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Hypolimnion

photo cc by Jamison Young

Olivette klopfte leise gegen die Wände des Ungeheuers, das sie verschlungen hatte. Dumpf und hohl klang das stählerne Skelett.
Das U-Boot im Hypolimnion. Sie war müde. Es war dunkel, doch die Bilder vor ihrem inneren Auge waren taghell. Hellbraune Strudel in der Teetasse, während sich im Hintergrund mehrere Dimensionen der Raumzeit zu einer komplizierten Origamifigur zusammenfalteten.
Eben noch rot glühende Visionen von wildem Sex unter der Frühlingssonne, jetzt auf dem Grund des Sees.
Das einzige Geräusch das Trommeln des Detritus auf der Oberfläche des Bootes, zugleich Dach und Horizont, Trennwand und Lautsprechermembran.
Der ständige Leichenregen im See.

Sie hatte das Gefühl, ständig einatmen zu müssen. Lang und schwer war ihr Atmen. Wie das Stöhnen eines gigantischen Urtieres kam er ihr vor. War sie krank? Ihre Augenlider wurden schwer und obwohl sie mit aller Kraft versuchte, dagegen an zu kämpfen, musste sie ihre Augen für ein paar Sekunden schließen.

Als ob das in diesem Dämmerlicht der Armaturen und Instrumente, die niemand verstand, einen Unterschied machen würde. Alles kippte nach vorne. Horizontale Streifen. Die Schwerkraft setzte nur verzögert ein.
Keine Alarmsirenen.
Kein Ton außer dem vertrauten Trommeln.

Eine Zeitreise durch die Fließgewässermorphologie.
Alle Flüsse münden ins Meer. Oder in einen See. Oder sie trocknen aus, auf der Suche nach Auen, Alt- und Totarmen, in denen die allgegenwärtige Verwesung nur langsam voranschreitet, modrig im feuchten Sonnenlicht des Spätsommers.

Kein Sonnenstrahl erreicht je das Hypolimnion.