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Ein erstaunlich kleiner Weltuntergang

Als ich mal meine Schlüssel vergaß

Ein alter Schlüssel an einer Schnur vor einem Karton.

„Es musste ja einmal so kommen!“, denke ich und setze mich ins Café am Ende der Straße. Seit ich mit 16 das erste Mal zwei Wochen alleine zu Hause war, während meine Familie in Urlaub gefahren ist, hatte ich diese Angst, meinen Schlüssel zu vergessen. Was vor allem daran lag, dass wir eine Tür hatten, die „ins Schloss“ fiel und die wenig Spielraum für Fehler zuließ. Das Haus, in dem ich jetzt wohne, hat eine ähnliche Tür, die Angst war aber nicht mehr so groß. Ich habe mir einfach über die Jahre angewöhnt, vor dem Verlassen des Hauses nachzufühlen, ob ich meinen Schlüssel eh habe.

Auf der Arbeit ist einfach: Wir schließen die Räume zur Redaktion beim Verlassen immer ab, dafür brauche ich einen Schlüssel, also habe ich den dabei. Heute bin ich zeitgleich mit einer Arbeitskollegin raus – und prompt habe ich meinen Schlüssel im Büro liegen gelassen. Zum Glück gibt es bei uns in der Straße ein Café, in dem ich im Warmen warten kann, bis eine der Personen, mit der ich das Haus teile, zu Hause ist. Alles also nicht so schlimm. Gebraucht hätte ich aber weder den Schreckmoment, noch die Wartezeit, die sich wenig angenehm gestaltet (es ist laut und eher ungemütlich). Natürlich überlege ich jetzt auch, ob die Schlüssel nicht verlorengegangen sein könnten und ob sie wirklich da liegen, wo ich vermute, dass sie liegen. Aber ich bin mir sicher. Ich weiß, wann ich sie zuletzt hatte und ich weiß, dass ich das Büro einen Ticken zu schnell verlassen habe.

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