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Der Junge und die Bombe

Es war einfach gewesen, lächerlich einfach sogar. Eine Atombombe in Russland kaufen. Das klang so aberwitzig und unrealistisch, dass er es selbst immer noch nicht glauben konnte. Eigentlich sollte es nur der Test sein, ob sowas wirklich möglich war, aus einer Laune heraus. Immer wurde davon geredet, dass man angeblich alte Atombomben kaufen konnte, von korrupten Generälen oder Aufsehern von beinahe aufgegebenen und damit chronisch unterbesetzten ehemaligen sowjetischen Militärbasen.
Aber die Zeit, als die Bomben chromglänzend Richtung USA gezeigt hatten, waren lange vorbei. Viele der alten Trägerrakten waren mittlerweile verrostet – weil nicht aus Chrom, sondern aus poliertem Stahl. Den Leuten ging es schlecht, so weitab von Moskau, wo sich niemand darum scherte, was aus den alten Basen wurde, die einst der Stolz der Union gewesen waren – auf jeden Fall hatte man das den Menschen damals weisgemacht.

In einem versifften und super hässlichen Plattenbau hatte er den Aufseher in seiner Wohnung besucht. Merkwürdig hatte es gerochen. Nach Kohlsuppe. Obwohl er nicht genau gewusst hatte, wie Kohlsuppe riecht, hatte er den Geruch sofort erkannt. Wieso aßen Menschen Kohlsuppe, wo man doch immer nur von den russischen Kartoffeln hörte? Oder gingen die alle für den Wodka drauf? Das waren die Fragen, die in seinem Kopf herumschwirrten, als er an dem kargen Esstisch aus Kunststoff Platz genommen hatte.
Der Aufseher hatte eine dreistellige Summe genannt. Er wollte Euro, aus welchem Grund auch immer. Währungsumrechnungen und Wechselkurse waren noch immer eine merkwürdige Wissenschaft gewesen, bei der man besser einfach so machte, wie die Leute einem sagten.

Es wirkte immer noch unglaublich, aber wenn es tatsächlich funktionieren würde, wenn man tatsächlich eine alte Atombombe aus Sowjetzeiten einfach so kaufen konnte, dann war das eine so großartig verrückte Sache, dass man sie einfach tun musste. Wie hätte man so eine Gelegenheit nicht ergreifen können?

Nach der Zahlung waren nur noch einige Bestechungsgelder sowie einige Flaschen teuren Wodkas nötig gewesen, um die spärliche Mannschaft der Basis, irgendwo in der bitterkalten Einsamkeit Sibiriens, dazu zu bewegen, ihm die Bombe nicht nur zu verkaufen, sondern auch auf seinen Lastwagen zu laden.

Die Grenzübergänge waren harmlos gewesen. Ein paar Euroscheine und ein ordnungsgemäß ausgefüllter Frachtschein überzeugte die Zöllner, ihn ohne Durchsuchung fahren zu lassen. An der luxemburgischen Grenze hatte er nicht einmal stehen bleiben müssen, Schengen sei Dank.

(wird eventuell fortgesetzt…)