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Blauer Sonntag

Und wenn es nur das Gefühl war, dass ich vermisste? Vermisse.

Vermisse, während ich durch den Augarten laufe. Der Augarten mit seinen Kastanienalleen, gerade angeordnet, Grünfläche, Kiesweg, Grünfläche, Kiesweg, Grünfläche, Kiesweg. Und trotzdem kommen die Hippies mit ihren Hängematten und Slacklines daher. Und feiern Kindergeburtstage. Drei Kindergeburtstage zähle ich, während ich unter den schattigen Kastanien schlendere. Und denke laut, dass das wohl eine gute Metapher für Wien sei. Diese Gegensätze. Das Wegenetz aus dem Geometrielehrbuch, die Hippies und Kindergeburtstage und die großen Flaktürme aus braunem Nazibeton.

An diesem schönen blauen Sonntag bin ich mir sicher, dass ich nur ein Gefühl vermisse. Es ist doch fast egal, neben wem du aufwachst, so lange du dich wohl fühlst. Geborgenheit lässt sich leicht reproduzieren. Peer-to-Peer, sozusagen.

Ob Gefühl oder Mensch: Was bleibt, ist das vermissen.
Am Abend platzt die Bombe und ich fürchte kurz, mich in den Schlaf weinen zu müssen.

photo cc by fortysix_vie

Sternenstaub regnet auf uns herab, unablässig

Dies sind die ruhigen Wochenenden am Anfang des Jahres, die ich nie vermisst habe, aber insgeheim gespürt habe, dass ich sie brauche. Ich vermisse L. unglaublich. Wieder, ohne es zu bemerken.
Ich sehe es nur in momenten, als ob meine Vergangenheit sich in kleine Puzzelteile versprengt hätte und ich mich nun auf die Suche nach ihnen machen müsste.
Damals wusste ich nicht, welche Tragweite ein einfacherer Spaziergang hatte. Und genausowenig wissen wir, welche Auswirkungen einfache Sätze von uns haben können.

Mir fehlt irgendwas. Und ich meine nicht nur, dass ich gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe bin – mein Hals kratzt mal wieder ganz fürchterlich, es fehlt auch noch irgendetwas anderes. Eine Art innere Ruhe, die nicht da ist.
Ich kann mir teilweise vorstellen, woran es liegt. Ich vermisse ein klares, gutes Gespräch, ich brauche frische Luft, den Boden unter meinen Füßen und Bewegung. Und wenn es nur eine Zugfahrt ist.
(Meine letzte war am Mittwoch.)

Ich hasse dieses Kranksein. Ich war produktiv, klar, aber es hat sich nicht „gut“ angefühlt. Schlussendlich hat sich alles sehr sehr langsam abgespielt. Und jetzt bin ich schon wieder müde und möchte mich am liebsten ins Bett legen und schlafen, um alles zu vergessen.

Angst und Schrecken gibt es wohl erst morgen wieder.