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Piraaaaaaaaaaaaaat_innen!

photo cc by Norman B. Leventhal Map Center

Wer hier öfters mitliest, weiß es sicherlich schon: Ich bin ziemlich aktiv bei dem luxemburgischen alternativen selbst-verwalteten Magazin Queesch. Ich schreibe Artikel, tue so, als würde ich layouten und verkaufe Magazine vor Bäckereien und lerne dabei Freunde kennen.

Die aktuelle Ausgabe geht um Wohnen und Wohnraum (nicht nur) in Luxemburg. Das Dossier ist eine gute Zusammenstellung und ich kann es nur jeder interessierten Person ans Herz legen!

Für die nächste Ausgabe haben wir uns das Thema „Piraterie“ ausgesucht. Es geht nicht nur um säbelrassende Freibeuter_innen, sondern auch um Piraterie im Internet, im Äther und bei Produkten. Und wir suchen noch Artikel und andere Beiträge. Falls sich also jemand bereit erklären würde, etwas zu schreiben, bitte meldet euch hier oder bei der Queesch!

Natürlich nehmen wir auch Artikel, die nicht mit unserem Dossier-Thema zu tun haben, sondern auch so ziemlich alles andere. Das gilt auch für Reviews, Poesie oder Lyrik usw. Es ist übrigens nicht schlimm, wenn ein Beitrag schon in einem Blog erschienen ist.

Also: macht was! Anstatt immer nur über die schlechte und heruntergekommene Medienlandschaft (in Luxemburg) zu meckern; einfach selbst Medien sein! (Oder auf englisch, weniger konkret, dafür aber schöner: Don‘t hate the media – be the media!)

Auf Wohnungssuche in Wien

wohnungssucheinwien

Dieser Artikel erscheint Mitte Dezember in der neusten Print-Ausgabe der Queesch. Da ich meine BlogleserInnen aber besonders liebe und hier schon viel zu lange nichts mehr geschrieben habe, dürft ihr ihn schon jetzt lesen. Ach, und falls es jemand noch nicht mitgekriegt haben sollte: die erste Folge des neuen luxemburgischen Podcasts Gedibbers ist online.

Freitag Abend. Ich steige aus der U-Bahn, mir schlägt kalte Luft entgegen. Sie riecht nach Winter. Ich versuche, mich zu orientieren, was mir aus zwei Gründen nicht leicht fällt: Erstens bin ich ein ganz klein wenig angetrunken, zweitens befinde ich mich in Wien, einer Stadt, die mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sehr bekannt ist. Später werde ich merken, dass ich eine U-Bahnstation zu früh ausgestiegen bin, aber immerhin ist mir der Weg hier bekannt. Ich bin im Zeitdruck, denn vor ungefähr zwanzig Minuten hat mich Jan, dessen Zimmer in einer WG ich haben will, angerufen und mich gefragt, ob ich nicht noch einmal vorbeikommen könnte, da jetzt mehr Mitbewohner da seien, die sich gerne mit mir unterhalten würden. Aus Angst, zu spät zu kommen und eine Mitbewohnerin, die nur kurz da sein wird, zu verpassen, laufe ich sogar ein Stück. Lieber verschwitzt ankommen und zeigen, dass ich den WG-Platz wirklich will, als zu spät kommen.

Ich geb‘s ja zu: Ein klein wenig habe ich mich schon um die Wohnungssuche gedrückt. Eigentlich hätte ich viel früher damit anfangen können, mir etwas zu suchen, immerhin kannte ich auch schon vor meiner Ankunft hier in Wien einige Leute. Und es ist ja nicht so, als würde man Wohnungen heutzutage in Zeitungen oder auf schwarzen Brettern suchen. (Obwohl das vielleicht die beste Methode ist, immerhin GIBT es noch Anzeigen auf den schwarzen Brettern dieser Welt!) Ich habe also ein paar FreundInnen angeschrieben, ob sie niemanden kennen würden, der/die einen Mitbewohner aus Luxemburg sucht. Vielleicht würde die Traumimmobilie ja einfach so ohne weiteres Zutun zu mir kommen und ich müsste nur noch „Ja!“ sagen.

Als dann nach und nach klar wurde, dass dem wohl nicht so sein würde, sah ich mir einige Mitbewohner-Gesuche im Internet an, schrieb Dutzende Mails, von denen nur die wenigsten beantwortet wurden und buchte einen Flug nach Wien. Vier Tage gab ich mir Zeit vor Ort, eine Wohnung oder eine WG zu finden. Währenddessen würde ich bei einem Kumpel unterkommen.

Fünf Minuten nachdem ich den Flug gebucht hatte, schrieb mich eine Freundin aus Wien an und fragte, ob ich nicht zusammen mit ihr in eine WG ziehen wollte. Natürlich wollte ich. Das Problem war nur: Für die WG gab es noch keine Wohnung. Schlagartig änderten sich also meine Suchkriterien von „Ich will ein Zimmer, möglichst abschließbar“ zu „eine Wohnung mit drei getrennt begehbaren Zimmern in guter Lage“. Vor allem die drei getrennt begehbaren Zimmer sind in Wien schwierig. Es scheint früher durchaus gang und gäbe gewesen zu sein, Leute in Durchgangszimmern einzuquartieren. Was natürlich blöd ist, denn solche Zimmer muss man immer aufgeräumt und sauber halten, Freundinnen und Drogen sind möglichst unauffällig zu platzieren. Will sagen: Nichts für Studierende.

Weil die Aussicht auf einen Fund nicht so gut aussah und obwohl ich mich ziemlich daran klammerte, besuchte ich zwei WGs, die MitbewohnerInnen suchten. Auf dem Weg zur ersten Wohnung erzählte mir mein Kumpel, der mich zwecks Ortsfindung begleitete, dass Hitler, der ja auch irgendwann in Wien eine Wohnung gesucht hätte, bei der Wohnungssuche einer eventuellen Vermieterin wohl so sehr gefallen hätte, dass diese ihren Bademantel absichtlich fallen gelassen hätte. Wie hätte sich die Geschichte wohl verändert, wäre er nicht mit hochrotem Kopf aus dem Haus gerannt?

Bei meinem Besuch in der Sechser-WG gehen mir ganz andere Dinge durch den Kopf. Zum Beispiel, dass es eine ziemlich dumme Idee war, sich nur zwei WGs anzusehen und zu hoffen, dass eine geeignete Wohnung für die geplante WG-Gründung vom Himmel fallen würde. Ich habe gerade eine Absage für die andere Wohnung, die ich mir angesehen habe, bekommen. Die hätte etwas weniger gut gelegen, das Zimmer wäre aber größer gewesen. Dieses „Bewerbungsgespräch“ war also quasi meine letzte Chance, sollte ich doch am nächsten Tag wieder nach Hause fliegen. Es ist teilweise sehr verwirrend, in einer Großstadt, die man nicht wirklich kennt, eine Wohnung zu suchen. Zum Glück ist Wien in Bezirke eingeteilt, was sie Suche ein wenig erleichtert, vor allem, da es offenbar einige „Bad Bezirke“ (analog zu der „Bad Bank“) gibt, in denen man sich keine Wohnung suchen sollte. Außerdem kann man die Bezirke des historischen Stadtzentrums gleich mal weglassen, es sei denn, man hat im Lotto gewonnen. Gut, dass ich einen Menschen zur Seite hatte, der vor einem halben Jahr das gleiche Problem gehabt hatte und die Tücken des Wiener Wohnungsmarktes recht gut kannte.

Ich unterhalte mich also mit der Mitbewohnerin, halte zum gefühlten millionsten Mal ein Spontanreferat über Luxemburg und versuche wie ein guter WG-Mensch zu wirken, obwohl ich eigentlich überhaupt nicht weiß, wie das in einer WG so wirklich vor sich geht. Immerhin kann ich als erstes von fünf Kindern behaupten, ich wüsste, wie es ist, in einem Haushalt mit mehreren Personen zu leben. Jan, dessen Platz ich haben soll (das mit dem Zimmer ist nochmal komplizierter), bietet mir nach der ersten 0,5 l-Dose Bier ein merkwürdiges Getränk an, das, Zitat eines Mitbewohners, schmeckt „als ob man eine Distel“ trinkt. Und ein klein wenig wie „Tegel“, ein Gel, das in meiner Familie als Wunderwaffe gegen jede Art von kleinen Entzündungen im Mund verwendet wird.

Nach einiger Zeit ist das Gespräch beendet, ich achte darauf, mein Glas selbst zum Spülstein zu bringen und werde mit der Ankündigung, das Gitter zum Innenhof sei nun sicherlich zu und ich müsste wohl darüber klettern, verabschiedet.

Nachdem ich über das sicherlich zwei Meter hohe Gitter geklettert bin, was ich wahrscheinlich nur wegen des Alkohol in meinem Blut schaffe, laufe ich an einem Elektrofachgeschäft vorbei: „Nur Miele, Miele, sagte Tante, die alle Waschmaschinen kannte“ steht dort im Schaufenster. Ich muss grinsen und torkele zurück zu der Geburtstagsfeier, von der ich gekommen war.

Am nächsten Tag wache ich verkatert auf, dusche schnell und eile zum Bus, der mich zum Flughafen Bratislava fährt. Dort mahnt mich ein Schild, kein radioaktives Material mit an Bord zu nehmen. Dargestellt ist das radioaktive Material auf dem Schild durch eine Styroporbox, auf der das Radioaktivitätszeichen abgebildet ist. Nach dem kurzen Flug, während dessen ich glücklicherweise fast die ganze Zeit schlafe, mache ich mir bei meiner Ankunft in Hahn ernsthaft Sorgen. Was, wenn ich den Platz in der WG nicht bekomme? Wie soll ich von Luxemburg aus eine Wohnung finden?

Irgendwo zwischen Hahn und Luxemburg ruft mich Jan an und sagt mir, dass ich in die Wohnung einziehen darf. Ich mache einen Luftsprung. Nur innerlich, da ich ja in einem Auto sitze und angeschnallt bin und ich die Fahrsicherheit nicht beeinträchtigen will.

Zu Hause wartet eine Email mit einem weiteren Angebot für eine WG auf mich.

photo cc by problemkind

Fric Machine

Queesch20_Cover

Die neuste Ausgabe des Queesch-Magazins ist da. Diesmal geht es, kaum verwunderlich angesichts der Krise, um das Thema „Fric Machine“, was übersetzt ungefähr so viel bedeutet wie „Geld-Machine“. Im Dossier geht es also vor allem um Geld, Kapitalismus, Krise und verwandte Themen. Im normalen Magazinteil gibt es Film- und Musikreviews, Neuigkeiten aus aller Welt, vegane Rezepte und Poesie. Diesmal gibt es auch wieder eine CD mit Musik luxemburger Bands.

Das Heft kostet 5 €, was für ein Magazin, das vier Mal im Jahr erscheint, meines Erachtens nicht zu viel ist. Bestellen oder abonieren kann man die Queesch online. Ach, und es sind Artikel von mir darin zu finden, falls das jemand besonders motiviert, ein Heft zu kaufen.