sehe niemanden, ich kann nicht einmal wirklich ausmachen, woher die Stimme gekommen ist. Die hohen Grashalme, zwischen denen ich stehe, wiegen sanft im Wind.

Weiterlesen

Die Kassenperson

Als ich eine Stimme hörte.

Es ist so still. Und es ist so kalt. Am ärgsten merke ich an den Zehen, sie werden immer als erstes so kalt, dass ich mich über mein schlechtes Schuhwerk ärgere. Ich umarme mich selbst, obwohl ich ganz genau weiß, dass das überhaupt nichts hilft. Nicht, wenn meine Zehen kalt sind und ich dickere Socken oder zwei Lagen oder einfach bessere Schuhe anziehen sollte. Vielleicht sollte ich auch nicht mitten in der Nacht irgendwo herumstehen.

Weiterlesen

Der rote Tee

Als ich an den Balkon dachte.

komischer rot-cyan-3D-Effekt auf einem Foto von einer Tasse mit rotem Tee. Es steht auf Holzlatten, auf denen auch gelbe Birkenblätter liegen. In der Tasse ist ein Löffel.

Ich werde daran erinnert, dass vor vier Jahren der Monat war, während dem ich einen Monat lang bloggte. Einfach nur, weil ich mir es vorgenommen hatte und es konnte. Ich finde meine Texte von damals natürlich besser als die kargen Skizzen, die ich heute auf dem Klo in mein Handy tippe, aber ich finde ja immer alle Texte, die älter als einen Monat sind, besser als das, was ich gerade produziere.

Weiterlesen

Die Sommermelancholie

Als ich mit keinem Flugzeug über das Meer fliegen wollte.

Ein Plastikeimer, gefüllt mit Wasser und ein paar vertrockneten Blättern.

Ich mache eins dieser Videos an, wo jemand einen Mix aus elektronischer Musik gemacht hat und das mit Szenen aus Animes illustriert. Menschen fliegen in altertümlichen Flugzeugen über das Meer. Sofort werde ich melancholisch, auch wenn ich gar nicht mit einem Flugzeug über das Meer fliegen will oder das je getan hätte.

Weiterlesen

Die Motte

Als ich einen steifen Nacken hatte.

Eine schwarze Motte

Ich denke mir, ich sollte mal weiterschreiben, aber ich hatte ja noch nicht einmal ein Dokument offen. Dabei habe ich in letzter Zeit sehr oft einfach nur auf mein Handy getippt, ohne Dokument, in einen Chat mit mir selbst. Auch eine merkwürdige Entwicklung, aber vielleicht gar nicht so schlecht, aus dem fahrenden Bus heraus meine innersten Gedanken oder das, was ich dafür halte, aufzuschreiben.

Weiterlesen

Die Fragen an den untergegangenen Mond

Als ich mir Fragen stellte.

Werde ich je noch ein einziges Mal tief und fest schlafen?
Werde ich je nicht eifersüchtig sein auf die halbe Welt?
Werde ich je einen anderen Nachthimmel sehen?
Werde ich je einen Text schreiben, mit dem ich zufrieden bin?
Werde ich je jede Faser und jedes Haar an mir akzeptieren können?
Werde ich je eine Biene streicheln?
Werde ich je an alles denken?
Werde ich je dieses Buch lesen, das mir einmal geliehen und einmal geschenkt wurde?
Werde ich mich je nicht mehr an P. erinnern?
Werde ich je die Sache mit dem T-Shirt vergessen?
Werde ich je ohne Kribbeln in den Händen sein?
Werde ich je wirklich glücklich sein?

Das Bröckeln

Als ich nicht in den Abgrund starrte.

Jeden Tag bröckelt ein Stück Grundvertrauen in alle Menschen um mich herum weg, ich halte mich beinahe nur noch an mir selbst fest. Dabei steht auch ich am Abgrund, der beständig errodiert. Ich kann nicht runterschauen, denn ich habe etwas Höhenangst, die sich vor allem darin manifestiert, dass meine Brille mir von der Nase fallen könnte (und ich ihr hinterher).

Weiterlesen